Q: Welche Schweißgeräte gibt es für den Schrauber?
A: Also ...
- Elektrodengerät mit Trafo (Arc-Welder, Lichtbogenschweißen):
Das billigste Gerät ab 50 Euro, besteht eigentlich nur aus einem dicken regelbaren Trafo und zwei Kabeln - erkennbar am dicken Einstellrad mit dem man den Trafokern bewegt ... typisch von 50 - 150 Ampere Schweißstrom etwa. Die Größe des Lichtbogens (der die Schweißstelle erhitzt) wird unter anderem vom Abstand der Elektrode zum Schweißstück eingestellt - und dafür ist die ruhige Hand des Schweißers zuständig ... nicht ganz trivial weil sich die Elektrode durch den Abbrand ständig verkürzt, zudem bei kürzerer Elektrode mehr Strom fließt ...
Der Schutz der Schweißstelle erfolgt über die abbrennende Ummantelung der Stabelektrode.
Geeignet für Stahl und Edelstahl (mit den passenden Elektroden) und für Materialstärken bis runter auf 1,5 mm etwa. Drunter gibt es Löcher ...
Gut für dicke Bleche, Konsolen, Fußrasten, Kickstarthebel, fallweise Gepäckträger (wenn nicht zu dünnwandig), Anschweißlaschen, Baustahlarbeiten wie Gartentore, Zaunreparaturen, Windräder, ... - Elektrodengerät mit Inverter:
Kostet schon 300 Euro aufwärts, ist eigentlich ein elektronisch geregelter Elektrodenschweißer. Die Einstellerei erfolgt mit einem kleinen Drehknopf für die Amperes, beginnend bei etwa 25-30 Ampere was schweißbare Blechstärken bis etwa 1 mm hinunter bedeutet - und wesentlich schöneres Schweißen (kaum "Festpicken"). Geeignet für alles von oben plus dünnere Wandstärken bis 1 mm. Zudem wesentlich kleiner und leichter, wird gerne von Handwerkern auf der Baustelle verwendet. - Schutzgasgerät (auch MIG/MAG-Gerät):
Hier wird der Schweißdraht motorisch nachgefördert und durch einen Schlauch mit Schalter am Ende zur Schweißstelle gebracht. Im gleichen "Schlauchpaket" werden die Steuerleitungen für den Drahtvorschub und das Schutzgas geführt, das beim Schweißen an der Schweißstelle austritt und schützt. Bei richtiger Einstellung des Drahtvorschubes brennt genau so viel ab wie nachgefördert wird, und man braucht zum Schweißen nur aufs Knopferl drücken ... produziert bei fehlender Übung dann aber gerne nicht besonders haltbare Verbindungen.
Ab 300 Euro gehts los, plus (!) Gasflasche gekauft oder gemietet.
Typische Vertreter sind die Einhell-Baumarktgeräte.
Kleine Geräte sind bis etwa 100 Ampere sinnvoll nutzbar weil nur 230 Volt Anschluss. Brauchbarer sind Geräte mit 400 Volt Anschluss, auch weil die nicht nur das Hobbysegment bedienen und daher besser ausgeführt sind. Gasflaschenmiete kostet etwa 30-50/Jahr, plus das verbrauchte Gas. Gasflaschenkauf kostet günstig 130,- einmalig, und alle 10 Jahre Druckprüfung für nochmal etwa 100,-
Oft wird empfohlen ein gebrauchtes Industriegerät zu kaufen, beispielsweise Fronius ... allerdings kann da ein Spezialersatzteil schon mehr kosten als ein komplettes günstiges Neugerät ...
Verwendbar für alles was ein Elektrodengerät kann, plus dünne Bleche und Wandstärken bis 0,5 mm.
Ein Problem kann die Größe/Unhandlichkeit des Schlauchpaketes sein, um an verwinkelte Stellen ranzukommen. Überkopfarbeiten sind angenehmer als mit Elektrodengeräten, weil keine glühende Schlacke auf den Schweißer tropft ...
