Herrentag-Pfingsttour 2014
Auf der Suche nach Mitfahrern für die Himmelfahrts und Pfingstwoche, Richtung Frankreich/Italien, bin ich über Christian an die Euterreisenden, Alex und Ralf gekommen.
Sie waren schon auf diversen Touren u.a. Türkei,Marokko und DÄNEMARK

und erschienen mir in Ihren Reiseberichten auch als harmonisches Team.
Als Ziel waren die franz. Alpen, Seealpen und andere Gebirgszüge in der Gegend südlich von Genf vorgesehen.
Der Plan war, die erste Woche mir den dreien zu reisen und danach, die Woche vor Pfingsten via, Schweiz, Italien, Österreich, Slowenien, Kroatien zum AiA-Treffen am Sölkpass und zum Abschluss das Schwalbennest.de-Treffen in Frauenwald/Suhl zu besuchen. Nun was soll ich sagen, nach dieser Tour weiß ich:
1. Kommt es anders und 2. Als man denkt
Einen Monat vor der Tour war ich noch im Rhein-Mosel-Eifel Gebiet auf Rundreise, und beendete diese via ADAC mit verbogener Gabel, defektem Lenkkopflager, gerissenem Sturzbügel und kaputter Bremsleitung.

Ach naja was solls, dacht ich mir. Es ist ja noch 1 Monat Zeit, das schaffst du schon
Lenkkopflager wechselte ich dann eine Woche vor Abfahrt:

Am Tag der Abreise, ich hatte Nachtschicht und kam morgens um 6 Uhr von der Arbeit, entscheid ich mich noch mal eben fix das „Wasserrohr“(gelbes Teil um den Scheinwerfer herum) zu wechseln. Denn das alte hatte beim Sturz mehr Schaden erlitten als gedacht.
Gesagt getan und somit war nach einem Kaffee schrauben angesagt und nicht wie geplant eine Runde schlafen. Um 9 Uhr stand die BMW dann so dar:

Das Foto schickte ich dann mal in die Runde und fragte, wann noch mal der Abreisetermin war, geschocktes Schweigen.
Gegen 12 waren die Umbauarbeiten beendet und ich begann meine Sachen zu packen. Ja auch das habe ich noch nicht gemacht, aber aus vorigen Motorradreisen war mir das packen gut bekannt und das System, im Laufe der Woche Liste schreiben und am letzten Tag packen, hat sich für mich als bestes erwiesen
Um 17 Uhr kam dann Christian mit seinem Bus und einem Anhänger, den man auch fast mit einem Klaufix verwechseln könnte. Da sollen 2 GS´en rein passen?
Aber nach 20 Minuten Tetris war auch meine GS auf der Ladefläche verzurrt und nach einem Kaffee und der Verabschiedung von meiner Frau und dem Dackel machten wir uns auf den 300km langen Weg in Richtung Fulda.
Wir kamen gut durch und waren gegen 21:15 bei Ralph, der uns mit seiner Frau und Alex auch schon mit leckerem Chili erwartete.
Nach dem Essen planten wir die nächsten Tage und kamen zum Entschluss morgen von Fulda über Basel durch die Schweiz nach Annecy zu fahren.
700km Autobahn waren angesagt
Als ob ich es im Urin hatte, aber die Entscheidung das Restprofil meines Hinterreifens noch aufzubrauchen, erwies sich als Vorteilhaft. Sonst hätte ich gleich nach dem ersten Tag wieder eine Kante im Reifen

Das heiß aber auch um 6 Uhr Abfahrt O.o
Um 23 Uhr vorderten die 33 Stunden ohne Schlaf ihren Tribut und ich war im Bett und träumte von der toll ausgebauten Autobahn bis Frankreich….

