15. August 2014
Hallo zusammen. Endlich war es mir möglich, den Text bezüglich Meckis Puch SGS 250 fertig zu stellen. Hat dieses launische, kühle und regnerische Augustwetter doch sein Gutes.
Da müsst ihr jetzt durch, denn ich wollte nicht einfach nur eine schnöde Verkaufsanzeige starten sondern auch eine kleine Geschichte rund um Mecki und Puch, die ich aus meinen Erinnerungen, meinem Papierfotoalbum und den Aufschrieben aus dem Puchordner schöpfen konnte.
Sonntag, 27. Juli 2014:
Jetzt sollte also Meckis Puch SGS an der Reihe sein.
Ich ging zur Sitzecke im Esszimmer, wo meine Mutter Meckis Geldbeutel ablegte. Ich beraubte diesen um seinen letzten Kfz-Schein, jenen seiner Puch SGS 250 von 1954. „S – SG 53“ steht vorne geschrieben. Seine silberfarbene ETZ 250 wurde ja am 7. Mai abgeholt, sie ging nach Thüringen. Seine Diesel-MZ konnte ich in allerletzter Minute doch noch vor einem Verkauf bewahren, Ende Juni übernahm ich sie. Sie befindet sich momentan noch im Reparatur – und Umbaumodus u.a. von Gespann auf Solo), am 24.7. meldete ich sie an. Und die zerlegte AJS 16 MS von 1953 mit 18er Motor, die komplett zerlegt und nur noch zu ¾ existierte, wurde im Januar abgeholt, sie ging ins Saarland. Sie stellte die allererste ebay-Auktion bezüglich der vielen AJS-Teile dar, von denen noch ca. 2/3 übrig sind und die ich wieder ab Herbst für meine Mutter anbieten werde. Auf dieser 16 MS saß ich übrigens als siebenjähriger Bub hinten drauf, als wir 1984 nach Dijon auf eine Jampotrallye fuhren. Auch das war ein Abenteuer. Dieses und andere machten es mir sehr schwer, diese hergeben zu müssen. Seit 1989 stand sie abgemeldet in Meckis Garage!
Als ich den Kfz-Schein der Puch entnahm, fiel mein Blick auf Meckis Foto seines Personalausweises…Das war schon alles zum Heulen. Bis heute ist es mir nicht vollständig gelungen, die letzten zwei Seiten meines Kopffotoalbums mit Pattex zusammenzukleistern um den Fotos der schönen und unbeschwerten Tage, Monate, Jahre zu einem „Alleinstellungsmerkmal“ zu verhelfen. Das wird hoffentlich noch werden. Die Vergänglichkeit eines Menschenlebens und die Dinge wie Motorräder und all die Erinnerungen und Erlebnisse um diese herum, die den Menschen und sein Werken doch unvergänglich machen und weiter getragen werden…Ich versprach ihm, alle drei Kfz-Scheine, den der Puch, der MZ ETZ 250 und der Diesel-MZ als Kopie wieder in den Geldbeutel zu stecken. Mobilmachung dort droben im Firmamente. Und anschließend holte ich die SGS aus dem Schuppen hervor und putzte sie etwas, um sie dann auf dem Gartenweg fotografieren zu können. Danach kamen die gesamten Einzelteile dran.
Eine kleine Puch-Chronologie mithilfe von Erinnerungen, Papierfotoalbum, Puchordner-Aufschrieben und –dokumenten zusammengestellt:
Mecki hatte die SGS am 27. 7. 2002 in 7925 Dischingen nahe Heidenheim an der Brenz gekauft. Der Vorbesitzer machte am 28. 4. 1986 eine HU mit ihr, am 6. Mai 86 meldete er sie an. Später meldete er sie zwei Mal über die Winter ab und in den darauf folgenden Frühjahren jeweils wieder an. Den letzten TÜV machte er am 8. 3. 88, welcher somit März ´90 abgelaufen war. Sehr verbastelt war sie! Und dass dieser Motor einmal Töne von sich gegeben haben soll…Mecki wollte wieder das Motorrad seiner Motorradfrühzeit fahren. Sein erstes Motorrad war nämlich eine rote 175 SVS mit hohen Burgesstöpfen und den herrlich anzuschauenden zwei Vergasern, die da keck links und rechts zur Fahrtrichtung herauslugten! Sie kaufte er 1958 in Stuttgart. Später kam dann die SGS 250, bevor nach und nach Horex Regina, Grüner Elefant als Gespann, Honda CB 450 Black Bomber (der er eine Gabel einer Puch SGS implantierte) und AJS 16/18 folgen sollten. Auch mein erstes Motorrad sollte eine Puch sein: Eine TF 250 von 1954 in Weinrot. Mecki und ich holten diese November 1999 gemeinsam aus Saarbrücken. Nur drei Wochen später folgte eine 1982er MZ ETZ 250, die mir Mecki aus Stuttgart-Möhringen überführte, da mein Kradführerschein noch im Werden war. Am 1. März 2002 sollte die zweite Puch, eine babyblaue 175 SV von 1953, folgen. Auch diese holten wir gemeinsam, aus Markdorf am Bodensee. Ihr seht – auch Geschichten können sich wiederholen um alle trotzdem aus dieser gelernt zu haben. Herrn Hegel ein Schnippchen geschlagen.
