Buchbesprechung: Gespannbastelbücher / Bernhard Götz Verlag

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Buchbesprechung: Gespannbastelbücher / Bernhard Götz Verlag

Beitragvon motorang » Do 09 Dez, 2010 07:41

Hallo,

immer wieder mal empfohlen wenn jemand die ersten Schritte unternimmt, werden diese beiden Bücher, die im Shop von http://motorrad-gespanne.de angeboten werden. Sowas wie Standardliteratur, kwasi.

Das 1x1 für Gespannfahrer

Beschreibung
1 x 1 für Gespannfahrer,
Grundlagenwissen über Krafträder mit Beiwagen

Gespannfahren ist ein Abenteuer. Erfunden und entwickelt zu einer Zeit, in der weder Vorschriften noch Gesetze die Konstrukteure knebelten. Rückblickend können wir jetzt sagen: Glück gehabt! Denn, würde heute der Beiwagen zum Motorrad erfunden werden, die Zulassungsstellen fielen über den armen Erfinder her: „Unfahrbar und er (der Konstrukteur) müsste es doch besser wissen“.

In der Tat. Das Motorrad mit Beiwagen unterscheidet sich in Theorie und Praxis vom motorisierten Zweirad und jeder Motorradfahrer, der irgendwann einmal den Mut aufbrachte mit einem Gespann zu fahren, wird es bestätigen. Statt wie Millionen von Zweiradfahrern in Schräglage dem Lauf der Straße zu folgen, gibt es rund 40.000 Motorradfahrer, die eine außergewöhnliche Art der Motorradleidenschaft entdeckten. Sie schwören Stein und Bein darauf: Gespannfahren ist das Größte!

Ist der Motorradfahrer im Zweiradbereich gewohnt, aus den Modellvarianten eines auszusuchen, geht das Auswählen beim Gespann viel weiter. Hier spricht er direkt mit dem Konstrukteur. Er kann ganz bestimmte Fahreigenschaften verlangen und hat zudem die Möglichkeit, individuelle Fahrwerkskomponenten zu ordern. Um diese fast grenzenlose Freiheit der Wahl zu nutzen, setzt es im Gegenzug ein Grundwissen der Gespanntechnik voraus. Dieses Wissen zu vermitteln, haben sich die Autoren in diesem Buch zur Aufgabe gemacht.

1 x 1 für Gespannfahrer, Grundlagenwissen über Krafträder mit Beiwagen,
164 Seiten, vierfarbig, 135 Abbildungen, Format: 160 x 235 mm.
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INHALT
1. Editorial
1.2 Inhalt
1.1 Zum Buch

2. Wie es begann
2.1 Experimentieren und orientieren
2.2 Massenproduktion und Militärgespanne
2.3 15 Zoll – eine Radgröße revolutioniert die Gespannwelt
2.4 Im Heute angekommen – alles ist möglich

3. Aktuelle Gespanntechnik
3.1 Rahmenkonstruktionen
3.2 Vorderrad-Aufhängungen
3.3 Hinterrad-Aufhängungen.
3.4 Seitenrad-Aufhängungen.
3.5 Mehrrad-Antriebe
3.6 Räder und Reifen
3.7 Bremsen
3.8 Alternative Konzepte
3.9 Schwenkergespanne

4. Die Theorie zum Gespannfahren
4.1 Die Spurbreite
4.2 Der Radstand
4.3 Die Vorspur
4.4 Der Sturz
4.5 Der Vorlauf
4.6 Der Nachlauf
4.7 Die Kräfte im Gespann
4.8 Wie schnell kann ein Gespann sein?
4.9 Funktionsprinzip der Achsschenkellenkung4

5. Gespannfahren lernen
5.1 Die Fahreigenschaften
5.2 Lenkverhalten
5.3 Kurvenfahren
5.4 Bremsen mit dem Gespann
5.5 Ablauf eines Gespanntrainings
5.6 Warum sollte man sich für einen Lehrgang entscheiden?
5.7 DVR
5.8 Erste Hilfe

6. Praxistipps und Grundlagen für Einsteiger
6.1 Welches Gespann passt zu mir?
6.2 Umbau der vorhandenen Maschine
6.3 Gebrauchtkauf eines Komplettgespannes
6.4 Der Gespann-Neukauf
6.5 Gespann-Finanzierung
6.6 Kinder im Boot
6.7 Der Beiwagen macht das Gespann
6.8 Hunde im Beiwagen
6.9 Auf Abgas achten
6.10 Gespannadressen


Meine Kurzkritik:
Das Buch eignet sich vorzüglich, wenn sich jemand einen groben Überblick verschaffen will, was der Stand der Technik ist, was auf ihn zukommt wenn er sich überlegt ein Gespann zu kaufen.
Wenn man das Buch durch hat, hat man seine Hausaufgaben für das Gespräch mit dem Gespannbauer gemacht.
Wenn man allerdings schon eine Zeit lang Gespann fährt, vielleicht auch die Zeitschrift Motorrad-Gespanne liest, dann bietet da Büchlein wenig Neues.

