Mittwoch, 14.9.
Puh, seltsamer Tag, bei dem ich dreimal den Kontinent wechselte.
Aber, fangen wir von vorne an.
Auf dem wunderschönen Campingplatz 'Camping Puro Alentejo' verbrachte ich eine ruhige und trockene Nacht. Als ich morgens aufstand , war das Zelt furztrocken, prima. Ich packte schnell zusammen, aber gerade, als das Zelt leer war, fing es an, zu regnen. Mist!
Das nasse Zelt also eingepackt und im Frühstücksraum gegessen, einen Kaffee getrunken und ein zweistündiges Gespräch mit den Betreibern über Gott und die Welt gehabt, ich hatte es ja nicht eilig.
Stierkampf ist auch in Portugal beliebt:
Gleich in Regenzeug ging es Richtung Süden, durch die afrikanische Savanne. Aus dem Augenwinkel hab ich, glaube ich, sogar eine Giraffe gesehen. Bin mir da aber nicht mehr ganz sicher.
Der Regen, mal da, mal weg, hat mich heute garnicht gestört, die Klamotten sind trocken und es ist nicht zu warm.
Weil ich ohnehin Richtung Südwesten Richtung TET fahren möchte, beschließe ich, den Süden wegzulassen und doch noch den westlichsten Punkt vom europäischen Festland anzufahren. Der liegt nördlich von Lissabon, Luftlinie nur 130km entfernt. Na, das sollte doch zu schaffen sein!
Ich umrunde Lissabon großräumig und lande dann doch mitten in einer Stadt. Schnell raus und ins Bergland, von hier aus sollte es doch nicht mehr weit sein. Ins Navi geguckt: Mist, das ist ewig weit und quasi alles Stadt. Das Navi gefragt und es sagt : Fahr doch durch Lissabon, dann bist du in nur einer Stunde da. Es war 16 Uhr.
Also, dann schön im Berufsverkehr durch die zuvor mühsam umrundete Stadt. Zum Glück gibt es Stadtautobahnen, sogar mir nur wenig Stau.
Als ich von der Autobahn runter bin, kann ich einen Blick auf den Atlantik erhaschen, meine Laune hebt sich.
Der erste Blick aufs Meer:
Nun geht es noch durch einen wunderbaren Gruselwald auf einer kurvigen Straße und schon bin ich angekommen.
Zusammen mit hunderten anderen Touris. Mist! Aber was hab ich erwartet?
Aber schön ist es hier.
Blick nach Westen. Man mag sich mal in die Lage der Portugiesen versetzen, weit vor der Entdeckung Amerikas. Eine schier endlose Fläche, was mag da wohl dahinter sein? Das Meer zu bereisen war nur mit einem sehr großen Aufwand möglich, und der Atlantik gnadenlos. Ich finde es immernoch beeindruckend, dass damals Leute tatsächlich in diese völlige Ungewissheit losgesegelt sind, wohl wissend um die Stürme und den möglichen Tod.
Weiter nach Westen komme ich auf dem europäischen Festland nicht mehr, ich setze mich auf die Mauer und lasse die Füße und die Seele baumeln:
Nach den obligatorischen Fotos suchte ich einen Campingplatz. Ich wollte Lissabon gleich hinter mir lassen, also suchte ich im Süden. Da solls einen geben. Also los.
Während ich über die Golden Gate Brücke fahre wie schon 2015 (nur die Autos sehen seltsamerweise ein klein wenig weniger amerikanisch aus) kann ich die Bucht bestaunen, und gleich darauf fällt mein Blick auf die Jesusstatue von Rio de Janero. OK, der Hügel ist einem Sockel gewichen, aber Details, Details!
Aber auch sonst wirkt die Gegend recht brasilianisch, der Eindruck verstärkt sich noch, als ich von der Autobahn runter und wieder in einer riesigen Stadt gelandet bin. Alles wirkt heruntergekommener, die Leute dunkelhäutiger, die Mädels haben alle einen fetten Hintern (Ups, sorry, aber...), selbst der Baustil wirkt wie auf Bildern aus Brasilien.
Leider ist der Zeltplatz mitten im Ghetto, mit Blechwänden 3m hoch eingezäunt. Nein, danke, ich fahr weiter.
Das Navi schlägt einen Platz nochmal 50km weiter vor, also schnell, bevor es dunkel ist.
Wieder gehts durch die Stadt, aber irgendwann ist die plötzlich zuende und weicht einem Wald. Nach einer weiteren Weile erreiche ich dann einen etwas besser aussehenden Platz. Naja geht so, was bleibt mir anderes übrig.
Ich liege im Zelt, höre das Meer rauschen, irgendwo bellt ein Hund (erst einer, dann mehrere) und im Baum nebenan liefern sich zwei Uhus ein verbales Duell.
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Richy am Mi 15 Mär, 2023 21:03, insgesamt 1-mal geändert.