Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Hier geht es um AiA-taugliche Motoren, Maschinen, Fahrzeuge. Wyrdiges Zeug kwasi :D

Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon Jonas » So 09 Mai, 2021 12:12

Gestern habe ich Klaus ("Klaus P.") besucht und ihm von meinen lustigen Vergasereinstellereien berichtet. :D Klaus hat mir aus seinem Fundus daraufhin einen Artikel rausgesucht, der mich sehr erstaunt hat:

In der Oldtimer Markt 5/2013 ist ein Artikel über Bing Gleichdruckvergaser an BMW zu finden (entnommen aus dem Buch "Boxer-Technik Band 3 - Repariert und optimiert"). Dort wird u.a. die Bearbeitung einer Düsennadel gezeigt, ich zitiere: "[...] Im ersten Schritt haben wir den serienmäßigen Durchmesser von 2,465 auf 2,455 mm, also um genau ein hundertstel Millimeter reduziert. Dazu wird die Düsennadel vorsichtig in eine Ständerbohrmaschine gespannt und der zylindrische Teil mit 1200er oder 2000er Läppleinen herunter geschliffen. Dabei unbedingt darauf achten, dass die Nadel wirklich genau zylindrisch geschliffen wird! Die Düsennadel besteht aus relativ weichem Neusilber, deshalb müssen wir vorsichtig arbeiten und häufig nachmessen. Es versteht sich von selbst, dass hierzu Routine im Umgang mit einer Mikrometerschraube erforderlich ist und auf 0,005 mm sicher gemessen werden kann. [...]"

"Im Gesamtergebnis konnten wir den Verbrauch ohne Abstriche bei der Fahrbarkeit um zehn Prozent absenken."

Auf 0,005 mm sicher gemessen! :shock:

Ich bin ja fachfremd, und der Herr in besagtem Bericht wird sicher wissen was er da tut - aber wie ist das möglich? Einmal die Düsennadel in die warme Hand genommen, und die Messung ist für die Katz`?!? Oder doch nicht, und sowas geht schon, wenn man´s kann?!?

Was meinen die Profis hier dazu?
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon hiha » So 09 Mai, 2021 12:26

Naja, geht schon, aber Du brauchst eine Bügelmesschraube -oder besser was mit Uhr- mit flachen, schneidenartigen Spitzen, und es muss das halbe Hundertstel geschätzt werden. Mit etwas Routine geht das. Heutzutage sind Nadeln oft aus eloxiertem Alu. Da wird es sehr schwierig, was reproduzierbares runter zu schleifen.
Die Wärmedehnung einer 2,5mm dicken Nadel kannst Du ja mal ausrechnen, für 5 my brauchts da schon ein bisserl mehr.
Gruß
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon schnupfhuhn » So 09 Mai, 2021 12:29

mit einer guten Bügelmessschraube geht das 100tel spielend, 0,003mm kann man zwischen den Strichen schätzen. Mit einer Mitutoyo in Digital misst Du 0.001 ohne Probleme. Nicht nur an das anfingen denken, sondern auch an die Schleifreibung. Die macht ja auch warm.
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon hiha » So 09 Mai, 2021 12:34

Wir mussten übrigens seinerzeit beim Siemens Passungen feilen, die auf 2/1000mm toleriert waren. Mit ziemlich normalen Handfeilen.
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon Jonas » So 09 Mai, 2021 21:36

Erstaunlich! :smt023
...und ich freu mich, wenn ich beim Bekannten an der Drehbank Distanzhülsen bis auf 1/10 mm genau gedreht bekomme. :D
Danke für Eure Infos.
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon schnupfhuhn » So 09 Mai, 2021 21:56

Da nimmt man ein Opfernadel, misst, geht mit einem geölten Schleifleinen mit Bekannter Körnung ran, zählt bis 3, misst, macht wieder 3 Sekunden und misst erneut. Messungen aufschreiben, Abtrag pro Sekunde rausrechnen. Testweise auf ein Maß zielen, schauen ob man es trifft und in welchem Toleranzfenster, fertig.

Schleifleinen in verschiedenen Körnungen von Matador holen, auf eine gehobelte Dachlatte mit Tape aufkleben. Dann hast Du einen fast harten Rücken an dem das Schleifleinen sich abstützen kann.

Ölen, sonst beisst es erst wie die Pest an und trägt dann nix mehr ab.

Dann ran an die echte Nadel...
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon Jonas » Mo 10 Mai, 2021 09:30

Aha! Sehr gut... :smt023

Ich bin jetzt mit ´ner Handvoll Nadel- und Hauptdüsen zum Probieren und einer Standarteillastnadel dahin gekommen, wo die Karre sowohl bei 25 als auch bei 10 Grad Außentemperatur fährt, wie ich es möchte. Ob so feinstoffliche Bearbeitung noch nötig und für mich überhaupt erfahrbar ist - erstmal nicht, denke ich. Aber gut zu wissen, dass, und wenn und wie! :smt023

Gestern noch mit ´nem Freund gesprochen, dass wir weg wollen von "jede Fahrt eine Probefahrt". Verkrampft doch nur, mental. :omg: Gut, bei 15 PS hab ich nix zu verschenken, seine Mopeds sind da anders, aber trotzdem. Fährt, ruckelt nicht, geht nicht aus, Übergänge stimmen, Leistung ebenfalls, Öl bleibt halbwegs drin, passt. Also fahren...
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon Dreckbratze » Mo 10 Mai, 2021 11:40

:smt023
die optimale kurvenlinie ist aussen-innen-aussen und nicht oben-unten-platt...
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon AIAndy » Di 11 Mai, 2021 18:33

Jonas, zu viel ist auch nicht immer gut.... ;o)
Fahren! Fühlen! Und irgendwann beschrauben.... wird nicht immer besser dadurch... ;o) ;o)
Das Leben ist zu kurz um TÜV geprüfte Motorräder zu fahren!
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Re: Düsennadel bearbeiten und auf 0,005 mm genau messen

Beitragvon Jonas » Di 11 Mai, 2021 20:35

Deswegen ja mein letzter Beitrag... :smt023 Keine Probefahrten mehr, wenn eben möglich. Ich merke auch, wie ich zusehends lockerer werde auf dem Ding und das Vertrauen langsam zurückkommt.

Der Thread hier war nur aus Interesse gestartet, weil´s mich so überrascht hat, was alles möglich ist. Ich selbst würde eher weniger Teillastnadeln bearbeiten wollen. Die ganze Abstimmungssache ist schon wirklich komplex, finde ich. Bei meiner MZ seinerzeit hieß es 135er HD, LLD bissl größer, Teillastnadel Kerbe wasweißich und dann lief das Ding jahrelang ohne Probleme, was den Vergaser anging. Ventile gab´s auch keine. :D Hab nie was vermisst oder bemängeln können. Die Enfield hingegen... Wenn´s dich mit 70 mehrfach nach vorne wirft, weil der Motor stumpf ausgeht, dann verlierst du halt das Vertrauen ins Moped, verkrampfst auf dem Bock... parallel dazu langsames Magnetsterben... Krieg DAS mal auseinandergebröselt, wenn du neu in der Materie bist, was nun woran liegt oder auch nicht... mimimimimi... :fiessgrinz:

Aber et wird. :weg: :ugly:
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