Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

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Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon Wauschi » Do 28 Jun, 2018 16:27

Das Thema Pickerl bzw. Fahrzeugüberprüfung frisst ungemein viel Lebensenergie und ich weiß, anderen geht es ähnlich.
Vielleicht hilft es wenn wir uns den Frust einfach von der Seele schreiben und unsere Abenteuer hier in dem Fred posten.


Diese Woche fahre ich mit meiner TT600 zum Pickerl.
Die TT ist im 1A Zustand, ehrlich. Der Prüfer findet nichts, scheint etwas frustriert.
Im letzten Moment, als er schon vom Fahrzeug weggehen will schreit er auf:" Die Bremsbacken san jo goa, du bremst jo schau aum Eisn".
Ich sage nicht und lache nur. Das war offenbar die falsche Reaktion.
Der Prüfer schreit mich an: "Ich brauch deine scheiß oidn Kraxn überhaupt ned aunschaun. Du kaunst di mit die Kraxn schleichn."
Ich deeskaliere die Situation, entschuldige mich und erkläre mich bereit mit neuen Bremsen nochmal zur Prüfung anzutreten.

Heute war es so weit.
Ich habe das Fahrzeug mit neuen Bremsbelägen vorgeführt und ohne Mängel das Pickerl bekommen.
Nicht habe ich erwähnt (was für ein Idiot er ist), dass die alten Beläge ca. 6mm hatten, neue Backen ca. 7mm haben und die Verschleißgrenze bei 0,8mm Belag liegt.
Das hat mich 20.- gekostet. Der Typ fühlt sich als Mechaniker-Gott bestätigt. Ich brauche seinen Wohlgefallen nächstes Jahr wieder. Das ist mir mehr als 20.- wert.

Wie sehen eure Abenteuer aus?

Mario
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon Wauschi » Do 28 Jun, 2018 16:47

Mein Pickerl-Abenteuer mit der 1959er 175er NSU Prima V.

Ein wirklich seltenes Motorrad, ich habe über ein Jahr an dem Roller gearbeitet.
Leider war es mir nicht möglich in einer "richtigen Werkstatt" einen Termin fürs Pickerl zu bekommen.
Daher entscheide ich mich kurzfristig das Pickerl beim "Forstinger" zu machen, dort fährt niemand hin...
Da kann doch nicht so viel schief gehen, dachte ich. Wie ihr auf dem Bild sehen könnt ist der Roller (aus meiner Sicht) absolut i.O..

Als der Mechaniker meinen Roller erblickt, sehe ich die Ahnungslosigkeit in seinem Gesicht. Er hat keine Ahnung was er mit diesem Teil anfangen soll. Er bittet mich die Verkleidung zu entfernen damit er sich den Motor ansehen kann. Kurz darauf kommt der Werkstättenmeister herein, erblickt meinen Roller und sagt: "Ohne Verkleidung gibt es sowieso kein Pickerl". Ich schüttle nur den Kopf und sage nichts. Zu protestieren beginne ich als er anfängt die Abgassonde in den Auspuff zu schieben.
Ich machte ihn aufmerksam, dass es keine Sinn macht bei einem 1959er 2-Takter Abgase zu messen.
Der Meister erklärt, kein Fahrzeug verlässt die Werkstatt ohne korrekter Abgasmessung. Er ist verpflichtet eine Messung durchzuführen und das Protokoll abzulegen.

Wie wild blinken rote Zahlen auf dem Bildschirm. Der Meister bedauert mir kein Pickerl geben zu können. Da mein Roller wie neu funktioniert gebe ich mich mit dem Ergebnis nicht zufrieden und bin fest entschlossen die Werkstatt nicht ohne Pickerl zu verlassen.
Fast zwei Stunden vergehen in erfolglosen Diskussionen mit dem Mechaniker bis ich die zündende Idee habe. Ich rufe direkt aus der Werkstatt die Landesregierung an!

Ich lasse mich auf der Landesprüfstelle zum zuständigen Referenten verbinden und schildere ihm die Situation. Der Beamte fällt aus allen Wolken und merkt an, dass die Werkstatt die Prüfsonde beim Prüfen von 2-Taktern ruiniert. Das Öl verklebt und zerstört die Sonde. (Seine Worte waren eher: "Spinnt der Typ, der ruiniert jo die Messanlage...) Sofort konnte er auch die Seite 326 der §57 Prüfanweisung anführen die festlegt: "An 2-Takt KFZ sind keine Abgasmessungen durchzuführen.".

Der Werkstattmeister glaubt dem Beamten von der Landesregierung nicht, er sucht die Prüfanweisung bzw. das Gesetzbuch heraus und siehe da, auf Seite 326 war der Satz wortwörtlich zu lesen.
Ohne Worte hat er mir den positiven Bescheid ausgestellt.

