Ich entfette eine neuen Bowdenzugseele nicht vor dem Löten. Die ist eh neu und bestenfalls ohne Fett und Korrosion. Das Wichtigste ist eh, daß man den Zug nach dem Durchstecken durch den Nippel mit einer kleinen aber sehr stabilen Spitzzange so kurz wie möglich umbiegt und wieder in den Kelch des Nippels zieht. Ruhig mit etwas Gewalt.Ich mach das im Schraubstock: Nippel vor die Backen halten, so daß der Zug nicht eingeklemmt wird und mit aller Kraft den aufgedröselten und umgebogenen Teil so in den Nippel ziehen, daß so viele Enden wie möglich mit in den Nippel gezogen werden. Dann leg ich den Nippel oben auf die Backen des Schraubstocks und klopfe mit einem ganz kleinen Schlosserhammer (max 200 Gr) soviel wie möglich von dem vorstehenden Drahtgewusel in den Nippel. OHNE den Nippel dabei zu verformen. Jetzt gebe ich etwas Lötfett auf den Zug und mache den Nippel mit einem 40 Watt Lötkolben warm. Dadurch verläuft das Lötfett und benetzt Draht und Nippel. Unterdessen halte ich den Lötzusatz schon mal an den Draht. Fängt er an zu schmelzen, schiebe ich so viel davon in die Lötstelle, wie notwendig, um oben auf dem Draht eine Haut zu bilden. Aufpassen! Das Lot darf nicht in den Bowdenzug auf der anderen Seite des Nipples laufen! Sonst härtet der Zug dort auf und bricht am Nippel ab. Eine Oberflächenspannungshaut am Nippelausgang ist ok und zeigt außerdem, daß das Lot durchgelaufen ist und alles benetzt hat.
Das Lot wird IMMER am Werkstück abgeschmolzen, nie am Lötkolben! Sonst gibt es eine kalte Lötstelle und das hält nicht.
Der Trick am Bowdenzüge löten ist, daß der Knoten durch das Lötzinn stabilisiert wird und so nicht mehr durch das Loch gezogen werden kann. Man kann keinen geraden Bowdenzug so im Nippel festlöten, daß er nicht herausgezogen wird!Nur den Knoten hält den Zug im Nippel.
Lötfett und Lötzusatz: Mir ist klar, daß die Säure im Flußmittel des Drahtes und das Lötfett aggressiv sind und für Korrosion sorgen. Sparsam einsetzen und so löten, daß Draht und Nippel vollständig benetzt werden. Wo keine Luft ran kommt, gibt es keine Korrosion. Meine Züge sind lange haltbar, natürlich ist irgendwann mal Ende. Das kommt aber selten früher als bei gekauften, ohne Chemie verpressten Zügen. Der beste Lötzinn ist für mich persönlich Stannol Sn99Cu1 Kristall 400 1,0mm.
Das Zeug ist mit Flußmittel gefüllt und läßt sich ausgezeichnet verarbeiten. Auch auf älteren Kabeln mit leichter Korrosion anwendbar und verläuft sehr gut. Gibt es zB bei Conrad, aber überall anders auch.