Samstag, 24.5.2014
Der Morgen begann um 5 Uhr mit einem saften „JUNGS AUFSTEHEN“ und einem energischem hämmern an der Tür.
Nach der Dusche gab es ein Frühstück, was sich sehen lassen kann. Brötchen in diversen Variationen, Wurst, Rührei, Obst….. alles was Mann so braucht, zum Start auf der 700km langen Autobahnetappe. Um 6 Uhr fingen wir an die Kühe zu satteln. Ich hatten 2 Tage zuvor noch am Kofferträger eine Naht nachgeschweißt und stellte jetzt fest das der Verschluss genau da hin musste. Also hieß es um kurz nach sechs schon das erste mal basteln
Feile in Anschlag und los ging die wilde Fiedelei. 20Minuten später war ich dann auch fertig und das erste mal in Schweiß geraten. Die Jungs scharrten schon mit den Hufen, aber konnten mit klugen Sprüchen wie: „Jaja die Jugend wieder…“ ihre Zeit vertreiben.
Um 7:30 war nun endlich Abfahrt angesagt und wir starteten die ersten KM zur Tankstelle bei Traumhaften Wetter und auf kleinen Sträßchen.
Nach dem ersten Tankstop ging es dann auf die Autobahn. Der erste Defekt ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Alex fuhr mit mal immer langsamer und stoppte auf dem Seitenstreifen. Die Schraube zur befestigung der Hupe hatte sich von dannen gemacht und die Hupe hing nur noch an den Kabeln. Kabelbinder lösten das Problem schnell und die Fahrt ging weiter.
Nach 200KM dann die erste Pause, über uns zogen sich Wolken zusammen und wir entschlossen und die Regensachen überzustülpen. Von da an ging es etliche Kilometer in Schauern und teils heftigen Regengüssen in Richtung Schweiz.
Ab Freiburg riss der Himmel auf und 20Km vor Basel hielten wir an einer Tankstelle um zu Tanken und die schweizerische Vignette zu kaufen. Die Regensachen konnten wir wieder in den Koffern verschwinden lassen, denn die Sonne schien und machte es um einiges erträglicher. Nach dem Tanken stellte Christian fest, dass sein linker Vergaser mit mal überlief. Also ging es auf zur Fehlersuche. Viele Köche verderben den Brei und so genossen Alex und ich die Sonne und begafften das Geschraube am Vergaser.

Es kamen diverse Motorradfahrer vorbei und guckten nur doof. Einer hielt jedoch an und welch Zufall es war auch ein 2V GS Treiber. Er war Schweizer und wohnt kurz hinter Basel. Das Fehlerbild hatte er auch mal, und schlug den Schraubern vor sich den Schwimmer anzusehen. Diese jedoch schon leicht genervt von der erfolglosen Suche, wollten ihrer These weiter auf den Grund gehen. So machte der Schweizer, sich wieder auf den Weg und ließ eine Visitenkarte bei uns. Wenn wir Ersatzteile benötigen, können wir uns gern melden. Alex und ich demontierten einen defekten Blinker um das Glühobst zu wechseln, jedoch gab es an der Tankstelle keine H21W Blinkerbrinen und der Blinker blieb eben ohne Funktion. Nach weiterer erfolgloser Fehlersuche, nahmen wir uns doch den Schwimmer vor. Mittlerweile waren alle mit geballter Schrauber Erfahrung am Werk, endlich fanden wir den Übeltäter. Der Schwimmer ist zum Taucher geworden und konnte das Benzinniveau nicht mehr regulieren. Ein Telefonat mit dem hilfsbereiten Kuhtreiber und ich setzte mich in Bewegung um einen Schwimmer zu besorgen. Er gab mir einen kompletten Vergaser mit, falls uns noch mehr kaputt gehen sollte

Auf dem Rastplatz zurück, wechselten wir den Schwimmer und siehe da, kein Tropfen mehr.
Die wilde Hatz ging weiter und wir durchquerten die Schweiz mit nur einem Stopp und kamen ganz schön erschöpft am Campingplatz Municipal Le Belvededere in Annecy an. Um 19:30 waren die Zelte Aufgebaut und Christian, der in Annecy seine Diplomarbeit schrieb, führte uns in der Stadt zu einem sehr netten Lokal, wo wir uns beim Sonnenuntergang am See den Wanzt vollschlugen. Der Abend war kurz, aber in Anbetracht der Tageskilometer verständlich.

Sonntag 25.5.2014
Das Frühstück konnte nicht mit dem von gestern mithalten, war mit einem Croissant und 3 Kaffee aber ausreichend. Christian machte mit uns noch eine Rundfahrt durch Annecy …
http://youtu.be/Mok_nuD7Cu8….und wir kauften etwas Proviant für den Tag ein. Beim Supermarkt bemerkte Christian, dass ein Reißverschluss an seinem Tankrucksack defekt war, und ersetzte diesen durch einen Kabelbinder.
Die ersten Kurven begannen gleich nach dem Ortsausgangsschild von Annecy auf dem Weg zum Gipfel des Semnuz. Oben angekommen genossen wir kurz die Aussicht und fuhren wieder Bergab um Richtung Ugine zu fahren. Von da aus ging es auf einer immer schmaler und kurvenreicher werdenden Straße hoch zum Col dé Arpettaz.


