Reisebericht Schweden/Norwegen/Finnland 2010

Hier geht es um AiA-taugliche Motoren, Maschinen, Fahrzeuge. Wyrdiges Zeug kwasi :D

Beitragvon Blechroller » Do 19 Aug, 2010 10:48

lallemang hat geschrieben:Einfach glimpfen und eigenen Reiseberichtfred aufmachen! :-D


:smt023

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Beitragvon Wolfgang » Do 19 Aug, 2010 11:20

Lasst mich erstmal ankommen.... :grin:



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Beitragvon T. » Do 19 Aug, 2010 12:13

So komische Gestalten sieht man da normalerweise nicht,oder?

Aber mach hine Wolfgang, lechtze nach Lesematerial....




Hm... sollte noch den diesjährigen Sölkbericht noch fertigschreiben :oops:
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Beitragvon Richard aus den NL » So 12 Sep, 2010 00:57

Schönes Bericht Olly. Erst jetzt gelesen. Hat mir gut gefallen. Schöne Bilder auch.

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Beitragvon Blechroller » So 03 Okt, 2010 00:11

muss ja mal weiter gehen...

Also Montag:

Ich könnte jetzt den bekannten Inlandsvägan wieder gen Süden rumpeln, will ich aber nicht., da ja von der Hinfahrt bekannt. Also lieber rüber zur Ostküste und dort runter gen Süden (war nicht so die ganz tolle Idee, aber das werd ich erst später und am folgenden Tag merken).


Es geht wieder durch Wald, Wald, Wald.



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Ab und an ein See und dann ein Schild zu einer Sehenswürdigkeit: Felszeichnungen von "ewig her". Also mal dahin.
Die Buben und Mädels aus der steinigen Zeit haben da ganz kräftig rumgemalt, aber mir zweifelt etwas, ob die zur besseren Sichtbarmachung mit roter Farbe angepinselten Zeichnungen so im Sinne der Erfinder sind. Flair hat das ganze nicht. Das daneben befindliche Wasserkraftwerk ist fast eindrucksvoller.



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Je näher ich der dichter besiedelten Ostküste komme, um so dichter wird auch die Besiedlung. Auf jedes "normale" Haus oder Gehöft kommen locker das Zehnfache an Wochenendhäuschen. Auch der schwedische Schwede muss sein Geld verdienen und das ist heute nur mit Landwirtschaft auch nicht immer machbar. Also wird in der (groß-)Stadt gearbeitet, aber am Wochenende und in den langen Sommerferien geht es raus in die Pampa.





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Viel kann ich über den Tag nicht erzählen. Ich genieße zuerst noch die Einsamkeit der Wälder, das schöne Wetter und die allgemein die Stimmung.
In der Nähe von Umea komme ich an die Ostküste und hae erst mal einen Schock. Die E4 ist nach den tagen in der Pampa ein Kulturschock. Massig Verkehr, in den Städten Staus an den Ampeln und landschaftlich bietet ich auch kaum etwas. Ich bin zwar direkt an der Küste, sehe aber die Ostsee praktisch kaum. Ab und an fahre ich mal eine Seitenstraße runter zur Küste und bin begeistert. Eine tolle Landschaft, aber halt immer nur über Stichstraßen zu erreichen.

Also mal Kilometerfressen. Fast 700km werden es bis zum Abend sein.
In der Nähe von Gävle, so 100km nördlich Stockholm finde ich einen Campingplatz direkt am Meer, baue mein Zelt auf, fahre noch schnell in den Ort zum lebensmittelnotgetriebenen Überfall einer Tankstelle und mach es mir mit einem Bierchen vor den Zelt bequem. Die Nachbarn reisen ebenfalls mit bayersicher Motorkraft, nur kommt meine aus Niederbayern von der Firma Hatz und deren Motoren füllen die Kassen eines bekannten Bayerischen Motorenwerkes. Ich komme mit den 2 Jungs ins Gespräch. Sie sind auf der Reise zum Nordk(c)ap (was sonst?) und haben einen Schnaps dabei. Der Schnaps wird dann mal zur Reduzierung der Motorenbelastung ebenfalls reduziert und es wird lustig. Später kommt noch ein weiterer Nordk(c)apler dazu, der von Menschenmassen, Wohnmobilmassen und hohen Preisen am Kap berichtet. Jeder wie er mag und ich bereue meine Entscheidung, das "Ziel der Ziele" rechts liegen gelassen zu haben nicht.

Es werden dann noch lustige Bilder von BMW-GS-Fahreren auf einem Dieselmoped gemacht und mit einem ziemlichen Brauser verdrücke ich mich dann in die Schlaftüte.



