Maybach Ausfahrten 2026

Für Termine, Routen, Reiseberichte, Urlaubspläne ...

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon lallemang » Mi 30 Sep, 2026 17:24

Ich bin da eher Gürtel und Hosenträger.
Hier in Fronkreich werden die Luftpumpen immer seltener - Airman,
zwei 18'er Montiereisen und Flickzeug ist klein,
Ersatzschlauch erspart das sofortige Flicken
und wenn der alte Schlauch noch flickbar ist,
ist wieder ein Plan B da.

Paranoide Gry§e :ugly:


Und klar les ich gerne mit :smt023
Wherever You Go There You Are :gruebel:
Benutzeravatar
lallemang
Moderator
 
Beiträge: 18529
Registriert: Mo 10 Apr, 2006 01:18
Wohnort: im Osten des Südwesten

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon hiha » Mi 30 Sep, 2026 17:54

Bei dieser Art von Reifen reichen kurze Montiereisen, die wiegen nicht viel. Zum Schlauchflicken muss man sich aber einige Übung aneignen, und mit zunehmendem Alter wird das beschwerlich...
Gruß
Hans
"Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Profifußball verboten werden muss."
Benutzeravatar
hiha
Älterer Herr und Motorenkenner
 
Beiträge: 18563
Registriert: Fr 28 Okt, 2005 10:01
Wohnort: Neubiberg b. München

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Aynchel » Mi 30 Sep, 2026 18:42

ich bin von der Mountainbikepumpe mittlerweile bei der Accu Pumpe angekommen
dazu Flickzeug und ein 19" Schlauch, der passt so einiger Maßen auf 17 und 21"

https://www.idealo.de/preisvergleich/Of ... rce=google
Aynchel aus Meddersheim


ich könnte die BIG auch mit 5,5l daher fahren, aber das wäre Spritverschwendung ;-)
Benutzeravatar
Aynchel
Vielschreiber
 
Beiträge: 5206
Registriert: Mo 26 Jan, 2015 13:09

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Logu69 » Do 01 Okt, 2026 07:13

Ok, ihr seit also für das flicken.
Ich überlege mir das.
Benutzeravatar
Logu69
Ganz neu
 
Beiträge: 28
Registriert: Do 22 Jan, 2026 15:17
Wohnort: Thurgau Schweiz

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Maybach » Fr 02 Okt, 2026 11:07

@Gunner
Das Problem ist nicht das Flickzeug oder der Ersatzschlauch, sondern die Tatsache, dass man auch eine Pumpe braucht. Und die hatte ich vergessen. Sie liegt 80 cm östlich des Schraubstocks in der Garage.
Und natürlich kann man ein Rad auch am Straßenrand ausbauen und irgendwie zu einer Tankstelle kommen. Nur ist das als Alleinreisender riskant in Italien. Es wird in den meisten Fällen gutgehen, muss aber nicht. Und dann hast Du noch ein größeres Problem ...
Benutzeravatar
Maybach
bekennender Funkeleisentreiber
 
Beiträge: 10001
Registriert: Mi 12 Sep, 2007 12:27
Wohnort: Innsbruck

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Maybach » Fr 02 Okt, 2026 16:35

26.9.26

Nach einer schlecht durchschlafenen Nacht - den zahlreichen fiesen Mücken sei Dank! - beginne ich um 0730 Uhr mit dem Packen: heute geht's nach Cagliari und von dort mit der Grimaldi-Fähre nach Sizilien. Da für die Fahrt genügend Zeit ist, genieße ich zunächst ein ausgedehntes Frühstück in der Loggia des Agriturismo und plane meine Route.

20260926_082547.jpg
Ich bin ja in einem Agriturismo: die Schafherde wird von zwei Hunden zur Weide eskortiert


20260926_093337.jpg
Einer davon kommt vorbei, um den merkwürdigen Motorradfahrer zu untersuchen und ich weiß anfangs nicht wo vorne und hinten ist bei dem Fellbündel.


Diese geht erstmal in die Berge südöstlich von Mandas, um 1000 Uhr geht es los. Über Sirgius Doniga fahre ich über kurviges Geläuf nahezu allein nach Silius. Von dort kurbele ich dann auf kleinsten Straßen 26 km ohne Ortschaften bis Serdiana - ein Traum, der zudem noch bein angenehm kühlen Temperaturen abläuft.

20260926_102052.jpg
Sonnenverbranntes Land bei Silius


Dabei taucht dann wie eine Fata Morgana das Sardinia Radio Telescope SRT auf, wo ich einen Fotostopp einlege.

20260926_102017.jpg
Das Teleskop, wie aus einer anderen Welt


20260926_102031.jpg
Herangezoomt ...


Bei Serdiana hat mich die Ebene wieder und mot ihr steigen die Temperaturen und der Verkehr nimmt zu. Irgendwann im Weichbild von Cagliari verfranze ich mich und brauche einige Kilometer, bis ich mich wieder in westliche Richtung zum Hafen verarbeiten kann. Irgendwann ist auch das geschafft und ich finde ein ein schattiges Café in einer Parallelstraße der Via Roma, der großen Uferpromenade von Cagliari.

