Einfache Frage zu Griechenland/Euro/Dollar

Hier kann man auch als Gast schreiben. Anonyme Beiträge sind möglich, aber nicht erwünscht, man sollte wenigstens seinen Namen drunter setzen.

Beitragvon Blechroller » Mi 28 Apr, 2010 13:03

Ich glaube, um Vertrauen in (Bank-)Manager richtig beurteilen zu können, müsste man mehr über ihren Job wissen. Vereinfacht bedeutet der Job nichts anderes, als das Hinterherhecheln von Trends, deren Richtigkeit nicht zu hinterfragen ist. Klar gibts da Saftsäcke in diesem Metier, aber auch nicht mehr oder weniger als woanders. Interessant ist eigentlich immer, wie weit da direkt eine Einflussnahme durch die Politik erfolgt(e?) und wie von der Politik bewußt Rahmenbedingungen geschaffen wurden, die alles Mögliche zulassen.
Insofern ist Wirtschaft kein Excel gesteuertes Handeln, sondern immer Politik. Der (Bank-)Manager ist genau so Sklave der Interessen seiner Anteilseigner wie der griechische Chef Sklave seiner Wähler und Lobbyisten ist. Das System hinter Bankenbankrott und Staatsbankrott ist das gleiche. Und die HRE taugt als Beispiel verdammt wenig oder verdammt viel für dieses System. Die HRE hat im Management einen "kleine" Fehler gemacht, um in einem beschissenen Geschäftsfeld überhaupt etwas verdienen zu können. Das Geschäftsfeld war beschissen, weil die öffentliche Hand Hauptkunde war. Der Knickbruch erfolgte wegen einer in der Dramatik nicht absehbaren Krise UND wegen der Politik, die die Bank genau so, wie das derzeit in Griechenland erfolgt, am Abgrund den Schups gegeben hat. Ursache für HRE, die Finanz- und Wirtschaftskrise und den Staatsbankrott: Zu billiges Geld und das kam noch gleich woher?
Ich teile des Kahlgryndigen Ansichten zur Qualität überseeischer Arbeitsweise.

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Beitragvon Werner » Mi 28 Apr, 2010 16:47

Gruß
Zuletzt geändert von Werner am Do 29 Mai, 2025 11:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Robert » Mi 28 Apr, 2010 16:58

Olly, Deine Sichtweise ist berufsbedingt :-D

Wir können uns also aussuchen, ob wir die Milliarden gleich in ein hellenisches Fass ohne Boden werfen oder die Banken stützen - jeweils ohne Aussicht auf Rückzahlung. Die 2. Lösung ist aber die unendlich teurere. Sie nimmt nämlich kein Ende.

Was schätzt Du, wieviele Banken bereits bei den portugiesischen Anleihen in den Startlöchern stehen? Alle? Ist ja eh überhaupt kein Risiko... die Verluste werden doch über die Bankenstützung vom Steuerzahler gedeckt.

Das Argument, Banken seien zur Erhaltung der Finanzwirtschaft nötig halte ich für etwas schwach. Sie zerstören nachhaltig deren Grundlagen...

Ein solchermassen geschwächter Euro ist ja praktisch. Damit können wir den Amis mehr Waren andrehen. Nur der Urlaub in Amerika wird teurer. Blöd nur, das die dort finanzpolitisch genauso dumm wie wir sind. Und daran sind ausnahmsweise nicht die so gerne als Ausrede benutzten Politiker schuld. Is also nix mit billiger Ware aus Ol Europe - sie können sie schlicht nicht bezahlen.

Bald sind wir wieder beim Tauschhandel angelangt. :-D


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Beitragvon Blechroller » Mi 28 Apr, 2010 23:36

Robert hat geschrieben:Olly, Deine Sichtweise ist berufsbedingt :-D

Wir können uns also aussuchen, ob wir die Milliarden gleich in ein hellenisches Fass ohne Boden werfen oder die Banken stützen - jeweils ohne Aussicht auf Rückzahlung. Die 2. Lösung ist aber die unendlich teurere. Sie nimmt nämlich kein Ende.


