@Bastardo
Marinas 2. Familienhälfte kommt übrigens aus Anagni, bzw wohnt dort
Dann aber mal niXS wie hin. Ich kann Dir gute Routentipps geben
So, nach 2100 km wieder daheim. Nach der alten Kavallerie-Übung zuerst das "Ross" gecheckt, das mich wie gewohnt (ähh, fast! Gell, Bastardo) problemlos durch die Gegeng getragen hat. Was mir gast schon unheimlich wird: ich habe jetzt nach 2500 km stolze 0,25 l Öl nachgekippt. Und der Motor hat doch schon wieder 50.000 km runter, ist also nicht mehr ganz neu. Sonst war rein gar niXS zu machen. Alles läuft so wie das soll.
Vorab: die Bilder sind tatsächlich auf dem Händi, da aber mein gerade mal 10 Jahre alter iMac nicht mehr mit den Hochlade-Anbietern reden will, muss das warten, bis ich wieder Zeit (und Lust) habe, das im Büro zu machen.
Hier die Bilder von der Hinfahrt:

Übernachtung am Caldonazzosee

An der Futapass-Straße im Appennin

Kurz vor Ficulle, auf meiner "Traumstraße" SS71"

Angekommen in Paliano

Schöne Aussichten ...

Schöne Abendstimmung

Emsiger Sammler in Anagni

Kathedrale daselbst

Traumhafte Aussicht von Olevano
Mit meiner Frau bin ich dann noch mit dem Opel (ohne Häkel-Überzug für die Klopapierrolle auf der Hutablage!) zum Baden ans Meer gefahren. Da ich eine gewisse Abneigung zu diesen italienischen Stränden habe, auf denen man wie ausgerichtet beim Antreten in Reih' und Glied liegt, habe ich mich des Torre Astura erinnert und dort sind wir dann hin. Das hieß aber, einen 1,5 km Fußmarsch zu machen, der immer wieder von Schildern neckisch begleitet wurde, deren Inhalt in etwa war "Verboten!", "Durchgang verboten!" oder "Sorveglianza armata!" (=" Vorsicht, Schußwaffengebrauch!"). Meine Frau wurde ein wenig argwöhnisch, beruhigte sich aber wieder, als ich sagte, dass wir gerade einen Truppenübungsplatz der italienischen Armee durchqueren würden. Irgendwie meinte sie schließlich, dass das ja a) "typisch" und b) "zu erwarten" war. Nun ja, es führte dann zu besagtem Torre Astura, der auf den Fundamenten einer der drei extra muros gebauten Villenanlagen von Cicero steht. Also eigentlich ganz passend - auch in dieser Hinsicht. Und zum Baden ist es da sehr schön.

Vielleicht typisch italienisch ist auch, dass es dort, obwohl wie gesagt TrÜbPl mit Verbotshinweisen, einen bewachten Parkplatz gibt, der auch abkassiert wird. Näheres nachzufragen habe ich mir verkniffen, schon wegen meiner bedauerlich schlechten Italienisch-Kenntnisse.
Nach dem Baden und Rückmarsch sind wir dann zu Kloster Valvisciolo gefahren, wo leider der klostereigene Schnapsladen zu hatte. Dort kann man Kräuterschnaps mit 89% Alkoholgehalt erwerben - nur halt nicht vor 1600 Uhr.

Wir haben dann den Opel nach Sermoneta gequält, ein Städtchen, das problemlos als authentische Kulisse für jeden Mittelalter-Film herhalten kann.

Und dann ging es weiter zum wirklich beeindruckenden Kloster Fossanova bei Priverno, wo Thomas von Aquin, einer der großen Philosophen des Mittelalters tätig war.


Danach wieder das Übliche: gutes Essen, guter Wein unter Steineichen bei Grillengezirpe und einfach Zeit füreinander.
Am Morgen danach wurde der Opel wieder "entsorgt", die bei Hertz untergestellte XS wieder aus der Garage gezupft und ich machte mich auf den Weg zu einem Künstler, mit dem ich eine Ausstellung machen werde. Der Versuch, im Osten an Rom vorbeizukommen scheiterte, denn bekanntlich führen alle Straßen nach Rom - aber eben nicht daran vorbei. Also bin ich die Casilina bis zum GRA gefahren und diesen dann gegen den Uhrzeigersinn nach Norden bis zur Abfahrt der Flaminia. So eine römische Stadtautobahn macht mit dem Motorrad schon Spaß, wenn nicht die mit gut 100 km/h heranzischenden Scooter erhöhte Aufmerksamkeit erforderten. Auf der Flaminia bin ich dann behende nach Norden geschwungen und habe mir in Civita Castellana ein Mittagessen gegönnt.