20260926_130103.jpg
Könnte auch in Paris sein. Ja, Cagliari ist eine Großstadt


Dort gibt es Caffè doppio, Wasser und eine Brioche con Crema, die so sakrisch süß ist, dass ich sie nicht ganz "schaffe".

Gegenv1500 Uhr fädle ich mich ein in die Reihe der auf die Fähre wartenden Fahrzeuge. Nacheinander kommen zwei deutsche Herren auf mich zu. Sie bewundern die XS, die sie in Studiumszeiten auch gehabt hätten. Einer der beiden berichtete auch, dass er damit 1983 von Stuttgart bis nach Israel gefahren sei.

20260926_141759.jpg
Sauheiß war es, aber immer wieder nette Gespräche in der Warteschlange


Es ist immer wieder erstaunlich, welche Emotionen der alte Zweizylinder doch auch heute noch erzeugt!
Schließlich an Bord, durchgeschwitzt und sonnengebraten, dusche ich in meiner Kabine und gönne mir eine vorzügliche Focaccia und ein Glas, äh Plastikbecher Wein

20260926_180925.jpg
Mahlzeit!


Und genieße das Ablegemanöver mit Blick auf Caglari.

20260926_155334.jpg
Auf nach Sizilien!


Und wenig später noch einen letzten Blick auf Sardinien mit der Landspitze bei Villasimius.

20260926_184345.jpg
Adieu, Sardinien!


Der Abend auf dem Oberdeck vergeht mit einem anregenden Gespräch mit einem Schweizer Pärchen, die Sizilien mit einem T6-Bus erkunden wollen. Sie seien seit kurzem in Rente - welcome to the Club!. Mit Einbruch der Dunkelheit verrolle ich mich in meine Kabine und schlafe tief, bis um 0345 Uhr der Lautsprecher das Frühstück ankündigt (das ich nicht annehme) und die nahende Ankunft in Palermo.
Benutzeravatar
Maybach
bekennender Funkeleisentreiber
 
Beiträge: 10001
Registriert: Mi 12 Sep, 2007 12:27
Wohnort: Innsbruck

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Maybach » Sa 03 Okt, 2026 09:06

27.9.26

Nach dem üblichen Warten auf die Ausfahrt rolle ich um 0600 Uhr von der Fähre. Es ist noch stockfinster und ich genieße erstmalig das deutlich bessere Frontlicht mit dem Philipps Ultinon-Einsatz. Überhaupt ist es ein wenig spooky, die Straßenlaternen sind nur sehr teilweise geschaltet, die Ampeln aus oder auf Blinklicht geschaltet undxes ist eine scheinbar menschenleere Stadt, durch die ich mich, geführt vom Navi, bewege. Nach dem dritten kräftigen Schlagloch beschließe ich, eine Bar für ein Frühstück zu finden. Und bleibe erfolglos. Nur eine Tankstelle macht gerade auf. Der Tankwart schaut auf mein Kennzeichen und spricht mich mit indischen Dialekt auf Englisch an, er kommt, wie er mir sagt, aus Bangladesh und gehört wohl zur großen Zahl von Flüchtlingen, die sich auf Sizilien mit prekären Arbeitsverhältnisses mehr oder weniger schlecht über Wasser halten.
Ein Frühstück oder auch nur einen Caffè kann er mir nicht anbieten, aber er schenkt mir einen Toscanello und wir beide rauchen schweigend unter einem großen Schild " Vietato fumare" je einen Stumpen.
Nachdem sich Calimoto mit der für heute geplanten Strecke leider "aufgehängt" hat, muss ich alles neu starten und fahre dann steil in die Palermo umgebenden Berge hinauf.

20260927_065832.jpg
Blick über das frühmorgendliche Palermo


20260927_065844.jpg
Das graue Band am Gegenhang ist Monreale, das ich später noch besuchen will


Mein Tagesziel heute ist Erice im Nordwesten der Insel. Zunächst will ich aber nach Corleone, das ja in der Mafia-Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Über Piana degli Albanesi fahre ich auf einer schönen, aber in grausigen Zustand befindlichen kleinen Straße steil nach oben. Es ist ziemlich kühl und vollkommen einsam. Es ist nun hell, aber halt immer noch Sonntag Morgen...

20260927_080745.jpg
Piana degli Albanesi


20260927_081822.jpg
Auf dem Weg nach Corleone


Ich bin immer noch auf der Suche nach einer offenen Bar, die ich aber erst in Corleone auf dem Hauptplatz finde. "Pipitone Corleone" kann ich sehr empfehlen! Ein Caffè doppio und ein Brioche con Crema bringen die Lebensgeister zurück.

20260927_085335.jpg
Frühstück


Danach spaziere ich ein wenig im Zentrum herum. Es ist schon eine düstere Stadt, dieses Corleone. Was von dieser Düsterheit aus der historischen Rezeption stammt und was die Stadt tatsächlich so wirken lässt, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

20260927_090706.jpg
Hauptplatz von Corleone


20260927_090459.jpg
Mächtiges Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Was in der Hand des Engels aussieht wie eine Handgranate, ist das Herz des Gefallenen. Dafür sieht sein Körper jedoch noch vergleichsweise intakt aus .


