Ich weiß nicht mehr genau, wann es war, aber irgendwann im Winter 2024 reifte in Urban und mir der Plan, eine ausgedehnte Reise in die Türkei zu machen.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits, dass ich meinen Job kündigen werde und sich im Zeitraum zwischen März und Mai ein Zeitfenster öffnet.
Was also tun?
Da uns beiden das Fahren mit der Fähre nach Igoumenitsa – und auch Marokko – recht gut getaugt hat, beschlossen wir kurzerhand, eine Fähre von Venedig nach Griechenland zu buchen.
Anreise
Abfahrt: 26.02.2025, Uhrzeit … wer achtet schon auf solch irdische Details.
Urban erreichte meinen damaligen Heimathafen Kolbermoor am Abend des 25.02.2025 gegen 20:00 Uhr. Nach kurzem Packen sowie einer Absprache mit meinem Vater stand der Plan fest.
Wir fahren früh morgens zu Bernhard, damit uns dieser dann mit dem Auto nach Venedig bringt. Das Auto wieder heimzufahren war günstiger, als es vier Wochen auf einem Parkplatz stehen zu lassen, und er erklärte sich gerne bereit für diese Schandtat. Das kennen wir ja schon.
DANKE, PAPA
Früh morgens starteten wir drei also Richtung Venedig.
Im Laufe unserer Anfahrt gerieten wir auf Höhe St. Michael in einen Stau. Das Wetter war schlecht, aber wir saßen ja zum Glück im Auto. Langsam wurde die Zeit aber knapp.
Plötzlich bekam ich eine E-Mail: „Boarding has started.“
WAS? Wie kann das sein? Wir haben doch noch 2½ Stunden Zeit?!
Ich suchte alle E-Mails heraus und verglich mit immer stärkerem Herzklopfen die Unterlagen erneut.
Ja. Wir hatten noch 2½ Stunden – bis zur „departure“.
160 km entfernt von unserem Tor in einen entspannten Urlaub übernahm die Panik langsam, aber sicher die Überhand. Im Stau stehend, ohne einen Meter Vorwärts zu kommen, würden wir es mit dem Auto niemals schaffen.
Glücklicherweise standen wir auf einer Landstraße. Bernhard fuhr rechts ran, die Mopeds wurden ausgeladen, alles wurde verladen und Urban und ich beladen. Extrem intensive 15 Minuten später saßen wir auf den Mopeds im Regen und waren auf dem direkten Weg Richtung Fähre.
Die 160 km Landstraße legten wir in Lichtgeschwindigkeit zurück. Zum Glück waren die Mopeds bereits getankt. Einen kurzen Stopp gab es allerdings: Nach ca. 70 km bei 10°C musste ich kurz stehen bleiben und meine Endurohandschuhe gegen wasserdichte Winterhandschuhe tauschen. Ich konnte die Kupplung einfach nicht mehr ziehen.
Ankunft in Venedig
Tatsächlich schafften wir es und erreichten nach ca. 160 km und 2 Stunden 15 Minuten den Anleger in Venedig. Die Schranke war schon zu, aber die Zeit doch noch nicht abgelaufen …
Runter vom Moped und rein ins Fährbüro. Auch hier war alles dicht?! Das kann doch nicht sein?
Ein paar Hafenarbeiter leisteten uns dennoch freundlich Auskunft:
„Ja, das Schiff kennen wir natürlich. Sind gerade fertig geworden“, grinste uns einer noch unwissend gegenüber unserer Misere an.
„Warum fragt ihr? Wo müsst ihr denn hin?“
Nach anfänglicher Euphorie folgte die Ernüchterung. Mir entglitten alle Gesichtszüge. Jetzt erst begriff der Hafenarbeiter die Situation in Gänze.
Was für ein Drama.
So gern er wollte und so sehr er mochte, konnte er uns dennoch nicht mehr helfen. Das Schiff war weg. Also nicht so ganz, denn es lag ja noch da, aber es war nicht mehr erreichbar.
Der Schock
Und das trifft es wirklich. Für mich war es ein Schock. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Noch nie hatte ich einen Zug oder gar einen Flug verpasst. Noch nie so viel Geld in den Sand gesetzt.
Was heißt das für unsere Reise? Was für das weitere Vorgehen?
Wie immer sprang hier Urban als Hilfeapparat ein und leistete vollen Rückhalt.
Alle schwarzmalerischen Ansichten, alle Trauer, all die Wut auf mich und die Schuldgefühle auch ihm gegenüber prallten an diesem Felsen einfach ab. Mit einer Seelenruhe belächelte er die Situation eher – wie ein Buddha in seiner eigenen Mitte.
Nachdem ich mich wieder etwas gefasst hatte, suchten wir uns zunächst ein Hotel in der Nähe. Es war spät, wir waren müde und ich musste dringend aus meinen nassen Sachen raus. Wir hatten beide zwar sündteure Stadler-Anzüge an, im Gegensatz zu Urbans war meiner aber nicht dicht. Fragt nicht …
Das Hotel Palladio im Stadtteil Malcontenta direkt am Hafen gewährte uns Unterschlupf sowie ein Bett für die Nacht samt Frühstück. Bei Birra Moretti und Pizza konnte auch ich meine Emotionen langsam wieder herunterfahren.