Dienstag:

Ein Tag Reise in meine Jugend.
So rund 70km westlich von Stockholm hatte ein Teil meiner Familie mal einen großen Bauernhof. Dort war ich einige große Ferien als Kind unterwegs und ich will mir das Teil noch mal anschauen, da es mittlerweile verkauft wurde. Vorher steht aber noch ein Besuch von Schloss Gripsholm auf dem Plan.
Vor so 20 Jahren war ich mal dort. An einem drüben Herbsttag im November und ich erinnere mich gerne an die besondere Stimmung des Schlosses und des kleinen Ortes. Damals waren alle Touriläden geschlossen und im Nieselregen stromerten nur ein oder zwei Leute um das Schloss herum. Immer wenn ich an Schweden denke, kommt mir das Bild von dem Schloss in den Sinn. Und dieses Bild, eingebrannt in den Schädel an diesem drüben Novembertag vor 20 Jahren wird bleiben. Denn das, was ich jetzt dort erlebe, wird sich kaum tief in meinem Schädel nieder lassen. Da tobt der Bär. Massen an Autos auf dem Parkplatz, Horden von Menschen im Innenhof des Schlosses und drumherum. Das Heidelberger Schloss im Sommer ist vergleichbar (wer es kennt).
Tucholsky hat ganze Arbeit geleistet ;-)
Im Ort noch schnell die alte Schmalspurdampfeisenbahn bewundert, mich erinnert, dass deise Bahn dort gebaut wurde, weil der sumpfige Grund einen Betrieb einer normalen Eisenbahn nicht gestattet und wegen dem Boden die Häuser auch nur relativ klein sind. Dann muss ich da weg, bevor der Trubel das Stimmungsbild in meinem Schädel löscht.




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Auf der Weiterfahrt nach Gnesta zum Hof überlege ich noch kurz, ob ich mir eine weitere Erinnerung mit dem Besuch zerstören würde, bin aber dann doch zu neugierig, wie der Hof heute aussieht. Ich erinnere mich, dass wir damals zum Baden an einen See immer über eine Schotterpiste und nicht über die Hauptstraße an der anderen Seeseite gefahren sind. Diese Piste will ich fahren, finde sie sogar, stehe aber nach 20km Schottern vor einer Schranke. Privatbesitz... Also alles zurück und doch über die Hauptstraße.
Gnesta hat sich stark verändert. Aus dem verschlafenen, nicht sehr schönen Ort ist im Zentrum ein kleines Ausflugsidyll entstanden. Nett!
Ich erinnere mich, wie wir vor über 30 Jahren mal hektisch mit dem VW-Bus und einem Pferdeanhänger inkl. Pferd durch den Ort gehetzt sind, um letzte Stempel des Tierarztes zum Export des Pferdes zu bekommen. Wie wir einen Tag vor Weihnachten am Kiosk den bestellten Wein abholen wollten, der Kioskbesitzer, der damals die einzige Alkoholverkaufslizenz im Ort hatte, die Lade des Kiosk geschlossen hat, um dann 1m neben dran eine kleine Klappe auf zu machen, durch den er uns den Wein raus reichte.
Wie wir zur Eröffnung der Krebsfangsaison abends mit den Reusen auf den See gefahren sind, die Nacht am Lagerfeuer auf einer Insel verbracht hatten, um dann im Morgengrauen die Reusen mit den Unmassen von Krebsen zu heben. Und abends dann zu jedem Krebs ein Schnaps...

Die Einfahrt zum Hof finde ich aus dem Gedächtnis. Kurz mal Halt machen, den Motor aus und diese komische Stimmung verarbeiten. Da steckt schon ein Klos im Hals.
Der Kos verschwindet aber gleich, als ich den Motor wieder starte. Hört sich plötzlich an wie ein Sack rostiger Nägel im Wäschetrockner. Gut, so hört sich der Diesel immer an, nur sind jetzt die Nägel deutlich größer und der Trockner etwas kleiner. Ich lege den ersten Gang ein und die Karre fährt rückwärts. Hoppla! Dreht der Motor doch wirklich falschrum. Also Motor aus, erneut gestartet und es passt wieder (das kam bisher nicht wieder vor).

Ich stromere über den Hof, mach ein paar Fotos, komme mit der neuen Besitzerin ins Gespräch und fahr dann weiter.