Als ich zum Motorrad zurückkehre, höre ich Schwäbisch. Es ist eine Familie aus Böblingen, die mich fragt, ob ich das Jagdschloss Ficuzza schon gesehen hätte. Ich verneine und sie weisen mir den Weg, ca 15 km vor Corleone. Ich bedanke mich, sattle die XS und fahre die Strecke zurück. Die Staatsstraße ist in einem grausigen Zustand und das erste Mal krache ich in ein derbes Schlagloch, das meine durch drei Bandscheibenvorfälle geschädigten Bandscheiben nur so quietschen lässt. Aua!!! Dann erreiche ich Ficuzza, ein um 1790 erbautes Jagdschloss der spanischen Bourbonen.

20260927_101722.jpg
Jagdschloss Ficuzza


Zur Unterbringung des erforderlichen Hofstaats gat man gleich eine kleine Planstadt dazu gebaut - ein wirklich rares Gesamtkunstwerk. Ich bin froh, den Abstecher gemacht zu haben. Übrigens scheint der Ort auch ein beliebtes Ziel für die dortigen Motorradfahrer zu sein. Sie waren reichlich dort, darunter auch eine sehr schöne Ur-TT.
Ich bin dann über kleine Straßen (also immerhin nach österreichischer Diktion Landesstraßen) im Zick und Zack nach WNW gefahren, immer auf dem Quivive nach Schlaglöchern den meisten konnte ich ausweichen. Aber mein Stundenschnitt ist auf 25 km gesunken. Der Straßenzustand dort ist wirklich unglaublich, nachgerade "endurös".

20260927_115333.jpg
Ein vergleichsweise guter Straßenabschnitt...


Und das Landesinnere ist verbrannt von Sonne und Felder-Abbrennen. Schön, aber rau.

20260927_115345.jpg
Landschaft im Landesinneren


Fortsetzung folgt ...
Benutzeravatar
Maybach
bekennender Funkeleisentreiber
 
Beiträge: 10001
Registriert: Mi 12 Sep, 2007 12:27
Wohnort: Innsbruck

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Maybach » Sa 03 Okt, 2026 15:21

Fortsetzung 27.9.26

Über Roccamena schlängle ich mich weiter. Die Verkehrsschilder belegen im ganzen Land einen hohen Munitionsverbrauch. Ganz offensichtlich jagt man hier eigentlich auf Sauen, wie die beiden Einschüsse eines Brennecke-Flintenlaufgeschosses belegen.

20260927_115453.jpg
Da möchte man nicht in der Geschossflugbahn gestanden sein ...


Immer im Versuch, nicht noch mehr Schlaglöcher zu übersehen, gelangen ich schließlich nach Calatafimi-Segesta. Dort hat es eine Tankstelle und ein Highlight für jeden Archäologen: den dorischen Tempel von Segesta.

20260927_133344.jpg
Lage des Tempels am Hang


20260927_133855.jpg
Frontseite des Tempels


20260927_134340.jpg
Die Kollonaden mit den dorischen Säulen


Nicht nur, dass ihn Goethe schon besucht hat, es ist ein in seiner Klarheit herausragendes Gebäude, das da hinten an einem Berghang steht. Seit Jahrhunderten beforscht birgt es immer noch Fragen, etwa die, warum es nie fertiggestellt worden ist. Die Cella, also das Allerheiligste, fehlt nämlich.
10 Motorradfahrer waren übrigens auf dem Parkplatz und gaben sich das auch angesehen ...
Ich bin dann weiter auf den schoncsattsam bekannten Schlaglochpisten über Buseta, Chiesanova und Valderice auf einer flammneu ausgebauten Traumstraße nach Erice hinaufgefahren, meinem heutigen Ziel. Schon die Aussicht von dem die Ebene 750 m überragenden Städtchen ist "a Traum".

20260927_151106.jpg
Aussicht auf Trapani und das Mittelmeer


Die XS wurde auf dem Motorrad-Parkplatz abgestellt, mit Bremsscheibenschloss und Haube versehen.

20260927_160352.jpg
Motorrad-Parkplatz in Erice. Die Stadt selbst ist für Externe gesperrt (Zona di traffico limitato ZTL)


Da das B&B nur 50 m entfernt war, war der Gepäcktransport nach dem Abladen kein Problem.
Duschen umziehen und dann ab zu einem ausgedehten Spaziergang durch das Städtchen. Beeindruckend ist der Dom und die vielen Befestigungen, die alle eines eint: Grundrisse und Fundamente aus der Zeit der islamischen Herrschaft, dann überbaut von den Normannen und schließlich erweitert unter den Staufern.