Am nächsten Morgen
Nach eindringlicher Internetrecherche wurde uns klar: Der einzige Weg, zeitnah nach Igoumenitsa zu gelangen, ist über Ancona. Dort legte am Abend des 27.02. eine Fähre ab, welche noch Plätze frei hatte.
Gesagt, getan.
Urban und ich buchten eine neue Fähre, diesmal von Ancona, und machten uns am Morgen sehr zeitig auf den ca. 300 km langen Weg dorthin.
Bereits um 14:15 Uhr waren wir am Fährhafen und hatten alles geregelt, um um 18:00 Uhr die Ersten beim Boarding zu sein.
In der Zwischenzeit kauften wir noch Brotzeit und Bier, um auf der Fähre nicht dem Hungertod zu verfallen. So muss das sein
Fähre nach Griechenland
Die Fahrt verlief wie erwartet problemlos. Wir hatten wie immer eine Mittelkabine ohne Fenster – viel Ruhe und Zeit zur Meditation. Oder zum Schlemmen
Am 28.02. gegen 17:45 Uhr erreichten wir das kleine Städtchen Igoumenitsa, welches nur bei Ankunft einer Fähre aus seinen Träumen gerissen wird.
Ich hatte für unsere alte Fähre – oder vielmehr für den damaligen Ankunftstag – bereits über Booking ein schönes Zimmer ca. 150 km östlich unseres Ankunftsortes gebucht. Da diese Ankunft jedoch bereits einen Tag in der Vergangenheit lag, war auch das Zimmer verfallen. Problemlos fanden wir einen kostengünstigen Ersatz im kleinen Hafenstädtchen.
Endlich da
01.03. Wir waren endlich angekommen. Nach einer sehr aufreibenden ersten Etappe, die so ganz und gar nicht geplant war, und bereits gut 460 km auf der Uhr, fühlten wir uns endlich angekommen.
Wenn man eine Reise tut …
Unser ursprünglicher Plan war, uns nach Ankunft in Griechenland auf direktem Weg in Richtung Türkei zu machen und diese als vorherrschendes Reiseziel zu betrachten.
In den paar Tagen, in denen wir nun aber bereits unterwegs waren, stellte sich heraus, dass in den meisten Teilen der Türkei gerade Schnee fiel und es eher nicht das TET-/Offroad-Wetter war, das wir erhofft hatten.
Pläne sind zum Ändern da. Deshalb beschlossen wir kurzerhand, uns vorerst in Griechenland aufzuhalten und dieses uns noch in Gänze unbekannte Land sowie das gute Wetter zu erkunden.
Die nächste Nacht unserer Reise verbrachten wir in Menidi, einem kleinen Fischerdorf am Ambrakischen Golf. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir im Hotel Corali abstiegen und hier eine erholsame und sehr kostengünstige Nacht verbrachten.
An diesem Abend gab es Seafood sowie eine (oder zwei) Flaschen wunderbaren Weißwein im Restaurant Vouliagmeni, welches direkt gegenüber des Hotels lag. Nach einem ausgiebigen Hauptgang und anschließendem Flanieren an der nächtlichen Promenade stolperten wir über ein Grillhaus und setzten uns. Auch hier genossen wir bei Ouzo und Bier ein zweites, köstliches Abendessen.
Weiter, immer weiter
Der TET Griechenland führte uns ab dem 02.03. von Amfilochia entlang der Küste bis in das kleine Städtchen Astakos, in dem wir Mittag machen wollten. Zu früh gefreut.
Urban stellte schockiert fest, dass er wohl auf den letzten Metern sein Werkzeug sowie sein Zeltgestänge verloren haben musste. Das Werkzeug bekommt man ja noch wieder, aber das Zeltgestänge
…
Nach kurzem Beratschlagen tankten wir die Esel und drehten um.
30 km zurückliegend, an einer kleinen Flussdurchfahrt, betrieben wir Fotorecherche. So weit kann es doch nicht gewesen sein?! Doch schon machte sich Ernüchterung breit. Auf dem Bild dieses Platzes war klar zu erkennen: Hier sind die Taschen schon weg.
Hätten wir das doch mal vorher gemacht.
Aufgeben kommt weder im Namen Marinus noch Urban vor, also entschieden wir, weiter zurückzufahren.
In Summe fuhren wir 75 km der gefahrenen TET-Strecke rückwärts, fanden am Ende aber tatsächlich die beiden Päckchen.
Als wir wieder an unserem Ausgangspunkt in Astakos waren, stand die Sonne bereits tief über dem Ionischen Meer. Daher beschlossen wir, uns eine Bleibe für die Nacht zu suchen und den Nachmittag sowie Abend nach griechischer Manier ausklingen zu lassen.
Was für ein Tag
Weiter in Teil 2



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....Exzellent 

