Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » Fr 29 Mai, 2015 22:14

Tag 11, Dienstag:

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Die Route, ääähhhh...


Entspannen, heute wird nicht gefahren. Ich kann einfach mal die Zeit totschlagen und mit den Leuten quatschen.
Michael will die nahe gelegene Stadt einkaufen fahren mit dem Auto. Da ich noch keinerlei Verpflegung habe, schließe ich mich ihm an. Auch Thomas kommt mit.
Thomas fährt mit seiner R100GS um die Welt und macht dabei Fotos und bereitet Vorträge vor. Ins Motocamp kommt er, als er auf dem Rückweg einer Tour in den Iran durch Bulgarien gondelt.
Als ich so seine Maschine betrachte, fällt mir der Hinterreifen (auch ein K60 Scout) auf. Der hat nach 17.000km zwar noch einigermaßen Profil, allerdings haben sich großflächig einige Stollen abgelöst und fehlten gänzlich. Thomas hatte es noch nicht bemerkt. Kein Wunder bei dem schwer beladenen Motorrad. Er ruft in der Stadt bei einem Händler an und bestellt einen neuen Reifen. Der kann am nächsten Tag geliefert werden und so kann Thomas auch wieder mit ruhigem Gewissen weiterfahren.
Abends wird lang und ausgiebig gefeiert. Es ist schön, auf einer Reise bei völlig wildfremden Menschen so aufgenommen zu werden!

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Das Motocamp

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Moppedabstellplatz

Nun ein paar Bilder vom Gespann von Michael und Tamara. Das ist so ziemlich das größte Gespann, was ich bisher gesehen habe.
Ihre Webseite steht zwar auf dem Heck, aber hier nochmal zum Klicken: http://www.travelnaid.de

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Bernard ist mit seiner blinden Frau um die Welt gereist, die beiden haben ein Buch geschrieben. Ich hab es bisher noch nicht gelesen, aber es ist sicherlich lesenswert!
Leider lebt seine Frau nicht mehr, er aber trägts mit britischem Humor...

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Links im Bild meine Dackelgarage

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Unter der zum Speiseraum umgebauten Scheune stehen allerhand Motorrad-Schätze rum, z.Bsp. diese Militär-Rotax.

Auch diese wunderschöne Hufu wartet hier auf bessere Tage:

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Die folgenden Bilder wurden von Thomas Houf (Auch er hat eine Webseite: http://www.richtungchina.de) auf der Feier geschossen:

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Lecker Essen wurde gezaubert, ich kann mir den Bauch so richtig vollschlagen

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Meinereiner

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Links Bernard, rechts Thomas, der in der Mitte ein weiterer Englänger, ich hab seinen Namen vergessen (peinlich).

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Michael und Ivo

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Nochmal die gesamte Truppe zum Abschluß
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » So 31 Mai, 2015 09:09

Tag 12, Mittwoch:

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Route

Mich zieht es weiter, auch wenn ich das Motocamp ungern verlassen möchte. Es gibt einfach zu viele nette Leute dort. Die wollen mich nun auch nicht gehen lassen, denn auch am Folgetag ist eine weitere Feier geplant. Aber es nützt nichts, man muss auch mal Abschied nehmen können und nach einem Tag fällt einem das noch leichter als nach 2 oder gar 3. Ich möchte schließlich noch die Türkei sehen. Mit Thomas und Bernard tausche ich die Telefonnummern und Emailadressen aus, evtl. wollen wir uns später in Griechenland oder Albanien nochmal treffen.
Das Wetter ist auch besser geworden, also mache ich mich weiter auf den Weg Richtung Süden.
Ein Stück südlich vom Camp will ich mir noch das "Raumschiff" ansehen. Dieses recht bekannte Denkmal heißt eigentlich "Busludscha"-Denkmal und ist eines dieser typsichen sozialistischen Ungetümer, die man im Ostblock ab und zu findet. Da dichter Nebel ist, kann ich es allerdings trotz GPS-Koordinaten nur schwer finden. Als ich es endlich gefunden hab, sehe ich leider nicht viel davon. Bernard erzählt mir später, er sei oben auf den Turm gekommen, man muss wohl innen durch und dann im Keller findet man einen Eingang zum Turminneren.
ich habe mich aber ohnehin nicht in das Denkmal getraut, alleine war mir das dann doch zu heikel. Der Einstieg wär auch mit der Motorradkluft etwas eng gewesen.
Der Versuch, eine fotografische Gesamtansicht zu machen, schlägt aufgrund des Nebels dann auch komplett fehl, daher hier ein Bild von der Wikipedia: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... ludzha.jpg

