Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

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Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon Marinus S. » Di 10 Feb, 2026 15:03

Vorwort

Ich weiß nicht mehr genau, wann es war, aber irgendwann im Winter 2024 reifte in Urban und mir der Plan, eine ausgedehnte Reise in die Türkei zu machen.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits, dass ich meinen Job kündigen werde und sich im Zeitraum zwischen März und Mai ein Zeitfenster öffnet.
Was also tun?
Da uns beiden das Fahren mit der Fähre nach Igoumenitsa – und auch Marokko – recht gut getaugt hat, beschlossen wir kurzerhand, eine Fähre von Venedig nach Griechenland zu buchen.

Anreise

Abfahrt: 26.02.2025, Uhrzeit … wer achtet schon auf solch irdische Details.
Urban erreichte meinen damaligen Heimathafen Kolbermoor am Abend des 25.02.2025 gegen 20:00 Uhr. Nach kurzem Packen sowie einer Absprache mit meinem Vater stand der Plan fest.
Wir fahren früh morgens zu Bernhard, damit uns dieser dann mit dem Auto nach Venedig bringt. Das Auto wieder heimzufahren war günstiger, als es vier Wochen auf einem Parkplatz stehen zu lassen, und er erklärte sich gerne bereit für diese Schandtat. Das kennen wir ja schon.
DANKE, PAPA :-D
Früh morgens starteten wir drei also Richtung Venedig.
Im Laufe unserer Anfahrt gerieten wir auf Höhe St. Michael in einen Stau. Das Wetter war schlecht, aber wir saßen ja zum Glück im Auto. Langsam wurde die Zeit aber knapp.
Plötzlich bekam ich eine E-Mail: „Boarding has started.“
WAS? Wie kann das sein? Wir haben doch noch 2½ Stunden Zeit?!
Ich suchte alle E-Mails heraus und verglich mit immer stärkerem Herzklopfen die Unterlagen erneut.
Ja. Wir hatten noch 2½ Stunden – bis zur „departure“.
160 km entfernt von unserem Tor in einen entspannten Urlaub übernahm die Panik langsam, aber sicher die Überhand. Im Stau stehend, ohne einen Meter Vorwärts zu kommen, würden wir es mit dem Auto niemals schaffen.
Glücklicherweise standen wir auf einer Landstraße. Bernhard fuhr rechts ran, die Mopeds wurden ausgeladen, alles wurde verladen und Urban und ich beladen. Extrem intensive 15 Minuten später saßen wir auf den Mopeds im Regen und waren auf dem direkten Weg Richtung Fähre.
Die 160 km Landstraße legten wir in Lichtgeschwindigkeit zurück. Zum Glück waren die Mopeds bereits getankt. Einen kurzen Stopp gab es allerdings: Nach ca. 70 km bei 10°C musste ich kurz stehen bleiben und meine Endurohandschuhe gegen wasserdichte Winterhandschuhe tauschen. Ich konnte die Kupplung einfach nicht mehr ziehen.

Ankunft in Venedig

Tatsächlich schafften wir es und erreichten nach ca. 160 km und 2 Stunden 15 Minuten den Anleger in Venedig. Die Schranke war schon zu, aber die Zeit doch noch nicht abgelaufen …
Runter vom Moped und rein ins Fährbüro. Auch hier war alles dicht?! Das kann doch nicht sein?
Ein paar Hafenarbeiter leisteten uns dennoch freundlich Auskunft:
„Ja, das Schiff kennen wir natürlich. Sind gerade fertig geworden“, grinste uns einer noch unwissend gegenüber unserer Misere an.
„Warum fragt ihr? Wo müsst ihr denn hin?“
Nach anfänglicher Euphorie folgte die Ernüchterung. Mir entglitten alle Gesichtszüge. Jetzt erst begriff der Hafenarbeiter die Situation in Gänze.
Was für ein Drama.
So gern er wollte und so sehr er mochte, konnte er uns dennoch nicht mehr helfen. Das Schiff war weg. Also nicht so ganz, denn es lag ja noch da, aber es war nicht mehr erreichbar.

