Hallo zusammen,
na da ist je mittlerweile einige zusammengekommen!
Wir sind gestern Abend wieder zu Hause angekommen und haben in der Woche viel erlebt.
Letzten Mittwoch sind wir zu dritt um 8°° los und sind ersma in die Schweiz, um den vierten im Bunde abzuholen.
Über die Landstrasse gings dann mehr oder weniger mühsam bis St. Gallen/Trogen über den Ruppenpass nach Altstätten.
Nach der Grenzpassage in Oberriet und Pickerlkauf in Brederis gins auf die Bahn. Vor dem Arlberg wieder runter auf die Landstrasse, dann bis Abfahrt Zillertal wieder auf die Bahn.
Genau auf Höhe einer Ausfahrt begann ein Stau - so gut müsste man´s immer erwischen
Vor dem Erklimmen des Gerlospasses genehmigten wir uns einen Kaffee. Die Sonne brannte auf uns hernieder, dass wir glaubten in einer Sauna zu sitzen. Eine halbe Stunde später machten wir uns auf den weiteren Weg.
Uuups! Nur 500m weiter bekamen wir die ersten Tropfen ab. Die Vorboten eines mächtigen Gewitters ließen und gleich wieder halten. um den "Überschluuch" anzulegen. In stömendem Regen gings den schönen gerlos hinauf, bis zum Abzweig auf die mautfreie Nebenstrasse. Wau, was für ein Spaß! Endlich ein holpriger Belag, tiefe Furchen und Risse, Verwerfungen und Senken, sowie ein ordentliches Gefälle liessen Freude bei uns KTM´lern aufkommen! Auch die Kuhfahrer kamen auf ihre Kosten. Zwar etwas langsamer, aber mit nicht weniger Fahrspaß.
In Mittersill nomma vollgetankt, haben wir kurz drauf in einem kleinen Hotel eingecheckt und die letzten Zimmer egattert. Gerne hätten wir schon einige Kilometer vorher gestoppt, aber die in Neukirchen(?) angesagten Tri-Days sorgten für ausgebuchte Hotels und Campingplätze.
Am anderen Morgen stieß ein weiterer KTM´ler dazu, so dass wir uns nun zu fünft auf den weiteren Weg machten. Über den Großglockner wollte ich unbedingt! Als kleiner Bub war ich 1969 mit meinen Eltern und meiner kleinen Schwester in einem 2CV schonmal dort gewesen. Ich war damals beeindruckt vom Riesengletscher unterhalb des Franz-Josef-Hauses und wollte nun nach über 40 Jahren die berühmte Strasse mal selbst befahren. Doch oh weh: an der Zahlstelle gings bereits zu, dass ich überlegte, ob das eine gute Idee war. Nicht nur wegen der völlig überzogenen 24,- Euro Maut. Die nahm ich für meine Kindheitserinnerungen ja gerne noch in Kauf, obwohl es für mich und meine Frau dann gleich schon 48,- Euro waren.
Immer wenn die Schranken irgenwo öffneten, schossen ein paar völlig gaskranke Heizer aus Ihren Boxen, als hätten sie gerade den Start zu einem Moto GP-Lauf zu bewältigen. Unglaubliche Szenen spielten sich ab. Die aufwärtsfahrenden Biker schienen sich in 2 Gruppen zu teilen. Die eine Gruppe völlig ausgerastet schnell, die anderen - völlig überfordert von der Raserei - animiert zu riskanten Überholmanüvern zwischen Reisebussen, Traktoren und Familienausflüglern. Wir fünf haben uns allesamt zurückgehalten und sind nach einer kopfschüttelnden Pause auf der Edelweißspitze frierend weitergefahren, in der Hoffnung wir würden heil wieder runter kommen.