Abends erreiche ich einen Campinplatz im Süden von Bulgarien. Geführt von einem älteren englischen Ehepaar. Ich werde mit Tee (mit Milch, natürlich!) und einigen Infos über die Türkei versorgt. Ich bin der Einzige auf dem Platz, die Saison ist schon ziemlich vorbei, auch wenn wohl fast jeden Tag noch einer oder zwei vorbeikommen.

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Morgens, das Wetter ist prima, die alten Herren kommen aus ihren Zimmern gekrochen...

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Bernard

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Ivo

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Im Nebel finde ich ein Denkmal. Leider das Falsche...

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Dennoch sehenswert

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Noch ein Denkmal, kaum zu sehen in der Suppe

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Noch so ein sozialistisches Werk

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Dieser schöne Benz stand dort einfach rum, die Motorhaube war noch warm, aber zu sehen war weit und breit niemand...

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Am "Busludscha"-Denkmal. Dieses Bruchstück könnte, in Verbindung mit dem Nebel, glatt aus einem Alienfilm stammen

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Das Schönste an dem Denkmal sind die Grafitties

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Blick nach Innen

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Purpur-Tentakel

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Dieser Typ war wichtig genug, dass ihm ein Denkmal errichtet wurde. Wer er ist, ist mir aber dennoch unbekannt, aber immerhin weiß ich jetzt, wie er ausgesehen hat...

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Routenplanung für die Türkei. Anfangs hab ich noch kurz mit dem Gedanken gespielt, Istanbul zu besuchen. Ich hab es dann aber gelassen, ich hatte keine Lust auf den turbulenten Verkehr...

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Die GS darf auch überdacht ruhen...
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » So 31 Mai, 2015 16:49

Tag 13, Donnerstag:

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Route

Über Griechenland fahr ich in die Türkei rein. Der Grenzübergang ist riesig und ich werde von Station zu Station weitergereicht, muss meine Dokumente 4mal vorzeigen, bevor sie mich ins Land lassen.
Da ich die Dardanellen nicht in Istanbul überqueren möchte, fahr ich zur Halbinsel Gelibolu. In der gleichnamigen Stadt gibt es eine Fährverbindung nach Lapseki auf der anderen Seite der Dardanellen.
Ich fahre aber erst einmal weiter, an der Westküste soll es einen Campingplatz geben.
Die Halbinsel war im 1. Wk. Schauplatz vieler Gefechte. Dementsprechend findet man überall Denkmäler, Festungen etc. In der Stadt Eceabat findet sich eine sehr schöne Festung, die ich mir aber nur kurz anschaue.
Am Campingplatz angekommen, bin ich ein wenig enttäuscht, er ist recht groß, aber nicht besonders schön. Egal, nun bin ich hier, sonst gibt es hier in der Gegend keine. Direkt nebenan campiert eine türkische Familie. Gerade als ich mein Zelt aufgestellt hab, werde ich mit Kuchen und Tee begrüßt. Oha! Sehr freundlich. Aufgrund von Sprachschwierigkeiten ist die Kommunikation leider sehr eingeschränkt, so dass ich mich mit Händen und Füßen verständlich machen muss. Das geht aber nicht lange gut und so troll ich mich nach kurzer Zeit ins Zelt...

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in Griechenland, das Wetter ist perfekt und es wird von Tag zu Tag wärmer.

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Eine Brücke im Grenzgebiet Türkei-Griechenland. Direkt daneben stand ein Schild von wegen "Fotografieren verboten". Sah ich aber zu spät...

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Schotter oder Asphalt? Hier im Grenzgebiet lieber Asphalt...

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Ankunft in der Türkei!

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Näher hab ich mich mit der GS nicht ans Meer getraut, der Boden war schon verdächtig weich...

