Ich war gestern am Bodensee auf der Beerdigung einer Frau, die am 22. Dezember einen sinnleeren Tod gestorben ist, aus dem man nichts lernen kann.
Sie hat alles richtig gemacht in der Situation, sie war beliebt und geliebt, sie war erfolgreich in so vielen Dingen, war herzenswarm und aufrecht.
Ein tief gläubiger Mensch, Chorleiter der Kantorei, in der sie gesungen hat, kommentierte die Situation treffend mit dem Satz: "Beim Vater Unser bleibt mir seit Weihnachten die Zeile "...und Dein Wille geschehe..." im Halse stecken."
Almut, 45 Jahre jung, Mutter von drei acht- bis vierzehn-jährigen Töchtern, kurz vor Vollendung ihres Zweitstudiums, Veranstalterin des Salem Musikfestivals, Gemeinderätin, Frau eines liebenden, eloquenten und charmanten Mannes, steigt eben kurz ins Auto, fährt vorschriftsmässig angegurtet mit verhaltener Geschwindigkeit über eine Landstrasse in die kleine Stadt um die Ecke um eine nebensächliche Besorgung zu erledigen und wird in einer Kurve von einem entgegenkommenden DPD Lieferwagen gerammt, dessen Fahrer einen Augenblick lang unachtsam war.
Unendliche, ohrenbetäubende Stille.
Leere.
Fassungslose Leere, die keine noch so bedeutendes Wort zu füllen vermag.
Der Chor füllt die ratlose Sprachlosigkeit mit Bachchorälen.
Und dann nur ein Satz der bleibt:
Wenn Hoffnung wie Glas zerbricht,
Pläne durchkreuzt werden,
Träume die Kraft verlieren,
dann kommt es auf die Wurzeln an.
Ich stehe auf einer Beerdigung, inmitten von Menschen, die mich achten und mache mir Gedanken, ob auch nur einem der Afrikaner, die ich im kommenden Jahr zu Grabe tragen werde, eine vergleichbare Beachtung zuteil werden wird, wie sehr seine Lebensleistung diese Achtung auch verdienen möge.
Was soll ich daraus lernen?
Nix!