20260927_170029.jpg
Die Burg von Erice


20260927_170046.jpg
Ausblick nach Norden


Danach dann den Hunger und Durst stillen und nach Einbruch der Dunkelheit Rückzug ins B&B. Ein Tag voller Eindrücken. Leider aber eine Nacht, die mein Rücken nur mit Schmerzmitteln einigermaßen überstanden hat.
Dateianhänge
20260927_160003.jpg
Der Dom von Erice
20260927_155649.jpg
Kleine Gassen mit Aussicht
Benutzeravatar
Maybach
bekennender Funkeleisentreiber
 
Beiträge: 10001
Registriert: Mi 12 Sep, 2007 12:27
Wohnort: Innsbruck

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Maybach » So 04 Okt, 2026 08:48

28.9.26

Meinem Rücken geht's leider am Morgen nicht so gut. Die gute Nachricht: ich habe ja noch genug Seractil...
Aber ich entscheide mich für eine Abkürzung meiner Tour, denn die Vorstellung, irgendwo mehr oder weniger bewegungsunfähig in der Tiefe des sizilianischen Raums auf Hilfe zu warten und möglicherweise in einem dortigen Krankenhaus zu landen, will mir nicht gefallen.
In Trapani legt eine Fähre ab nach Livorno, also fahre ich dorthin, um ein Ticket in der dortigen Biglietteria zu erwerben. Nun könnte man das ja auch online machen, aber sie wollen beim Boarding ein aufgedruckten Billet ... :evil: und das kriege ich nicht aus meinem Handy gequetscht. Falsch gedacht, denn die einzige Biglietteria, wo man das machen kann, liegt - richtig! - Im Hafen von Palermo. Also, auf nach Palermo. Die Grimaldi-Biglietteria dort öffnet um 1500 Uhr.
Ich mache mich also auf zurück nach Palermo. Zunächst fahre ich genussvoll die wundervolle Straße nach Valderice hinunter - und entscheide mich, sie lustvoll gleich wieder hinaufzufahren. Oben angekommen riecht es unter mir stark nach Benzin und ich sehe nach: der linke Vergaser ist undicht! Die gute Nachricht: alle Schwimmerkammerschrauben sind noch da! Aber drei von vier sind halt locker und wollen nachgezogen werden. Das geschieht auch verzugslos. Dabei kommt erstmalig das Wera-Werkzeug Zyklop Pocket zum Einsatz und es ist wirklich durchdacht. Alle Schrauben werden wieder festgezogen. Jetzt ist es wieder dicht und wahrscheinlich habe ich damit auch einen der Gründe für den erhöhten Spritverbrauch gefunden. On verra ...
Was mich auch an diesem an sich schönen Platz mit großartiger Aussicht einmal mehr massiv stört, ist die Vermüllung. Das kann einen schon depressiv machen.
Jetzt fahre ich wieder runter, genussvoll und nicht langsam.

20260928_101405.jpg
Blick zurück auf das oben auf dem Berg liegende Erice


Weiter geht es nach Salemi, das mich jedoch nicht beeindruckt hat. Ich fahre (heute zur Schonung meiner Bandscheiben im Modus "ohne Autobahn") nach Gibellina Nuova, einem Ort, der wie weitere nach dem Erdbeben von 1968 neu erbaut wurde. Aber es ist nicht dieser Ort, sondern das alte Gibellina, wo der Künstler Alberto Burri eine Land Art-Installation zum Gedenken an den untergegangenen Ort und die vielen Todesopfer errichtet hat. Der Ort ist weg und überbaut mit einer Beton-Installation, die die Struktur des Orts nachzeichnet.

20260928_120020.jpg
Die "Cretto di Burri" (Riss von Burri) aus der Entfernung. Man erkennt die Struktur des untergegangenen Dorfes


20260928_120431.jpg
In der Installation. Mich erinnert der Beton-Brutalismus auch an das fünf Jahre vorher zerstörte und vor Ort wieder aufgebaute Longarone in den Belluneser Bergen.


20260928_120607.jpg
Keine prominenter Zugang, keine Info, nichts. Italien halt. Und eine XS als Größenvergleich.


Die sagen wir: ungewöhnliche Wegweisung beginnt 15 km vor dem Land Art-Werk. Eine Tafel verweist auf "Cretto die Burri ". Dann nicht mehr. Null, nada. Ich gondle vorsichtig auf den immer kleineren Straßen weiter, bis ich an eine Kaskade von betonierten Strukturen komme. Ich meine, dass Ziel erreicht zu haben. Zur Sicherheit frage ich einen zufällig vorbeikommenden Kandarbeiter, der das verneint. Das sei noch eine halbe Stunde weiter.

20260928_114322.jpg
Der vermeintliche "Cretto". De facto handelt es sich um eine Weinberganlage


