Dieser Thread vom Uwe Steinbrecher (danke!) hat mich angeregt, Euch mal eine persönliche Empfehlung zu geben, was man ggf. gegen beschlagene Brillen beim Kradieren tun kann.
Ich trage seit meinem fünften Lebensjahr eigentlich Brille, weil ich weitsichtig bin und latent schiele. Meine Eltern wussten es nicht besser, sonst wären sie mit mir noch früher losgezogen und hätten was gegen das Schielen und das damit verbundene nur latent mögliche dreidimensionale Sehen unternommen. Aber darum geht´s mir hier nicht.
Die Altersichtigkeit setzte bei mir wie ich finde relativ früh mit etwa 45 Jahren ein, seither brauchte ich eine Brille mit Nahteil (bifokal bzw. Gleitsicht), um vernünftig lesen zu können. Weil ich im Beruf sehr viel am PC arbeite/zeichne und nebenher auch auf dem Schreibtisch, d.h. mit unterschiedlichen Distanzen, führte die Gleitsichtbrille bei mir sehr häufig zu sehr starken, schmerzhaften Verspannungen der Nacken- und Rückenmuskulatur. Es scheint für Optiker schwer zu sein, speziell mir, bedingt durch die Schielneigung, eine Gleitsichtbrille gut anzupassen, weil sich der Augenbstand ständig verändert (laienhafte Beschreibung).
Mein Augenarzt, bei dem ich schon etwa 25 Jahre bin, hat mir nun vor über 10 Jahren empfohlen, einen Versuch mit Gleitsichtkontaktlinsen zu unternehmen. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass dies für mich eine Super Sache war und ist! Ich war zunächst skeptisch. Ich wollte erst mal nix "im Auge haben" und hatte Zweifel, ob das überhaupt, und wie das geht. Es geht, und wie! Ich konnte mir zunächst über ihn zwei Probelinsen bestellen, die mir seine Assistentin fachgerecht einsetzte. Nach den ersten etwas irritierenden Minuten war ich begeistert:
1. ich habe ein uneingeschränktes Sichtfeld in alle Richtungen und sehe auf jede Distanz scharf,
was ich auch auf Baustellen gut gebrauchen kann
2. ich kann auch auf Tacho und Drehzahlmesser wirlich etwas erkennen

3. ich kann jede beliebige Sonnenbrille tragen
4. beschlagene Brillengläser sind Geschichte (beim Skifahren ebenso nützlich)
5. ich kann eine Kneipe betreten und erkenne die Leute unmittelbar
6. ich kann ohne Brille im Helm fahren, d.h. sie stört nicht beim Auf-oder Absetzen
7. beim Fahren mit offenem Visier im Regen stören mich keine Tropfen auf den Gläsern
8. beim Skifahren kann ich jede Skibrille hernehmen
9. usw.
Ich war vor etwa einen Vierteljahr wieder zur Kontrolle bei ihm, und er ist immer noch erstaunt, wie gut ich damit klar komme. Viele andere seiner Patienten haben den Test abgebrochen, aus verschiedenen Gründen. Seine Schwester hat ebenfalls eine Augenarztpraxis und hat ähnliche Erfahrungen. Daher meine Einschränkung, dass das nicht für jeden hier eine gute Sache sein muss. Kurzsichtige kommen nach Aussage meines Arztes weniger häufig damit klar.
Die Multifokallinse funktioniert übrigens nicht wie eine Gleitsichtbrille wie Ihr sie sonst kennt: Der Nahbereich ist hier in der Mitte der Linse, und das Auge sucht sich selber den Bereich, wo es am besten sieht. Sie rutscht beim Einsetzten auch automatisch an die richtige Stelle und bleibt dort (weitestgehend
). Wer hier allerdings eine Eier legenden Wollmilchsau erwartet, muss enttäuscht werden: Die Dinger sind weder auf die Nähe noch auf die Ferne wirklich perfekt, aber in Summe eine Super Sache. Wer das beherzigt, wird auch nicht so leicht enttäuscht.Zu den technischen Dingen:
Ich bin weitsichtig (+3,25/+3,50) und habe Hornhauptverkrümmung, links hauptsächlich (dazu später).
Es gibt auf dem Markt (weiche) Multifokallinsen mit einem Nahbereich von max. +2,5 Dioptrien. Das hat zum Lesen eine ganze Zeit lang ausgereicht und reicht mit meinen fast 62 Lenzen immer noch ganz gut zum Lesen einer Speisekarte, so lange ausreichendes Licht vorhanden ist. Je dunkler es in der Umgebung ist, desto schlechter kann ich etwas entziffern. Inzwischen benötige ich aber für längeres ermüdungsfreies Arbeiten am PC oder in der Garagenwerkstatt eine Zusatzbrille. Ich habe dafür eine Fertigbrille vom Optiker (16€) von +1,0 Dioptrien oder für feine Arbeiten eine alte Brille von früher. Kaufhausbrille geht auch, man trägt sie ja nicht ständig.
Zur Hornhautverkrümmung: Es gibt meines Wissens keine sog. torischen Multifokallinsen auf dem Markt, die eine Verkrümmung ausgleichen können. Das linke ist mein Hauptauge und hat eine Verkrümmung, aber ich ignoriere das einfach, sehr zur Verwunderung meines Augenarztes. D.h. in der Praxis, dass ich die Linse mehrmals am Tag etwas mit dem Zeigefinger zurecht schiebe, natürlich durch das Augenlied, bis ich wieder scharf sehe. Manch eine/r mag sich ja generell nicht am Auge rummachen, aber man gewöhnt sich daran, glaubt mir.
Wichtig: Wer Kontaktlinsen trägt, muss penibel auf Sauberkeit achten! Ich habe das anfangs nicht so genau genommen und hatte meine Schwierigkeiten, aber die dann auftretenden Probleme haben sich alle nach Einhaltung dieser Regel relativiert. Und: je feuchter die Umgebung ist, desto angenehmer ist das Tragen. An heißen Tagen, auch wenn ich schwitze, muss ich sie mir manchmal zwischendurch rausnehmen, sauber machen und wieder einsetzen. An Wochenenden trage ich häufig eine Bifokalbrille, mache also ein Pause. Auch wenn ich ins Kino gehe, trage ich häufig eine Brille, weil halt die Fernsicht nicht ganz perfekt ist, s.o.
Meine Linsen sollen monatlich ersetzt werden und kosten etwa 10 Euro pro Stück (6er Pack). Manchmal überziehe ich das auch etwas, auch weil ich denke, gut auf Sauberkeit zu achten. Soll aber ausdrücklich keine Empfehlung von mir sein. Von den Kosten her entspricht das umgerechnet etwa denen einer guten Gleitsichtbrille.
So, das war´s erst mal. Wenn Ihr noch Fragen zu meinen persönlich Erfahrungen hierzu habt, immer her damit. Für augenärztliche Fragen bin ich aber ausdrücklich nicht zuständig und verantwortlich und verweise auf Eure/n Augenarzt/in. Aber: probiert´s mal aus!



aber ich mit meinen Dioptrüsen kenn mich da goa ned aus ...