Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

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Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon motorang » Fr 15 Jan, 2016 08:47

Aloha
Für die österreichischen 500er Versionen der 600er XT gibt es nur noch schwierig die passende Kopfdichtung (es gab da über die Jahre sogar zwei verschiedene). Von den Bolzen her passt eine von der alten 550er oder 600er, aber natürlich passt da die Zylinderbohrung nicht.

Die Dichtung ist beim Brennraum dann DM92 mm (550er) oder DM95 mm (600er) statt DM87 mm, Das wird auf Dauer nicht funktionieren, oder?

Wenn man keine Dichtungen mehr bekommen kann, was tun? Kupferblech weichgeglüht? Was machen die geneigten Rennfahrer und Vorkriegsfahrer? Anfertigen lassen? Wo?

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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon hiha » Fr 15 Jan, 2016 09:10

Bläd. Aus was ist denn die Dichtung? Weichstoff mit Brennraumeinfassung, oder Schichtblech?
Bei Zweiterem ists leicht, einen Kupfer-Blechring herzustellen, der innerhalb der Dichtung eingelegt wird, da kann man leicht die Dicke festlegen. Bei Weichdichtungen geht das zwar auch, aber nicht so einfach. Die muss man vorher pressen.
Stahlblechdichtungen lasern lassen ist einfach, aber die Anfertigung der notwendigen Sicke wiederum schwierig. Man kann eine Nut um den Brennraum herum in Kopf oder Zylinder drehen, in die ein Kupferdrahtring eingelegt wird, dessen Enden sehr genau auf Stoß gefertigt sind. Da bläst dann auch nix durch. Die Kopfdichtung selber kann dann aus Kupfer oder Alu sein, das auch nicht besonders weich sein muss, da es mit Unterstützung von Flüssigdicht die Feinabdichtung übernimmt. Voraussetzung für harte Dichtungen ist, dass Kopf und Zylinder absolut plan sind, sonst kriegt mans nicht dicht.

Edit meint noch: Einfach mit der zu großen Dichtung fahren, das kann gehen, aber auch in die Hose. Der Druck vom Kopf muss auf den Bund der Zylinderbuchse wirken, sonst kann die abreissen oder hochgeschoben werden... Ausserdem kann der Spalt für lustiges Klopfen und Klingeln sorgen. Kann, muss nicht.

Gruß
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon fleisspelz » Fr 15 Jan, 2016 09:52

Elring fertigt Einzelstücke nach Vorlage oder nach technischer Zeichnung oder nach Werkstückpaarung
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon Nanno » Fr 15 Jan, 2016 10:15

Ich würds mit der 600er Kopfdichtung probieren und ansonsten eine Kopfdichtung aus Kupferblech schneiden lassen.

Die Sache mit dem Drahtring um den Brennraum herum kenne ich von ein paar schnellen Kawa-Jungs die Turbo bzw. Nitro-Kawas fahren. Die haben den Ring dann aber immer ein bisserl (2-3 Zehntel) überstehen lassen und den in die Kupferkopfdichtung gedrückt, damit sie nicht sofort durchpfeift.
Sollte das Thema Kupferkopfdichtung ernst werden, empfehle ich zum Unebenheiten ausgleichen Gasgacinch ( http://gasgacinch.com/ ), es gibt zwar sicher auch andere die gut sind, aber das verwenden einige Bekannte von mir mit Erfolg.

LG,
Greg
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon mike58 » Fr 15 Jan, 2016 11:43

Die 97er Dichtung ist doch gut,

den Zylinder auf der Drehbank oder Fräse einen Bund verpassen,der etwa 2-3/100 mm weniger Inder Höhe beträgt als die neue Dichtung. Mam kann ja auch ne neue Dichtung opfern und mit korrekt plan gedrehten Kopf und Zylinder zu ermitteln mit korrekten Drehmoment verschraubt versteht sich um so heraus zu finden was das wahre Maß der Dinge ist. Die Zylinderbüchse macht das mit, wobei man dann auch wieder auf die Verdichtung achten muß. Kupferringe plan gibt's bei den luftgekühlten Eicher Bulldogs zu finden, so ein Labyrinth System mit Nut im Kopf oder Zylinder wär auch ganz schön. Ducati Einzylinder hatten gar keine Dichtung lediglich einen Bund vom Zylinder in den Kopf, wobei ich da die Bundfläche rillig drehen würde. Alles plan zueiander verarbeitet würde das gut funktionieren. Viele Möglichkeiten Good luck.

Mike
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon motorang » Fr 15 Jan, 2016 12:40

Sers Hiha,
ist eine Schichtstoffdichtung mit gebördeltem Metallring zum Brennraum. Geht die Kupferringlösung nicht auch bei Schichtstoffdichtungen?

Ser Justus,
weißt Du zufällig wieviel Geld Elring dafür nehmen würde?

Sers Mike
Du meinst einen "Feuersteg" andrehen, und die zu große Dichtung außenrum zu setzen?
Dann müsste man im Zylinderfuß die weggedrehte Differenz beilegen (Aluplatte), oder?