Der Untergrund wurde immer schlechter, bis wir schließlich auf Schotter fuhren, was nen Spaß

Auf der Hochebene in Richtung Col des Aravis hielten wir an um ein paar Fotos zu machen und die Aussicht zu genießen.



http://youtu.be/WVaI7ydn6bsNach einer ordentlichen Steigung wollte ich das Panorama nutzen um dieses Bild mit dem Moped drauf schießen.

Als ich jedoch darauf den Bock starten wollte kam nur ein klacken und der Motor blieb aus. Panik kroch in mir hoch, denn hier oben wird der ADAC wohl nicht so schnell zur Stelle sein. Kurzer Blick zur Gruppe und Ralf meinte nur: „Kein Problem, ist NUR der Anlasser kaputt“. Ich dachte mir was in Teufels Namen heißt hier nur? Weiß der Typ das ich hier gefühlte 400Kg unter meinem Arsch rumtreibe? Ankicken ist nicht, da die 1000erZylinder montiert sind und der Kickstarter den Motor nicht genug beschleunigen kann um ihn zu starten. Aber als er mir sagte, er hätte das wohl auch schon durch, war ich etwas beruhigter. Wir schoben die GS an eine Stelle wo der Weg etwas abfiel, dort schoben mich Ralf und Christian an. Als MZ und Simsonfahrer, war mir das Procedere bestens bekannt und stellte auch kein Problem dar. Von da an wurde der Motor nur ausgemacht, wenn wir irgendwo einkehrten oder ein Berg zum anrollen in der Nähe war

Weiter ging es auf Schotter



Wir fuhren weiter nach Beaufort und es begann zu Regnen. Am Stausee Lac de Roselend kehrten wir in die beheizte Gaststube des Le chalet de Roselend ein. Das Thermometer zeigte 8°C an. Die Nässe tat ihr übriges und wir wärmten uns bei Kuchen und Kaffee etwas auf.

Der Regen hörte nicht auf und so fuhren wir bei ungemütlichem Wetter weiter über den Col da Pré Richtung Aréches wo uns 8 Goldwings entgegen kamen und die Straße mit einem Mal doch recht eng wurde. Der Plan für den heutigen Tag war, über den Cormet d´ Aréches nach Amie zu fahren und dort ein Zeltplatz oder eine Pension zu suchen. Aber wie ich schon zu Beginn schrieb, 1. Kommt es anders und 2. Als man denkt. Denn auf ca. 2000m ünN versperrte uns ein Schneefeld den Weg.


Der Blick auf die Karten verriet uns, dass es nur noch maximal 2 Kilometer bis zur Passhöhe ist. Also schoben wir als erstes Ralfs GS am Schneefeld vorbei, damit er den weiteren Zustand der Route auskundschaften kann. Doch er kam nach wenigen Minuten zurück.
https://www.youtube.com/watch?v=vyPuIYW9wcUEs regnete immer noch und die Temperatur lud nicht wirklich zum spontanen Zelten am kleinen Bergsee ein,

und so fuhren wir die Schotterpiste wieder runter in den Ort Aréches und suchten und ein Hotel. Für 63€ p.P. mit Abendessen und Frühstück kehrten wir ins Les Ancolies ein. Nach einer kurzen Fehler Diagnose an meiner GS kamen wir zu dem Entschluss, dass die aufsteigende Hitze vom Motor den Kleber der Magneten im Feldgehäuse löste und diese dann den Anlasser blockieren. Dank Wlan und SchmartPfons suchten wir in der Umgebung eine Bosch Service, der uns morgen hoffentlich helfen kann. In Bourgh-Saint-Maurice sagte mir Tante Google sei einer und wir planten für den morgigen Vormittag die Reparatur des Anlassers ein. Den Abend ließen wir bei einem schmackhaften Abendessen, Wein für Christian und mich und Wasser und Cola für die anderen beiden ausklingen. Die Routenplanung und all abendliche Tagebuchnotizen:

Montag, 26.5.14
Das Frühstückbuffet war typisch französisch, Fett und Zucker haltig. Genau das Richtige für einen regnerischen Start in den Morgen, der uns sicher bevorstand.