23.Oktober 2003: Noch ist er nicht heiß!
Erst September 2003 legten wir das erste Mal Hand an Meckis SGS an. Nach und nach richteten wir dies und das. Komplettmotorüberholung, neuer Kabelbaum, neuer Sattel…Am 19. September 2003 fuhren wir zu Wieser nach Österreich, Leutzmannsdorf um Teile zu holen. Zum Beispiel hohe Krümmer und Burgesstöpfe, Motorteile, Vergaserteile. Normalerweise erledigten wir das immer mit der Post, hatten aber Lust auf einen Ausflug und konnten auch mal sein kleines Puchmuseum anschauen. Übrigens waren wir mit dem Peugeot 206 CC meiner Mutter dort! Die Sonne brannte auf unsere Glatzen, ein Helm wäre doch sehr angenehm gewesen und Mütze trug ich zu dieser Zeit noch nicht. Am 23. Oktober 03 bauten wir den Motor wieder ein. Erster Probelauf am 14. November 03: Auf den ersten Kick! Vollgutachten beim TÜV in Feuerbach am 2. Dezember 2003. Wir stopften vorher etwas in die Burgesstöpfe. Anmeldung am 4. 12. 03. Anschließend machten wir gleich eine kleine Tour, unter anderem in das Strudelbachtal zur Wasseramsel (Cinclus cinclus), am alten Wasserkraftwerk nahe Eberdingen.
Die zweite HU machten wir am 19. April 2006, da fiel sie aber durch wegen:
1) Hupe: Funktion
2) Auspuff: Ausführung nicht original
3) Geräuschentwicklung: zu laut.
Wir ließen auch gleich das 18“-Vorderrad mit dem Reifen 3.25-18 eintragen. Vor der Nachuntersuchung stopften wir wieder etwas in die Burgesstöpfe und schraubten Lochbleche hinten hinein, die wir aus Edelstahlabflusssieben für Spülen zuschnitten. Und Dezember 2007 wäre die letzte HU angestanden, wozu es aber nie mehr kommen sollte. Hierzu später mehr…
Zu einem Showroommotorrad wurde sie nie. Aber wie der Teufel lief sie stets! Mecki half da aber auch immer kräftig nach. Unvergessen, wie er hin und wieder moderne und PS-starke Kräder („Reihenhäuser“) mit Jungspunden darauf einholte und auf kurvenreichem Straßenverlauf verbrezelte! Dass hierbei die zwei Orgelpfeifenkolben bzw. immer nur der vordere manchmal das Nachsehen hatten, ist klar. Zwei oder drei Mal haute es Löcher in den Auslasskolben. Zuletzt sah der dieser wie ein erkalteter Vulkan aus, der da mit Alu um sich brodelte! Wobei dann immer kleine Vordefekte hiefür verantwortlich waren wie eine Schwimmerkammer, die sich lockerte oder ein halbverstopfter Benzinhahn oder eine steckengebliebene Teillastnadel, die dem Emporheben des Vergaserkolbens eben nicht folgen mochte. Hin und wieder bauten wir dies und das um, eben so, wie Mecki seine Puchs in den 50er und 60er Jahren fuhr.
Die Chronologie der besuchten Treffen, auf welchen Mecki mit der SGS war:
14. Februar 2004: Das erste Treffen für die SGS war das BSA-Treffen in Hassloch, ich fuhr mit meiner Alltags-MZ 660 Skorpion mit.
22. Mai 2004: Bulldogtreffen in Sinsheim. Ein Freund fuhr mit seiner ETZ 250 und ich fuhr mit der 3TA-Triumph mit.
28. Mai bis 31. Mai 2004: Die Abenteuertour! Fahrt nach Berlin-Spandau auf die 50. Horex-Sternfahrt, ich begleitete Mecki auf der 3TA. Übrigens nächtigten wir auf der „Bürgerablage“ an der Havel. War toll und besonders die Rückfahrt war etwas aufreibend.
