Soderle,
hab mal die interessante Diskussion studiert und das Daumendrycken bedankt.
Mal zu den technischen und sonstigen Sachen:
Ich hab den Bock von HH bis Göteborg nicht bergab in den Begrenzer laufen lassen. Bei 100km/h hab ich es gut sein lassen. Die Sache lief die prima.
Am nächsten Tag plötzlich auf der Landstraße ohne besonderen Fahrzustand kurz vor der Grenze zu Norwegen das bekannte Dieselspritzen links.
Ein Fluch, Runtergeschluckt, auf einen Parkplatz und Düse getauscht. Dabei auch gleich eine neue Klammer , die den Düsenhalter hält, eingebaut.
Nach 1 Stunde Weiterfahrt.Vor Oslo fängst an zu schiffen und meine Sorgenblicke auf die linke Motorseite werden weniger, hören aber den gesamten Urlaub nie mehr auf. Der Motor läuft, aber subjektiv zäher; geht aber. Irgendwann bekommt in meinem Kopf das Mistwetter Oberhand und so gegen 20 oder 21.00 Uhr mag ich nicht mehr. Campingplatz, Zelt im Regen aufgebaut, Dusche, Essen kochen, Schlafen.
Am nächsten Tag ist schönes Wetter (zuerst) aber nach 1 h Fahrerei hab ich den Regenanzug wieder an.
Immer wieder der besorgte Blick nach links auf den Motor und die Karre läuft immer zäher.
Gegen Abend gehts hoch auf ein Fjell, Auffahrt meist nur noch im 3. oder 2. Gang wo eigentlich 1 Gang mehr gehen müsste. Es schifft zum Katzenerweichen...
Irgenwann rundrum nur noch Schneelandschaft, vereiste Seen und eine Aufahrt über eine Schotterpiste. Arschglatt bei dem Regen. Weiter im 2. Gang.
Kiste läuft immer lauter und rauher; Leistung wird immer schwächer.
Halt gemacht, linke Motorseite komplett eingerußt

Oha, das wird ernst, nur noch raus hier...
Zurück auf die Straße und Blick auf die Karte. Es geht nur weiter nach Norden, aber ein Aufstieg kommt noch. Zurück wäre bergab und damit für die Mühle leichter, aber auch ewig bis um nächsten Ort (110km). Nee, weiter...
Der Anstieg zum nächsten Fjell ist eine Quälerei mit dem Motor. Es rußt heftig seitlich aus dem Motor. Verdacht der hinnigen Kopfdichtung.
Irgendwann nur noch Regen, Nebel und beidseitig Schneewände. Ich bin schon ewig unterwegs, der Bock spinnt, meine Nerven sind am Ende. Was mach ich hier eigentlich für einen Scheiß?
Ich hab jede Kurve gezähl, jeden noch so kleinen Anstieg verflucht, ich wil nur noch raus aus der Scheiße. Verkehr hab ich seit 2 h keinen mehr gesehen. Mein Termometer zeigt +2°C. HIER will ich nicht liegen bleiben. Kurze Pause, Handy testweise angemacht, kein Empfang. Jetzt wird es unlustig. Es ist 20 Uhr.
Irgendwann bin auch dem Mist raus, in einem Ort auf der Höhe Trondheim.
Ich will nicht mehr, bin fertig mit den Nerven.
Ein Bier, eine Dusche, was zu Essen.
Nee, ich geb nicht auf! Der Plan: Hier kann mir nix passieren, außer dass ich vieleicht einen Tag auf Hilfe warten muss. Ist aber eine nette Gegend. Wenn ich die Kiste wieder hin bringe, fahre ich nicht weiter Richtung Polarkreis, da mir dort bei zunehmend dünnerer Besiedlung die Sach zu heiß wird. Ich fahr wieder Richtung Süden und fahr so lange die Kiste läuft. Eine Ersatzdüse hab ich ja noch. Aber die verstopfte bleibt drin, so lange das Ding geht.
Also um 23.30 Uhr angefangen den Motor zu beäugen. Kurzfassung von einer Schrauberei bis 3.30 Uhr: Es war nicht die Kopfdichtung, sondern die neue Düsenhalteklammer war etwas locker. Bin leider erst drauf gekommen, als ich schon alles weg hatte, um den Kopf runter zu reißen.
Pennen. Nächster Morgen: Regen, Nebel, Weiterfahrt. Motor hat wenig Leistung läuft aber ohne Ruß und leiser. Wahrscheinlich Düse dicht von einem Span des sich wieder selbst heilenden Magnetschalters.
Die Sache hat weitere rd. 3.000 km bis nach Hause gehalten und irgendwann heute auf der Dosenbahn hat sich wohl auch das verstopfte Düsenloch wieder geöffnet. Der Motor lief heute wirklich gut. Von der Bratwurst auf der Wasserkuppe

bis heim über die A9 immer so 95 bis 105 km/h.
Warum ich den DD genommen habe?
Ich fühle mich zu wenig blöd, um das nur nach einer Ideologie zu entscheiden.
Der DD war (und ist) für mich das Gefährt, mit dem ich den Urlaub machen wollte. Mit der Weh wäre ich vieleicht nach Gallien oder über Alpenpässe gefahren, aber nicht nach Norge. Ein langsames Gefährt, das ich wirklich mag in einer Landschaft, die nach Langsamkeit verlangt. Ein Bock, den ich stundenlang fahren kann, ohne gefährliche Konzentrationsprobleme zu bekommen. Mit der Weh wäre es emotional entspannter gewesen, aber auch seelenloser. Es wäre nicht MEIN so geplanter Urlaub gewesen.
Ich hab manchmal eine Dickschädel und will es wissen. Vielmehr will ich aber noch wissen, wie ich mit Subperfektion umgehen kann. Wie ich emotional mit Krisen umgehen kann. Es war eine Reise, die wirkich Nerven und sehr viel Zuversicht benötigt und gekostet hat. Aber DAS Erlebnis will ich nicht mehr missen. Ich hab wieder was über mich gelernt und habe vieleicht nicht meinte Nervengrenze weiter gezogen, aber ich kann wieder ein Schritt besser damit umgehen. DAS ist das Erlebnis der Reise für mich.
Es war meine emotionalste Reise, aber auch die Schönste.
Und Norwegen ist wirklich ein Traum. Und -entgegen aller Gerüchte- ganicht mal so teuer da.
2 Forellen haben die Fliege genommen, in der Mittagspause, an einem See, auf einem Fjell...
Ach ja: 10 Tage waren geplant, 9 sind es geworden. Das ich mein Ziel, den Polarkreis nicht ereicht habe, geht mir derzeit nicht nach.
Der DD bleibt im Stall, aber ich werd die Sache jetzt mal grundsätlich angehen. Ich gehe derzeit davon aus, dass die Ersatzdüsen Müll sind oder mein Motor einen Patscher hat, der ungut Schwingungen erzeugt. Dei jetztige Düse hat aber über 3.000km heftigste Quälerei ausgehalten. Zuletzt von DK nach Hause über 1.500km Dauervollgas.
Jetzt geh ich mal die 650 Bilder laden...
OllY
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Blechroller am So 01 Jul, 2007 00:24, insgesamt 2-mal geändert.