Die Kühe waren gesattelt, als anrollen und starten…. Was schrieb ich noch mal am Anfang? 1. kommt es anders……..
Die Straße war Nass und der Reifen hatte nicht genug Haftung um den Motor zum Drehen zu Überreden. Glücklicher Weise war die Straße noch ein Stück lang abschüssig und ich holte noch ein weiteres Mal Schwung. Als ich um eine Ecke rollte, sah ich dass die Straße in 100 Metern wieder anstieg. Also der Finale Versuch. Hochspringen und bei der Landung die Kupplung los lassen. Der Motor Drehte hoch und ich fuhr noch einige Meter um dem Motor etwas warm zu fahren. Zurück bei der Gruppe starteten auch die anderen Drei ihre Mopeds und los ging es zurück zum Lac de Roselend und über den Roseland Pass nach Bourgh-Saint-Maurice.
Auf den letzten Kilometern runter ins Tal kam änderte sich das Wetter auf jeden Meter und wir erreichten Bourgh-Saint-Maurice bei angenehmen 20°C und leichter Bewölkung. Die Suche nach dem Bosch Service verlief erfolglos. Am Ende des Ortes angekommen drehten wir um und hielten an einem Laden, der unter anderem einen Reifen Service hatte. Ich erklärte dem Verkaufer mein Problem, aber er konnte mir auch keine weitere Auskunft geben. Wir querten den Ort noch einmal und fragten uns durch. Nach knapp 90 Minuten erhielten wir den entscheidenden Tipp. Als wir den Bosch Service endlich gefunden hatten machte sich jedoch schnell Enttäuschung breit. Der Werkstattmeister machte uns klar, er habe genug zu tun und werde keine Zeit für uns locker machen. Unverrichteter Dinge fuhren wir also wieder los und suchten erfolglos noch in Amie nach einer Werkstatt, die uns helfen könnte. Da es bereits 12:30 war planten wir um und nutzten die Mittagspause um per Landstraße nach Grenoble zu fahren. Nach ca. 60Km entschieden wir uns auf die Autobahn zu fahren um Kilometer zu machen. In Grenoble machten wir eine Pause im den Energiehaushalt aufzufüllen. Ich klapperte noch 2 Motorradläden ab, doch leider ohne Erfolg, Montag geschlossen. Nicht einmal Reifenwechseln war drin und so musste ich den doch schon recht weit abgefahrenen K60 weiter quälen.

Nach der Stärkung fuhren wir weiter in den Nationalpark Vercors in Richtung Villard-de-Lans um die die Schlucht „Gorges de la Bourne“ unter die Räder zu nehmen. Auf den Weg dort hin, die Straße wurde immer besser, sahen wir schon die ersten Blitze eines heftigen Gewitters. Leider führte unsere Route genau in die Richtung. Aber hilft ja alles nichts, wir müssen da durch. Also Zähne zusammen beißen und ab. In der Schlucht wurde der Regen so stark, dass wir in einer Gallerie uns zu einem Pärrchen stellten, was den Regenguss auch abwartete.
http://youtu.be/bvGeiiMACW0Als der Regen weniger wurde, fuhren wir weiter und fuhren gen Süden die Combe Laval Schlucht auf den Col de Carri. Da oben war eine Art Jugendherrberge welche heute und wahrscheinlich auch an diversen anderen Tagen ohne Gäste war. Die Gastwirtin erklärte uns das wir uns hier frei ausbreiten können es wäre niemand weiteres hier. Für 35€ p.P incl. Halbpension kehrten wir ein und ich baute noch am Abend den Anlasser aus. Es begann aber zu regnen und ich vertagte den Zusammenbau auf morgen. Der Handyempfang gab es nur an einer Stelle, aber selbst da war es mir nicht möglich zu Hause anzurufen. Ich schrieb eine SMS in der Hoffnung, dass diese vielleicht irgendwie ihren Weg finden würde. Wir schliefen alle in einem Zimmer und quatschen noch ein paar minuten, bevor es leise wurde. Nur der Regen passelte die ganze Nacht weiter auf die Dachfenster.
Die nächsten Tage geht es weiter

LG Michi
Zuletzt geändert von
Michiklatti am Mi 25 Jun, 2014 20:16, insgesamt 3-mal geändert.