Da bin ich mir aber recht sicher, dass dem nicht so ist. Ich habe vielleicht berufsbedingt eine etwas "tiefere" Einsicht, aber ich bin nicht berufsblind.
Hellas halte ich für ein Fass ohne Boden, weil Hellas es nicht schaffen wird, den "turn-around" zu schaffen, was ich den Leuten da sicher nicht vorwerfen kann. Wer von uns kann es sich dauerhaft leisten, auf 30 oder mehr % seiner Einkünfte zu verzichten und gleichzeitig so was bis dato unbekannte wie Steuern zu zahlen. Das halbiert mal geschwind die Geldmenge in jedem Geldbeutel auf die Hälfte; genau die Hälfte, die der Staat brauchen wird, um seine Schulden zu zahlen.

Der Ansatz bei der "2 Lösung" halte ich für einfach, naheliegend, aber leider falsch. Dazu unten.

Was schätzt Du, wieviele Banken bereits bei den portugiesischen Anleihen in den Startlöchern stehen? Alle? Ist ja eh überhaupt kein Risiko... die Verluste werden doch über die Bankenstützung vom Steuerzahler gedeckt.


Da ist schon der erste Denkfehler. Seit Monaten versuchen alle Geschäftsbanken aus diesen Anleihen raus zu kommen. Die Geschäftsbanken, nicht die Investmentbanken, die zocken noch rum; führend die Deutsche Bank... Keine der Geschäftsbanekn hat Bock auf Ausfälle und da wird auch keiner bewußt auf Konten der Stuerzahler zocken. Die Zeit der Geldschwemme ist eh vorbei und hat ganz andere Ursachen. Raus aus dem Risiko ist schon lange die Devise und das nicht nur wegen dem Stuerzahler, sondern aus Eigennutz. Die Banken stehen mit dem Rücken an der Wand und ruhen sich nicht auf dem Steuerzahler aus. Der Stuerzahler war eh nie die Option, sondern die hilfreiche Hand in der Not, die sehr, sehr teuer (nicht nur finanziell) bezahlt werden muss. Mein Arbeitgeber hat dem Steuerzahler 1/3 seiner Mitarbeiter geopfert und kann nur noch mit Handbremse agieren und das auf Jahre. Pech der Bank, aber zu Lasten der Bankkunden, denn die werden noch reichlich spüren, dass Kredite nur noch an den gehen, der eh keine braucht.

Das Argument, Banken seien zur Erhaltung der Finanzwirtschaft nötig halte ich für etwas schwach. Sie zerstören nachhaltig deren Grundlagen...
Kann man so sehen, aber dann würd ich mal über den Daumen mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze streichen; nicht in der Finanzwirtschaft, sondern gemein.
Wenn du für einen Katalog arbeitest, wird eine Bank deinem Auftraggeber das Geld für dich finanzieren, bis die Produkte verkauft sind, die den Kredit zurück führen.
Oder einfacher: Fremdkapital kostet im Schnitt 5 bis 7%. Eigenkapital sollte aber etwas mehr abwerfen, weil es das originäre Risiko mitfinanzieren muss, dass eine Geschäftsidee in die Byx geht. Das kann sich niemand auf Dauer leisten, denn Ek ist ein knappes Gut und das setzt man dort ein, wo Banken nicht mehr mitgehen. Für den Rest gibt es Banken. Nimmt amn das Geld der Banken (die sich das auch nur leihen) aus dem Markt, ist die Wirtschaft (und 99% der Staaten) am Ende.
Oder noch anders: Du hast eine Geschäftsidee, die besser ist, als bisherige Ideen (besser ist der Motor der Wirtschaft). Du hast nur kein Geld für deine Idee. Ohne Banken kannst du deine Idee nicht mit einem Faktor X an Geldmehrung über das geliehene Geld und den Zins dafür hinaus umsetzen. Du kannst kannst keine Angestellten einstellen und hast selbst nix auf dem Brot.
Ich hab einen Kunden, der über 500 Leute beschäftigt. Sein Problem (und das der 500 Leute) ist, dass er Geld braucht für eine neue Idee. Das bekommt er ohne Banken nicht, obwohl seine Idee gut ist.

