Einfache Frage zu Griechenland/Euro/Dollar

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Einfache Frage zu Griechenland/Euro/Dollar

Beitragvon motorang » Fr 23 Apr, 2010 06:22

Ich will keinen Politikfred eröffnen, nur was wissen.

Die letzten Jahre über, ausgehend von einem ungefähren Gleichstand Euro-Dollar, wurde in den Medien ansteigend gejammert und vor Gefahren gewarnt weil der Euro ggü dem Dollar immer mehr wert wurde. Europa sei nicht mehr konkurrenzfähig wegen Exportrückgängen etc etc, zum Schluss war 1 Euro etwa 1,50 US$.

Jetzt hamma Griechenland.

Der Euro sinkt.

Täglich Panikmache wo das enden soll.

Mittlerweile ist der Euro "nur" noch 1,32 Dollar wert.

Vor einem Jahr wäre das eine Jubelmeldung wert gewesen. Heute wird ständig das Ende des Euroraumes an die Wand gemalt.

Professionelle Schwarzmalerei durch die Journaille oder was?

Gryße!
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Re: Einfache Frage zu Griechenland/Euro/Dollar

Beitragvon Nanno » Fr 23 Apr, 2010 07:09

motorang hat geschrieben:Professionelle Schwarzmalerei durch die Journaille oder was?


Absolut.

Ich empfehle folgende Vergleichsliteratur (schon gut, wenn die Herzallerliebste WiWi studiert): The peg of the Riyal to the US-Dollar.

Dort handelt es sich zwar um eine erzwungene Inflation, weil die Saudi-Arabische Wirtschaft den Riyal bewusst unterbewertet, da das landeseigene Öl in US-Dollar faktoriert wird, aber anhand von diesem Beispiel kann man erkennen, wie positiv sich eine kontrollierte Abwertung einer Währung auf den internationalen Handel auswirken würde.

Grysze
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Beitragvon hiha » Fr 23 Apr, 2010 07:22

Meinen Gemütszustand stabilisiere ich erfolgreich, durch aktives Ausblenden der Tagespresse.

Gruß
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Beitragvon Blechroller » Fr 23 Apr, 2010 08:01

Es ist recht einfach:
Wirtschaft und damit Währung haben viel mit Subjektivität und Empfindungen zu tun.

Griechenland ist pleite und zwar richtig. Da GR sich vom Euro aus div. Gründen nicht abnabeln kann, wird die Währungsunion GR stützen und zwar auf Teufel komm raus. Das belastet die Währung gesamt, weil es die Länder außerhalb GR belastet. Dadurch dass es diskutiert wird, kommt es in die Medien, die malen (zu Recht) schwarz , was wiederum dazu führt, dass GR und damit der Euro weiter unter Druck kommen. Damit malen die Medien noch schwärzer usw...
Jeder, der nicht bei 3 auf dem Baum ist, also aus griechischen Staatsanleihen raus kommt (und das derzeit mit ca. 30% Verlust) wird über kurz oder lang Verluste buchen müssen. Das hat zwei Folgen; einmal hat GR immer mehr Probleme, sich zu refinanzieren, also wird noch mehr Geld für Zinsdienst aufzuwenden sein. Geld, das das Land nicht hat/einnimmt. Ein Selbstläufer ins Grab, weil die Zeche wird Euroland zahlen müssen. Zum anderen belasten die Abschreibungen bei den Staatsanleihen die Anleger, also die Banken und großen Wirtschaftsunternehmen in der EURO-Zone. Damit werden diese wiederum für Anleger uninteressant und die Anleger gehen in die Dollar-Zone.

Derzeit passt nix Substantielles, um aus dieser Spirale nachhaltig raus zu kommen. Es wird lediglich Baldrian verabreicht, aber keiner der Anleger glaubt das noch.
Jetzt sind wir nur bei GR, aber es gibt noch einige Länder mit ähnlichen Problemen in Euroland und das ist dem Markt bekannt. Die Probleme sind so groß, dass die "besseren" Länder in der EUROzone das nicht mehr auffangen können -> Der Euro kackt ab!
Einziger Vorteil: WENN das produzierende Gewerbe sich weiter finanzieren kann, wird der Export anziehen. Nur hat Dollarland auch kein Geld, die exportierten Waren zu kaufen...