Ganz interessant fand ich Kapitel 4: Die Theorie zum Gespannfahren. Einfach weil da mal auf ein paar Seiten zusammengefasst ist was man sich sonst mühsam zusammensuchen muss.

Was das Buch nicht ist: eine Hilfe beim "Entwurf" eines Gespannumbaues. Es wird zwar gut beschrieben was der Nachlauf ist und wie man ihn misst, aber es fehlen Beispielwerte und typische Bereiche/Abhängigkeiten.

Sehr fein hingegen - speziell für Gespannanfänger - die Praxistipps zum Fahren (lernen), Ablauf eines Gespanntrainings, Hunde im Beiwagen und vieles mehr.

In Summe ist das 164 Seiten starke Taschenbuch professionell gemacht und sein Geld sicher wert.


Motorrad-Gespanne im Eigenbau

Dieses Buch ist einzigartig und das vermutlich meistverkaufte Gespannbuch.

Erstmals wird der Versuch gewagt dem ambitionierten Motorradfahrer eine Schrift an die Hand zu geben, in der die Grundlagen der Anschlusstechnik vorgestellt werden. Ein Buch für Praktiker.

Ergänzt wird dieses Buch durch die Vorschriften und Zulassungsbestimmungen welche speziell Krafträder mit Beiwagen betreffen. Lebendig und praxisnah aufgeschrieben, und vollgestopft mit Tipps, Tricks, Kniffen, Ratschlägen und Hinweisen mit dem einen Ziel: Motorrad und Beiwagen sicher zu „verheiraten“.

Es ist die konsequente Ergänzung vom "Neuen Handbuch für Gespannfahrer" (ausverkauft, Neuauflage im Herbst 2009) in dem die theoretischen Kenntnisse vermittelt werden..
Die Autoren, Edmund Peikert und Dipl. Ing. Harald Grote, stehen für Fachwissen und Kompetenz im Gespannbau. Edmund Peikert Herausgeber und Autor des „Leitfaden für Gespannfahrer“ und Mitautor im „Neuen Handbuch für Gespannfahrer“ fährt und arbeitet seit 40 Jahren mit Gespannen. Harald Grote ist Sachverständiger und Prüfingenieur beim TÜV. Sein Hobby und Spezialgebiet sind – natürlich – die Gespanne.

100 Seiten, viele Abbildungen, DIN A 5, drucklackiert. (Das inzwischen meistverkaufte Gespannbuch aller Zeiten)


Meine Kurzkritik:
Aufgrund der fachlichen Info kann ich das Buch empfehlen, auch wenn es leider etwas lieblos gemacht ist: Die Bilder sind durchgängig nicht in Farbe, und wohl älteren Ausgaben entnommen, etwas überarbeitet und gut. Dementsprechend findet sich auch inhaltlich wenig, was nicht auch schon in der Vorgängerpublikation des BDVM enthalten war.
Beschrieben wird einzig der Anbau eines (gekauften, alten) Beiwagens an ein Motorrad mit Rohrrahmen, Punkt. Keine Geschichten "rundherum", auch nichts zum Thema Autobereifung oder Seitenwagen-Eigenbau, nichts zum Thema Vorderschwingen, die behandelten Seitenwagen sind auch schon gut 30 oder mehr Jahre alt.
Mal ehrlich - wer baut heute noch ein Stoye-Boot an eine R45?
Textprobe:
Kaum zu glauben, doch vor 50 Jahren waren fast alle Roller seitenwagentauglich. Heute sind davon nur noch einige Heinkels und Bellas übriggeblieben. Es kommt aber immer noch vor, dass an diese alten Schätzchen ein Seitenwagen angesachlossen werden soll".

Keine Rede von aktuellen Rollergespannen, Großrollern aus Japan, oder Gitterrohrrahmen-Flitzern aus Italien.

Die TÜV-Tipps sind für das deutsche Publikum sicher interessant - immerhin wurde das Buch von einem TÜV-Ingenieur mitverfasst.

Zusammen mit den doch recht häufigen Druck- und Satzfehlern und der "altemodischen Schreibe" ist mein Fazit: Bewährtes und auch ein wenig Verstaubtes, neu aufgewärmt.

Gryße!
Andreas, der motorang
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Beim Aufstehen helfen lassen, Krönchen richten, weiterfahren !! (nur langsamer ...)
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