Typische Anwendungen sind Blecharbeiten, gerne an Automobilen ("Einschweißen") oder Mopetten. Für dickere Sachen > 2 mm sind entsprechend Ampere nötig und eigentlich auch ein dickerer Draht (Standard ist 0,8 mm - es gibt aber 0,6 bis 1 mm - die Frage ist was der Drahtvorschub packt). Weswegen für dickes Zeug gerne der meist ohnehin vorhandene Elektrodenbrutzler eingesetzt wird ...
Sachen auf die man achten sollte:
Wenn das Gerät für 230 und 400 Volt geeignet ist, dann sollte das mit einem Umschalter und Adapterstecker realisiert sein und nicht mit Kabelwechsel.
Max. Schweißstrom ab 130 wäre nur das Minimum, besser sind 170 oder 200 Ampere.
Das Schlauchpaket sollte wechselbar sein (Standard ist hier der Binzel Zentral-Anschluss)
Schlauchpaketlänge mindestens 3 m
Drahtrollengröße: hier gibt es 5 Kilo oder 15-Kilo-Rollen - gut wenn das Gerät beides kann ... die großen Rollen sind auf den Meter gerechnet billiger ... können aber kaputt werden (Rost) wenn man sie nicht verwendet.
Drahtvorschub und Schweißstufe müssen einstellbar sein, damit kommt man aus. Alles weitere ist nett aber nicht nötig (Punktautomatik, Viertaktbetrieb, ...)
Drahtvorschub sollte mit Metallrollen sein, Kunststoff nützt sich deutlich schneller ab.
Obige Anforderungen beachtend, liegt man schon in der schwach vierstelligen Preisklasse - ohne Gas. Die Drehstromgeräte (400 Volt) beginnen so bei 600 Euro, haben dann aber oft noch ein fixes Schlauchpaket etc. Wenns noch teurer wird ist dann ein Inverter statt eines Trafos eingebaut für den Schweißstrom, und eventuell ist das Gerät zusätzlich für WIG ausgerüstet oder wassergekühlt etc.
Druckregler: sollte mit Uhren sein und einstellbar - gerade bei Billiggeräten ist oft nur ein Druckminderer dabei und kein Regler ... neu gekauft sind da auch gleich 50 - 100 Euro weg. Der Regler sollte bis 300 bar zugelassen sein, damit ist er für alle Schweißgasgemische geeignet.
Schweißgas:
Schweißen mit CO2 (Kohlensäure) und CO2-Gemischen wird als MAG-Schweißen bezeichnet, da die Kohlensäure am Schweißprozess chemisch "teilnimmt" -> Metall-Aktiv-Gas = MAG.
Wenn man günstig drankommt kann man speziell Bleche (Karosserie) gut mit CO2 schweißen anstatt mit den wesentlich teureren Edelgasgemischen (Corgon etc). CO2-Flaschen werden im Gastgewerbe verwendet für die Schankanlagen, wer hier etwas dauerleihen kann fährt sehr günstig ... allerdings sind die (grauen) CO2-Flaschen nicht für andere Gase zugelassen da sie wesentlich weniger Druck aushalten.
Schweißen mit Edelgasen und Edelgasgemischen (Argon, Argon-Helium) wird als MIG-Schweißen bezeichnet, weil das Gas am Schweißprozess chemisch NICHT teilnimmt -> Metall-Inert-Gas = MIG.
Mit entsprechendem Gas und Draht kann direkt Edelstahl geschweißt werden.
Mit Mut und spezieller Teflonseele im Schlauchpaket kann man sich an Alu versuchen (eher dickwandige Teile ...). Der Aluabrieb verstopft "normale" Schlauchpakete und macht diese unbrauchbar. - Fülldrahtgerät:
Hier wird spezieller Draht verwendet der mit einer Substanz gefüllt ist die beim Schweißen ausgast und so die Schweißstelle schützt. Vorteil ist der Wegfall teurer Komponenten im Gerät (Gasventil etc) und der Gaskosten. Dafür ist der Draht wesentlich teurer.
Vorteil ist, dass auch bei Wind gut gearbeitet werden kann, wo das Gas sonst einfach weggeblasen wird.
Anscheinend ist so ein Gerät für den seltenen Einsatz durchaus geeignet.