Der Schock

Und das trifft es wirklich. Für mich war es ein Schock. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Noch nie hatte ich einen Zug oder gar einen Flug verpasst. Noch nie so viel Geld in den Sand gesetzt.
Was heißt das für unsere Reise? Was für das weitere Vorgehen?
Wie immer sprang hier Urban als Hilfeapparat ein und leistete vollen Rückhalt.
Alle schwarzmalerischen Ansichten, alle Trauer, all die Wut auf mich und die Schuldgefühle auch ihm gegenüber prallten an diesem Felsen einfach ab. Mit einer Seelenruhe belächelte er die Situation eher – wie ein Buddha in seiner eigenen Mitte.
Nachdem ich mich wieder etwas gefasst hatte, suchten wir uns zunächst ein Hotel in der Nähe. Es war spät, wir waren müde und ich musste dringend aus meinen nassen Sachen raus. Wir hatten beide zwar sündteure Stadler-Anzüge an, im Gegensatz zu Urbans war meiner aber nicht dicht. Fragt nicht …

Das Hotel Palladio im Stadtteil Malcontenta direkt am Hafen gewährte uns Unterschlupf sowie ein Bett für die Nacht samt Frühstück. Bei Birra Moretti und Pizza konnte auch ich meine Emotionen langsam wieder herunterfahren.

Am nächsten Morgen

Nach eindringlicher Internetrecherche wurde uns klar: Der einzige Weg, zeitnah nach Igoumenitsa zu gelangen, ist über Ancona. Dort legte am Abend des 27.02. eine Fähre ab, welche noch Plätze frei hatte.
Gesagt, getan.
Urban und ich buchten eine neue Fähre, diesmal von Ancona, und machten uns am Morgen sehr zeitig auf den ca. 300 km langen Weg dorthin.
Bereits um 14:15 Uhr waren wir am Fährhafen und hatten alles geregelt, um um 18:00 Uhr die Ersten beim Boarding zu sein.
In der Zwischenzeit kauften wir noch Brotzeit und Bier, um auf der Fähre nicht dem Hungertod zu verfallen. So muss das sein :grin:

Fähre nach Griechenland

Die Fahrt verlief wie erwartet problemlos. Wir hatten wie immer eine Mittelkabine ohne Fenster – viel Ruhe und Zeit zur Meditation. Oder zum Schlemmen :grin:
Am 28.02. gegen 17:45 Uhr erreichten wir das kleine Städtchen Igoumenitsa, welches nur bei Ankunft einer Fähre aus seinen Träumen gerissen wird.
Ich hatte für unsere alte Fähre – oder vielmehr für den damaligen Ankunftstag – bereits über Booking ein schönes Zimmer ca. 150 km östlich unseres Ankunftsortes gebucht. Da diese Ankunft jedoch bereits einen Tag in der Vergangenheit lag, war auch das Zimmer verfallen. Problemlos fanden wir einen kostengünstigen Ersatz im kleinen Hafenstädtchen.

Endlich da

01.03. Wir waren endlich angekommen. Nach einer sehr aufreibenden ersten Etappe, die so ganz und gar nicht geplant war, und bereits gut 460 km auf der Uhr, fühlten wir uns endlich angekommen.
Wenn man eine Reise tut …
Unser ursprünglicher Plan war, uns nach Ankunft in Griechenland auf direktem Weg in Richtung Türkei zu machen und diese als vorherrschendes Reiseziel zu betrachten.
In den paar Tagen, in denen wir nun aber bereits unterwegs waren, stellte sich heraus, dass in den meisten Teilen der Türkei gerade Schnee fiel und es eher nicht das TET-/Offroad-Wetter war, das wir erhofft hatten.
Pläne sind zum Ändern da. Deshalb beschlossen wir kurzerhand, uns vorerst in Griechenland aufzuhalten und dieses uns noch in Gänze unbekannte Land sowie das gute Wetter zu erkunden.
Die nächste Nacht unserer Reise verbrachten wir in Menidi, einem kleinen Fischerdorf am Ambrakischen Golf. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir im Hotel Corali abstiegen und hier eine erholsame und sehr kostengünstige Nacht verbrachten.
An diesem Abend gab es Seafood sowie eine (oder zwei) Flaschen wunderbaren Weißwein im Restaurant Vouliagmeni, welches direkt gegenüber des Hotels lag. Nach einem ausgiebigen Hauptgang und anschließendem Flanieren an der nächtlichen Promenade stolperten wir über ein Grillhaus und setzten uns. Auch hier genossen wir bei Ouzo und Bier ein zweites, köstliches Abendessen.