Ein solchermassen geschwächter Euro ist ja praktisch. Damit können wir den Amis mehr Waren andrehen. Nur der Urlaub in Amerika wird teurer. Blöd nur, das die dort finanzpolitisch genauso dumm wie wir sind. Und daran sind ausnahmsweise nicht die so gerne als Ausrede benutzten Politiker schuld. Is also nix mit billiger Ware aus Ol Europe - sie können sie schlicht nicht bezahlen.

Und warum können sie die Ware nicht bezahlen? Weil keiner Geld in die Wirtschaft steckt, um Gewinne zu machen, die Löhne bezahlen.



Bald sind wir wieder beim Tauschhandel angelangt. :-D


Jo, nur will der Bauer auch für 5 Eier so viel Schuhsohlen, dass er 2 nach seinem Eigenbedarf übrig hat, um ein Huhn für das 6. Ei einzutauschen.


Ich will wieder meine Schilling zurück haben ... oder wenigstens Muscheln
Bei der DMark wäre ich mit so einer Aussage vorsichtig, beim Schilling bin ich mir sicher, dass du das sicher nicht wirklich wollen werden wirst. Das hat nix mit Nationalitätenquatsch zu tun, sondern damit, dass Ö in meinen Augen noch mächtig mehr Probleme hat, als D. Warum auch immer...
Wenn ich mir die Analysen der EURO-Zone anschaue, wird PIGS bald noch zum PIGSÖ :roll:
Robert, du wirst -auch wenn es beim morgentlichen Zeitunglesen und der Erwartung der Bringung des nächsten Kontoauszugens durch den Postillion beim Verrecken einer Bank das Grinsen in dein Gesicht zaubert, wenn du von einer verreckten Bank liest, nicht wirklich wollen, dass eine größere Bank vereckt... Weil das Zeitunglesen können wir uns alle dann nicht mehr leisten.

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Beitragvon fleisspelz » Do 29 Apr, 2010 08:44

mimose hat geschrieben:
fleisspelz hat geschrieben:Im Augenblick wird die Frage diskutiert, ob Deutschland 8,5 Milliarden an Griechenland als Kredit zur Verfügung stellt.


Nö, im Augenblick sind´s schon 16 Milliarden. Und verleihen kann man nur, was einem auch gehört.
Um das mal klarzustellen, wir haben keine 16 Milliarden rumliegen sondern müssten uns auch deswegen verschulden, wo ist denn da der Profit? Wir geben´s den Griechen und schließen dafür wieder ein paar Bibliotheken und Schwimmbäder...
Was nutzt mir ein 2% Zinsgewinn, wenn wir die Kohle am Ende nie wiedersehen? Komische Logik.

Gruß

Nee, ganz einfache Logik. Man schlachtet nicht die Kuh, die man melken will.

btw:
Ich halte den Fakt für wichtig, dass die Kreditwürdigkeit von Staaten durch Ratingagenturen festgelegt wird, bei denen man nicht weiss, wessen Lied sie singen. So wird Griechenland z.B. wegen seiner Pro-Kopf-Verschuldung von 27 000 Euro zu einem Risikofaktor erklärt, während die USA mit derzeit 30 000 Euro und für 2011 erwarteten 43 000 Euro zu einem Eins-A-Kandidaten mit Auszeichnung gerated werden.
..........................
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Beitragvon Robert » Do 29 Apr, 2010 09:02

Im Großen und Ganzen stimmt sicher, was Du schreibst, weil Du mehr Insiderwissen hast. Ich interpretiere da nur die morgendliche Presse und eigene Erfahrungen - und deshalb stellt sich für mich - den klassischen kleinen Mann auf der Strasse - einiges anders dar:

Das nur die "bösen" Investmentbanken weiterhin zocken, halte ich für ein Gerücht - sogar meine kleine Sparkasse ums Eck zockt munter weiter. Sie muß, das Pyramidenspiel würde sonst laut eines ltd. Angestellten zusammenbrechen. Zur Republik kann man nicht um Geld gehen. Die Sparer würden verrückt spielen und man müsste vor allem zu viel Macht aus der Hand geben (das mit dem Staatsgeld läuft in Österreich mittlerweile auf einen Offenbarungseid für die Bank hinaus).

