Montag:
So ein Tarp ist schon fein. Die 3,78 Tropfen, die es am Vorabend genieselt hat, wurden wirksam vom Verwässern meiner Speise abgehalten. Außerdem hat das Tarp einen Regenschirmeffekt; hat man eins dabei, regnet es nicht mehr. Das Tarp wurde das nächste Mal zu Hause tropfnass aus dem Beutel gezerrt

Aber zur Sache:
Wie immer ist das Chaos nach der ersten Nacht perfekt und die Sachen finden noch nicht so recht ihren Platz in den Packtaschen/Koffern und auf dem Krad. Bei dieser Reise optimiert sich die Sache aber doch flott. Nach der ersten Nacht hat alles seinen Platz so gefunden, dass es künftig keiner Hirnerei am Morgen bedarf.
Rüber zur Fähranleger und –man kennt das ja- „Linie 1“.

Manche Dinge ändern sich wohl nie; vor 3 Jahren:

Dänemark nervt mich nicht erst seit deren Hundegesetz aus 2010. Das Land war mir mal sympathisch, aber wenn man mit etwas Interesse für die nördlichen Länder auch ab und an mal einen Blick auf deren Politik wirft, kann man (ich) nur mit dem Grundsatz „gib kein Geld in DK aus“ die 200km durch das Land abreißen und mal denen geschwind in die Wiese pinkeln. Nun ja, ich hab dadurch weder die Welt geändert, noch die Dänen zur Raison gebracht, aber andersrum würde mich mein Verhalten ärgern.
Schauen wir mal Photos:










Das Wetter ist immer noch super, wenn auch nicht mehr so unendlich heiß. Genau weiß ich eigentlich immer noch nicht, wie ich fahren will. Nach Stockholm und mit der Nachtfähre nach Turku/Finnland oder doch über Schweden hoch? Die Aussicht, eine Mehrbettkabine mit Menschen teilen zu müssen, die den steuerfreien Alkohol auf der Fährfahrt „genießen“ wollen und eine Fahrt durch Stockholm im abendlichen Berufsverkehr sind jetzt nicht gerade das, was ich will, Also ab durch Schweden.
Nächste Frage: Wie durch Schweden?

Ein unendlicher Entscheidungsstreß auf so einer Reise

Ich entscheide mich nach ausführlicher Beratung mit niemand und Abwägung aller Argumente mittels mathematischer Gewichtung spontan für die Fahrt über die Ostküste bis Göteborg und dann ab durchs Schwedische Inland, vulgo Inlandsvägen.
Und dann beginnt das Dauerthema dieser Reise. Kaffee. Kaffee ist wichtig, sehr wichtig und ein Punkt, der mir Skandinavien so symphatisch macht, ist, dass die Leute das dort genau so sehen. Allerdings scheint mir das Kaffeethema dort mehr unter quantitativen als unter qualitativen Gesichtspunkten betrachtet zu werden. Aber immerhin; es gibt an jeder Hausecke einen Kaffee zu kaufen.
Erst mal gilt der Jagdtrieb den Schwedischen Kronen. Der Erfolg stellt sich schnell im nächsten Ort an einem Geldautomat an und die Sinnlosigkeit der Jagd gleich dazu: Den Kaffee im Kiosk bezahlt die Dame vor mir mit Kreditkarte. Satte umgerechnet 1,10 € mit Kreditkarte…
Ich bezahl dann mal mit Bargeld

An der Tankstelle wieder so was: Man kann wählen, ob man direkt an der Säule mit Kreditkarte oder an der Kasse zahlen will. Da ich Anstehen an der Kasse für eins der Grundübel der Menschheit halte, das gleichen Stellenwert mit Stechmücken, den Parteien mit einem „C“ im Namen und dem Kupplungswechsel an einer Guzzi hat, finde ich das mit der Karte direkt an der Säule schon mal nicht schlecht. In Skandinavien mit den Ländern, die den Zeitbegriff deutlich relativieren, ist das für einen Kassen-Ansteh-Neurotiker wie mich eine Überlebenserfindung.
Die Dosenbahn bis Göteborg geht so dahin, aber bei Geschwindigkeitslimits von 110 Km/h, selten 120 km/h und dem Wissen, dass man ab dem ersten km drüber nicht gering löhnen darf, bleibt der Blick auf den Tacho ein Hauptelement der täglichen Fahrerei. Mit dem Dieseligen Diesel würde sich das erübrigen. In Göteborg dann ein Schreck: Vor mir gehen in einem Zivilbullenauto vor mir nicht wenige blaue Leuchten an. Oha. Kann gut sein, dass ich die 70km/h auf der Stadtautobahn um 0,098km/h überschritten habe, Aber die Jungs meinen den Benz neben mir. Uff!
Dann endlich nach 1 ½ Tagen runter von der Bahn und auf die Landstraße westlich des Vänan-See. Das „endlich“ nehme ich zurück. 80km/h auf völlig geraden Landstraßen, die dann so alle 5km für 15km auf 70 km/h beschränkt werden, machen das Reisen sehr (!) nervig. Mit dem Dieseligen Diesel wäe das weit weniger nervig.
Dafür haben die Schweden zur Unterhaltung ein Spielchen: Beim Kaffee-Ziehen an der Tankstelle kommt mir noch der Sinn nach einer Cola. Die haben in Schweden Namen und es ist lustig, zu beobachten, wie jeder Cola-Käufer erst mal die die Namenskollektion durchstöbert. Ich entscheide mich mal für „Nils“.

Irgendwann reicht es dann mit der Kilometerfresserei. Am Nordende des Vänan-See such ich mir einen Campingplatz, springe noch geschwind in den See und begeben mich nach einer kleinen Speisung mit einem Buch ins Zelt und lese die halbe Nacht.

OllY