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E4 ist scheiße! Wer mal dort oben rumkurven will, dem sei die E4 zum Streckemachen angeraten, aber mehr auch nicht.
Nördlich von Öland, es ist schon nach 21 Uhr und ich habe über 600km hinter mir, wird es Zeit, einen Campingplatz zu finden. Eine Dusche wäre nach dem heißen Tag nicht schlecht.
Der erste CP ist voll, der zweite ist ebenfalls wegen absoluter Überfüllung geschlossen, beim dritten spar ich mir ob der Schlange an der Rezeption und den nicht mehr vorhanden Stellplätzen die Frage... Es wird nervig, aber Plätze zum Wildzelten bieten sich in der Gegend auch nicht gerade an und die Dusche... Es tobt hier der Urlauberbär!
Beim nächsten CP habe ich einen Plan: Rein fahren, auf irgendeinem Platz das Zelt aufstellen und dann fragen ;-)
Gesagt, getan. War auch kein Problem, den der unter deutscher Leitung stehende Platz versinkt im Organisationschaos. Die Rezeption soll über Nacht in ein neues Gebäude ziehen und in dieser Nacht findet -was ich auch gerade herausfinden musste- noch ein Konzert einer deutschen "Band" statt.
Ich schlafe auf Campingplätzen üblicherweise mit Oropax. Erstmals nutze ich die Dinger schon für die Zubereitung des Abendessens, den Gang zur Dusche und den Spaziergang am Strand. Unsäglich!




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Beitragvon fleisspelz » So 03 Okt, 2010 01:12

Du hast wirklich ein gutes Auge Olly. Danke für den Bericht :smt023
..........................
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Beitragvon Blechroller » So 17 Okt, 2010 22:55

Soderle, komme ich mal zum Ende und muss dabei feststellen, dass ich an den letzten 2 Tagen genau ein auch nur ansatzweise zeigenswertes Photon gemacht habe. Kopf voll Bilder...

Kilometerfressen ist angesagt. Übermorgen will ich zu Hause sein. Machen wir die Statistik zuerst; ein Tag mit genau 801 km und noch eine kurze Reise von 670km hinterher ;-)


Dank Oropax habe ich trotz der unsäglichen Musik und dem höllenvollen Campingplatz gut geschlafen. Als ich so um 9.00 Uhr aus dem Schlaftüte steige und die Oropax entferne, merke ich, dass andere wohl eine etwas kürzere Nacht hatten. Klein-Friedrich sorgt für Stimung. Klein-Friedrich ist so zwischen "erste Schritte" und "Kindergarten". Klein-Friedrich hat seine Eltern gut im Griff: "
Klein Friedrich (KF): "Ich will ein ...!"
Vater: "Nein, KL, nicht vor dem Frühstück!"
KF: "Buuuuääääääääähhhhhhhhhhhhhh!"
Vater: "Aber KL, du weißt doch, dass es vor dem Frühstück...."
KF: "Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuääääääääääääääääääääääääääääääääääääähhhhhhhhhhhh!"
Vater: "Hier ist der Bonbon"

Zur Abkürzung des Folgenden:

KF: "Ich will....."
Vater: "Aber KL, nein.....!"
KF: "Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuäääääääääääääääääähhhhhhhhhh!"
Vater:....
KF: "Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuäääääääääääääääääähhhhhhhhhhhhhhhh!"
Vater:....
KF: "Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuäääääääääääääääääähhhhhhhhhhhhhhhh!"
KF: "Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuäääääääääääääääääähhhhhhhhhhhhhhhh!"
KF: "Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuäääääääääääääääääähhhhhhhhhhhhhhhh!"


Ich öffne das Zelt und sehe in die Gesichter der umstehenden Camper und ich sehe in ihren Augen nur : "Buuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuäääääääääääääääääähhhhhhhhhhhhhhhh!"

Es dauert nur ungefähr eine Minute, um raus zu finden, dass KF das Spielchen mit seinen Eltern sehr zur Erbauung aller im Umkreis von 300m seit 5.30 Uhr treibt.
Selten habe ich so viele Menschen mit Mordlust in den Augen gesehen und selten ist in so kurzer Zeit eine Masse von Menschen von den Nachteilen einer Antiautoritäten Erziehung überzeugt worden.