Mit der Eigenkapitalausstattung legst Du den Finger genau in die Wunde. Die Banken halten sich deshalb für unentbehrlich, weil man es geschafft hat, die zu Wirtschaftswunderzeiten gute Kapitalausstattung der Unternehmen über Jahrzehnte umzukehren - heute arbeitet jeder, vom kleinen Angestellten bis zum Großbetrieb nur noch dafür, irgendeiner Bank irgendetwas rückzuzahlen. Und dieses Leben auf Kredit bringt uns um. Es geht im Finanzwesen doch nur noch um die Frage, wie kann ich dem Verhungernden, der schon halbtot auf der Strasse liegt, noch seine letzten Cent aus der Tasche holen, um meinen eigenen Bonus zu sichern.

Und warum können sie die Ware nicht bezahlen? Weil keiner Geld in die Wirtschaft steckt, um Gewinne zu machen, die Löhne bezahlen.


Falsch. Weil alles heute fremdfinanziert werden "muß".
Nur jetzt haben wir eine neue Dimension erreicht. Ich geb Dir recht. Die Banken stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie haben verzockt.
Es ist kein Geld mehr da um irgendein Projekt vorzufinanzieren. In der Praxis bekommt man derzeit auch nicht den kleinsten Kredit.

Für die Wirtschaft ist es also jetzt unmöglich, Geld aufzutreiben. Eigenkapital hat keiner und das Geld der Anleger wird ja von den Banken fürs Pyramidenspiel gebraucht.
Aus lauter Verzweiflung werden jetzt auf einmal bei den Banken Risikobewertungen gemacht. Sogar bei Geschäftskonten, die gerade mal um 1.000,- € überzogen sind!

Das ist die Realität auf der Strasse. Davon bekommt man in den Chefetagen natürlich nix mit. Aber ich bekomm es mit - es wirkt sich direkt auf mein tägliches Leben aus. Weil, wie Du richtig als Beispiel anführst, keiner mehr Geld für einen Grafiker ausgeben kann.

In der ganzen Diskussion um Griechenland fehlt mir ein Gedanke. Es wird immer nur davon geredet die akuten Löcher kurzfristig mit enormen Summen zu stopfen. Aber keiner bietet eine realistische Lösung an, mit der sich Griechenland dauerhaft sanieren kann.

Eine verrückte Idee: Wenn man nun diese enormen Beträge statt in Banken und den staatlichen Zinsendienst gleich direkt an die griechische Wirtschaft verschenken würde? Weg ist es ja so oder so...

Weniger Fremdkapitaleinsatz würde höhere Gewinne bedeuten. Höhere Gewinne bedeuten mehr Steuereinnahmen und mehr Beschäftigte. Mehr Beschäftigte bedeuten mehr Kaufkraft ...

... unmöglich, ich weiß.

Dann also Muscheln...
Und wenn schon, dann ÖD PIGS - wir haben Euch doch immer alles nachgemacht. :-D
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Beitragvon Blechroller » Do 29 Apr, 2010 11:18

@ Justus: Das ist einer der richtigen Einwendungen; vielleicht nicht hier bei GR, aber allgemein schon. Mir kann keiner erzählen, dass eine privatwirtschaftlich tätige Ratinglotterie, die bei sämtlichen Banken des anglo-amerikanischen Wirtschaftsraums tätig ist und fett verdient, deren Konkurrenz in Europa genauso (das Wort objektiv lass ich jetzt mal weg) prüft, wie in Amiland. Wie "gut" und "objektiv" die Jungs die Ratings auswürfeln, hat man ja bei der Bewertung der Schundpapierchen gesehen...