Ich fahre weiter Richtung Palermo. Nach rd. 100 kmvon Erice aus erreiche ich erneut Calatafimi, tanke dort erneut und genieße ein "pezzo di Pizza", ein Wasser und einen Caffè.
Gegen 1400 Uhr mache ich mich wieder auf den Weg. Erst auf den bereits gestern gefahrenen Wegen (nix für die Bandscheiben!), dann weiter über Camporeale kilometerweit durch die Rauchschwaden der abgebrannt Felder und häufig über Straßen, die als gesperrt gekennzeichnet sind - wo mir aber immer Autos entgegenkommen. Es scheint also ein Durchkommen zu geben.
Gibt es auch, aber halt mit Stufen zu halb abgegangen Straßen von knapp 40 cm. Es geht also nur langsam voran.
Schließlich erreiche ich die SS624, die in einer großartigen Anlage den Übergang über die Berge nach Palermo hinunter erreicht. Und ich komme passend zur Rush hour nach Palermo. Das ist schon sehr kreativ, wie der Verkehr dort abläuft: Ampeln und Verkehrszeichen werden bestenfalls als farbliche Akzentuierungen wahrgenommen. Auch Richtungsfahrbahnen sind nette Anregungen: da kann einem schon mal eine laut hupende Ape, beladen mit Melonen auf der eigenen Spur entgegenkommen - was aber niemand verwundert oder gar irritiert. Nach einer kurzen "Eingewöhnungszeit" zische ich mit den anderen durch die brausen Stadt und erreiche bald den Hafen, wo mir die Einfahrt verweigert wird. Ich müsse zu Fuß gehen...
Glücklicherweise war ein Parkplatz einer Firma offen, ich stelle die bepackt XS dort ab, hänge das Bremsscheibenschloss an und bitte die bewaffnete Dame am Gate, ein Auge auf das Motorrad zu haben. Sie verspricht es treuherzig. Nach ca. 2 km erreiche ich die Biglietteria und bitte um eine Passage nach Norden. Die Dame am Tresen lächelt hinreißend und sagt mir, dass sie noch einen einzigen Platz hätte. Nach Livorno. Aber ohne Kabine, dafür mit einem reservierten Schlafsessel ("Poltrone"). Nun gut, das nehme ich. Der Preis: 90 €. Boarding: ab 1600 Uhr, Fahrzeit 20 h. Bingo! Und was den Poltrone angeht: ich habe ja noch Seractil :-D
Nun brauche ich noch eine Unterkunft und wieder ist Booking mein Freund. Ich buche ein B&B im Zentrum von Monreale, das ich mir eh noch anschauen will.
Also wieder hinein in das Verkehrsgetümmel von Palermo. Dank Navi finde ich den Weg und bin kaum eine halbe Stunde später in einer kleinen Gasse in Monreale - und komme nicht in das Zimmer, weil der Vermieter nicht erreichbar ist und mir auch elektronisch keine Codes übergeben hat.
Dank der Hilfe eines tschechischen Gastes, dessen geschätzt 14jähriger Sohn als Dolmetscher fungiert, komme ich ins Haus und finde die "Tessera" zur Türöffnung im Eingangsbereich liegend. Abpacken, Zimmer belegen, Motorrad absperren und abdecken ist schnellerledigt, dann dusche ich und mache mich auf den Weg zum Dom.

20260928_183651.jpg
Westseite des Doms von Monreale


20260928_183758.jpg
Das fast 8 m hohe Bronzeportal des Doms


20260928_183914.jpg
Eine der vielen Einzeldarstellungen des Portals: die Vertreibung aus dem Paradies. Diese Darstellungen waren wichtig, weil sie die Bibelinhalte auch der meist nicht lesekundigen Schar der Gäubigen erzählen konnten. Lesen und schreiben konnten damals vielleicht knapp 10 % der Bevölkerung...


20260928_184002.jpg
Schmuckband am Portal. Hier erkennt man deutlich den islamischen Stileinfluss


Der ist leider schon zu aber auch von außen beeindrucken. Im 12. Jh. erbaut von den Normannen besticht von außen vor allem sein beeindruckendes Bronzeportal eines pisanischen Meisters. Die Durchmischung romanischer, christlicher und islamischer Stile prägt auch dieses zur Zeit seiner Erbauung größte Kirchengebäude der katholischen Kirche.
Auf dem Rückweg ist ein Rolltor zum Erdgeschoß eines alten Palazzo offen. Darinnen: lauter Motorräder und einer, der schraubt. Ich klopfe und darf eintreten. Paolo, so heißt der Schrauber werkelt gerade an einer Moto Guzzi V7 Spezial, bis auf den Auspuff original.

20260928_183239.jpg
Moto Guzzi V7 Spezial


Es entspannt sich ein nettes Gespräch, dann treibt mich der Hunger in eine Trattoria in einer der Altstadtgassen. Nach einem köstlichen Mahl gehe ich in die Unterkunft, werfe Seractil ein und schlafe tief.
Benutzeravatar
Maybach
bekennender Funkeleisentreiber
 
Beiträge: 10001
Registriert: Mi 12 Sep, 2007 12:27
Wohnort: Innsbruck

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Aynchel » So 04 Okt, 2026 11:08

danke fürs Mitnehmen

verbrannte Erde, zerstörte Straßen, Bauruinen und Slums
dazu Müll Müll Müll wie ich es weder auf dem Balkan noch in Afrika gesehen habe
einzig der Etna und die Eichenwälder an der NordOst Küste sind sehenswert
ich fahr da nicht mehr hin


Bild

Bild

Bild
Aynchel aus Meddersheim


ich könnte die BIG auch mit 5,5l daher fahren, aber das wäre Spritverschwendung ;-)
Benutzeravatar
Aynchel
Vielschreiber
 
Beiträge: 5206
Registriert: Mo 26 Jan, 2015 13:09

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Maybach » So 04 Okt, 2026 14:47

29.9.26

Ich stehe um kurz nach 0700 Uhr auf und packe soweit möglich meine Siebensachen, danach gegen ich in die Stadt. Der Dom harrt noch eines Besuchs.
Da er aber erst um 0900 Uhr öffnet, habe ich noch gut Zeit für ein kleines Frühstück in einer der zahlreichen Bars der Altstadt. Das mittlerweile schon übliche galt und ich müsste lügen, wenn ich sagte, ich würde mich nicht mal wieder über ein gescheites, herzhaftes Frühstück freuen.