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Drüben auf der anderen Seite: Kleinasien!

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Soldatenfriedhof

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Blick über den Bosporus

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Die Festung in Eceabat
Zuletzt geändert von Richy am Di 09 Jun, 2015 21:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Maybach » So 31 Mai, 2015 17:18

Servus Richy,

die Halbinsel "Gelibolu" hat früher "Gallipoli" geheißen und war im Ersten Weltkrieg Schauplatz einer ebenso überflüssigen wie blutigen Schlacht, die er damalige Erste Seelord der Briten vom Zaun gebrochen hatte. Er hieß Winston Churchill. De Verluste beliefen sich auf insgesamt 350.000 Mann.
Einer der wichtigsten Verteidiger auf der türkischen Seite war ein gewisser Kemal Mustapha, der später Atatürk genannt wurde.

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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon kahlgryndiger » So 31 Mai, 2015 17:24

Ich mag Deine Art zu Reisen Richy. Schön geschrieben und bebildert :smt023
Zu dem geschichtlichen Excurs möchte ich bemerken dass ich die Menschheit als echt deprimierend empfinde ... Politik, Macht, Geld und Militär :-|
*Keep It Simple* (Keb' Mo')
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » So 31 Mai, 2015 18:31

Danke für die Blumen! :oops:

Zur blutigen Geschichte der Halbinsel kommt im nächsten Teil noch ein wenig. Als ich das sah, wurde ich auch ziemlich nachdenklich! :-|
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » Di 09 Jun, 2015 21:29

Sorry, hat etwas gedauert, musste noch den Reifen der GS aufbrauchen (2000km am Wochenende), außerdem beginnt nun langsam die heiße Phase meiner nächsten Reise, vor dem Urlaub wird das evtl. der letzte Eintrag sein....

Immerhin: Halbzeit!

Tag 14, Freitag:


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Route

Da die Fähren stündlich fahren, ist keine Eile angesagt, ich will mir die Halbinsel mit ihrem geschichtlichen Hintergrund ein wenig genauer anschauen. Auch sollen hier, laut den Engländern von dem bulgarischen Campingplatz, ein paar deutsche Kanonen auf Schienen zu finden sein. Ich frage beim Campingplatz ein paar Leute, die Englisch sprechen. Leider weiß aber keiner was davon, also suche und finde ich sie nicht. Die Halbinsel ist groß. Für die Denkmäler gibt es auf der Insel einen Rundweg, dem ich folge. Die ganzen Denkmäler sind sehr beeindruckend und hinterlassen trotz der schönen Aussicht und des genialen Wetters ein ziemlich flaues Gefühl im Magen, wenn man sich vorstellt, wieviele Menschen hier gestorben sind. (Näheres wie immer auf wikipedia: klick).
Statt der Fähre in Gelibolu nehme ich die Fähre in Eceabat und bin dann in Canakkale. Mit dieser Fährüberfahrt hab ich Europa verlassen, ich bin in Kleinasien! Geil! Und dennoch ist es nur eine symbolische Grenze, hier ist es nicht so viel anders als in Europa...
In der Nähe von Canakkale liegt Troja, ich fahre hin, habe aber keine Lust, mich endlos lange durch die Steine und Touristenmassen zu quälen. Also fahre ich auf Feldwegen einmal drumrum. Ist ja auch mal was Anderes...
Ich fahre weiter, nehme eine große Straße, da weder die Landkarte noch das Navi mir Alternativen anzeigen. Erst später stelle ich fest, dass aus irgendeinem Grund die OSM-Karten von der Speicherkarte nicht gelesen werden und daher nicht gezeigt werden (Erst vor ein paar Tagen fand ich den Grund heraus: Das Navi akzeptiert keine 16GB Speicherkarten, zeigt aber im Menü eine OSM-Karte an, die auf dem Navi selber schonmal gespeichert wurde). Schade, denn es gibt sehr viele schöne Alternativen. Eine davon fällt mir direkt auf: Bei Tuzla finde ich einen frei stehenden Berg, bei dem ich schon von weitem einen Schotterweg entdecken kann, der ihn hinaufführt. Ich fahre hoch, und habe später einen herrlichen Blick auf die umliegende, flache Landschaft.
Bei Assos finde ich ein kleines Restaurant, bei dem ich mir was leckeres zu Essen "reinpfeif'". Leider weiß ich nicht mehr, was es was, aber lecker war es, soviel weiß ich noch. :-D
Weiter geht es an der Küste, die Landschaft zieht an mir vorbei (und leider auch so manche schöne Straße, die ich schlicht nicht sehe).
Später finde ich auf der Karte eine kleine Straße gen Süden, ich hab genug von den größeren Straßen. Also möcht ich mir die mal anschauen. Leider endet sie irgendwo im Nirgendwo. In einem kleinen Dorf schaffe ich es, mich zwischen einem abgestellten Traktor und einer Mauer festzufahren. Der Lenker und die Zylinder passten noch durch, die Kisten leider nicht mehr. So stehe ich dann eingekeilt, steil bergab und überlege, wie ich da wohl wieder rauskomme. Zentimeter für Zentimer drücke ich das Motorrad rückwärts den Berg hoch, bis ich dann irgendwann frei bin.
Ein paar alte Damen in der Nähe haben das Ganze beobachtet und sich sicher schepp gelacht. Immer diese Touris...
Bei Bergama finde ich einen Campingplatz. Der Hund vom Besitzer scheint mich nicht sonderlich zu mögen, er bellt mich aggressiv an und möchte mich verscheuchen. Kurzerhand entfernt ihn der Besitzer vom Platz und ich habe meine Ruhe.

