Philosophisches Thema - Kupferdichtungen glühen

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Re: Philosophisches Thema - Kupferdichtungen glühen

Beitragvon fleisspelz » Mi 13 Mai, 2015 07:13

Eigentlich steht schon alles hier im Thread, Chris.

Weichmetall Dichtringe härten mit der Zeit aus, während sie einfach an ihrer Einsatzstelle sitzen und ihre Arbeit tun. Das ist nicht schlimm, weil sie dabei ihre Form beibehalten und nichts weiter tun, als z.B. Ölablassschrauben abzudichten. Wenn man nun die Verschraubung löst, um das Öl abzulassen und anschliessend den alten Dichtring weiter verwenden möchte, weil man vergessen hat, einen neuen zu beschaffen, dann glüht man den Dichtring aus, um das Molekulargeflecht wieder zu entspannen und damit zu erreichen, dass der Ring wieder weich wird und damit besser den gewünschten Formschluss beim Wiedereinschrauben annehmen kann.

Metalle haben die Eigenart, ihre Moleküle beim Bearbeiten so zu verdrehen, dass sie härter werden und geringfügig ihr Maß verändern. Durch gezielte Wärmebehandlung können die Moleküle "entspannt" werden
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Re: Philosophisches Thema - Kupferdichtungen glühen

Beitragvon Mister B » Mi 13 Mai, 2015 07:20

ETZChris hat geschrieben:Bitte nicht schlagen: Warum sollte ich das tun? Also das Ausglühen?

:omg:

Damit man nicht fünfmal nachziehen muß. :-D
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Re: Philosophisches Thema - Kupferdichtungen glühen

Beitragvon hiha » Mi 13 Mai, 2015 08:05

Vielmals sorrxy, aber der Klugscheißer bricht wieder aus mir heraus:
Sie härten nicht während des rumwartens aus, sondern bereits beim Anziehen der zu dichtenden Verbindung, das heißt dann "kaltverfestigung".
Der Unterschied beim Einbau einer bereits kaltverfestigten, im Vergleich zu einer ausgeglühten Kupferdichtung ist deutlich spürbar. Wer das öfter macht, aber zum ersten Mal mit ausgeglühten Kupferdichtungen, der wundert sich, ob vielleicht das Gewinde schon hin ist, so weich geht die Schraube...

Gruß
Hans
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Re: Philosophisches Thema - Kupferdichtungen glühen

Beitragvon kohai » Mi 13 Mai, 2015 08:51

man kann das noch einfacher experimentell erfahren: man nehme einen (dicken) kupferdraht und glühe den aus. dann biege man ihn, und wundere sich ob der leichten biegbarkeit. wie butter! doch halt: etwas passiert... plötzlich wird der draht hart! noch während der biegung. voila, c'est la écrouissage, n'est-ce pas?
ganz gewiefte sind erst nach erneutem ausglühen restlos überzeugt...

gruß, kohai
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Re: Philosophisches Thema - Kupferdichtungen glühen

Beitragvon ETZChris » Mi 13 Mai, 2015 10:00

Danke.
Ich nehme selten Dichtringe mehrmals :oops:
Müssen neue Ringe auch ausgeglüht werden? Ich denke nicht...
Gruß
Christian
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Re: Philosophisches Thema - Kupferdichtungen glühen

Beitragvon fleisspelz » Mi 13 Mai, 2015 10:39

Da hat der Hans natürlich recht, das hab ich schlampig geschrieben. Grundsätzlich gilt das für alle Metalle, dass sich die Molekularstruktur beim Bearbeiten verändert, bei Kupfer macht es sich halt besonders stark bemerkbar. Streng genommen wird das Kupfer sogar - kaum bemerkbar - weicher mit zunehmender Alterung, weil es fortgesetzt erwärmt wird und wieder abkühlt. Halt nie im relevanten Temperaturbereich....
Werks Rennmotoren werden aus dem selben Grund aus gebrauchten, 300.000 km und mehr alten, Motorblöcken aufgebaut. Die sind gealtert, die Molekularstruktur ist entspannt und daher extrem Maßgenau, was ermöglicht, mit sehr engen Toleranzen zu arbeiten
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