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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon hiha » Fr 15 Jan, 2016 13:22

@mike
Der Andreas redet von der vierventiligen, für Österreich auf 500ccm reduzierten XT600, die hat eine kleinere Bohrung wie die 600er, und scheins gibts keine Dichtungen, oder nur für viel Geld.
Die Feuersteg-Dreherei ist zwar möglich, aber das ist ja mehr als ein Mörderaufwand. Da brauchst ja eine neu gemachte Zylinderbüchse.
@motorang
Die Kupferringlösung geht nicht mit Weichdichtungen. Aber es gibt Blechpaketdichtungen für die 43F, die sollte ja in die 500er passen, und da müsste man dann innterhalb der Dichtung noch eine Kupferscheibe einlegen, mit der Dicke der Kopfdichtung.
Oder eine Alu-/Kupferdichtung lasern/wasserstrahlen lassen, und die Kupferringmethode dazu, das sollte am Universellsten sein. Eigentlich sollte sogar ein Viton-O-Ring gehen. Bei den luftgekühlten RDs hat das ja auch gehalten. Allerdings braucht man dann je einen über- und unter der Dichtung.

Vielleicht fällt mir am Wochenede noch was Anderes, Einfacheres ein.

Gruß
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon lut63 » Fr 15 Jan, 2016 14:59

Würde es mit einer Alu-Mehrschicht-Dichtung probieren;
Alu-Blech mit 2/10 mm auf Fräs- Schneidplott- oder Errodiermaschine auf Kontur bearbeiten und
so lange übereinander legen, bis Originaldichtungsstärke annähernd erreicht ist.
Ober- und Unterseite mit gutem Dichtmittel (z.B. Omnivisc) dünn benetzen und mit üblichem
Drehmoment festziehen.
Die BigBore-Dichtung vom Kedo ist ja auch so in der Art gefertigt.
Da nur des Bruders Motor auf 500 ccm läuft, ist es bisher noch kein Thema gewesen - aber so ähnlich
könnt ich es mir vorstellen und würd meinen Umfeldmöglichkeiten entsprechen.
600er-Dichtung würd ich eher nicht nehmen.

Gruß
LUT
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon motorang » Fr 15 Jan, 2016 15:16

@Hiha:

Servus, und warum geht das nicht mit Weichdichtungen? Man muss halt die Setzung vorwegnehmen und die genannten 2/10 Spalt lassen ...
Die 43F hat Metallschichtdichtungen, aber leider auch einen anderen Zylinder und Kopf. Für die alte Geometrie gab es meines Wissens nur Weichdichtungen.

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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon motorang » Fr 15 Jan, 2016 15:56

Ich hab Bilder zu den unterschiedlichen Köpfen und Dichtungen auf meiner Seite:
http://www.motorang.com/motorrad/tenere ... m#dichtung

Es geht hier um die ältere Version der Dichtung.

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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon fleisspelz » Fr 15 Jan, 2016 16:35

motorang hat geschrieben:...
Ser Justus,
weißt Du zufällig wieviel Geld Elring dafür nehmen würde?
...

Die letzte Dichtung war für einen wassergekühlten Reihen-Vierzylinder und hat 320 Euro gekostet. Dafür gab es dann vier Dichtungen. Wir haben seinerzeit drei Stück im Markenforum für je 80 Euro weiter gegeben, so dass 80 Euro auf unserer Rechnung standen. Elring macht mindestens drei Dichtungen pro Auftrag. 10 Stück werden unwesentlich teurer als drei. Eine klassische Foren-Sammelbestellungs-Geschicht.....

klick
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon Christoph » Fr 15 Jan, 2016 17:01

High,
nen etwas waldbäuerlicher Vorschlag:
http://www.rotek.at/a000/001/000001258_00_RT_A_de.html
könnte fast passen und dann für den Kettenschacht eine Papierdichtung mit Dirko ht oder so.
Christoph
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon andi » Fr 15 Jan, 2016 17:18

lut63 hat geschrieben:Würde es mit einer Alu-Mehrschicht-Dichtung probieren;
Alu-Blech mit 2/10 mm a
Gruß
LUT


Das entsprechende Alublech könntest du von mir haben.
Bei der Enfield hält es schon seit einigen 1000 km
lg
Andi
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon mike58 » Fr 15 Jan, 2016 17:43

Keine Bauernlösung sondern sehr elegant
Auf der Fräse mit Wohlhaupter einen Absatz eingedreht, so das der Kupferring ein wenig übersteht, über die Planfläche 2- 3/100 sollten genügen den Restspalt mit LOCTITE Flächendichtung oder gleich hochfester Schraubensicherung verwenden (brauchts dann allerdings einen Heißluftfön zum wiederzerlegen).Sicherlich billiger als neue Kopfdichtung.Verdichtung richtig sollte man dann über den Zylinderfuß ausgleichen.

Gruß
Mike
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Re: Zylinderkopfdichtung zu groß, was tun?

Beitragvon mike58 » Sa 16 Jan, 2016 12:20

Hallöchen

Noch einfachere Lösung. Wie schaut denn der RRRestbestand des Motors aus. Bei einer gründlichen Motorrevision, kommt doch meist ein neuer Kolben rein. warum das ganze nicht etwas aufpeppen und in die vollen gehen.550, 600 oder mehr wären doch drin. Dann ganz unschuldig Blinker, Blinker, wär das Problem Dichtung auch nicht mehr so groß, nachdem die Aussage ja gefällt wurde das moderne Dichtungen auch die der 600er passen würden.Ich könnt dir auch hilfreich zur Seite stehen. Erst mal Grundsatzdiskussion im vorraus versteht sich. Alles ist möglich nichts muß.

Dicker Grinser

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