Weiter, immer weiter

Der TET Griechenland führte uns ab dem 02.03. von Amfilochia entlang der Küste bis in das kleine Städtchen Astakos, in dem wir Mittag machen wollten. Zu früh gefreut.
Urban stellte schockiert fest, dass er wohl auf den letzten Metern sein Werkzeug sowie sein Zeltgestänge verloren haben musste. Das Werkzeug bekommt man ja noch wieder, aber das Zeltgestänge

Nach kurzem Beratschlagen tankten wir die Esel und drehten um.
30 km zurückliegend, an einer kleinen Flussdurchfahrt, betrieben wir Fotorecherche. So weit kann es doch nicht gewesen sein?! Doch schon machte sich Ernüchterung breit. Auf dem Bild dieses Platzes war klar zu erkennen: Hier sind die Taschen schon weg.
Hätten wir das doch mal vorher gemacht.
Aufgeben kommt weder im Namen Marinus noch Urban vor, also entschieden wir, weiter zurückzufahren.
In Summe fuhren wir 75 km der gefahrenen TET-Strecke rückwärts, fanden am Ende aber tatsächlich die beiden Päckchen.
Als wir wieder an unserem Ausgangspunkt in Astakos waren, stand die Sonne bereits tief über dem Ionischen Meer. Daher beschlossen wir, uns eine Bleibe für die Nacht zu suchen und den Nachmittag sowie Abend nach griechischer Manier ausklingen zu lassen.
Was für ein Tag :-D

Weiter in Teil 2 :smt023
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Warum 4WD wenn man ein Moped haben kann :-D
Marinus S.
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon GrafSpee » Di 10 Feb, 2026 19:05

Hi Marinus,
sehr schön geschrieben und die Fotos machen spontan Fernweh im kalten und verregneten Steigerwald.
Und deine Gefühlswelt beim verpassen der ersten Fähre kann ich perfekt nachvollziehen. Genau so ging es mir 2002 in Rostock Richtung Helsinki. Wir konnten nach einem langen Stau auf der A20 der Fähre im Hafen beim schließen der Klappe zuschauen... Dass ungefähr die Hälfte der gebuchten Fahrgäste ebenfalls in dem Stau standen und die Fähre quasi nur halb voll war hat den Herrn Kapitän nicht interessiert...

Viele Grüße Jens
Wasn geiles Leben!

Die Franken wurden erschaffen,
weil auch die Bayern Helden brauchen!
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon Richy » Di 10 Feb, 2026 19:12

2016 haben wir die Fähre aufgehalten für den halbblinden Michi und den Zweiradantriebs-Georg auf der Emme. :weg:

Aber das ist OT hier, wir wollen mehr von der Reise sehen!

Vielen Dank, Marinus!
Das beste Werkzeug ist ein Tand in des tumben Toren Hand.
(eigene Erfahrung)
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon 005rs » Di 10 Feb, 2026 20:05

Vielen Dank für den stimmungsvollen Reisebericht.
Genau die richtige Unterhaltung bei dem schlechten
Wetter
Bitte um Fortsetzung :coffee:!
Gruß Pit.
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon Dreckbratze » Di 10 Feb, 2026 20:13

Dito! Sehr unterhaltsam, Marinus! :smt023
The idea is to die young as late as possible
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon KNEPTA » Di 10 Feb, 2026 20:29

Bdd, a Traum !!
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Russe und Salz, dann zerfallt´s !
Bdd. Ein Tag wie eine Woche.
Nix is gölber wie Gölb wie Gröllgölb sölber

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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon T. » Di 10 Feb, 2026 20:40

:popcorn: ....Exzellent :smt023
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon bastardo » Mi 11 Feb, 2026 07:26

Beste Lektüre zum Kaffee! Ich mache mir jetzt noch einen, dann kann Teil 2 eintrudeln :-)
Christian