Bei den Staatsratings hauen sie aber nicht so wahnsinnig neben die Spur, denn die Prokopfverschuldung ist wenig objektiv. Es ist die Relation von Staatsverschuldung und daraus folgendem Kapitaldienst zu den Einnahmen des Staates. Und bei den Einnahmen krankt es in Hellas ganz mächtig. Steuern zahlen hat sich noch nicht als Volkssport herumgesprochen und wenn 30% der Arbeitnehmer mehr oder weniger direkt vom Staat entlohnt werden und die Rente ab 40 eher Realität als Ausnahme ist, krankt es halt mal ganz grundsätzlich auf der Einnahmeseite, korrigiert um Ausgaben vor Kapitaldienst. GR ist fertig, weil sie den Kapitaldienst, den sie jahrelang versteckt nur noch fremdfinanziert zahlen konnten, einfach nicht aufbringen. Die dazu erforderlichen Strukturänderungen brauchen Jahre um sie cashwirksam umzusetzen und dabei sollte die Bevölkerung nicht verhungern. Die notwendigen Änderungen der Einnahmeseite und Streichung auf der Ausgabenseite ist schlicht nicht durch- und umsetzbar.
Da trifft die Ratinglotterie schon ins Ziel.

@ Robert:
Weniger Fremdkapitaleinsatz würde höhere Gewinne bedeuten

Eben genau nicht. Grubenhund :-D

Ganz stark vereinfachtes Beispiel:

Du hast 100 Euro EK und machst damit ein Geschäft, dass dir 200 einbringt. Macht 100 Rohgewinn, weil (vermeintlich) keine Kapitalkosten. Also 100% Gewinn

Du hast 1.000 Euro und machst 10 Geschäfte mit 100 EK, die dir jeweils 200 einbringen sollen. Ein Geschäft geht den Bach runter und du verlierst das EK bei diesem Geschäft. Macht 900 Gewinn und 100 € Kosten (EK-Verlust).Damit bereinigter Gewinn also 800 also "nur" 80% Gewinn.
Du machst das selbe Geschäft, bringst aber nur 10% EK und 90% bringt die Bank, die dich, weil das Geschäft 1 Jahr läuft 5% Zinsen kosten. Das Geschäftsergebnis:
900 über vor Verlustrechnung und Zins. 10 Verlust EK, 45 Zins; Gewinn also 845 €, also 84,5% Gewinn. Weil du nur 10% deines Geldes (EK) eingesetzt hast, kannst du den Rest deines EK zusammen mit dem Geld der Bank (FK) für weitere Geschäfte mit ähnlicher Gewinnmöglichkeit nutzen. Du kannst also aus deinen 1.000€ mit Hilfe der Bank den 9fachen Gewinn erwirtschaften, also 7.605 €.

Das war jetzt stark vereinfacht, weil es nicht berücksichtigt, dass du im Idealfall als "kleiner Kunde" der Bank ihr verlorenes Geld auch zurückzahlen musst. Aber auch dann rechnet es sich, denn du schuldest der Bank beim Ausgangsfall noch die 90 FK-Verlust, das Geschäft bringt dir unterm Strich also nur 755. Aber du kannst ja das Geschäft noch 9x machen, also holst du aus deinen 1.000 gesamt 7.550 € raus.


An deinem Spruch ist natürlich auch Wahrheit, weil es einfach Geschäfte gibt, für die du von der Bank wegen des Risikos kein Geld bekommst. Bei solchen Geschädften musst du aber mehr verdienen, weil du unterm Strich auch in der Gesamtbetrachtung aller deiner Geschäfte mit EK die Verluste aus dem höheren Risiko decken musst. Und genau das spiegelt der Zins, also die Kosten für das Kapital.
Risikoarmes Geschäft mit FK mach vielleicht 5% Zins, risikoreiches mit EK-gkleichem Geld kostet dann aber geschwind mal 15 bis 20% Zins. Da geht es nicht darum mit 15 oder 20% eine Notlage auszunutzen, weil "der braucht ja das Geld", sondern darum, dass dir derjeinige, der dir Geld als EK-Ersatz gibt, auch das potentielle Risiko trägt, dass die Sache den Bach runter geht. Das Risiko muss er verdienen.

