BeklugscheißenNatürlich blieb das fachmännische „Beklugscheißern“ der fremden Maschinen nicht aus.
Man steht davor, tratscht und wundert sich.

- Beispiel-Klugscheißer
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Besonders zwei französische Apparate fielen ins Auge. Nun ja, sagen wir es so: Ein österreichisches Pickerl oder gar eine deutsche TÜV-Plakette würden diese Gefährte wohl nur unter Tränen eines blinden Prüfers sehen.
Aber – und das ist das Wunder der Technik – sie bringen ihre Maschinisten seit Jahr und Tag zuverlässig an jedes Ziel.
Das ist eben der Unterschied zwischen Paragrafen und Praxis!
Grip-Sorgen am „Hänsi“ Die Mautstraße präsentierte sich dieses Jahr von ihrer tückischen Seite – spiegelglatt und extrem eisig. Meine Reifen am „Hänsi“ bieten trotz Verimmlerung kein Halten mehr, das Gummi suchte vergeblich nach Halt auf der blanken Fläche.
Dann sah ich den Kowinatz. Der Kerl pflügte solo mit seinen gespikten Reifen die Strecke hoch und runter, als gäbe es kein Morgen – souverän wie eine Bergziege auf Urlaub.
https://youtu.be/IHsD97Tj7mMDa gab es nur eins: Kurzerhand ein paar Spikes bei ihm geliehen, den Schraubenschlüssel angesetzt und die Dinger in mein Profil gewürgt.
Eine kurze Probefahrt bestätigte das Urteil: Viel besser!
Wenn der Stahl erst einmal ins Eis greift, verliert der Winter seinen Schrecken.
Überall sah man nun das gleiche Bild: Die einen legten Ketten auf, die anderen schraubten sich die stählernen Krallen in die Pneus.
Ein ständiges Kommen und Gehen, ein Knirschen und Rasseln auf der Straße vorm Zeltplatz.
Der Freitag klang dann mit den obligatorischen Kontrollfahrten aus.
Oder man rückte auf der Hütte oder am Platz zusammen. Und hier trug sich folgende Geschichte zu.
Das Duell in der Edelraute Ein Kellner der Edelraute – ein Mann vom Fach, sollte man meinen – versuchte doch tatsächlich, zwei unserer AIA-Freunde mit alkoholischen Köstlichkeiten abzufüllen.
Er wollte sie wohl unter den Tisch prüfen. Doch er hatte die Rechnung ohne die Standfestigkeit gestandener Winterfahrer gemacht!
Das Ende vom Lied: Der gute Mann strich irgendwann völlig erschöpft die Segel und entschlief friedlich an seinem Arbeitsplatz.
Das Ergebnis war für unsere Jungs eher tragisch: Der Zirbenschnaps auf der Hütte war restlos vertilgt, und die beiden AIAler standen – zwar noch kerzengerade, aber furchtbar durstig – vor der verwaisten Theke.
So ist das eben am Berg: Der Wille ist stark, aber das Fass ist irgendwann leer.
Samstag 25 Januar:Ein Morgen, der so recht nach dem Geschmack jener Männer ist, die ihre Stiefel lieber im gefrorenen Schnee als auf dem heimischen Wohnzimmerteppich sehen.
Langsam, fast ein wenig zögerlich, kriechen die ersten übermüdeten Gestalten aus ihren Zelten. Die Gesichter sind gezeichnet von der Kälte der Nacht, aber die Augen leuchten.
Überall hört man das vertraute Fauchen der Benzinkocher – dieses Geräusch, das uns verspricht, dass der Tag mit einem heißen Kaffee beginnen wird.
Als dann die erste Lage Speck in der Pfanne zu singen beginnt und sein verführerischer Duft über den Platz wabert, gibt es auch für den härtesten Langschläfer kein Halten mehr.
Das Lager lebt!
