Authentic 2017

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Authentic 2017

Beitragvon Bernhard S. » Sa 09 Dez, 2017 23:26

lallemang hat geschrieben:
Bernhard S. hat geschrieben:Ich freu mich, dass ich vom Authentic wieder zurück bin und nur das Zelt zum Teufel gegangen ist.


war scheint's heftig :-D

:popcorn:


Wieder ist ein Jahr vergangen und der Besuch des Authentic in der Auvergne steht an.
Der Internet-Wetterbericht sagt leichten Schneefall für die Gegend voraus, also werfe ich beim Packen auch noch die Schneeketten in die Beiwagenkiste, Gottseidank!
Die Anreise erfolgt wie jedes Jahr mit dem Auto, das bei Freunden in Saints-en-Puisaye stehen bleibt, wo ich mich am Freitag morgen auf das Taxi schwinge um die ca. 320 km bis zum Treffen in Angriff zu nehmen.
Die Fahrt verläuft bei zeitweise leichtem Schneefall problemlos und dank der Materialaufrüstung mit Heizvisier und Superknuffis Harley-Scheibe auch wesentlich komfortabler als in früheren Jahren.
Kurz nach Issoire geht es von der Autobahn ab in die Berge über Ardes sur Couze nach Anzat le Luguet zum Treffpunkt. Am Ortsausgang von Ardes beginnt in diesem Jahr die Schneefahrbahn und es macht einen Heidenspass, die 18 km nach Anzat hochzudriften.
Der Spass wird nur dadurch beeinträchtigt, dass gefühlt hinter jeder zweiten Kurve ein Solofahrer auf der Nase liegt. Irgendwie scheint nach den Erfahrungen der letzten Jahre keiner von den Burschen damit gerechnet zu haben, dass es bei einem Wintertreffen auch mal Schnee haben könnte.
Den Vogel schießt ein Kerl mit einer nagelneuen, Touratec-gerüsteten BMW 1200 GS ab. Als ich ihm das zweite Mal helfe, seinen sauschweren Bock wieder in die Senkrechte zu bringen, erzählt er mir, er hätte da so Schneeketten von Touratec und ob ich meinte, es würde Sinn machen, die zu montieren? :omg: :gnack:
Wie auch immer, ich erreiche die Meldestelle in Anzat, werde von Joelle mit einem Kaffee begrüßt und fahre noch ca. 8 km weiter bis zum Platz, stelle im letzten Tageslicht mein Zelt auf und krieche irgendwann in den Schlafsack.
Ich schlafe hervorragend, muss nur einmal etwas ausziehen, weil mir viel zu warm ist und in halbwachen Phasen bemerke ich, dass der Wind im Lauf der Nacht wohl etwas aufgefrischt hat.

Am Samstag morgen wache ich auf und stelle fest, dass doch ein ziemlich heftiger Wind weht.
Die Blase macht sich bemerkbar, also raus aus dem Schlafsack, Innenzelt aufgemacht...und mich trifft fast der Schlag:
Vorzelt.jpg

Aber trotzdem, raus aus dem Zelt, ich hab es ein bisschen eilig und bin noch nicht ordentlich in den Stiefeln, da erfasst mich eine Windböe und wirft mich auf das Zelt und es bricht eine meiner Zeltstangen.
Dann erst realisiere ich, was los ist. Ein orkanartiger Sturm und so viel Schnee in der Luft, dass man das Gefühl hat kaum atmen zu können.
Ein geschätzes Drittel der Zelte stehen nicht mehr, ein Typ liegt völlig zugeschneit in seinem zerrissenen Innenzelt, das Aussenzelt hat es weggeweht, und wir rufen und schütteln ihn in der Sorge ob er überhaupt noch lebt. Plötzlich bewegt sich der Schneeberg dann doch und er schaut uns völlig verwundert an. Im grossen Festzelt, in dem die Bar untergebracht ist, sind den ganzen Tag 4-5 Mann beschäftigt, zu verhindern, dass das Ding wegfliegt. Teilweise ist so viel Schnee in der Luft, dass ich nicht von meinem Zelt bis zum Barzelt sehe, das nur 20 m entfernt ist.