Wie wurden eigentlich Geschäfte und Firmen gegründet? Es ist selten, dass Heinz Müller heute nach seiner Ausbildung 1 Mio. im Stra0engraben findet und damit seinen neuen, tollen Motorradladen eröffnet.
Nein, Heinz Müller, der ein toller Betreiber eines Motorradladens ist, braucht erst mal Geld, um die Motorräder zu kaufen, die er dann verkaufen wird um mit dem Veräußerungserlös seine Kredite für den Ankauf der Mopetten, seine Angestellten und den Grafiker zu bezahlen, der ihm die Werbung macht. Gibt ihm keiner Geld, werkelt Heinz Müller weiter als Angestellter ohne Personal und ohne Grafiker. Daher sollte auch der Grafiker Interesse daran haben, dass Heinz Müller zu einer Bank gehen kann, um sich für die Gründung seines Geschäftes Geld zu leihen.

Natürlich gibt es Banken, die nicht an Heinz Müllers Idee glauben und ihm kein Geld geben. Da flucht der Heinz und auch der Grafiker über die bösen Banken. Geben die Bank das Geld allerdings an viel, viele andere Heinze und es gibt viele, viele Grafiker die für die Heinze selbigen machen und plötzlich platzen viele, viele Heinze, weil Motorräder unverkäuflich werden, freuen sich Heinz und der Grafiker, dass die bösen Banken aufs Maul gefallen sind, weil die haben ja nur "gezockt" mit den Heinzen.
Die Welt ist nie einfach, nie gerecht, aber subjektiv.

ich gebe dir recht, dass unser Steuersystem und andere Anreize die Flucht ins FK begünstigt haben und auch deswegen die EK-AUsstattung der Unternehmen so mies ist. Dass die Unternmehem aber künftig mehr EK brauchen werden, wissen die seit 10 Jahren (Basel II), aber das würde ja die schönen Gewinne aus den FK-Geschäften gefährden. Unternehmen sind nicht besser als Banken; die ticken in der Wirtschaft alle gleich.


Und Risikobewertungen machen die Banken nicht aus Jux und Dollerei bei "Kleinkrediten", sondern weil das der Gesetzgeber so will. Diese Risikobewertungen bei "Kleinkrediten" kosten die Bank mehr, als der statistische Verlust bei solchen Krediten, aber der Gesetzgeber will es so...

Dass die Banken derzeit kein Geld raus rücken, liegt nicht zwingend daran, dass sie keins haben, denn auch durch die staatliche Stützung ist ausreichend "EK" in der Bank. Nein, Brüssel will es so, denn die staatlichen subventionierten Banken müssen lt. Brüssel kleiner werden, also Bilanzsumme abbauen. Das heißt nicht nur keine Neukredite, sondern das heißt, dass Kunden Kredite zurückzahlen müssen, die das so nie in der Zeit geplant hatten.

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Beitragvon Robert » Do 29 Apr, 2010 12:10

Blechroller hat geschrieben:Eben genau nicht. Grubenhund :-D



:smt005
Da hast Du jetzt gerade wunderschön erklärt, wie man in einer Bank rechnet!

Nur, da ist ein kleiner Fehler in der Milchmädchenrechnung. Die Bank besteht nämlich blöderweise immer auf Rückzahlung. Sie will ja unbedingt was von meinem Gewinn abhaben. Mehr noch. Dieser Zinsdienst macht mich unbeweglich, weil ich gar zu leicht in die Liquiditätsfalle komme. Du kannst keinen Betrieb auf Fremdfinanzierung basierend führen, noch weniger einen ohne EK gründen. Da bist Du von der ersten Minute an selbst wenn du gut wirtschaftest ein Todeskandidat. Auch wenn ihr das nicht wahrhaben wollt, weil ihr ja alle genau von dieser Selbsttäuschung gut lebt.

