Grossraumdosenbremserei (Steckbremse und die Behebung)

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Grossraumdosenbremserei (Steckbremse und die Behebung)

Beitragvon schrauber30 » So 22 Aug, 2010 16:32

Vor kurzem konnte ich endlich mein Bremsenproblem
an meinem Chevy Van beheben.

Um euch eine langwierige Fehlersuch zu ersparen möchte ich
folgende Erfahrung mit euch Teilen, die man an allen hydraulischen
Bremssystemen anwenden kann. Egal ob 2,3,4 oder Mehrrad.

Begonnen hat das Problem mit seltsamen Geruch bei einer
Autobahnfahrt. Da viele Ost-LKWs unterwegs waren schob ich den
Geruch auf nicht legalen Treibstoff eines vor mir fahrenden Frächters.
Da aber auch nach verlassen der Autobahn der Geruch zu vernehmen
war hielt ich bei der nächsten Gelegenheit an und sah schon den Rauch
aus dem vorderen linken Radkasten steigen und fand eine blaue Bremscheibe
vor.
Diagnose: Steckbremse!
Nach einer kurzen Abkühlphase machte ich mich langsam auf dem Heimweg.
Ohne Feuerwehreinsatz oder ähnlichen schaffte ich es glücklicherweise
bis nach Hause.

Da die Scheibe und Beläge sowieso hinüber waren Bestellte ich gleich:
2x Bremsscheibe
4x Beläge
2x Bremszylinder Rep.satz
4x Bremsschlauchanschlussdichtungen
4x Radlager+Lagerschalen (wenn man schon mal beim zerlegen ist…..)

Nach 6 Tagen hatte ich meine Lieferung aus Amerikanien zuhause und
zerlegte alles. Scheiben + Beläge, Radlager und dazugehörige Schalen
erneuerte ich. Die Bremszylinder zerlegte ich (ja, es wär nur der Linke
nötig gewesen, aber wenn man schon dabei ist) und reinigte ich. Dem
optischen Zustand zufolge für OK befunden und mit neuen Dichtungen
zusammengebaut. Nachdem ich alles wieder zusammenfügte und
entlüftete ergab die Testfahrt ein unschönes Ergebnis.
Van zieht nach links und beim Bremsen biegt er rechts ab.
Nochmals den linken Zylinder zerlegt, leichte Rostspuren im Zylinder
Entfernt. (es waren zwar leicht Unebenheiten an der Zylinderlauffläche
zu sehen, aber nichts was sich sooo auswirken kann).

Nach dem Zylindereinbau und wiederholtem entlüften das selbe Resultat.
Bremsen… Rad läst sich nicht drehen
Bremse auf ….. Bremse steckt…. ??????

Neurliche Bestellung…..
Nach 5 Tagen kam ein neuer Bremszylinder.

Siegessicher tauschte ich den Bremszylinder gegen den Neuen aus.
Wiedermal entlüftete ich die Bremse.

Bremsen … Rad läst sich nicht drehen… gut
Bremse auf …..Rad läst sich noch immer nicht drehen….. schlecht…
sogar sehr schlecht……

Nach etwas stöbern im Net erfuhr ich, das die Bremsschläuche
Schuld sein könnten, da diese „Zuwachsen“ .
Ich konnte mir zwar nicht so recht vorstellen wie das passieren
sollte, aber da sonst nichts mehr in Frage kommen konnte…
Ja, warum nicht, dann ist alles neu an der Bremse. Und wieder mal eine
Bestellung (2x Bremsschlauch)

Nach 6 Tagen empfing ich mit Vorfreude meine Schläuche und wechselte
Sie zügig. Diejenigen die selbst an ihren Fahrzeugen Hand anlegen wissen
was jetzt kommt …. Ja wieder mal entlüften!
Mit der Luft die ich aus diesem Bremssystem in den letzten Wochen
rausgepumpt habe, könnte man schon einen Heissluftballon füllen.

Bremsen…. Rad läst sich nicht drehen
Bremse auf…….. Trommelwirbel……… Rad…. läst sich…. drehen !!!!!!!!!

Die folgende Testfahrt verlief natürlich positiv.

Doch ich wollte genau wissen was jetzt mit den Schläuchen los ist.
Ich schnitt die Enden ab um durchsehen zu können, doch irgendetwas war im Schlauch, es blieb finster. Die Schnittstellen waren jedoch sehr sauber, also der Querschnitt war normal, der Gummi sah innen neuwertig aus.
Als ich von zugewachsenen Schläuchen erfuhr
dachte ich an aufgequollenen Gummi oder Ablagerungen, jedoch war nichts diesbezüglich zu erkennen.
So schnitt ich um dem Spuk dahinterzukommen den Schlauch in 5cm lange
Stücke und konnte überall durchsehen, alles sah sauber und frei aus…
bis auf ein Stück aus der Mitte der Schlauchlänge, genau da wo eine
Befestigungsschelle aufgepresst ist. Bei diesem Teilstück konnte man nicht durchsehen und ich fand des Rätsellösung, mein Freund der Rost!!!
Die aufgepresste Schelle war am Innendurchmesser so verrostet, daß der
aufgequollene Stahl den Schlauch zuquetschte, so konnte man zwar mit dem Pedal noch Bremsflüssigkeit durchdrücken, aber der Bremskolben wurde nicht mehr zurückgezogen und somit blockierte die Bremse.

Wenn man es vorher weis, genügt es die Schelle etwas aufzubiegen
und es funktioniert wieder bestens.

… oder man lernt es selbst so wie ich…… ;-)

Gruß
Christian, der Bremser
Zuletzt geändert von schrauber30 am So 22 Aug, 2010 19:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Nanno » So 22 Aug, 2010 16:54

Saubere Sache!

Ich hoffe jetzt einfach mal ganz frech für dich, du hast dir bei der Gelegenheit Stahlflex-Schläuche fürs Auto gegönnt ?

Grysze
Greg
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Beitragvon schrauber30 » So 22 Aug, 2010 19:23

Nein, daran habe ich ehrlich gesagt nicht gedacht.

Aber bei Stahflex steckt das Wort "Stahl" drinnen und Stahl rostet und dann steckt die Bremse.....

Bin schon zufrieden das der Van bei Befehl verzögert und dabei auf der Strasse bleibt :-)

Aber ich werde deine Idee beim nächsten Bremsschlauchwechsel berücksichtigen, denn bei 9 Fahrzeugen ist sicher bald wieder wo ein Schlauch fällig.

Gruß
Christian
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Beitragvon Nanno » So 22 Aug, 2010 20:16

Das Stahl steckt wohl drinnen, aber das Stahlgeflecht ist nur außen drumrum... Und das darf ruhig rosten, aber innen quillt nix mehr!

Greg
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Beitragvon Beste Bohne » So 22 Aug, 2010 21:47

Sehr interessanter Bericht! Danke!

Ich hatte mal ein ähnliches Problem an meinem Benz an der Kupplung. Die kam nicht mehr von alleine zurück.

Da war es aber tatsächlich ein total zugeqollener Schlauch.

Stahlflex meint eigentlich nur die (Edel)stahlumhüllung. Der eigentliche Schlauch ist aus so einem Teflon-Weltraum-Kunststoff, der nicht altert wie Gummi.

Ob der auch irgendwann fertig ist, weiß ich nicht. Hält aber wohl deutlich länger als Gummi.

Grüße, Jens
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