Es gibt übrigens Schutzgasgeräte, mit denen sowohl normal schutzgasgeschweißt werden kann, als auch mit Fülldraht (der hat glaub ich 0,9 mm) - zumindest von Einhell hab ich sowas mal gelesen ... - WIG-Schweißgerät (TIG-Welder)
Sehr feines Gerät mit dem Aluminium und Edelstahl ebenso verarbeitet werden kann wie Normalstahl - und zusätzlich spezielle Stähle für Auftragschweißungen. Der Lichtbogen wird mittels einer Wolframelektrode unter Edelgas (Argon oder Argon-Helium) erzeugt, das Schweißmaterial in Stabform von Hand zugeführt.
Für feine Arbeiten (Aluminium) ist der Schweißstrom stufenlos über Fußpedal regelbar. WIG-Schweißen ist allerdings eher etwas für die Werkstatt wenn man das Werkstück in passender Lage im Schraubstock vor sich hat ... also nicht unterm Auto herumliegt und schnell einen Auspuff retten muss. Für Aluminium sollte das WIG-Gerät Wechselstrom liefern können.
Q: Aluschweißen?
A: MIG oder WIG-Verfahren sind praktikabel, brauchen aber entsprechend Übung ... meist ist es besser Alu schweißen zu lassen und dafür zu bezahlen, speziell wenns halten soll.
Für Selbermacher hier eine Zusammenfassung aus einem RC-Forum:
Aluminium wird mit Wechselstrom geschweißt um die Oxidschicht aufzubrechen. Als Schutzgas braucht man Argon oder ein Argon-Helium-Gemisch, und natürlich einen Aluminium Schweißdraht. Man kann nur nicht aushärtbare Werkstoffe schweißen. Das zu schweißende Alu darf keine Silizium oder Kupferanteile enthalten. wenn Du Material vom Baumarkt kaufst, kannst Du mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es schweißbar ist. Alurohre und Profile sind in der Regel aus AlMgSi0,5 oder AlMgSi1, ergo, gut schweißbar.
Zu Beachten ist nur, dass das Material vom Baumarkt teilweise eloxiert ist, d.h. es ist einer Oberflächenbehandlung unterzogen worden. Mit der Eloxalschicht läßst sich das Alu nicht schweißen. Du kannst es indem prüfen, wenn Du mit z.B. ein Stück Küchenrolle (weiss) daran reibst. Wenn Dein Tuch nach dem daranreiben immer noch schön weiss ist, kannst Du mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es eloxiert ist. Wenn Dein Papier sich aber schwärzt ist es unbehandeltes Aluminium und Du kannst es schweißen.
Wenn Du die Teile nach dem schweißen weiterbearbeiten willst (spanend), würde ich dir obiges Material oder AlMg4,5Mn empfehlen.
Wenn Du aber hochbeanspruchte Teile fertigen willst, vorausgesetzt, Du schweißt daran nichts, würde ich Dir zu einem Aluminium mit höherer Festigkeit raten, z.B. AlZnMgCu1,5 (ca.50kg Festigkeit) oder AlCuMgPb (sehr gut zerspanbar, ca. 35kg Festigkeit). Soviel zur Materialkunde.
Mit MIG gibt es sehr schnell Löcher wenn das Material dünnwandig ist.
Um Aluminium zu schweißen, braucht man am Anfang der Schweißnaht recht viel Wärme (Alu ist ein sehr guter Wärmeleiter) und um so länger die Schweißnaht immer weniger Wärme (Alu erwärmt sich zunehmend), das heißt: Du mußt die Wärmezufuhr (Energie) regeln können. Mit einer MIG-Anlage hast Du entweder am Anfang soviel Wärme, das Du eine gute Verbindung hast und nach kürzester Zeit sich das Alu (bei gleicher Wärmezufuhr) so stark erwärmt, das es davonläuft (Löcher), oder mit weniger Energie, am Anfang der Schweißnaht keine richtige Verbindung sondern erst am Ende der Schweißnaht die richtige Schweißtemperatur und somit eine gute Verbindung.
Deswegen schweißt man Aluminium meistens mit einer WIG-Anlage + Fußpedal um die Wärmezufuhr unter dem Schweißen regeln zu können.
Alternativ gibt es auch spezielle MIG-Anlagen mit Impulssteuerung um Alu zu schweißen ...
