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Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoleszenz

Di 06 Sep, 2016 12:40

(nur, falls das hier wen interessiert ..)

Der Starter der Kuh machte zeitweilig ächzende Geräusche, hörbar beim Ausrücken nach erfolgreichem Startvorgang. Klang nach trockener Reibung.
Diese Beobachtung zusammen mit forumsübergreifenden Erfahrungsberichten ließ mich heute mal der Sach auf den Grund gehen.
Ausbau war eher easy, nach Abschraubung diversen elektronischen Gerympels und Gummihammer-Losklopfung des oberen Motordeckels.
Der Staubschicht nach zu schließen dürfte da seit 1991 noch nie wer hineingeguckt haben.

Abgesehen davon, daß sich mit irdischem Werkzeug die 13er-Mutter der dicken Plusleitung überhaupt nicht festziehen bzw. lösen läßt,
hat die Konstruktion nur noch 2 weitere Schwächen - das Lösen der beiden Starter-Haltebolzen gelingt nur mit extraschlanker 1/4"-13er-Ratsche,
wobei der linke Bolzen gedreht werden muß, während der Starter nach vorne gezogen wird. Die Ratsche verbleibt andernfalls unentfernbar im Motorgehäuse.
(Alternative: Akku+Halterung und Airbox ausbauen, würg)

Tja. Der E-Starter ist ein hochwertiger Franzose namens Valeo, ein permanenterregter Kollektormotor mit einstufigem Planetengetriebe.
Händisches Drehen gelang nur gegen inneren Widerspenst - nach Zerlegung fand ich ein staubtrockenes Planetengetriebe und ein paar kg Kupferkohlenabrieb vor.
Immerhin ließen sich die Kohlen dank axialer Ausrichtung (tellerförmiger Kollektor!) theoretisch leicht tauschen. Sie waren aber noch lang genug, egal.
Das kollektorseitige Lager des miserabligen Jean Valjean ist absolut unzugänglich, es blieb unklar, warum sich der Rotor nicht um die Burg herausziehen läßt.
Starterfreilauf und Schraubtrieb waren untadelig gängig.

Alsdann:
- mit Druckluft entstaubt *hust*
- Unzugängliches mit Teflonspray gebadet
- Zugängliches mit WD-40 gebadet, abgeblasen, mit MoS2-Fett beschmiert
- Starterrelais-Hubmagnet-Anker geputzt, mit weniger zäher Schmiere als im Original bedacht

Erkenntnis:
- die Dinger sterben angeblich an Ablösung der geklebten Feldmagnete. Ob ihrer Form kann man die nicht mit Federclips o.ä. sichern. Meine klebten noch.
- Würden die Planetengetriebe ordentlich geschmiert, täten die Valeos wohl ewig halten. Das wurde im gegenständlichen Fall mit Bedacht verhindert.

Einbau folgt morgen, nur wenige Hürden dürften dabei noch folgen...
Lustig, daß das Toyoten-Yaris-Kinderauto ein gleichartiges Problem zeigte. Wer beizeiten dagegen was tut, hat den Starter länger als vorgesehen.

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 14:09

koarrl hat geschrieben:.....

Erkenntnis:
- die Dinger sterben angeblich an Ablösung der geklebten Feldmagnete. Ob ihrer Form kann man die nicht mit Federclips o.ä. sichern. Meine klebten noch.
- Würden die Planetengetriebe ordentlich geschmiert, täten die Valeos wohl ewig halten. Das wurde im gegenständlichen Fall mit Bedacht verhindert.


Abhylfe - so gewunschen:

Der Anlasser ist eine verbesserte Version, bei dem die Magnete des Startermotors im Feldgehäuse, im Gegensatz zum Valeo D6RA, nicht nur geklebt sind sondern auch durch zusätzliche Metallklammern gesichert werden.

Kostenpunkt: 159 Öre..... .

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 15:04

Die Metallklammern stützen sich durch ihre Form und das federnde Material bedingt an den Flanken der Magneten ab, so dass diese sich nicht mehr quer drehen können, wenn sich der Klebstoff löst. Dadurch halten die abgefallenen Magneten zwar länger ihre Position, aber ebenfalls nicht ewig. Nach meiner Einschätzung sind diese zusätzlichen Metallklammern ihren Aufpreis nicht wert. Man muss aber wissen, dass es jedes einzelteil des Anlassers bei einer polnischen Firma für schmales Geld gibt. Einem selbst gewissenhaft instandgesetzten Anlasser traue ich weiter, als jedem noch so teuren Edelbastlerteil

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 15:17

Die Klammervariante hab ich erguugelt und nach Betrachtung der Form meiner Magnete verworfen. Was immer du zwischen 2 dieser Magnete hineinklemmst, es wird sich an der Außenwand des Stators abstützen und die Magnete gegen die Kleberkraft nach innen zu drücken trachten. Anderswo sind die Magnet-Seitenkanten in Richtung des Rotor-Radius geformt, dort geht das.
Wurscht, zur Not kann man die Gurke ja auch Le Mans-starten. Und ein gebrauchter Valeo ähnlich zweifelhafter Qualität kostet eh nur um 100,-.
Aber fürs erste sollte dieses Thema abgehakt sein, ich wollte nur endlich mal ein Reisegerät im Sorglos-Zustand (sozusagen mit ausgeräumten Verdachtsmomenten) bereit stehen haben :-)

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 17:09

Die Nachbau-Valeo-Fälschung kostet neu um die 80 Euro und hält in meinem Lukas jetzt immerhin schon das vierte Jahr....