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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon Marinus S. » Mi 11 Feb, 2026 11:27

Freut mich sehr, wenn ich zur allgemeinen Unterhaltung beitragen kann. :-D

Dann werde ich mich mal an den Schliff des zweiten Teils machen. :weg:
Warum 4WD wenn man ein Moped haben kann :-D
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon lallemang » Mi 11 Feb, 2026 12:54

:popcorn: :D
Wherever You Go There You Are :gruebel:
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon Roll » Mi 11 Feb, 2026 23:14

Jo, sehr schön geschruben, macht Appetit auf mehr!
Ein Prophet schaut zurück. Das neue Programm. miro2

Matthäus 6,19-34

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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon Zimmi » Do 12 Feb, 2026 07:20

Danke für's Mitnehmen! :smt023 Ich bleib gerne noch bis zuhause dabei... ;)
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon urban » Do 12 Feb, 2026 09:57

:popcorn: :popcorn: bin schon gespannt wie es weiter geht

:-D
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon Marinus S. » Fr 13 Feb, 2026 07:23

Teil 2 :grin: Viel Spaß beim lesen.

Tor zur Peloponnes

Viel mehr eine Brücke war es, welche wir am Vormittag des 03.03.2025 zur Peloponnes überwanden.
Ein atemberaubendes Bild bietet sich dem, der nördlich des Golfs von Patras entlang der EO5 sich um die Bergmassive hangelt und plötzlich im stetigen Sturm vor der Charilaos-Trikoupis-Brücke steht.
Was für ein Bauwerk!
So spektakulär die Brücke auch ist, so unspektakulär war ihre Überquerung. Zwar muss man sich auf dem Moped gut festhalten, damit einen der stetige Westwind nicht von der Brücke bläst, doch in unter zehn Minuten ist alles vorbei.
Da wir keine Zeit zu verlieren hatten und es ja noch vor Mittag war, beschlossen wir, uns Patras nicht anzusehen und weiterzureisen. Wir sind ja zum Mopedfahren hier :grin:
38°10'09.4"N 21°51'14.4"E
Wer es gerne auf der Karte betrachten möchte.
Das war der Ort, kaum 30 km von Patras entfernt, an dem das erste Unheil seinen Lauf nahm.

Ich war bereits etwas vorgefahren (wie zumeist in unserer Reihenkonstellation) und hatte ein kurzes, steiles Stück bezwungen, als ich auf Urban wartete.
Nach bedächtiger Wartezeit wendete ich meinen Bock und fuhr die Strecke zurück. Kaum 60 Meter unter mir lag Urbans Moped mit der Schnauze bergab auf der Erde. Er stand, in alter Manier keuchend und fluchend, daneben.
Einen sicheren Stand für mein Moped suchend, erreichte ich ihn. Was war passiert? Die Lage erschloss sich mir nicht ganz. Dort, wo das Moped lag, war es doch nicht schwierig – und warum lag es bergab?
Die Aufklärung folgte auf dem „Fuß“: Urban hatte beim Erklimmen der Steigung einen „kleinen“ Stein am rechten Wegesrand übersehen und diesen mit dem kleinen Zeh seines Endurostiefels gestreift. Aufgrund des plötzlich einsetzenden Schmerzes war er gezwungen anzuhalten. Da der Fuß auch gleich unter dem Gewicht nachgab, blieb ihm keine andere Möglichkeit, als das Motorrad abzulegen :omg:

Nach unserer Rückkehr nach Deutschland stellte ein Arzt fest, dass drei der – für gewöhnlich – fünf Zehen des rechten Fußes gebrochen waren.
Glücklicherweise wussten wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Gemeinsam richteten wir nach kurzer Pause die GS wieder auf und unternahmen einen ersten Startversuch. Der Anlasser drehte leer.
Den Hang hinunter anrollen – alles ohne Erfolg.