Von Metzgergewölle und Premium-LangeweileMan kennt das ja: Unsere bayerischen Freunde, die so weit im Süden siedeln, versuchen uns Nordlichter jedes Jahr aufs Neue mit ihrer „Weißen“ zu ködern.
Eine Wurst, so bleich wie der Schnee um uns herum und – man verzeihe mir die Offenheit – im Urzustand von eher diskretem Geschmack.
Doch der erfahrene Motorradfahrer weiß sich zu helfen! In feine Scheiben zerteilt, in der heißen Pfanne scharf angebräunt und mit reichlich Ketchup und Senf versehen,
entlockten wir diesem „Metzgergewölle“ schließlich doch noch ein Aroma, das einem echten Motorradfahrer würdig ist.
Der Vormittag begann dann so, wie der Freitag aufgehört hatte: mit „Premium-Langeweile“. Man pflegt die Maschinen, hält hier und da einen Plausch, bis der Drang nach Bewegung siegt.
Kleine Grüppchen machten sich schließlich auf zur Bergerhube, um ein wenig Moped zu fahren und ordentlich zu speisen. Andere unternahmen kleine Besorgungs- und Einkaufsfahrten ins Tal.
Erste Hilfe für ein fremdes TriebwerkDer Wirt berichtete uns von seinem Leid: Sein Snowmobil, eigentlich für dieses Terrain geschaffen, wollte partout nicht anspringen. Er hatte die Rechnung ohne Uwe und seine Getreuen gemacht!

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Flux waren die Schrauber bei dem besagten Patienten. Ein paar fachmännische Handgriffe, ein wenig Arbeit am Triebwerk – und siehe da: Der Motor lebt, er läuft!
Natürlich ließen sich die Retter eine Probefahrt nicht nehmen. Das Fazit war jedoch ernüchternd: Das Ding läuft zwar gut geradeaus, aber Kurven mag es so gar nicht.
Also wurde es schnell wieder weggestellt – wir bleiben lieber beim Einspurfahrzeug oder dem Gespann.
Blechsalat und die ewige Zündung Während sich die Gruppen zur Bergerhube aufmachten, zeigte das Schicksal auf der Mautstraße wieder seine Zähne.
Ein BMW-Fahrer hatte seinen Wagen – vermutlich etwas "illuminiert" – in den Graben gesetzt. Ein hilfsbereiter Allrad-Bus wollte bergen.
Es sah gut aus, der BMW war frei, doch dann: Der Fahrer blieb auf dem Gas, die Reifen fanden Grip und – RUMMS! – ungebremst ins Heck des Retters.
Versicherungsfall statt Heldensage.
Was gab es sonst noch zu berichten?
Die Kunde erreichte mich nachmittags durch einen Treffenteilnehmer, der gerade vom Einkaufen aus Trieben zurückkehrte.
Er berichtete mit besorgter Miene, dass er bereits auf der Hinfahrt ein Gespann am Straßenrand beim „Beschrauben“ gesichtet habe.
Das Pikante daran: Als er nach über zweieinhalb Stunden wieder talwärts fuhr, bot sich ihm das exakt gleiche Bild.
Der Eigner stand noch immer bis zu den Ellenbogen im Kabelgewürm.
Da juckte es mich natürlich in den Fingern. Ich schwang mich in den Sattel und fuhr talwärts, um nach dem Rechten zu sehen.
Dort traf ich auf unseren Freund Richy. Er stand neben seiner Renntax, und was soll ich sagen? Die Lage war ernst, aber hoffnungslos: Kein Zündfunke.

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Richy, ein Mann von bewundernswerter (oder beängstigender?) Ausdauer, hatte die Zündung bereits mehrfach in ihre Einzelteile zerlegt und wieder zusammengefügt.
Doch das Ergebnis blieb so beständig wie das Amen in der Kirche: absolute Funkstille an der Kerze.
1. Ausbauen.
2. Anschauen.
3. Einbauen.
4. Fluchen (optional).
Nachdem das Spielchen am Straßenrand keine Früchte trug, fällten wir die einzig vernünftige Entscheidung: Schiebeseil.