Ich tät sagen: Geld sollte in Ersatzteile und Benzinfässer investiert werden :-D

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Beitragvon Blechroller » Fr 23 Apr, 2010 08:08

Noch was hinterher:

Währungsschwankungen sind nicht soooo schlimm, aber deren Geschindigkeit ist das Problem. Verleirt der Euro zum Dollar 10% - und es ist schon mehr- heißt das für die Währungsverlierer halt 10% weniger währungsbereinigter Umsatz. Da bleibt nix mehr als Gewinn übrig...

Ich habe einen Kunden, der in 2009 ungefähr 10 Mio. € Währungsverluste hinnehmen musst. Das muss man erst mal an anderer Stelle verdienen.

Desterwegen sind diese schnellen Wärhungssprünge giftig.

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Beitragvon mecki » Fr 23 Apr, 2010 19:09

Nun muss ich mal erzählen was für gewaltige Geldtransaktionen mein mir angetrautes Weib verursacht.Vor unserer Eheschliessung war sie Commerzbankkunde und da ist irgendein kleiner Betrag auf einem Sparbuch, das nicht mehr auffindbar und deswegen auch nicht auflösbar ist dort geblieben.Letzte Woche hat sie nun Post bekommen in der drinsteht sie habe drei Cent Zinserträge erwirtschaftet und müsse davon ein Cent Kapitalertragssteuer entrichten. Das ist kein Witz sondern Tatsache. Wir sind übrigens 33 Jahre zusammen. Irgendwo hab ich mal gelesen dass einer der im Jahre 0 einen Cent auf die Bank getragen hätte heute alles Geld der Welt besitzen würde.Vermutlich gab es bei Christi Geburt noch keine Kapitalertragssteuer.

Grüsse Mecki
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Beitragvon Werner » Mi 28 Apr, 2010 07:12

...
Zuletzt geändert von Werner am Do 29 Mai, 2025 11:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon dirk » Mi 28 Apr, 2010 07:34

Überlege doch mal, wo die Griechen Schulden haben...
Und wieviele von den Banken sitzen in D? Die brauchen dann keine direkte Unterstützung, sieht doch viel besser aus, einem Staat zu helfen als einer Bank.
Heute in drei Jahren ist es endlich wieder soweit.
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Beitragvon Robert » Mi 28 Apr, 2010 07:59

Da geht es noch um ganz was anderes als Ratings, Anleger und Zockerei.

Im Vertrag zur Währungsunion steht unter anderem drin, das keines der Euroländer für die Schulden eines anderen Landes aufkommen darf und bestimmte Kennwerte der Staatsverschuldung nicht überschritten werden dürfen.

In dem Moment, wo tatsächlich Geld nach Hellas fließt ist dieser Vertrag Makulatur. Darauf arbeiten einige Länder, die selbst schon krachen wie die Kaisersemmerln, massiv hin.
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Beitragvon fleisspelz » Mi 28 Apr, 2010 08:55

Im Augenblick wird die Frage diskutiert, ob Deutschland 8,5 Milliarden an Griechenland als Kredit zur Verfügung stellt. Da in GR derzeit ca. 8% Zinsen üblich sind macht D ein Vorzugsangebot von 5%, beschafft die Kohle aber für 3%. Es geht also keineswegs um einen selbstlosen Akt der Philantropie. Geld gegen Zinsen verleihen ist auch nirgendwo im EU Vertrag verboten. Zudem ist D der Importeur Nr. 1 in GR. Der größte Teil der Kohle würde also nach D zurückfliessen.
Wenn ich bedenke, wie schnell und unkompliziert die Hilfsmittel in Zig-facher Höhe für die Bankenrettung bereitstanden, und wenn ich die Schulmeisterliche Verweigerungshaltung der deutschen Regierung in Relation setze zu den Kosten und dem politischen Nutzen des Afghanistaneinsatzes der gleichen Regierung, dann könnte ich kotzen.
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Beitragvon Blechroller » Mi 28 Apr, 2010 11:28

Wohl dem, der wie ich, dauernd irgendwelche verschollenen Fremdwährungen wie Lire, Drachmen, gallische Franken usw. in div. Schubladen und Behältnissen meiner Häuslichkeit findet... 8) :roll:

Ich tät mal sagen, mit der üblichen stammtisch- bzw. wahlkampfmotivierten Verzögerung ist seit gestern die EURO-Währungsverbindung Geschichte.
Griechenland ist pleite und wird sich durch Wahlkampfspenden div. europäischer Staaten nicht mehr retten lassen. Portugal ist auch durch.