3. + 4. Juli 2004: Engländertreffen Weilheim/Tübingen, wir beide donnerten auf Puch SGS + SV an.
Mitte August 2004: Engländertreffen Büriswilen in der Schweiz
6. + 7. November 2004: Herbstfahrt auf die Hohenlohe. Mit dem Transit eines Freundes musste ich Mecki bei Kupferzell abholen: Loch im Auslasskolben wegen einer lockeren Schwimmerkammer!
13. Mai 2005: 51. Horex-Sternfahrt in Braunschweig. Sein Freund Kakadu fuhr mit.
18. Juni 2005: CBBC-Treffen in Salem, wir beide auf Puch.
10. September 2005: Horextreffen in Bad Homburg
2. Juni 2006: Auf seiner SGS besuchte ich Mecki in Lützenhardt im Waldachtal, wo er zur Reha war. Die Freude war natürlich riesengroß!
8. Juli 2006: Horex - und Gespanntreffen Mainkling mit SGS und MuZ 660 Skorpion
22. Juli 2006: CBBC-Treffen in Mayen, Eifel mit seinem Freund Karl.
19.-20. August 2006: Puchtreffen im Schweizer Morgarten am Ägerisee mit SGS und SV-Puch. Mein Bruder Georg war mit seiner Suzi Bandit 1200 dabei.
10. September 2006: Horextreffen Bad Homburg, ich war mit der 660er Skorpion Tour dabei.
10. September 2006: Auf der Heimfahrt, vom Horextreffen Bad Homburg kommend.
4. April 2007: Erste Probefahrt nach Winterschraubereien. Ins Strudelbachtal fuhren wir, ich fuhr auf der 175 SV mit, musste aber umdrehen und die XBR 500 (die Nachfolgerin der MuZ 660) plus Abschleppseil und rote Fahne holen…Wir dachten, es sei wieder ein Loch im Kolben. Es war dann aber nur die Kopfdichtung da wir eine aus Alu ausprobierten.
2.-4. Juni 2007: 1. Europuchtreffen in Brempt-Niederkrüchten, Landkreis Viersen an der holländischen Grenze. Mecki auf der SGS und mein Bruder auf Cagiva 900 Grand Canyon. Meine 175 SV stand vollbepackt bereit, ich wollte einen Tag später am Samstag sehr früh nachkommen aber es kam leider etwas dazwischen (keine Motorradpanne). Dafür war ich aber von 6. bis 8. Juni 2008 auf dem 2. Europuchtreffen in Niederkrüchten mit der 175 SV, da war Mecki bereits mit seinem Dieselgespann dabei. Über 2 x 500 km waren das. Auch 2009 fuhr er mit seiner Diesel-MZ auf das 3. Europuchtreffen, das dann aber in Belgien stattfand. 2010 fand es in Haastrecht, Holland statt. Da war Mecki ebenso mit seinem Dieselgespann zugegen, ich mit meiner MZ TS 250 (meinem Alltagskrad ab Mitte Dez. 2007, die Puch 175 SV gab es leider nicht mehr da sie am 31.3.2009 verunfallte) und mein Bruder auf seiner ersten Bandit 1250. Wir machten noch einen Abstecher nach Nordwjiik und Amsterdam hinein.
8. + 9. September 2007: Horextreff Bad Homburg
22. September 2007: Da waren Mecki und mein Bruder Georg auf dem Weg zum Puchtreffen in Morgarten am Ägerisee, sie kamen aber nur bis Echterdingen, da der vordere Kolben (welcher auch sonst) immer wieder klemmte! Das war auch wirklich der letzte Tag, an dem sie bewegt wurde! Mehr hierzu unten.
4. April 2007: Die Abschleppaktion
Zu Meckis SGS und aktueller Zustand:
Seit ihrem letzten Kolbendefekt am 22. September 2007 steht sie nahezu unberührt. Am 24. 9. 07 ermittelte ich den Benzindurchfluss: 190 ccm pro Minute während es bei der 175 SV 400 ccm pro Minute waren! Sogleich kamen Tank und Zylinder runter, dann war aber eine Weile Ruhe. Hin und wieder machten wir etwas an ihr, aber Ende März 2008 kam das MZ 850 Dieselgespann hinzu, das dann im Vordergrund stand und uns immer wieder auf Trab hielt. Besonders 2009 und 2011. Sie hatte es Paps einfach angetan, auch der Dieselverbrauch von 1,9 – 2,5 Litern auf 100 Kilometer. Mecki fuhr von Frühjahr 2008 bis Dezember 2012 60.000 Kilometer mit ihr! Dass die Puch und die MZ so soffen, störte ihn zunehmend. Die letzte Wieser-Rechnung übrigens ist vom 15.12.2008: Zwei neue Kolben 46,00 mm. Ca. 2011/2012 montierten wir ihr dann einen geschliffenen SG-Zylinder mit o.g. Kolben.