Circa eine halbe Stunde nach der Havarie fing Urban an, die Köpfe der BMW zu demontieren, und wurde mit reichlich Öl aus dem Brennraum überrascht. Offenbar war durch den Umfaller Motoröl über die Entlüftung und die Vergaser in den Brennraum gelaufen und hatte diesen komplett geflutet.
Durch Ablassen des Öls konnten wir den Motor wieder drehen, der Anlasser streikte jedoch weiterhin …

Weitere dreißig Minuten später gelang es uns endlich, die BMW mithilfe eines Spanngurts sowie der Yamaha über eine Kuppe zu schleppen und talwärts rollen zu lassen. Einige Startversuche später:
Ein neuer Papst ist gewählt!

Aufgrund von Urbans schmerzendem Fuß sowie den noch ungeklärten Anlasserproblemen beschlossen wir, uns in Patras ein Hotel zu suchen.
Sollte sich jemand einmal auf den Weg nach Patras begeben, kann ich das Airotel Achaia Beach wärmstens empfehlen. Noch ein weiteres Mal übernachteten wir auf unserer Reise in diesem wundervollen Hotel.

Glück im Unglück

Um 09:00 Uhr standen wir pünktlich vor dem nächsten Baumarkt. Urban als Sozius bei mir hinten drauf. Wir erwarben einen Ratschenkasten. Mit diesem bewaffnet, konnte nun der Anlasser demontiert werden.
Leider ergab die aufopfernde Suche nichts Gutes: Aufgrund des nicht komprimierbaren Öls im Brennraum und des dennoch unternommenen Startversuchs hatte sich der Anlasser quasi suizidiert.
Zunächst riss er einen Zahn aus dem Schwungrad heraus. Als dieses jedoch nicht weiter nachgeben wollte, rasierte er alle Zähne seines eigenen Getriebes.
Ergebnis: Totalausfall des Anlassers.
Glücklicherweise hatte Urban beim Aufbau seines Motors engen Kontakt zum BMW-Gott Nick. Dieser hatte uns bereits in Marokko wegen eines Lichtmaschinenrotors weiterhelfen können.
Drölf Telefonate sowie einige Haferl Kaffee später stand ein Lösungsplan auf dem Navi.
BMW-Gott Nick hat einen Bruder – um in der kirchlichen Metapher zu bleiben – Erzengel Michael mit dem Namen Giannis. Eben dieser Giannis betreibt einen ebenso großen BMW-Teilehandel wie sein Bruder, allerdings in Athen.
Ein Rückruf bestätigte, was bereits offensichtlich war: Giannis hatte alles, was wir brauchten, um unsere Reise fortsetzen zu können – sowie eine Werkstatt, in der das Ganze montiert werden konnte.

Auf nach Athen

Noch am gleichen Tag, es war der 04.03., machten Urban und ich uns – nach anfänglichen Streitigkeiten mit dem Killschalter – auf den 210 km langen Weg nach Athen.
Unsere Reise in die älteste Stadt Europas verlief problemlos. Bei einem Tankstopp musste zwar mit dem Tankwart kurz abgestimmt werden, warum das Motorrad nicht abgestellt werden konnte, dieses Missverständnis wurde aber zügig aus der Welt geschafft.

Bei Giannis angekommen, staunten wir nicht schlecht. Auf einer Werkstattgröße von ca. 50 m² sammelten sich gefühlt 40 Motorräder in Teilen und ebenso viele zusammengesetzte. Um Platz zum Schrauben zu bekommen, wurde auf den etwa ebenso großen Gehweg sowie den Straßenrand ausgewichen.
Glücklicherweise wurde bereits auf uns gewartet, und das auf der Bühne geparkte Motorrad wurde samt wartenden Kunden auf den Gehweg verfrachtet, sodass Urbans BMW um 14:30 Uhr auf der Hebebühne Platz fand.
Am selben Abend des 04.03. verließen wir um 19:30 Uhr Giannis’ Werkstatt mit neuer Schwungscheibe und neuem Anlasser in Richtung Unterkunft.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal ein herzliches Dankeschön an Giannis Paracharidis sowie seine Freunde aussprechen, welche den sehr liebevollen, jedoch wortkargen Griechen mit Bier und Chips versorgten.