Ich habe aus genau diesem (und einem privaten) Grund ein über 100 Jahre bestehendes und von mir in der vierten Generation ausgeübtes Gewerbe aufgegeben.
Ich hatte keine Chance, je damit für mich was zu verdienen, mir ein Häuschen zu bauen etc.
Ich hätte mein Leben lang ausschliesslich nur für die Hausbank gearbeitet.
Ich kann mir auch jetzt kein Häuschen bauen. Aber ich muß wenigstens nicht für die Bank arbeiten.

So ist das wirkliche Leben, nicht irgendwelche ohnehin fiktiven Bankbilanzen, die mit der selben Mathematik die du gerade so eindrucksvoll demonstriert hast ausgerechnet werden.
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Beitragvon Blechroller » Do 29 Apr, 2010 13:22

Jo Robert,
jetzt arbeitest du statt "für die Bank" für deinen Vermieter. Oder du hast das EK für den nichtfinanzierten Besitz.

Ich hab auch nicht vorgerechnet, wie die Bank rechnet, sondern wie die Kunden der Bank rechnen, wie alle Welt im Wirtschaftsleben rechnet.

Klar besteht die Bank auf Rückzahlung. Warum auch nicht? Der Kreditnehmer ist der Unternehmer; der muss entscheiden, ob er das Risiko geht; die Bank entscheidet, ob sie das Risiko mitgeht. Die Liquiditätsfalle stellt nicht die Bank, sondern der Unternehmer mit seiner Entscheidung, FK zu benutzen. Dazu zwingt ihn niemand, nicht mal eine Bank. Die Bank will aber nicht an deine Gewinne ran, sondern sie will ihr Kapital zurück und den Preis für das zur Verfügungstellen des Kapitals. Will sie darüber hinaus eine Gewinnbeteiligung, ist sie entweder gierig und hat keine Konkurrenz oder sie bewertet ihr Risiko über das eines Fremdfinanzierers hinaus und will für dieses Risiko auch eine Chance. Verwerflich?

Robert, schalt mal davon ab, dass alle auf der Welt, die Geld verdienen wollen, nur Zocker, Mafiosi und sonstige Unbilligkeiten sind, die nur an dein Geld wollen. Die Wirtschaft inkl. Finanzwirtschaft sorgt auch dafür, dass wir alle überhaupt Geld haben, um unsere Alteisen zu tanken.
Damit du dich wohl fühlst, solltest du mal nachrechnen, wieviel eine Bank an einem stinknormalen Kredit wirklich verdient (vor Kosten für Personal, Risiko für Kreditausfälle, Glasbauten). Nein, es sind nicht die 5% im Kreditvertrag, auch nicht 4 oder 3 oder 2, selten über 1.


Ich bin nicht naiv und beschäftige mich den lieben langen Tag mit Leuten, deren Geschäftsidee nicht so ganz aufgeht. Ob ich das Wirtschaftssystem gut oder schlecht finde, steht außerhalb meiner Einflussnahme und daher außerhalb einer über den Stammtisch hinausgehenden Betrachtung. Ich weiß aber, dass eine Bank genau so auf den Kunden angewiesen ist, wie der Kunde auf die Bank und ich weiß auch, dass ich dir hier den Idealfall der Finanzwirtschaft schildere, die ebenso mit Unbill verseucht ist, wie die Autobauer, Häuslebauer und Grafikerbüros. Und du Lump :-D willst an "die Gewinne" deiner Auftraggeber ran, weil die was an dich zahlen sollen.

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Beitragvon Robert » Do 29 Apr, 2010 15:10

Olly, selbst am virtuellen Stammtisch bringt uns das Schönreden nicht weiter.

Jeder der arbeitet, hat das Recht für seine Leistung auch anständig und angemessen bezahlt werden.