Von dort wars nicht mehr weit bis zu den Orsini-Gärten von Bomarzo, die ich jedem Renaissance-Fan nur empfehlen kann. Aber man sollte schon zwei Stunden einplanen für diese Reise in eine merkwürdige Gedankenwelt.

Nur zum Vergleich: der Elefant misst ca. 4,5 m Höhe ...
Es blieb, den Tiber zu überqueren und über Attigiano und Lugnano meine Freunde bei Tenaglie auf ihrem kleinen Öl-Bauernhof zu erreichen. Es ist schon fast neiderzeugend, wenn man so ein Anwesen erlebt, wenngleich mich die tückischen Stechfliegen ("Zanzane") gehörig gestochen haben. Und der Neid reduziert sich auch wieder, wenn man hört, was da in 30 Jahren alles an Geld und Arbeit hineingesteckt werden musste. Zum Rest wiederhole ich mich: guter Wein aus Orvieto, fagioli fini, Lammkoteletts und gute Gespräche.
Gestern dann retour. Zunächst wieder über die SS71 über Ficulle (nette Pause in einem passenden Lokal: "La Sosta del Motociclista")

nach Chiusi, dann die südiche Toskana streifend über das Ambratal in das Tal des Arno und nach Florenz. Dort dann auf die SS65 nach Bologna gesetzt und über den Futapass und den Pso. Raticosa (dort Treffpunkt zahlreicher italienischer Motorradler - meine XS als einziges wirklich "wyrdig"!)

durch den Appennin wieder zurück in die Po-Ebene. Schon im Arno-Tal gab es beeindruckende Gewitter, denen ich aber durch verzugsloses Unterziehen unter Tankstellen-Schleppdächer ausweichen konnte.

In den tief eingeschnittenen Tälern bei Florenz hat mich aber so ein Guß überrascht und innert einer Minute bis auf die Haut durchnässt. Ich bin also weitergefahren, nicht ohne im Nebel des Futa-Passes (Sicht ca. 30 m) gehörig zu frieren. So muss das sein - denn ich hatte eh mein Regenzeug, sorgfältig vorbereitet, in der Garage liegen gelassen. Aber noch vor Bologna war ich wieder warm und trocken...
Nunmehr ging es flach, aber nicht kurvenarm nach Carpi, wo ich mir ein Hotel suchte und den Abend verbrachte - mit einem Museumsbesuch und für die Bettschwere zwei Negroni.

Eine wundervolle Renaissance-Stadt, die zu besichtigen lohnt, vor allem der Palazzo di Pio,

in dem auch eine bedrückende Ausstellung - Museo dei Deportati - über das in Carpi zur NS-Zeit eingerichtete Durchgangslager eingerichtet ist. Meine erste Wahrnehmung war "soviel Platz für sowenige Exponate", bis mir klar wiurde, dass diese schlimme Phase unserer Geschichte einfach nur wenig hinterlassen hat - und das mit System. Dass die damals Verantwortlichen übrigens nach dem Krieg überhaupt keine Probleme hatten, entnazifiziert zu werden, sei nur am Rande erwähnt.
Heute dann die Po-Ebene nach Verona durchquert und die Etschtalstraße (die SS12 geht bis zum Brenner) nach Norden gebrummt. Natürlich nicht, ohne bei der berühmten Berner Klause (die geneigten Leser der "Deutschen Heldensagen" kennen sie als Schauplatz epochaler Auseinandersetzungen von Dietrich von Bern mit wilden Schurken!) eine Pause für einen Cappucino eingelegt zu haben und gleichfalls nicht ohne mein Mittagsmahl in der "Alten Post" in Atzwang eingenommen zu haben. Dann noch den Brenner hinauf gefahren und langsam wieder "normale" Temperaturen zu erleben - auch bei einer Pause unter der Europabrücke, die ich mit der Polizei (die dort nette Fotos von zu schnellen Motorradfahrern aus Deutschland macht!).
Nach dem Einlaufen in die heimische Garage dann: siehe oben!. Bilder: dito!
Maybach
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Maybach am Di 28 Jul, 2015 08:09, insgesamt 2-mal geändert.