Und weiter:
um alu zu schweißen brauchst du schon mal ein gerät mit 4 rollen antrieb, am besten tacho geregelt, dann kunstoffseele, nicht zu vergessen argon 4.6 soviel mal fürs erste.
willst du viel alu schweissen, so muss das gerät und der brenner wassergekühlt sein, ansonsten läufst du in die gefahr dein gasgekültes schlauchpaket zu zerstören.
sehr gut wäre es wenn du ein gerät erwirbst wo du den startstrom kurzzeitig erhöhen kannst um ein besseres zündverhalten zu erreichen. achja schweissdraht AlSi05 brauchst du ja auch noch:-) ...
und um genau das zu erreichen bist du in einer recht hohen preisklasse, denn du bräuchtest eine pulsanlage und da würde ich dir ESAB Aristo empfehlen ( aber ohne hilfe wirst du da nicht zurecht kommen beim einstellen) dann OTC, Fronius und Rehm zuletzt.
Argon 4.6 ist im MIG bereich nur für alu zu verwenden ...
Zum Thema WIG: Zum Aluschweissen braucht man (in nahezu allen Fällen) ein Gerät das zum Schweissen Wechelstrom ausspuckt, üblicherweise kann das dann gleich beides und heisst deshalb AC/DC. Diese Geräte sind entweder alt und schwer, dann heute oft sehr günstig zu bekommen, sie arbeiten dann mit Netzfrequenz, oder klein, leicht und neu. Dann sind es sog. Inverter. Die haben meist höhere oder gar einstellbare Frequenzen und Kurvenformen.
Wenn ein Inverter auch AC kann, ist er gleich fast doppelt so teuer wie ein reines DC-Gerät.
Q: Edelstahl schweißen?
A: Für das schweißen von rostfreien Stählen ist das MIG/MAG oder WIG-Verfahren sind praktikabel, bei dickeren Teilen gehts auch mit Stabelektroden.
Bei MIG/MAG: Stahlseele im Schlauchpaket durch Teflonseele ersetzen, dann braucht man Argon (MIG) oder Spezialgase (MAG: Argon mit 2,5% Co2 = CRONIGON 2, oder andere Spezialmischungen) und natürlich Edelstahlschweißdraht.
Q: "Schnell mal was schweißen"?
A: Wenns ums Schweißen geht wird gerne der gesamte Prozess davor und danach vergessen ... Zur Vorbereitung der Schweißung (wenn die Teile schon passend sind) gehört das Säubern der Teile bis aufs blanke Metall, eventuelle Bohrungen (für Punktschweißungen) und das Fixieren und Einrichten der Teile, das Herräumen der Schweißanlage, der speziellen Arbeitskleidung (wer schnell mal barfuß oder mit normaler Kleidung schweißt macht das nicht oft), Das Entfernen von Schlacke/Spritzern, Nachkontrolle (inklusive sauberflexen) und eventuell nachschweißen, das Wegräumen und Säubern des Werkplatzes.
An Kosten fallen neben Arbeitszeit auch Gaskosten und Drahtkosten an (eine Spule Draht kostet 45 Euro, eine Gasfüllung auch in etwa, plus etwa 30 Euro Fixkosten/Jahr für die Gasflasche ...) Ein Automatik-Schweißschirm kostet auch etwa einen 100er plus einen Satz Batterien hin und wieder. Und wenn mal was kaputt ist am Schweißgerät wirds gleich teuer, meistens sind Reparaturkosten dreistellig ...
Ein Gepäckträger für ein Motorrad "von null weg" und ans Motorrad angepasst dauert gut ein paar Tage bis eine Woche. Das Richten eines gebrochenen Trägers/Ständers geht auch schon mal in einer Stunde ...
Die meiste Zeit geht fürs passend machen drauf, fürs biegen und flexen, draufbauen, messen runterbauen, nachschweißen, draufbauen etc etc
Eine Schweller- oder Kotblechreparatur am Auto dauert je nach Ansprüchen 1/2 Tag bis 1 Wochenende ... plus Rostschutz, Spachtelei, Lackieren, die ganzen Trockenzeiten ...
Daran sollte man denken wenns um die Planung einer "schnellen" Schweißung geht oder die Abgeltung in Bier oder Ersatzteilgeld.
Gryße!
Andreas, der motorang