Wie auch immer, nachdem sich der Wetterbericht im Lauf des Vormittags nicht ändert und diesen Sturm bis wenigstens Sonntag Mittag verspricht, entschliesse ich mich, das Experiment Authentic 2017 abzubrechen, da mir zur Reparatur meiner gebrochenen Zeltstange nichts einfällt, ich mir eine weitere Sturmnacht im halb eingefallenen, zerrissenen Zelt nicht zutraue und eine Übernachtung im Barzelt auch keine Option für mich ist.
Hier komme ich auch mit Werner aus Ludwigshafen und Thorsten (Olli) aus Stade in Kontakt, zwei Tauerntreffen-Veteranen, deren Zelt auch eingestürzt ist und die auch den Platz verlassen wollen.
Von seiten des Veranstalters wird signalisiert, dass die völlig zugewehte und unpassierbare Strasse nach Anzat gegen Mittag freigeräumt wird, also packen wir unsere Sachen, montieren die Schneeketten und halten uns bereit. Nach der Kettenmontage sah ich dann so aus:
Selfie.jpg

Doch der Schneepflugfahrer hat wohl andere Anweisungen, wie und wo zu räumen ist und so dauert es bis 16.30 Uhr bis wir den Platz verlassen können.
In Anzat ist das Schlimmste überstanden und ich verabschiede mich von Joelle, die mir sagt, ich brauche mir hier in Anzat keine Hoffnungen machen, ein Zimmer zu finden.
Werner und Olli wollen einen Freund anrufen, ich missverstehe die beiden, denke, der Freund hätte hier in der Nähe eine Unterkunft und mache mich in der beginnenden Nacht auf den Weg nach Issoire, um mir dort ein ein Hotel zu suchen.
Auf dem Weg nach Ardes stosse ich noch auf andere Abreisende und wir müssen an einer Stelle nochmal eine ganze Weile warten, bis der Schneepflug einen verwehten, unpassierbaren Abschnitt geräumt hat.
Am Ortsausgang von Ardes ist es Zeit, die Ketten abzunehmen, plötzlich sind Olli und Werner wieder neben mir und erzählen mir, dass ihr Freund sich in Issoire einquartiert hat, weil er es am Samstag morgen nicht mehr auf den Berg geschafft hat. Er hat Zimmer für die beiden geordert und wenn ich wollte, solle ich mitkommen.
Wir fahren also die letzten 20 km des Tages, schlüpfen in einem sympathischen Hotel in der Innenstadt unter und bei einem netten Abendessen lerne ich auch Jerry und seine charmante Frau Tessie aus Luxemburg kennen.
Sonntag morgen bin ich schon um 08.00 Uhr auf dem Taxi, um 13.00 Uhr habe ich das Motorrad auf den Anhänger verladen, bin wieder auf dem Weg und krieche nach einem Kurzbesuch bei Schätterle und dem Schmuddligen um 02.30 Uhr am Montag in meine Falle.

Im nachhinein betrachtet, wäre es durchaus möglich gewesen, das Zelt zu reparieren, aber in dem Moment war ich mit der Situation einfach überfordert. Den Sturm hatte ich so nicht auf dem Schirm. Übrigens, Werner meinte, der Sturm am Tauerntreffen 2008 wäre nicht viel schlimmer gewesen.
Natürlich habe ich wieder kaum Fotos gemacht. Der Akku ist zeitig in die Knie gegangen und an ein Aufladen war bei dem Wetter nicht zu denken.
Keker52, der 2012 auch auf dem TT war, hat mir dankenswerter Weise einige Fotos zu Verfügung gestellt, die die Stimmung ganz gut wiedergeben.

©keker52 1.jpg
©keker52
©keker52 2.jpg
©keker52
©keker52 3.jpg
©keker52
©keker52 5.jpg
©keker52
©keker52 4.jpg
©keker52
©keker52 6.jpg
Olli beim Packen ©keker52
©keker52 7.jpg
©keker52
Bernhard S.
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Re: Authentic 2017

Beitragvon Dreckbratze » So 10 Dez, 2017 00:07

fein, das alles gut ausgegangen ist. der (abfall-)haufen zelte auf den vom peter reingestellten bildern spricht bände!
die optimale kurvenlinie ist aussen-innen-aussen und nicht oben-unten-platt...
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Re: Authentic 2017

Beitragvon Bernhard S. » So 10 Dez, 2017 00:14

Dreckbratze hat geschrieben:fein, das alles gut ausgegangen ist. der (abfall-)haufen zelte auf den vom peter reingestellten bildern spricht bände!

nach Aussage von Keker, der beim Aufräumen dabei war, waren es wohl 15 m³. :omg:
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Re: Authentic 2017