Alte Reise – neuer Weg

Am Morgen des 05.03. entschieden wir uns dazu, den TET nun aus Richtung Athen rückwärts auf die Peloponnes aufzurollen. Wir sind ja flexibel :grin:

Tagelang reisten wir bei bestem Wetter und pannenfrei über die Berge und Täler der Halbinsel, immer begleitet von einem traumhaften Frühlingsduft, gepaart mit dem Rauch der Dachsenfeuer, mit denen die Olivenbauern ihre Triebe verbrannten.
Eine ganz klare Empfehlung möchte ich auch für das Restaurant „Fish Restaurant Borelli“ in Vivari aussprechen, welches einstimmig das beste Fischrestaurant unserer vierwöchigen Reise darstellte.

Mangels Übernachtungsmöglichkeiten mussten wir den TET auf Höhe Flokas verlassen und uns in die Nachbarortschaften begeben. Aus irgendeinem Grund häuften sich hier Unterkünfte an Unterkünfte. Nachdem wir die Stadt nach Restaurants abgesucht hatten, erschloss sich langsam der Grund: Unbeabsichtigt waren wir in der geschichtsträchtigen Stadt Archaia Olympia gelandet.
Nun ja – Stadt ist hier wohl übertrieben. Wer bereits das Glück hatte, diesen Ort zu besichtigen, weiß, dass es sich eher um ein Dorf handelt.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden wir gegen 02:15 Uhr recht unsanft geweckt. Zunächst fühlte es sich wie ein Sturm an, dann lösten die Handys Alarm aus. Binnen weniger Minuten war klar: ein Erdbeben!
„Sei wachsam, besorge dir Schuhe, Achtung – Nachbeben möglich!“ stand auf den Displays unserer Handys.
Knapp 26 km von uns entfernt bebte die Erde mit einer Stärke von 4,5 auf der Richterskala.
Was für ein einschüchterndes Erlebnis. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie klein und unbedeutend der Mensch auf dieser Erde ist.

Glücklicherweise gab es keine Nachbeben, und wir schliefen die restliche Nacht ruhig.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg, Frühstück zu besorgen, und waren schockiert ob des Ausmaßes, das sich uns bot.
An einigen Häusern waren tatsächlich Schäden zu verzeichnen. Menschen kehrten Dachziegel zusammen, und einige Fassaden waren abgefallen oder gerissen.
Wenn man sich vorstellt, dass dies ein „kleines“ Beben war, wünscht man niemandem, ein größeres erleben zu müssen.

Im weiteren Verlauf unserer Reise erreichten wir am Nachmittag des 09.03. die Stelle des TETs, welche wir kurze Zeit zuvor aufgrund von Urbans Havarie nicht mehr befahren konnten. Zum Schließen des Kreises fehlten uns nun nur noch wenige hundert Meter, welche jedoch durch einen Schneerutsch unpassierbar waren.
Ein kurzer Test ergab: „Ja – unpassierbar.“
Einen Fehler wie seinerzeit in Albanien machen auch wir kein zweites Mal, also wendeten wir unsere Esel und machten uns wieder auf den Abstieg nach Patras.

Wieder in Patras

Und nun?
Weiter geht die wilde Reise :grin:
In den nächsten Tagen reisten wir von Patras wieder nach Athen, verbrachten ein paar tolle Abende in dieser beeindruckenden Künstlermetropole, besuchten die Akropolis und versuchten, unser Reisebudget möglichst gleichmäßig unter den Gasthäusern dieser Stadt aufzuteilen.
Am Abend des 12.03. startete unsere Fähre von Athen in Richtung Chios, wo sie am Morgen des 13.03. gegen 04:30 Uhr eintraf. Wir buchten ein kleines Airbnb und verbrachten zwei Tage auf der Insel, ehe uns eine kleine Fähre am Abend des 14.03. auf das türkische Festland übersetzte.

Weiter geht´s in Teil 3 :smt023
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Re: Reisebericht Griechenland und Türkei – März 2025

Beitragvon maulwurf » Fr 13 Feb, 2026 08:50

Danke, super geschreibt.... warte auf die Fortsetzung... :smt041

Frei nach Paulchen Panther : ...Heute ist nicht alle Tage, er schreibt wieder keine Frage ... :smt023

Gruß
Beda
Ich denke niemals an die Zukunft - sie kommt früh genug !
-Albert Einstein-
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