<Anmerkung des Autors: Wenn sich wegen der folgenden Zeilen jemand auf den Schlips getreten fühlt, ist das dann halt so. Aber es war so herrlich und (Vor-)Urteile machen halt auch Spaß>


Neben mit zeltet der absolute Normostgote (Bewohner der ehemals noch neuen Bundesländer). So geschätzte Mitte 60, Cordhose mit Hosenträger über 2/3 des Wanstes gezogen, leichte O-Beine, Karohemd, fetter Sachsendialekt. Frau und Hund dabei. Die Campingausrüstung befindet sich in einer Kunststoffbox, die es im Baumarkt für die Unterbringung von Gartenmöbeln gibt. Diese Box ist wiederum auf einem Heckträger, der ursprünglich für die Fahrradmitnahme gedacht war auf dem Heck des Kleinwagens montiert. Praktisch!
Herr Normostgote ist der einzige in der Runde, der trotz der stundenlangen Einlage von KF freundlich in die Gegend schaut, mich dann beim Rauskrabbeln aus der Zelthülle gleich begrüßt und mir ungefähr seine halbe Lebensgeschichte ans Ohr bindet. Normalerweise bin ich vor dem ersten Morgenkaffee der Kommunikation untauglich, aber der Mann ist so erfrischend anders und offen, dass ich sogar mehr als mein Morgengrummeln aus dem Mund entlasse.
Meister Ostgote geht erst mal Semmeln kaufen, während seine Frau so ziemlich alles, was sich nur halbwegs einkochen lässt, auf den Frühstücktisch stellt. Am wenigsten war da Marmelade bei, aber viele Proteine ;-)
Zurück mit den Semmeln bekommt der Hund dann ein eigenes Frühstücksbrot geschmiert... Herrlich!



KF nervt und ich reiß meine Zelthütte ab, bezahle und schwing mich weg von diesem absurden Ort.
Weiter an der Ostküste entlang nach Süden. Die tropische Hitze dieses Sommers geht bis nach Südskandinavien und so wie ich auf der Hinreise gebraten hatte, werde ich auch jetzte wieder gegrillt. Öland kommt, aber mir ist nicht nach Touristenmassen. Ein Blick auf die Brücke, die ich vor so 25 Jahren schon mal überfahren durfte und weiter.



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Der Verkehr wird immer dichter und an den wenigen Stellen, an denen die E22 noch nicht zur Autobahn ausgebaut wurde, staut sich ab und an der Verkehr an einer Ampel. Das ist selbst mit dem leistungsschwachen Dieseligen Diesel eine nervige Geschichte. Irgendwann verlasse ich die Ostküste und nähere mich Malmö. Eigentlich eine gute Idee, jetzt doch die neue Brücken-Tunnel-Kombination nach Dänemark zu nutzen. Also los.
Ist schon eine spektakuläre Sache. Es ist weniger die Brücke beeindruckend, also der Blick vom höchsten Punkt der Brücke nach Kopenhagen. Man sieht Kopenhagen, aber man sieht keine Brücke dahin, da die Straße die letzen Kilometer als Tunnel unter dem Meer von einer künstlichen Insel aus geführt wird. Ich fahre auf ein Loch zu und das soll mich unter dem Meer weiter führen. Und das mit meiner Tunnelphobie....
Der Tunnel ist hell und breit, also kein Thema und ich erreich Dänemark. Die Piste ist in den letzten Tagen auch nicht spannender geworden und so geht es einfach dahin, Schwups bin ich auf der Fähre nach Fehmarn.
Auf der Hinreise fand ich die Fähre spannend. Jetzt finde ich es schmuddelig, voll und lauter komische Leute auf der Urlaubsrückreise, die mir vorkommen, als hätten sich alle Genießer des sog. Unterschichtenfernsehens hier versammelt. Zwei Wochen in der Pampa scheinen entweder den Blick geschärft zu haben oder ich muss erst wieder sozialisiert werden.

Es wird Abend und es macht trotz der Hitze Spaß in der Abendstimmung über die Bahn zu rütteln. Ich erreiche Hamburg und da wenig Verkehr ist, habe ich auch keine Lust, die Stadt zu umfahren. Also durch. Das wird noch spannend, denn plötzlich bin ich von ziemlich heftigen Gewitterwolken umgeben, die jede Minute losdonnern können. Ab und an ist die Straße auch nass, aber ich komme trocken durch. Glück gehabt.
So langsam muss ich mir mal überlegen, wie weit ich noch fahren will. Müde bin ich nicht, der Hintern schmerzt auch nicht (wurde ja die letzten Tage gut trainiert). Ich überlege, einfach weiter zu fahren und entweder irgendwann nach durchfahrender Nacht zu Hause aufzuschlagen oder mir bei doch aufkommender Müdigkeit irgendwo eine Unterkunft zu suchen oder mich einen Feldweg rein zu schlagen. Die Idee der durchfahrenen, lauen Sommernacht gefällt mir, aber es wird nichts draus. Südlich Hamburg hänge ich im Stau fest. Der erste richtig fette Stau dieser Reise. Ich schlängele mich durch die stehenden Reihen. Die Sache scheint schon länger zu stehen, denn der ADAC teilt an die Staugeschädigten Getränke aus. Eine tolle Sache, denn auch mir hängt bei der Hitze die Zunge auf der Straße und meine Getränkevorräte sind auch schon länger aus. Ich erfahre, dass die Autobahn wegen eines Waldbrandes seit Stunden gesperrt ist, es aber bald weiter gehen soll. Ich erreiche auch bald die Spitze des Staus und kaum bin ich da, wird die Strecke wieder frei gegeben. Tatsächlich, auf so 10km ist das Buschwerk entlang der Autobahn verbrannt und es ist noch ziemlich "dicke Luft".
Leider führt das Losschüren der Massen auf den nächsten Kilometern immer wieder zu kurzen Stauungen. Auf der Höhe von Celle wird mir die Sache zu bunt. Weg von der Autobahn und ab auf die Landstraße. Langsam werde ich doch müde und der Idee von der durchfahrenen Nacht haben die zwei Stunden im Stau die Energie genommen.
Ich suche ein Hotel, finde auch bald eins. Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich man in einem Hotel empfangen wird, wenn man einmal als Gast wie im Job mit Anzug und Krawatte und dann privat in durchgeschwitzten Motorradklamotten mit einem toten Iltis unter jeder Achsel an der Rezeption auftritt. Aber Geld stinkt nicht und die Leute können sich zusammenreißen. Ab unter die Dusche und mal wieder in einem richtigen Bett pennen.
Am nächsten Tag noch geschwind die was über 600km nach Hause rütteln und fertig!

Schön war es, anstrengend, erlebnisreich und jetzt nach einigen Wochen könnte ich mir schon wieder vorstellen, durch diese angeblich so öden Wälder im hohen Norden tagelang niht szu tun, als zu fahren, fahren, fahren...



So, das war es. Danke für die Aufmerksamkeit!

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Beitragvon hiha » Mo 18 Okt, 2010 06:44

Äußerst erbaulich! Gerne wieder!

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Beitragvon T. » Mo 18 Okt, 2010 08:19

Kann ich mich nur anschließen, Danke!
Gutes Auge...
(....und das mit dem Heidelberger Schloß kann ich nach vollziehen :-D )
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Beitragvon Dreckbratze » Mo 18 Okt, 2010 17:27

:danke:
die optimale kurvenlinie ist aussen-innen-aussen und nicht oben-unten-platt...
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Beitragvon ragman » Mo 18 Okt, 2010 18:45

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Beitragvon ETZChris » Di 19 Okt, 2010 08:51

ein sehr schön geschriebener bericht mit tollen fotos. ein bericht, der ebenso lust auf solch eine tour macht...

eine frage zum tagebuch: machst du das handschriftlich oder wie einige mittlerweile auf einem netbook (diese kleinen laptops/notebooks)??
Gruß
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Beitragvon Blechroller » Di 19 Okt, 2010 09:25

ETZChris hat geschrieben:ein sehr schön geschriebener bericht mit tollen fotos. ein bericht, der ebenso lust auf solch eine tour macht...

eine frage zum tagebuch: machst du das handschriftlich oder wie einige mittlerweile auf einem netbook (diese kleinen laptops/notebooks)??


Das Netbook dient nur der Bildersicherung unterwegs und der Wetterberichtsbefragung. Sonst pinsel ich mir nur so 3 bis 5 Stichpunkte inkl. Wetter und Kilometers auf, geschruben wird das Zeug dann zu Hause.

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Beitragvon ETZChris » Di 19 Okt, 2010 10:05

Blechroller hat geschrieben:
ETZChris hat geschrieben:ein sehr schön geschriebener bericht mit tollen fotos. ein bericht, der ebenso lust auf solch eine tour macht...

eine frage zum tagebuch: machst du das handschriftlich oder wie einige mittlerweile auf einem netbook (diese kleinen laptops/notebooks)??


Das Netbook dient nur der Bildersicherung unterwegs und der Wetterberichtsbefragung. Sonst pinsel ich mir nur so 3 bis 5 Stichpunkte inkl. Wetter und Kilometers auf, geschruben wird das Zeug dann zu Hause.

OllY


danke. also hast du beides dabei...klingt plausibel
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Beitragvon Thoeny » Di 19 Okt, 2010 11:22

Sehr, sehr feine Bilders! Und ebenso schöne Beobachtungen der lieben Mitmenschen. :-D
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