20260928_184205.jpg
Ansicht des Doms von der Nordseite. Gut erkennbar ist die Herkuft dieser mehrschiffigen Basilika von den römischen Markthallen.


Vor dem Dom (immerhin Weltkulturerbe) hat sich schon eine Reihe Kulturbeflissener eingefunden und werden nun nach und nach eingelassen. Und es ist wirklich ein bewegender Ort, der scheinbar gar nichts mit der Insel zu tun hat: sauber, ruhig, voll erkennbarem Bestreben, hier ein Haus für geistige Betrachtung und Andacht zu schaffen. Er ist auch die Grablege der normannischen Könige, sein Erbauer Wilhelm der Gute ist dort ebenso beigesetzt wie sein Vater Wilhelm der Böse. Und wie so oft in der Geschichte war letzterer der erfolgreichere...
Byzantinische und romanische Stilelemente finden hier zu einer gelungenen Symbiose - man möchte dort einfach in Ruhe sitzen und das aufnehmen.

20260929_075408.jpg
Wilhelm der Gute in einer zeitgenössischen Statue


Aber ich muss das B&B um 1000 Uhr räumen, was ich eigenmächtig ein wenig nach hinten verschiebe. Das B&B Palazzo Carmine war , von den geschilderten Startschwierigkeiten abgesehen, ein sehr angenehme, saubere und ruhige Unterkunft. Und mit einem Motorrad wsr tatsächlich auch gut zu parken dort. Mit dem Auto wäre das anders gewesen.

20260929_095359.jpg
Palazzo Carmine in Monreale. "Mein" B&B war im dritten Stock.


20260929_095414.jpg
Die fertig gepackte XS vor dem Nachbarhaus


Ich fahre los mit Zielrichtung "Uferpromenade Palermo" und stürze mich einmal mehr in den tosenden und chaotischen Verkehr von Monreale bis nach Palermo. Auffällig: nur wenige Autos besitzen noch Rückspiegel, die meisten zeigen deutliche "Kampfspuren" und es sind nur wenige Autos mit Kennzeichen von nördlich der Alpen auf der Straße. Grundsätzlich gilt: Man schaut nach vorn (daher sind dort Rückspiegel überflüssig), man nutzt jede Lücke (da das schnell gehen muss, kann man auch nicht blinken; daher lässt man es grundsätzlich ganz) und zeigt seine Existenz mit dem umfänglichen Gebrauch der Hupe an. Das kann ich auch und schon nach einer guten halben Stunde bin ich an der Uferpromenade. Naja, ad Promenade: es ist eine vierspurige Schnellstraße mit hohem olfakrorischen und akustischen Output! Also die Antithese zu dem vom Schwaben genutzten Begriff "hoimelig".
Ich finde dennoch einen brauchbaren Platz, wo auch ein Café ist. Dort parken ich die XS in Sichtweite. Zunächst hatte ich erwogen, einen Spaziergang in die nahe Altstadt zu machen, wovon mir ein "Eingeborener " jedoch dringend abriet. Er fuhr eine neue Yamaha 700 in der rot-weißen Lackierung der 1980er Jahre und bewunderte die XS. Er meinte mit Blick auf das Gepäck, dass das in spätestens 5 Minuten gefladert sei. Ich habe das dann sein gelassen, auch ein Nachteil des Alleinreisens.

20260929_114701.jpg
An der Uferpromenade in Palermo


Ersatzweise habe ich mir ein Pistazien-Eis und einen Caffè bestellt und Motorrad und Umfeld beobachtet. Das Eis war übrigens Weltklasse ...

20260929_130215.jpg
Pistazieneis, Caffè und Wasser: zusammen 3,50 €


Ziemlich offen wurde das am hellichten Tag dem Drogenhandel gefrönt und nur, wenn ein Polizeiauto auftauchte, verschwanden die Herren vom schwarzen Kontinent blitzartig, den Silberfischchen vergleichbar.
Ich erledige noch die Routenplanung ab Livorno, wo ich morgen um 1500 Uhr einlaufen werde. Ich möchte noch ca. 150 km den Appennin hinein und nördlich von Abetone nächtigen. Richtig, da war noch was! Auch die Zimmerbuchung mache ich, in einem Ort namens Lama Mocogno werde ich mein dann vermutlich sehr müdes Haupt betten. Und ich teile meine Planänderung auch meiner Frau mit, die sichtlich oder besser: hörbar erleichtert ist.
Um 1600 verlege ich zum Hafen. Kurzfristig werde ich zu einem anderen Eingang geschickt, dort wieder Hitze, Chaos, Desorganisation. Aber weil ich ja nun schon im palermitanischen Feuer gehärtet bin, kümmere ich mich überhaupt nicht um die gestikulierenden und schreienden Pistolenträger, sondern fahre einfach an allen vorbei direkt in die Schlange der Wartenden.

