Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

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Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon Wauschi » Mi 03 Mai, 2017 12:09

Mir geht eine Überlegung seit einiger Zeit durch den Kopf, über die ich mal "quasseln" wollte.

Angenommen ich habe einen perfekt planen Bremsbelag der Größe X, sagen wir 10mm x 10mm.
Wenn ich mit definiertem Bremsdruck bremse, bewirkt diese Bremsbelagfläche eine gewisse Verzögerung.

Wenn ich die Fläche, sagen wir um 10%, vergrößere, wird die Verzögerung mit gleichem Bremsdruck mehr oder weniger?

:gruebel:
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon gatsch.hupfa » Mi 03 Mai, 2017 12:18

Wird gleich bleiben.

Bei Verkleinerung: Du hast halt weniger Wärmeaufnahmekapazität und Wärmeableitung, kommst halt früher in den thermisch kritischen Bereich.

Könnte mir vorstellen, bei extremer Anwendung, sagen wir bei Reduktion um 80 % , dass da auch der Belag vom Gefüge her instabil wird.

Bei weiterer Reduktion kommst halt bald in die Löcher von der Bremsscheibe, dann wirds interessant ... :-D
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon Wauschi » Mi 03 Mai, 2017 12:20

Hintergrund meiner Frage:
Jedes mal wenn ich mit meine alten Kisten zur Überprüfung fahre, muss ich mir anhören, dass ich die Bremsscheiben, wegen der tiefen Rillen tauschen muss.
Jedoch konnte mir noch nie jemand eine Erklärung dafür liefern. ("Weil es im Gesetz steht" ist für mich keine physikalische Erklärung!)

Eine plane Fläche hat für mich die Größe X.
Wenn auf dieser Fläche ein Gebirge steht, vergrößert sich doch die Oberfläche.
Größere Oberfläche könnte doch mit besserer Bremswirkung einher gehen?
Oder nicht? Warum nicht?
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon Wauschi » Mi 03 Mai, 2017 12:22

Wird gleich bleiben...
Würde ich auch akzeptieren!
Wenn die Bremswirkung gleich bleibt, warum muss ich dann die Scheiben tauschen? Per Gesetz!
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon fleisspelz » Mi 03 Mai, 2017 12:36

Eine gelochte Scheibe müsste ja demzufolge schlechter bremsen, was sie aber nicht tut.

Ich denke es geht darum, dass an einigen Stellen die Mindeststärke der Bremsscheibe unterschritten wird. Der Hersteller garantiert die Bremswirkung aber nur bis zu einer Mindeststärke von XX mm. Sobald diese - auch nur an einer Stelle - unterschritten wird garantiert der Hersteller die Bremswirkung nicht mehr und damit erlischt die Betriebserlaubnis. Ein Reifen soll ja ebenso gewechselt werden, wenn das Profil rundrum ausreicht, aber an einer Stelle abgefahren ist.
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon Rei97 » Mi 03 Mai, 2017 13:40

Also:
Die Bremswirkung ist nicht von der Fläche abhängig.
Reibkraft ist Normalkraft mal Reibwert.
Der Reibradius spielt dabei natürlich eine Rolle, weil das Bremsmoment bei gleicher Reibkraft davon abhängt.
Die (Rest) Dicke einer Scheibe hat natürlich Einfluss auf die Wärmeaufnahmefähigkeit und damit auf die Bremsleistung unter Temperatur, die bei zu dünner Scheibe wird die Grenztemperatur und damit Fading schneller erreicht. Das will natürlich Keiner. Da viele Rillen(nicht nur Eine durch ein Steinchen) eine nicht messbare Dicke erzeugen, mag das der Prüfer nicht.
Um zum Abschluss noch ein griffiges Beispiel zu geben:
Ein Auto wurde vorne neu mit Scheiben und Belägen aufgebaut.
Dabei gab es einen Fehler in der Logistik.
Rechts kam eine Massivscheibe mit passendem Sattel, links eine belüftete Scheibe mit dem passenden Sattel drauf.
Das fiel im Betrieb niemand auf, auch dem TÜV nicht.
Erst beim Tausch der Scheiben und Beläge nach mehr als 30kkm fiel es der Werkstatt wie Schuppen aus den Haaren.
Natürlich wäre im Betrieb im Gebirge mit Wohnwagen bei Bergabbremsereien die rechte Scheibe früher ans Glühen gekommen, aber wer lässt es mit Wohnwagen bergab schon so knallen, weil die Auflaufbremse als Trommel noch empfindlicher ist.
Regards
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon hiha » Mi 03 Mai, 2017 14:24

Rei97 hat geschrieben:... aber wer lässt es mit Wohnwagen bergab schon so knallen...

Als ich weiland mit dem Radl das Stilfserjoch in Angriff nahm, kam mir an einer der ersten Kehren ein holländischer Volvo mit Klappzeltanhänger entgegen, wo die hellglühenden Scheiben durch die Alufelgen prima rausleuchteten. Der Vollkaaskopp hatte bei der Beragbfahrt den Motor abgeschaltet :ugly:

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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon Dreckbratze » Mi 03 Mai, 2017 14:34

:omg:
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon motorang » Mi 03 Mai, 2017 15:00

Das hat der Herr Hertweck beiläufig auch empfohlen, allerdings mit einem dem Holländer wohl nicht geläufigen Zusatz.
In seinem Werk "Reisen ohne Hotel" schrieb er:

Hertweck-Wohnwagenfahrtechnik.jpg
Hertweck-Wohnwagenfahrtechnik.jpg (126.58 KiB) 257-mal betrachtet


Und 1959, als der Herr Carl das schrieb, war das Stilfser Joch eher noch etwas steiler als zu Hansens Radfahrzeit.
Und die Bremsen deutlich schlechter.

Gryße!
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon Dreckbratze » Mi 03 Mai, 2017 15:15

ist ja recht und gut, aber auch ein paar jahre her. mal abgesehen, dass man heutzutage kaum mit 20 km/h den verkehr aufhalten will, haben die autos heutzutage eine schubabschaltung und verbrauchen im schiebebetrieb nix mehr.
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon fleisspelz » Mi 03 Mai, 2017 15:30

Wenn Du heute mit einem Tabbert Comtesse am Haken und einer Mittelklasselimousine vorne dran mit 20 km/h das Stilfserjoch hinunter fährst, dann wirst Du entweder von einem Südtiroler in den Kerker geworfen oder bekommst von einem deutschen Touristen Hiebe ... :smt005
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon dirk » Mi 03 Mai, 2017 15:32

Nochmal zu den Rillen: Wie sieht es denn mit der Bruchgefahr aus?
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon hiha » Mi 03 Mai, 2017 15:47

Nur wenn die Rillen quer zur Drehrichtung verlaufen.

:weg:

Scherz beiseite: Der Hauptbeanstandungsgrund dürften nicht die Rillen sein, denn davon bricht eine Scheibe nicht, sondern der allgemeine Verschleiß.
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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon Maybach » Mi 03 Mai, 2017 15:57

Servus Wauschi,

miss doch mal die dünnste Stelle und schaue, ob das noch in der Toleranz ist. Wenn dann noch 0,1 mm "zu viel" an Stärke da ist, dann kann man gebrauchte Scheiben prima schleifen lassen.

Gruß

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Re: Bremsbelag-Fläche vs. Bremswirkung

Beitragvon dirk » Mi 03 Mai, 2017 15:57

http://www.ib-brehme.de/Wissen-Dateien/ ... bremse.jpg
Da war die Rille wohl ziemlich tief.
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