Am Franz-Josef-Haus hat es mir dann fast die Sprache verschlagen. Der große Gletscher aus meiner Erinnerung hat sich bis auf eine kleine Zunge zurückgezogen. Klimaerwärmung im Liveprogramm, sozusagen. Ich habe daraufhin beschlossen meine Erinnerungen von damals für die Zukunft zu behalten, auch wenn sich´s nur nach "heiler Welt" anhört.
Weil wir an dem Tag noch unbedingt in Maribor auf dem kleinen Motorradtreffen unseres ausgewanderten Kumpels ankommen wollten, sind wir dann ein paar Kilometer vor Villach erneut auf die Autobahn aufgefahren. Ein Tankstopp ließ uns am Rastplatz Wörthersee rasten und danach noch einen Apfelstrudel mit Vanilleeis im Marché geniessen. Plötzlich sagte Andi: "ich habe gehört, dass das Socatal eines der schönsten Flusstäler Europas sein soll!" Weil ich schon 3x dort war, konnte ich das problemlos bestätigen und verließ so ganz nebenbei mit dem Navi das Gebäude. Draussen peilte ich mal die Lage der Entfernungen: 120km nach Maribor und ungefähr genauso viele nach Kobarid.
Dann ging ich wieder hinein zu den anderen und fragte, was sie davon halten würden, umzudrehen um in die andere Richtung zu fahren. Nachdem ich in die fragenden Gesichter geschaut hatte, präzisierte ich: "nach Kobarid an die Soca, gegrillte Forellen essen!"
Die Entscheidung dauerte keine Sekunde! und so sassen wir auf und verleissen den Rastplatz in Richtung Westen. Nach der spassigen Überquerung des Wurzenpasses mit seinen Kopfstein-gepflasterten Kehren und dem holprigen Belag des Vrsic-Sattels, verbrachten wir einen entspannten und selbstzufriedenen Abend auf dem Campingplatz.
Am anderen Morgen, während die anderen frühstückten, machte ich mir die Mühe eine Route durch die Berge ins Navi zu tippen. Schmale 3m-Sträßle, extrem kurvig und meist unbefestigt, wollte ich meinen Mitfahrern anbieten. Als wir unterwegs waren, musste ich zugegebenermaßen, immer wieder lachen unterm Helm. Es war kaum zu glauben, mit welcher verrückten Strassenführung die Wege durch die Berge gebaut waren. Der Fahrspaß wollte kein Ende nehmen...
Nach zwei kurzweiligen Tagen in Maribor, über die es auch noch viele Geschichten zu schreiben gäbe, haben wir uns dann zu zweit Richtung Österreich auf den Heimweg gemacht.
Als erstes sind wir der steirischen Panoramastrasse gefolgt und über einen winzigen Grenzübergang wieder nach Slowenien gefahren. Direkt ggü. dem Grenzposten hat ein bewirtschafteter Bauernhof zur schattigen Rast geladen. Gerne hätte ich für die ausgeschriebenen 60 Cent ein Gläschen Wein gekostet, aber wir wollten/sollten doch noch weiterfahren.
Nach ein paar weiteren Kehren auf der schmalen Teerstrasse freuten wir uns dann über einen weiteren gut zu befahrenden Schotterweg. Ein Schwenk nach rechts brachte uns wieder in Richtung Österreich, das uns an einem unbewachten Grenzwübergang mit einem idyllischen See und einem Indianertipi begrüsste. Hätte ich nicht arbeiten müssen, wären wir wahrscheinlich dort geblieben und würden noch jetzt nicht ans Heimkehren denken...