Interessant wird, ob die 2 fehlenden Buchstaben der PIGS-Staaten, also Spanien und Italien auch noch in den Schweineeimer kommen. Es ist eigentlich schon wurscht, ob Griechenland und Portugal den EURO verlassen, denn man würde mit einem Durchfüttern genauso die EURO-Zone belasten, wie mit der durch ein Verlassen gezeigten Unmöglichkeit, diese Staatshaushalte zu retten. Die Ausbuchung eines Teiles der Forderungen durch Banken, Versicherugnen, Pensionen usw. wird der europäischen Wirtschaft (und den Staatshaushalten) eh den nächsten Hieb auf den Schädel klatschen. Das wird Spanien und Italien killen und damit ist gesamteuropäisch die auf EURO basierende Wirtschaft hinnich...

BTW: Der größte deutsche Gläubiger der Griechen ist m. W. eh der deutsche Staat und zwar schon vor einer potentiellen "Rettungsaktion". Dem Staat gehört die HRE... Ein feiner Spagat zwischen nicht verrecken lassen können, weil das zu viel kostet und nix gegen das Verrecken tuen können, weil sinnfrei und auch kein Geld dazu da. Wenn es keine Lösung gibt, versaubeutelt man noch etwas Marketinggelder und dann wars das.


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Beitragvon Blechroller » Mi 28 Apr, 2010 11:30

Äh Justus,

Verdienen an Zinsen setzt auch vorraus, dass nebem dem nachhaltigen (!) Bedienen des Zinsdienstes auch das Kapital wieder zurück gezahlt wird. Das wird Griechenland nicht können.

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Beitragvon fleisspelz » Mi 28 Apr, 2010 11:49

Blechroller hat geschrieben:Äh Justus,

Verdienen an Zinsen setzt auch vorraus, dass nebem dem nachhaltigen (!) Bedienen des Zinsdienstes auch das Kapital wieder zurück gezahlt wird. Das wird Griechenland nicht können.

OllY

Als ob die Überlegung bei den Milliarden für die Hypo Real Estate eine Rolle gespielt hätte. :roll:
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Beitragvon Blechroller » Mi 28 Apr, 2010 12:12

fleisspelz hat geschrieben:
Als ob die Überlegung bei den Milliarden für die Hypo Real Estate eine Rolle gespielt hätte. :roll:


Haben sie sicher eher weniger. Da ging/geht es nicht darum, Geld zu verleihen, dass man wieder sehen will, sondern darum eine Zerstörung der deutschen/europäischen Bankenwelt und damit den finanzwirtschaftlichen Supergau zu verhindern. Immer daran denken. Banken mögen böse sein und Kleinwilli freut sich ein Schnitzel zwischen die Zähne, wenn die eins über bekommen, aber ohne Banken ist unser Wirtschaftssystem innerhalb kürzester Zeit fertig. Damit auch unser Sozialsystem, die Krankenversicherungen, die Renten, die Hartz4-Zahlungen... Und wir alle müssten dann von den nicht mehr existierenden Sozialsystemen leben. Die Welt ist nicht einfach...


Der Unterschied zwischen HRE und Griechenland/Portugal usw. ist, dass eigentlich jedem klar ist, dass ein "Rettung" nicht möglich ist.
Vereinfacht gesehen, ist ein Rettung der HRE und Rückholung der Milliarden durchaus nicht unmöglich, wenn jemals wieder die Wirtschaft richtig zum Laufen kommen würde.

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Beitragvon fleisspelz » Mi 28 Apr, 2010 12:21

Blechroller hat geschrieben:...
Der Unterschied zwischen HRE und Griechenland/Portugal usw. ist, dass eigentlich jedem klar ist, dass ein "Rettung" nicht möglich ist.
Vereinfacht gesehen, ist ein Rettung der HRE und Rückholung der Milliarden durchaus nicht unmöglich, wenn jemals wieder die Wirtschaft richtig zum Laufen kommen würde.

OllY

Den Unterschied sehe ich nicht, schliesslich ist die HRE die erste BAD-BANK Deutschlands.
Geld zur Rettung von irgendwas bereitzustellen ist eine politische Entscheidung. Da traue ich derzeit der griechischen Regierung mehr, als manch einem Bankenmanager. Die sind leider nicht alle so wie Du, Olly. Weisst du eh selbst.....
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