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 10 Dez, 2017 00:19

Krass!
Gut das du heil nach Hause gekommen bist. :smt023
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Re: Authentic 2017

Beitragvon hiha » So 10 Dez, 2017 09:14

Schön, die Dünenbildung hinter den Mopeds. Sowas hatte ich mal in Sand, aber wärmer.. :-)
Danke,
Hans
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Re: Authentic 2017

Beitragvon mike58 » So 10 Dez, 2017 10:04

Und der Weihnachtsmann,
und der Amazonen Päckchen Dienst haben wieder mal nicht funktioniert, Hut ab Bernhard. Gs_Fahrer tststsz wahescheinlich hat der Notdienst per Handy nicht geklapptum digital die Ketten auf zu legen, was macht man auch damit.
LG
'Mike
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Re: Authentic 2017

Beitragvon Dreckbratze » So 10 Dez, 2017 10:33

die koffer damit beschweren für mehr grip am hinterrad :smt005
die optimale kurvenlinie ist aussen-innen-aussen und nicht oben-unten-platt...
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Re: Authentic 2017

Beitragvon xs.rüdiger » So 10 Dez, 2017 12:13

hallo Bernhard,
nachdem Ulla den Bericht gesehen hat, war Ihr Kommentar "seid Ihr eigentlich bekloppt?"

Schön, dass Du wohlbehalten wieder Daheim angekommen bist.

herzliche
Grüße, Rüdiger aus MH
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Re: Authentic 2017

Beitragvon kahlgryndiger » So 10 Dez, 2017 13:18

Ein echtes Abenteuer :shock: :smt023
Wie nett dass der Veranstalter auch gleich einen Zelte-Entsorgung-Service anbietet ...
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Re: Authentic 2017

Beitragvon T. » So 10 Dez, 2017 13:48

Schrecklich schön...brrrr!
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Re: Authentic 2017

Beitragvon gatsch.hupfa » So 10 Dez, 2017 14:03

xs.rüdiger hat geschrieben:hallo Bernhard,
nachdem Ulla den Bericht gesehen hat, war Ihr Kommentar "seid Ihr eigentlich bekloppt?"



Claudia hat gemeint: DAS muss man aber SEHR wollen.

Äusserst beeindruckend jedenfalls!
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Re: Authentic 2017

Beitragvon Bernhard S. » So 10 Dez, 2017 14:59

Wenn jetzt da beim einen oder anderen der Eindruck entstanden sein sollte, es sei gefährlich gewesen:
das war es nicht!!
Es war ein Verlassen der Komfortzone unfreiwillig etwas über die selbstgesteckte Grenze hinaus.
Und wenn das Missgeschick mit dem Zelt nicht passiert wäre, hätte ich das ganze Wochenende Spass gehabt.
So bleibt halt ein bisschen ein fades Gefühl, nicht durchgehalten zu haben.
@xs.rüdiger: klar sind wir bekloppt und an ein paar Tagen im Jahr dürfen wir das ausleben, ohne, dass uns die Weiber im Genick hocken.... :weg:
Bestell der Ulla ganz liebe Grüße!
@kahlgryndiger: für uns ungewöhnlich, von meinen Rock-im-Park-, Wacken-, Southside- u.ä. gestählten Kindern höre ich, dass dieser Service mittlerweile wohl leider als normal erachtet wird. Da kommt keiner mehr auf die Idee, sein Zeug mitzunehmen, wenn man es eh entsorgen muss. Das kann ja dann der Veranstalter machen, muss ja eh einen Haufen Müll wegbringen. Da kann er ja auch noch 15 m³ Zelte zusätzlich entsorgen.... :roll:
Bernhard S.
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Re: Authentic 2017

Beitragvon nattes » So 10 Dez, 2017 16:44

Der Hammer!
Da wäre mir bestimmt der A... auf Grundeis gegangen. :oops:

Gruß Norbert
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Re: Authentic 2017

Beitragvon Fränky » So 10 Dez, 2017 18:02

Toller Bericht-danke :grin:
Ciao
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Re: Authentic 2017

Beitragvon Roll » Mo 11 Dez, 2017 17:38

Sehr ehrlich, sehr fein, Top-Bilder!
Ich freu mich, daß Du einfach machst, wo andere noch hirnen...
Sie wollten mich schon gefügig machen mit Fellatio und Absinth, aber ich sagte nein.
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