Ein neues Pickerl, das erste seit 1970 schmückt das Beinschild als ich nach 3 Stunden die Werkstatt verlasse.
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Bei der Untersuchung beim Forstinger
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon ETZChris » Fr 29 Jun, 2018 06:52

Ist Forstinger sowas wie ATU in Deutschland?! :ugly:
Gruß
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon Wauschi » Fr 29 Jun, 2018 07:39

Forstinger sowas wie ATU
JA
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon tomcat » Fr 29 Jun, 2018 07:48

ETZChris hat geschrieben:Ist Forstinger sowas wie ATU in Deutschland?! :ugly:


Ja. Hat ursprünglich nur Zubehör gehandelt und irgendwann auch mit eigenen Werkstätten das Serviceangebot erweitert.
Je kleiner das Motorrad unter mir, desto größer ist die Welt vor mir.
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon ETZChris » Fr 29 Jun, 2018 08:01

Erklärt dann auch das o.g. Verhalten der Werkstatt-Menschen...
Gruß
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon AIAndy » Fr 29 Jun, 2018 08:07

Jojo - die sind SEHR gombebend! :omg: da gibr's lustige Service-Geschichten in Bekanntschaft und Verwandtschaft.....
Das Leben ist zu kurz um TÜV geprüfte Motorräder zu fahren!
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon nattes » Fr 29 Jun, 2018 10:51

Ich war am Mi. so bei der Dekra. Aus versehen 7 Monate überzogen. :oops:

Kette zu lose und keine ABE für die Bremsscheibe.
Genau genommen hätte er noch mindestens 7 weitere Dinge beanstanden können.
Heute hab ich ein Rad mit original Scheibe eingebaut und die Kette gespannt.
Nach 2 Min. hatte ich die Plakette.
Der Tüv ist hier aber inzwischen ähnlich entspannt. Die stehen schließlich im Wettbewerb zur Dekra und GTÜ.
Vor 10 Jahren sah das hier noch ganz anders aus.
Die alte Prüfergeneration ist hier inzwischen weg und die jungen fahren oft selbst Motorrad.
Bei speziellen Dingen wie Gespannen kann das aber auch von Nachteil sein, weil da viel Fachwissen mit in den Ruhestand gegangen ist.

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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon fleisspelz » Fr 29 Jun, 2018 11:06

Anno 2010

Der TÜV Prüfer hat seine zehn Autowagen in der Werkstatt meines Vertrauens abgenommen.
"Haste nochwas für mich?" ruft er über den Hof zu meinem Freund Bernd, dem der Laden gehört. Bernd ruft zurück:
"Da unten im Hof steht so ne alte Harley, die musste noch machen, dann ist Schluss für heute, Papiere klemmen unter dem Sattel."
Der Herr Baurat geht zum Bertel, beäugt interessiert dieses und jenes, schraubt am Benzinhahn, zieht den Bremshebel, verdreht mal die Zündverstellung, leuchtet in den Öltank und greift in die Speichen. Dann umrundet er das Motorrad noch zwei Mal und geht hoch zu Bernd.
"Wie geht'n die an?"
"Bin ich der Ingenieur oder Du?" fragt Bernd und lässt ihn stehn.
Der Mann steht noch einen Moment da. Man sieht ihn denken. Man sieht so einen Zeitbalken auf seiner Stirn langsam wachsen. Reaktion wird geladen. Noch dreissig Sekunden bis zu einer Reaktion, noch zwanzig Sekunden, noch zehn Sekunden, noch fünf Sekunden, nur noch wenige Sekunden bis zu einer Reaktion...
Der Mann zuckt mit den Schultern, geht zum Bertel, klebt einen frischen TÜV Stempel drauf und verabschiedet sich für heute.

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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon Myke » Fr 29 Jun, 2018 15:54

dem inschinör ist nychts zu schwör ... :fiessgrinz:
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon Wauschi » Fr 29 Jun, 2018 15:57

Vor 10 Jahren sah das hier noch ganz anders aus.
Willst sagen vor 10 Jahren war das noch blöder?
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon nattes » Fr 29 Jun, 2018 16:47

Vor 10 Jahren haben die es sehr genau genommen.
Heute hat er weder nach der Auspuffanlage gefragt, noch nach den Reifen und nicht nach dem 22er Lenker mit Distanzschalen und nicht nach der Stahlflex und auch nicht nach der nicht eingetragenen Bremsanlage. Desgleichen Stoßdämpfer und noch anderer Kleinkram. Reifenfreigabe interessiert auch niemanden mehr.
Früher hätte man mir hier deshalb wegen jedem einzelnen dieser Punkte die Plakette verweigert. :-)
Zuletzt geändert von nattes am Fr 29 Jun, 2018 16:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon Rei97 » Fr 29 Jun, 2018 16:48

Also:
Vor 10 Jahren hatte es in ES einen Ing, der eine SR starten und beurteilen konnte.
Danach war sie auf rot.
Die Prüfer danach waren zwar nicht käuflich (Der Ing wurde geschasst), aber hatten nur 10% Ahnung von Nwewtimern.
Das Herausfinden erlaubter Reifen konnte schonmal 2 Stunden dauern.
Letztendlich kam Suzilein, wo ich per Suzuki D die Homologations EU Nummer bekam.
Ohne Papiere mit Kaufvertrach und Eignerbestätigung des VB hatte es keine 30 min, bis ich die Papiere hatte.
Mein letzter TÜV Aufenthalt nach 07 :smt023
Regards
Rei97
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon Dreckbratze » So 01 Jul, 2018 16:24

seit 15 jahren keine mängel mehr.
die optimale kurvenlinie ist aussen-innen-aussen und nicht oben-unten-platt...
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Re: Abenteuer Fahrzeugüberprüfung - Fred

Beitragvon altf4 » So 01 Jul, 2018 19:05

dann solltest du mal die stange *noch* ein bisschen hoeher haengen. von wegen abenteuer und so ... :floet:

ahja, 2016:

km: 8925: june-mot passed.

roger trott: it's not like i only mot the bike, you also have to mot its owner. and i'm sure you can ride it, because you keep coming back. :smt005

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