@ Justus: Das ist einer der richtigen Einwendungen; vielleicht nicht hier bei GR, aber allgemein schon. Mir kann keiner erzählen, dass eine privatwirtschaftlich tätige Ratinglotterie, die bei sämtlichen Banken des anglo-amerikanischen Wirtschaftsraums tätig ist und fett verdient, deren Konkurrenz in Europa genauso (das Wort objektiv lass ich jetzt mal weg) prüft, wie in Amiland. Wie "gut" und "objektiv" die Jungs die Ratings auswürfeln, hat man ja bei der Bewertung der Schundpapierchen gesehen...
Bei den Staatsratings hauen sie aber nicht so wahnsinnig neben die Spur, denn die Prokopfverschuldung ist wenig objektiv. Es ist die Relation von Staatsverschuldung und daraus folgendem Kapitaldienst zu den Einnahmen des Staates. Und bei den Einnahmen krankt es in Hellas ganz mächtig. Steuern zahlen hat sich noch nicht als Volkssport herumgesprochen und wenn 30% der Arbeitnehmer mehr oder weniger direkt vom Staat entlohnt werden und die Rente ab 40 eher Realität als Ausnahme ist, krankt es halt mal ganz grundsätzlich auf der Einnahmeseite, korrigiert um Ausgaben vor Kapitaldienst. GR ist fertig, weil sie den Kapitaldienst, den sie jahrelang versteckt nur noch fremdfinanziert zahlen konnten, einfach nicht aufbringen. Die dazu erforderlichen Strukturänderungen brauchen Jahre um sie cashwirksam umzusetzen und dabei sollte die Bevölkerung nicht verhungern. Die notwendigen Änderungen der Einnahmeseite und Streichung auf der Ausgabenseite ist schlicht nicht durch- und umsetzbar.
Da trifft die Ratinglotterie schon ins Ziel.
@ Robert:
Weniger Fremdkapitaleinsatz würde höhere Gewinne bedeuten
Eben genau nicht. Grubenhund
Ganz stark vereinfachtes Beispiel:
Du hast 100 Euro EK und machst damit ein Geschäft, dass dir 200 einbringt. Macht 100 Rohgewinn, weil (vermeintlich) keine Kapitalkosten. Also 100% Gewinn
Du hast 1.000 Euro und machst 10 Geschäfte mit 100 EK, die dir jeweils 200 einbringen sollen. Ein Geschäft geht den Bach runter und du verlierst das EK bei diesem Geschäft. Macht 900 Gewinn und 100 € Kosten (EK-Verlust).Damit bereinigter Gewinn also 800 also "nur" 80% Gewinn.
Du machst das selbe Geschäft, bringst aber nur 10% EK und 90% bringt die Bank, die dich, weil das Geschäft 1 Jahr läuft 5% Zinsen kosten. Das Geschäftsergebnis:
900 über vor Verlustrechnung und Zins. 10 Verlust EK, 45 Zins; Gewinn also 845 €, also 84,5% Gewinn. Weil du nur 10% deines Geldes (EK) eingesetzt hast, kannst du den Rest deines EK zusammen mit dem Geld der Bank (FK) für weitere Geschäfte mit ähnlicher Gewinnmöglichkeit nutzen. Du kannst also aus deinen 1.000€ mit Hilfe der Bank den 9fachen Gewinn erwirtschaften, also 7.605 €.
Das war jetzt stark vereinfacht, weil es nicht berücksichtigt, dass du im Idealfall als "kleiner Kunde" der Bank ihr verlorenes Geld auch zurückzahlen musst. Aber auch dann rechnet es sich, denn du schuldest der Bank beim Ausgangsfall noch die 90 FK-Verlust, das Geschäft bringt dir unterm Strich also nur 755. Aber du kannst ja das Geschäft noch 9x machen, also holst du aus deinen 1.000 gesamt 7.550 € raus.
An deinem Spruch ist natürlich auch Wahrheit, weil es einfach Geschäfte gibt, für die du von der Bank wegen des Risikos kein Geld bekommst. Bei solchen Geschädften musst du aber mehr verdienen, weil du unterm Strich auch in der Gesamtbetrachtung aller deiner Geschäfte mit EK die Verluste aus dem höheren Risiko decken musst. Und genau das spiegelt der Zins, also die Kosten für das Kapital.
Risikoarmes Geschäft mit FK mach vielleicht 5% Zins, risikoreiches mit EK-gkleichem Geld kostet dann aber geschwind mal 15 bis 20% Zins. Da geht es nicht darum mit 15 oder 20% eine Notlage auszunutzen, weil "der braucht ja das Geld", sondern darum, dass dir derjeinige, der dir Geld als EK-Ersatz gibt, auch das potentielle Risiko trägt, dass die Sache den Bach runter geht. Das Risiko muss er verdienen.
Wie wurden eigentlich Geschäfte und Firmen gegründet? Es ist selten, dass Heinz Müller heute nach seiner Ausbildung 1 Mio. im Stra0engraben findet und damit seinen neuen, tollen Motorradladen eröffnet.
Nein, Heinz Müller, der ein toller Betreiber eines Motorradladens ist, braucht erst mal Geld, um die Motorräder zu kaufen, die er dann verkaufen wird um mit dem Veräußerungserlös seine Kredite für den Ankauf der Mopetten, seine Angestellten und den Grafiker zu bezahlen, der ihm die Werbung macht. Gibt ihm keiner Geld, werkelt Heinz Müller weiter als Angestellter ohne Personal und ohne Grafiker. Daher sollte auch der Grafiker Interesse daran haben, dass Heinz Müller zu einer Bank gehen kann, um sich für die Gründung seines Geschäftes Geld zu leihen.
Natürlich gibt es Banken, die nicht an Heinz Müllers Idee glauben und ihm kein Geld geben. Da flucht der Heinz und auch der Grafiker über die bösen Banken. Geben die Bank das Geld allerdings an viel, viele andere Heinze und es gibt viele, viele Grafiker die für die Heinze selbigen machen und plötzlich platzen viele, viele Heinze, weil Motorräder unverkäuflich werden, freuen sich Heinz und der Grafiker, dass die bösen Banken aufs Maul gefallen sind, weil die haben ja nur "gezockt" mit den Heinzen.
Die Welt ist nie einfach, nie gerecht, aber subjektiv.
ich gebe dir recht, dass unser Steuersystem und andere Anreize die Flucht ins FK begünstigt haben und auch deswegen die EK-AUsstattung der Unternehmen so mies ist. Dass die Unternmehem aber künftig mehr EK brauchen werden, wissen die seit 10 Jahren (Basel II), aber das würde ja die schönen Gewinne aus den FK-Geschäften gefährden. Unternehmen sind nicht besser als Banken; die ticken in der Wirtschaft alle gleich.
Und Risikobewertungen machen die Banken nicht aus Jux und Dollerei bei "Kleinkrediten", sondern weil das der Gesetzgeber so will. Diese Risikobewertungen bei "Kleinkrediten" kosten die Bank mehr, als der statistische Verlust bei solchen Krediten, aber der Gesetzgeber will es so...
Dass die Banken derzeit kein Geld raus rücken, liegt nicht zwingend daran, dass sie keins haben, denn auch durch die staatliche Stützung ist ausreichend "EK" in der Bank. Nein, Brüssel will es so, denn die staatlichen subventionierten Banken müssen lt. Brüssel kleiner werden, also Bilanzsumme abbauen. Das heißt nicht nur keine Neukredite, sondern das heißt, dass Kunden Kredite zurückzahlen müssen, die das so nie in der Zeit geplant hatten.
OllY