20260929_155926.jpg
XS auf einem Schattenplätzchen in der Warteschlange


Eine Dame vom Zoll sieht mich, schon stark verschwitzt, und weist mir weiter vorne unter einem Abfertigungszelt einen Schattenplatz. Ich bedanke mich und stehe nun neben einem Berner Auto und bald kommt es zu einem netten Gespräch, das erst unterbrochen wird, als vorne Bewegung in die Karawane kommt. Schnell noch machen wir aus, uns um 1800 Uhr an der Bar am Oberdeck zu treffen, dann schwinge ich mich auf die XS und schlängele mich durch die Autoreihen an Bord. Ganz unten auf Deck 2 wird mir ein Platz zugewiesen, der aber direkt neben der absenkbaren Rampe zum Ausfahrtsdeck liegt. Vor mir stehen etwa 20 Motorräder in einem engen Gang, die morgen dann erst Stück für Stück rückwärts herausrangiert werden müssen. Also: Schwein gehabt!
Schnell noch das Fährpäckchen abgerödelt und dann 7 Decks nach oben, wo sich die zwei Säle mit den Schlafsesseln, wichtiger aber im Moment, der Waschraum befindet. Ich mache mich im Rahmen des Möglichen frisch, als mich von hinten jemand in dem wunderbar weichen Vorarlberger Dialekt anspricht: "Wolfgang, was machst Du denn hier?" Es ist Gerd Benedetti, der seinen Urlaub mit WoMo und Royal Enfield 650 Interceptor auf Sizilien verbracht hat.
Sogleich lädt er mich an "seinen" Tisch am Oberdeck ein und wir verbringen einen sehr annehmen Abend. Um 1800 Uhr stößt noch das Schweizer Paar zu uns. Eine Flasche Wein (oder waren es mehr?) gibt uns die nötige Bettschwere und als die Frische der Nacht zunimmt, verrollen wir uns alle.

20260929_210535.jpg
Die Nacht ist frisch: Zeit, den Poltrone aufzusuchen!


20260929_165119.jpg
Müde und etwas skeptisch hinsichtlich der heranstehenden Nacht
20260929_165119.jpg (74.63 KiB) 242-mal betrachtet


Ich werfe noch die Seractil ein und kann zumindest 6 h brauchbar schlafen. Dann setzt ein sizilianisches Sägewerk ein, gegen das der Schlafsaal am Klösterl ein zartes Kratzen ist. Ich packe meine Sachen, nutze den Waschsaal und verlege aufs Oberdeck. Und da Sizilien ja die Inserl der Zwiebeln ist, entfliehe ich auf diesem Wege auch den intensiven Ausrüstungen meiner Schlafgenossen.
Zuletzt geändert von Maybach am So 04 Okt, 2026 15:47, insgesamt 4-mal geändert.
Benutzeravatar
Maybach
bekennender Funkeleisentreiber
 
Beiträge: 10001
Registriert: Mi 12 Sep, 2007 12:27
Wohnort: Innsbruck

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Myke » So 04 Okt, 2026 14:48

na ja. ich denke, der wolfgang hat sehrwohl geplant, was er so "mitnimmt". in italiens sueden ist halt vieles sehr anders ... :-D
ich plane, fuer den pensionsantritt, den apenin der laenge nach zu befahren.
let there be rock !
Benutzeravatar
Myke
Vielschreiber
 
Beiträge: 6827
Registriert: Fr 26 Feb, 2016 06:26
Wohnort: Straßengel, nördl. v. Graz

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Aynchel » So 04 Okt, 2026 23:03

Wenn man über einen Schlafsack sowie eine LuMa verfügt, bieten sich auf den Mittelmeerfähren der gemeinhin vorhandenen Andachtsraum an
Hinter den hinteren Stuhlreihen findet sich genug Platz um sich lang zu machen
Zuletzt geändert von Aynchel am Mo 05 Okt, 2026 09:00, insgesamt 1-mal geändert.
Aynchel aus Meddersheim


ich könnte die BIG auch mit 5,5l daher fahren, aber das wäre Spritverschwendung ;-)
Benutzeravatar
Aynchel
Vielschreiber
 
Beiträge: 5206
Registriert: Mo 26 Jan, 2015 13:09

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Maybach » Mo 05 Okt, 2026 08:58

@Aynchel
Das ist schon klar, aber ich reise mit möglichst leichtem Gepäck. Und eine LuMa ist da nicht dabei.

30.9.26
Zusammen mit Gerd gehe ich zur Bar, wo wir einen Caffè und ein sogar ganz passables Brioche erstehen. An "unserem" Tisch richten wir uns für die nächste Stunden ein. Ein Pärchen aus Dillingen, das sich gestern noch zu uns gesellt hat, hat sich dort zur Nachtruhe einquartiert, aber wir arrangieren uns uns sie beginnen kaum eine Stunde später auch damit, wieder ins Leben zu treten.
Die Schiffsreise geht unaufhaltsam weiter. Nach einem schönen Sonnenaufgang kommen auch die ersten Inseln in Sicht.

20260930_071504.jpg
Sonnenaufgang an Bord der "Zeus Palace"


20260930_071527.jpg
Blick am Oberdeck zum Heck der Grimaldi-Fähre


20260930_093645.jpg
Die ersten Inseln. Ich glaube, es ist Giglio.