Am 5. November 2013 meldete meine Mutter sie ab.
Zu den Details:
- Sie ist eine frühe SGS sein, Baujahr Januar 1954, eventuell gar Dezember 1953 (?). Sie hat auch noch den Getriebezeiger, wie die TF 250 ihn hatten. Fahrgestellnummer 1700758, Motornummer 1703045.
- Nicht fahrbereit.
- Vergaser: Der Schwimmer fehlt, und war, soweit ich noch weiß, futsch. Ich glaube auch die Teillastnadel und Halteklammer fehlen (die hatte aber nicht der Motor verschluckt!)
- Neue Kolben und frisch geschliffener Zylinder, aber diesmal einer SG. Problem: Hoher Krümmer liegt am Vergaser an, Mecki dengelte daraufhin am Krümmer herum.
- 18“-Vorderrad Alufelge vorne
- MZ TS 250/1 oder ETZ 250-Kotflügel vorne
- Hinten Edelstahlfelge und –speichen
- Kleiner Scheinwerfer und kleiner Nachbautacho, der aber, glaube ich, defekt ist
- MZ-Lenkerarmaturen
- Gekürzter Kotflügel hinten
- Enfield-Nummernschildträger und Lukas-Rücklicht (Nachbau vermute ich), am 16. Juni 2006 montiert
- Schmaler Gepäckträger von Louis hinten (demontiert, liegt bei)
- Ganz toll: MZ-B-Zündung! Diese lief nicht einmal 2000 km bis zum allerletzten Betriebstag! Wir montierten diese am 28. August 2007. Mit dieser lief die SGS weitaus angenehmer und besser. Zu Beginn hatten wir Unterbrecher, dann bald einen Limaregler und eine Zündung von Laubersheimer drin. Die gibt es aber nicht mehr.
- An der vorderen Chromkugel des rechten Burgesstopfes klopfte Mecki mal rum, daher Dellen.
- Lack ist nicht so dolle, an manchen Stellen Risse im Lack, Kratzer, normale Gebrauchsspuren eben.
- Ölpumpe am 16. März 2006 demontiert und Mischung gefahren, ist aber alles vorhanden.
- Motor hat seit Überholung und Einbau am 23.10.2003 bis zum Abstellen am 22. 9. 2007 ca. 30.000 km gelaufen, Kolben und Zylinder sind ja neu.
Ersatzteile:
Wie auf den Bildern zu sehen, mehr ist nicht vorhanden.
Ein paar Originalteile wie den Vorderradkotflügel tauschten wir bei Puch-Wieser in Österreich gegen andere Teile um. Auch den (wahrscheinlich) seltenen 31er Puchvergaser. Die Kurbelwelle des Ersatzmotors sitzt fest, die Pleuel bewegen sich. Am SGS-Zylinder, den Mecki immerzu fuhr, ist die oberste Rippe großflächig futsch.
Nun ist es an euch: In liebevolle Hände abzugeben. Aber da ist mir bewusst, dass hier im AIA sehr viele davon anzutreffen sind. Ich würde mich freuen, wenn sie wieder flott gemacht werden wird und ich sie dann auch einmal in Aktion sehen darf.
Wegen des Preises müssen wir uns dann mal zusammentun. Wie bereits erwähnt, vermachte Mecki alle Motorräder und all die Teile meiner Mutter, um sie finanziell zu unterstützen.
Die aktuellen Fotos der Puch und der Ersatzteile werden folgen.
Ein schönes und hoffentlich einmal ein sommerliches Augustwochenende
wünscht euch
Dominik
P.S.: Vielleicht werde ich diesen Thread später in einen „Mecki-Erinnerungsthread“ , umgestalten. Das hatte ich eigentlich schon seit längerem vor. Mit Geschichten rund um Mecki & Motorrad, Erlebnisse der 80er, 90er und 2000er Jahre. Mit ihm zusammen Erlebtes und seine Erzählungen. Chronologisch durcheinander gewürfelt und in unregelmäßigen Zeitabständen. Hier und im MZ-Forum.com, vielleicht auch im Puchforum.