Wir hievten die Renntax hinauf in die Werkstatt, wo die Prozedur unter besseren Lichtverhältnissen von vorn begann.
Die unendliche SchleifeEs war fast wie ein mechanisches Gebet:
Komponenten raus.
Komponenten anschauen.
Komponenten rein.
Nichts.
Nochmal von vorn...
Komponenten raus.
Komponenten anschauen.
Komponenten rein.
Nichts.
Nochmal von vorn...
Komponenten raus.
Komponenten anschauen.
Komponenten rein.
Nichts.
Nochmal von vorn...
Man kann einem Mann vieles nachsagen, aber Richy mangelte es wahrlich nicht an Akribie.
Doch während die Sonne langsam hinter den Gipfeln verschwand und es zu dämmern begann, forderte die menschliche Natur ihr Recht.
Irgendwann wird auch dem geduldigsten Zuschauer das ewige „Raus-Rein-Nichts“ zu bunt.
Wir ließen Richy und seine widerspenstige Zündung schließlich stehen und begaben uns in die Edelrauthütte.
Die Rückkehr des „Schwiegervaters“Wir standen also beisammen, die Kehlen staubig, der Blick fachmännisch über die Theke schweifend.
Und da, zwischen all den Schnapsflaschen und den Souvenirs, geschah das Unfassbare.
Unser Auge blieb an einem Objekt hängen, das dort oben im Regal über der Kasse thronte wie eine Reliquie:
Die verlorene Schwiegervater-Flasche!
Sie war es wirklich! Jenes sagenumwobene Elixier, das unser guter Uwe schon schmerzlich vermisst glaubte.
Ein Schluck für die GetreuenEilig wurde Uwe herbeigerufen.
Man hätte sein Gesicht sehen müssen – eine Mischung aus ungläubigem Staunen und der Freude eines Vaters, der sein verlorenes Schaf wiedersieht.
Wir konnten ihm seine Flasche feierlich überreichen, und was macht ein Kavalier alter Schule in so einem Moment? Richtig!
Die Flasche wurde entkorkt.
Uwe spendierte uns allen zum Dank einen kräftigen Schluck.
Und siehe da: Der „Schwiegervater“ war noch immer in der Flasche! Ein edler Tropfen, der die Lebensgeister weckt.
Ein einsamer Rufer in der WerkstattDoch einer fehlte in unserer fröhlichen Runde: Richy.
Er hielt er tapfer die Stellung unten in der Werkstatt.
Das mechanische Mantra hallte wohl immer noch durch die Räume:
Komponenten ausbauen, Komponenten anschauen, Komponenten einbauen.
Da nun aber zweifelsfrei festgestellt wurde, dass in der Flasche noch immer reichlich „Schwiegervater“ vorhanden war, packte uns der Tatendrang.
Man kann so eine Entdeckung ja nicht einfach unkommentiert im Regal stehen lassen!
Kurzerhand beschlossen wir – gestärkt durch den Fund und den kleinen Umtrunk – eine weitere Kontrollfahrt.
Schließlich muss man prüfen, ob der Weg ins Tal noch sicher befahrbar ist.
Ein Lichtblick am AbendAm Abend gab es einen feierlichen Moment: Kay Böttrich überraschte die AIA-Gemeinde in einem spontan anberaumten Akt mit einer selbstgebastelten Lampe für die AIA.
Sogar Andy, unser sonst so distanzierter Brite,
ließ sich vom Freudentaumel mitreißen und feierte kräftig mit.
Danke, Kay, für dieses tolle Geschenk!
Doch jede Feierlichkeit muss ein Ende finden, denn die Kontrollfahrten rufen.
Stur lächeln und winken.
Es ist die Pflicht eines Motorradfahrers Motorrad zu fahren!
Es ist die Pflicht eines Gomphonauten, seinen Gomph zu gomphen!