Weinebene und Kippspitztörl waren dann unsere nächsten Stationen und wir waren überrascht, dass an einem Sonntagnachmittag auf den Strassen so wenig los sein kann, wie wir es bis dahin nur in Slowenien erlebten. Nach einer ziemlich unfreundlichen Abfuhr auf der Kreuzerhütte bzgl. unseres Übernachtungsgesuchs nahmen wir die Überquerung des Sölk nocj in Angriff. Als wir dann auf der Passhöhe im Vorbeifahren die Schilder "Sehr geehrte Motorradfahrer..." anlasen, waren wir fast überzeugt in dieser Region als Moppedfahrer nicht wirklich willkommen zu sein. Dies bestätigte sich auch im erfsten Moment, als wir die Erzherzog-Johann-Hütte ein paar Kehren drunter betraten. Der Wirt ignorierte uns völlig. Just in dem Moment, als ich mich Richtung Ausgang drehen wollte, fragte nach unserem Wunsch. Weil es schon spät und wir k.o. waren bezogen wir etwas zermübt das Zimmer und nahmen unmittelbar danach im Gastraum zum Essen Platz, weil er "früh Feierabend machen" wollte. Am Stammtisch sassen einige offensichtlich bekannte Stammgäste in feucht-fröhlicher Runde zusammen. Als die letzten Gäste an den anderen Tischen gegangen waren, hat man uns ebenfalls an den Stammtisch gebeten. Entgegen unserer ersten Einschätzung zeigten sich die Leute sehr freundlich und interessiert und es wurde auch für uns noch ein unterhaltsamer Abend.
Für den anderen Morgen war veränderliches Wetter angesagt, so dass wir einigermaßen früh weiterfuhren. Am frühen Nachmittag nach einer kurzen Rast wurden wir dann noch Zeuge eines Autounfalls. Etwa 200m vor uns kam ein Auto nach rechts von der Fahrbahn ab und überschlug sich, nachdem es heftig wieder nach links gezogen wurde. Die junge Fahrerin konnte leicht verletzt aus dem Wagen geborgen werden. Unglaublich für uns, dass ihr so wenig passierte, wo sie doch nicht angeschnallt war!
Nach kurzem Schrecken und der Betätigung als Hilfspolizisten, um vor Eintreffen der Rettungskräfte den Verkehr zu regeln, fuhren wir Richtung nordwesten weiter. Bei einer kurzen Rast in St. Johann und dem Lauf einer Strassenkarte, wollten wir über eine Alm Richtung D-land ausreisen. Leider entpuppte sich der Weg am Ursprungpass als "verboten für Kfz" als wir dort ankamen. Die letzten Kilometer des Tages nahmen wir dann über das Sudelfeld Richtung der Isartalstrasse westlich des Achensees. Eine kleine 13km lange Mautstrasse längs der jungen Isar. Obwohl es fast nur geradeaus ging, war das Sträßle sehr unterhaltsam. Links das Isar-Flussbett mit Millionen von Steinen, rechts ein regelrechter Urwald. Da möchte ich irgendwann nomma hin, um eine ausgedehnte Wanderung zu unternehmen!
Ein herannahendes Gewitter ließ nichts Gutes erahnen. Als uns fette Regentropfen trafen, gaben wir Gas und versuchten einigermaßen trocken den nächsten Ort zu erreichen. Genau in dem Moment, als die ersten Hagelkörner auf den Boden prasselten, haben wir die Mopeds in eine Hotelgarage geschoben und ich war froh nicht irgendwo in der Pampa das Zelt aufstellen zu müssen. Beim pellen der Lederklamotten ist mir in meiner Kniekehle, dann noch ein unliebsamer "Gast" aufgefallen, der sich als blinder Passagier aus Slowenien angeheftet hatte. Eine Zecke hatte sich mich als "Wirt" ausgesucht. Schlechte Idee - das weiss sie jetzt auch!
Ich hoffe nur sie hat sich nicht in mir ausgekotzt, so dass keine schlechten Erinnerungen bleiben an eine tolle Woche in Österreich und Slowenien.
P.S. nach anderthalb Stunden tippen, habe ich jetzt keine Lust mehr die Tippfehler zu korrigieren. Man möge es mir verzeihen...
gute Nacht!
Chrom bringt dich nicht an´s Ziel.