Gerd will sich nochmals hinlegen, um Kraft für die Weiterfahrt zu tanken und wir verabschieden uns voneinander.
Ich gehe um 1330 Uhr - der Hafen kommt in Sicht - mit den Dillingern auf Deck 9, um von dort aus den Anlegevorgang zu verfolgen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie diese Rieseneimer punktgenau an ihren Liegeplatz manövriert werden!
Um 1400 Uhr macht das Schiff auf die Minute pünktlich fest (hallo, Deutsche Bahn!) und alles macht sich für das Deboarding fertig. Wie üblich dauert das noch, insbesondere für die auf dem Unterdeck 2 parkierten Fahrzeuge, denn zunächst müssen die drei darüberliegrnden Faragen geleert sein. Dann ist auch mein Deck aufgerufen. Neben mir fährt das erste Auto die herabgelassene Rampe hoch, ich kicke die XS an und schleuse mich direkt dahinter ein - und bin kurz darauf wieder draußen aus der schwimmenden Riesengarage. Es ist 1430 Uhr.

Zunächst geht es nun, sauber geleitet vom Calimoto-Navi, Richtung Pisa, wo ich auf die ersten Abschnitte der SS12 auffahre und weiter durch Lucca an den Fuß des Appennin gelange. Die SS12 ist hier eine Motorrad-Traumstraße, die sich entlang des Flusses kurvig langsam nach oben arbeitet. Hinter Borgo a Mazzano taucht schon bald die berindruckende Ponte Maddalene oder auch Ponte del Diavolo auf.

20260930_160507.jpg
Der Ponte del Diavolo


Hier war auf dem europaweiten Pilgerstraßen-Netzwerk ein wichtiger Flußübergang. Erbaut wohl unter der mächtigen Mathilde von Tuszien (von deren Burg Canossa weiter östlich der Begriff des "Gangs nach Cabnossa" stammt) im 11. Jh. und immer wieder erneuert nach Hochwassern, schwingt sie sich bis heute elegant über den Serchio. Ich mache eine kurze Pause, treffe auf der Brücke Briten, die nach dem Brexit nach den USA auswanderten und nun seit der letzten Präsidentenwahl auch nicht mehr so recht wissen, wo sie nun hin sollen. Jedenfalls geben sie ein klares Votum für den "Exit vom Brexit" ab. Irgendwie macht das ja schon Hoffnung ... Schön, auch zu sehen, wie zumindest der linksseitige Brückenkopf bis heute noch eine Gastrnomie aufweist und so auch die wichtige Rolle solcher Übergänge unterstreicht.

20260930_161032.jpg
Der noch erhaltene Brückenkopf am linksseitigen Ufer des Serchio


Es zeigt sich auch, dass die existierten Briten Motorradfahrer sin. Einer fährt eine alte Triumph T120 und wir fachsimpeln ein wenig. Ich stimme seiner Meinung zu, dass die T120 mehr Sexappeal hat wie die XS, diese aber dafür verlässlicher ist. Dem stimmt wiederum er zu und meint, dass er mit seiner Triumph nie länger als einen Tag fahren würde. Und dann erstmal Schrauben müsse...
Nun muss ich weiter, denn ich habe mich im Hotel Cloré in Lama Mocogno für 1800 Uhr avisiert. Über Abetone schwinge ich die kurvenreiche (und erfreulich schlaglocharme!) Straße weiter

20260930_164358.jpg
Eine weitere schöne, alte Brücke am Wegesrand


und erreiche bald darauf meinen Zielort. Das Hotel hat wohl seine besten Tage hinter sich. Ich bin der einzige Gast und die Küche ist ebenso geschlossen wie mir mitgeteilt wird, dass es auch kein Frühstück gäbe. Egal, das Zimmer und der Preis sind sehr in Ordnung und nach Abpacken, Ratschen mit den motorradfahrenden Eigner und einer Dusche ziehe ich los in die Bar im Dorf, wo ich gut versorgt werde.
Danach frühe Bettruhe, nur noch ein Seractil :-D . Eine erquickende Nacht.

20261001_075425.jpg
Schluss für heute: die XS vor dem Hotel
Zuletzt geändert von Maybach am Mo 05 Okt, 2026 10:24, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Maybach
bekennender Funkeleisentreiber
 
Beiträge: 10001
Registriert: Mi 12 Sep, 2007 12:27
Wohnort: Innsbruck

Re: Maybach Ausfahrten 2026

Beitragvon Bernhard S. » Mo 05 Okt, 2026 10:03

Andreas und Susi Teepe und Gert Benedetti zufällig getroffen, das war ja wohl allein schon die Reise wert!!

Und was den Zustand dieser südlichen Länder betrifft in Bezug auf Strassenzustand, Müll und anderes, da bin ich nach meinem kurzen Sizilienaufenthalt vor Pfingsten und der Griechenlandreise danach ziemlich ernüchtert! Schade!

Vielen Dank fürs Mitnehmen.
Benutzeravatar
Bernhard S.
Vielschreiber
 
Beiträge: 3818
Registriert: Mo 12 Mai, 2008 08:49
Wohnort: Chiemgau

VorherigeNächste

Zurück zu Ausfahrt und Reise

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder