Netter Artikel über die Erstbesteigung des Cho Oyo:
http://www.bergnews.com/service/cho-oyu-tichy/cho-oyu-tichy.htmHeute gilt der Cho Oyo als leichester der 8.000er. Heute ist es aber auch die größte Kunst am 8.000er-Wandern, die Kohle aufzutreiben, um mit fast perfekter Infrastruktur an den "Expeditionen" teilzunehmen und sich an zu Saisonbeginn gespannten Fixseilen hochzuzerren. Nahrung besteht aus Expeditionszeugs mit allen Geschmachsrichtungen, die Kleidung macht auch einen Sturmnacht auf über 8.000m überlebbar.
!954 war das ein Roulettspiel mit dem Leben, bei dem nur ein Patrone im Magazin fehlt.
Man muss ich das vorstellen:
Heute: Satelittentelefon liefert den neuesten Wetterbericht, aus dem gehzeizten Zelt im Basislager bei einem schönen Rotwein wird dem Berg "Wir kommen" zugerufen, bevor man in seinen hundsteueren Humbstibumstifaseranzug steigt und wissen, dass das Wetter passt, den Schnee bis zum Gipfel patttritt. Passiert was, liegen Sauerstoffflaschen bereit (wenn sie nich eh schon auch bei niedrigern 8.000ern benutzt werden). Der Hubschrauber steht bereit und jeder hat Medikamente dabei, von denen man damals nur träumen konnte.
Damals: Scheißklamotten, Baumwollzelte, Wetter wurde geschätzt/gehoft. Rettung war nicht.
Das sind Leistungen, die man heute nicht mehr nachvollziehen kann und -wegen der Gefahren- auch nicht mehr wird. Man kann am Cho Oyo immer noch drauf gehen, aber die "Chancen" waren 1954 ungleich höher.
Ich persönlich halte -bei allem Respekt vor der Leistung und den tollen Berichten- die Darstellung der Reisen und Expeditionen im low-Budget-Niveau für heroisierend. Tichy hatte einfach keine Kohle für ne große Expeditione, aber er hatte den Willen. Absicht und Bewußtsein, auch hohe Berge im Alpinstil anzugehen, kam sehr viel später. Der (arrogante Sack) Messner war auch dafür (Mit-)Vorreiter. Er hätte aber auch die Kohle für Materialschlacht-Expeditionen auftreiben können, aber er hat den "Mord am Unmöglichen" früh erkannt und bekämft.
Reisen heute mit ner alten Puch oder sonstigem Alteisen sind nichts anderes als den "Mord am Unmöglichen" zu vermeiden. Die Probleme, die sich aus solchen Handicap-Touren ergeben, machen das Erlebnis aus, machen es stärker, machen es vieleicht erst zum Erlebnis und nicht nur zum kilometerfressenden Konsum. Die Duzende, die jählich mit ner BMW, ner Alp oder AT durch den amerikanischen Kontinent touren, haben das Moped als Transportmittel für ihre Reise. Machen sie aber einem Mopedreise im eigentlichen Sinn? Wissen die noc den Unterscheid zwischen 8° und 22° Steigung?
Ach ja, wahrscheinlich wäre ich auch so "weich", und würde so ne Tour mit ner Alp fahren (und mich hinterher ärgern

)
Olli