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 19:03

fleisspelz hat geschrieben:Die Nachbau-Valeo-Fälschung kostet neu um die 80 Euro und hält in meinem Lukas jetzt immerhin schon das vierte Jahr....


In der "2-XT-500" hält das die Alanko-Fälschung das 8. Jahr. Ohne Streit.

- das Lösen der beiden Starter-Haltebolzen gelingt nur mit extraschlanker 1/4"-13er-Ratsche,
wobei der linke Bolzen gedreht werden muß, während der Starter nach vorne gezogen wird. Die Ratsche verbleibt andernfalls unentfernbar im Motorgehäuse.

Deshalb hat man ja auch zwei kleine 1/4 knarren mit kurzen Stecknüssen. Die können im Motor bleiben, solange der Starter raus ist. Dadurch verkürzt sich die Arbeitszeit ca um die Hälfte.

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 19:55

Lederclaus hat geschrieben:Deshalb hat man ja auch zwei kleine 1/4 knarren mit kurzen Stecknüssen. Die können im Motor bleiben, solange der Starter raus ist. Dadurch verkürzt sich die Arbeitszeit ca um die Hälfte.

:lol: :smt023

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 20:02

Alanko werkelt im Watz auch schon länger problemlos. :-D

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Di 06 Sep, 2016 20:51

Bei Fernreiseteile.de gabs mal die Gehäuse mit den Magneten einzeln zu kaufen für schmales Geld, dort waren die Magnete auch angeblich anders verklebt und zusätzlich gesichtert. Hält jetzt seit ein paar Jahren problemlos, auch im Offroad und Reise-Einsatz.
Für die alten Motoren gibts ja noch die bleischweren Bosch-Anlasser, die bekommt man auch nicht kaputt. :ugly:

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Mi 07 Sep, 2016 06:12

Stimmt. Die Bosch halten lang. Gibt es auch für den leichten Schwung, sind aber unterhalb 3 Grad Celsius problematisch

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Mi 07 Sep, 2016 08:21

koarrl hat geschrieben:(staubtrockenes Planetengetriebe und ein paar kg Kupferkohlenabrieb


Sowas in der Art hab ich bei der TR1 letzte Woche auch gefunden, glücklicherweise etwas früher als du, weil bei mir hats noch keine Folgeschäden produziert...

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Mi 07 Sep, 2016 09:33

Richy hat geschrieben:Für die alten Motoren gibts ja noch die bleischweren Bosch-Anlasser, die bekommt man auch nicht kaputt.

Also:
Haltbar, ja, schwer, ja, aber der Akku muss in guter Verfassung sein, sonst mordet der Startstrom ihn hin.
Habe bei meiner R65 mit einem AGM-(=Blei-Vlies)/VRLA gute Erfahrungen gemacht.
Im Gegensatz zur vorher verwendeten Flüssigsäurebatterie hatte der AGM kaum Selbstentladung und die Kuh sprang ohne zähes Geleier nach dem Winter spontan an.
Regards
Rei97

Dancing with Mr Murphy (gekürzte Version)

Mi 07 Sep, 2016 10:28

"Da muß man ja nur ..."

Der Anlasser wird vor Einbau natürlich getestet. BLITZ.
Theorie: Testakku schwach, ach was, das Ergebnis wird nicht akzeptiert.
Anlasser einbauen.
Knopf drücken.
NIX.
Multimeter holen. Kaputt.
Anderes Multimeter? Unauffindbar.
Theorie: Akku darnieder. Ladegerät.
Erster Wiederausbau.
Auto: Haube auf, Strippen holen.
Autoakku dran. BLITZ.
Zerschraubung (Theorie: irgendwas verspannt, klemmt, ??)
Nix gefunden.
Zusammenschraubung.
Starterrelais: KLACK, Motor: rrrrrr! Allerbest.
Anlasser einbauen.
Knopf drücken.
NIX.
Fluchend ausbauen.
(Dieser Akt wird auf Publikumswunsch noch zweimal wiederholt, dann wird Druck gemacht.)

Schließlich wird eskaliert. Heftig fluchend wird irgendein unauffindbarer Kurzschluß in Zusammenhang mit dem Blechkapperl, unter welchem die Bürstenplatte versteckt ist, diagnostiziert.
In Anbetracht der davonrinnenden Zeit wird ein Spraydosenkapperl in die Form des blechern-französischen Valeo-Stahlhelms geschnitten, gebohrt, montiert.
Für Experten: die eine Bürste liegt eh auf Masse, die andere ist wohl isoliert. Beide Bürsten haben ein Zwischenplättchen aus Epoxi-GFK, damit die gemeinsame Druckfeder keinen Kurzschluß machen kann.
Sehr mysteriös, wo da ein Kurzer entstehen konnte.
Letzter Zusammenbau, alles bestens. Unter 2 Stunden darf so eine Kleinigkeit nicht dauern.

(Achtung! Dieses Posting kann leere und hohle Redewendungen aus meinem Arbeitsumfeld enthalten.)

k.

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Mi 07 Sep, 2016 15:14

aber die Handlung befördert weniger stabile Psychen an den Rand des :ugly:

Re: Von BMW-Anlassern oder: die deutsch-französische Obsoles

Do 08 Sep, 2016 09:43

Allerherrlichst geschrieben. Man ist - beim Lesen - förmlich in der Handlung 'drin..... .

:-D

(Neu kaufen kann schließlich jeder.....)
Glyckwunsch zur gelungenen Improvisation (Blechkapperlzuschnitt)..... .

Nun kann weiteren Fernreisen nichts mehr im Wege stehen. :check:
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