Das gestehe ich selbst Bankangestellten zu. :-D

Du redest immer in einem Atemzug von Wirtschaft UND Finanzwirtschaft. Stich mal diese Blase auf. Was bleibt denn über? Ein paar Hansln, die zu blöd sind um den Tanz ums goldene Kalb mitzumachen. Die aber mit ihrer Hände Arbeit den ganzen Sch... finanzieren. Und keiner will wahrhaben, das unser heißgeliebter freier Finanzmarkt längst genauso tot ist wie der Kommunismus. Wir können unseren Disput ins unendliche weiterführen, immer neue Fakten auf den Tisch knallen - wir würden uns im Kreis drehen. Denn ein neues System haben wir allesamt nicht parat.

Mag sein das ich der Verdeutlichung zuliebe zu schwarz/weiß male und Frust aus mir spricht. Aber heute war man auf meiner Bank höflich zu mir.
Ein ganz schlechtes Zeichen!
Da ist mir lieber sie sind präpotent wie immer, dann weiß ich, das alles in Ordnung ist...

Mir fehlt bei der ganzen Diskussion jetzt vor allem eines. Ein Bier und ein Lagerfeuer an dem ich mit Dir sitzen kann.


:wink:
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Beitragvon Blechroller » Do 29 Apr, 2010 16:14

Das "Recht" auf angemessene Bezahlung wäre schön, ist aber nicht real(-istisch) (leider).

Was du ansprichst, ist der Hauptgrund für das ganze Krisengedöns; die Trennung der Produktivität vom Gewinn. Geld ist nicht produktiv, es wird nur produktiv, wenn damit real etwas geschaffen wird. Die 48. Wette, aus einem Geldkonstrukt, das irgendwann ganz am Anfang mal auf einem realen Produkt aufsetzt, noch etwas Gewinn zu ziehen, weist diesen aber nur im Excell aus; realiter steht da spätestens nach den ersten 5 Wetten keine Produktivität mehr dahinter.

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Beitragvon lallemang » Fr 30 Apr, 2010 00:20

Seh' ich auch so. Solange 'ne Dienstleistung als Produkt angesehen wird, läuft was schief.
Produktion ist physikalisch - Materie und Energie. Der Rest ist Dienstleistung.
Produktion ist die Basis, die die Dienstleistung zwar benötigt aber auch erst ermöglicht.
Wenn alle Welt in die Dienstleistung geht, wird zwar 'ne Zeit lang Traumgeld erzeugt, aber
diese Blase platzt halt nach 4,5 oder 6... Runden wie'n Kettenbrief.
Und dann mu§ halt mal wieder produziert werden. Schmerzhaft halt, Besonders für Dienstleister.

Gry§e Peter
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Beitragvon Robert » Fr 30 Apr, 2010 08:10

Blechroller hat geschrieben:Was du ansprichst, ist der Hauptgrund für das ganze Krisengedöns; die Trennung der Produktivität vom Gewinn. Geld ist nicht produktiv, es wird nur produktiv, wenn damit real etwas geschaffen wird.


Na bitte, jetzt hast Du's :-D

Jetzt gib bitte noch zu, dass es sinnvoller und billiger wäre, manche Banken einfach in den Konkurs zu schicken anstatt wieder und wieder Steuermittel flüssig zu machen.

Dann ist auch die Idee, die hellenischen Milliarden direkt in die produzierende Wirtschaft zu stecken (- eine Art griechischer Marschallplan) statt mal wieder diese Blase zu finanzieren auf einmal gar nicht mehr so abwegig.
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Re: Einfache Frage zu Griechenland/Euro/Dollar

Beitragvon Roll » Sa 01 Mai, 2010 00:08

motorang hat geschrieben:Ich will keinen Politikfred eröffnen, nur was wissen.
Gryße!
Andreas, der motorang

Gestern hab ich mirs noch verkniffen, aber jetzt mußt ich einfach zitieren :-D :-D

Dennoch: Ich lese interessiert mit.
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Matthäus 6,19-34

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Beitragvon dirk » Sa 01 Mai, 2010 11:43

Andreas wusste, dass es keine einfache Antwort geben wird. Besonders weil Olly als Bankerminderheit dabei ist..... 8)
Heute in drei Jahren ist es endlich wieder soweit.
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