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Meine Dackelgarage am Morgen

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Am Hafen, Trockendock

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Mmmhh, das Meer riechen!

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Das erste Denkmal auf diesem Rundweg zeigt nicht die heroische Seite des Krieges, sondern gleich das bittere Ende. Leider kann ich den Text darunter nicht verstehen, aber die Statue drückt auch ohne Worte genug aus...

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Links ein Denkmal für die gefallenen Neuseeländischen Soldaten, rechts ein Denkmal für Atatürk ("Vater der Türken")

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Noch einmal das Denkmal der Neuseeländer.

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Blick nach Nordwesten...

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Die Fähre nach Canakkale

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Irgendwo in der Nähe von Troja

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Ein Gewölbe unter einem Hügel. hier könnte man sicher gut übernachten...

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Blick nach Westen zu einer vorgelagerten Insel

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Die Herodes-Atticus-Thermen, oder was davon noch übrig ist, laden mich zum durchfahren ein, ich bin hier ganz alleine...

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Postkartenwetter!

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Hier würde ich gerne ins Wasser hüpfen, allein der ganze Müll hält mich davon ab...

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Die Schotterpiste den Berg hinauf.

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Ist diese Aussicht nicht grandios? Ok, die Bäume stören ein wenig, also muss ich noch ein Stück höher.

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Jetzt aber! Grandios!

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Assos

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Straße ins Nirgendwo...
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » Sa 08 Okt, 2016 13:56

Richy hat geschrieben:[..]vor dem Urlaub wird das evtl. der letzte Eintrag sein....

Hmm,ja, es war der letzte Eintrag vor dem Urlaub. Und vor dem nächsten auch. Und dem danach. :omg: :floet:

Egal, vergessen hab ich den Reisebericht nie und nun geht es doch noch weiter:

Tag 15, Montag:

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Heutiges Ziel soll Pamukkale sein. Wieder verfluche ich mein schlechtes Kartenmaterial, dennoch finde ich auf gut Glück die ein oder andere kurvige Schotterstraße. Immer schön links und rechts der großen Täler, durch die ich fahre. Später, in der Nähe vom Ziel, beschließe ich, mich auf gut Glück in die Büsche zu schlagen. Hier, abseits der großen Strecken, sieht es plötzlich aus wie in einem alten Western. Wüstenartige Landschaften ohne viel Besiedelung und mit schönen Bergen.
In Pamukkale finde ich einen Zeltplatz, direkt am Rand eines Hotels mit einem großen Swimmingpool. Den dürfe ich natürlich mitbenutzen, sagt man mir. Sehr fein. Als ich gerade mein Zelt aufbauen will, bemerke ich Aktivitäten des Hotelpersonals. Sie bauen große Tische auf und eine kräftige Lautsprecheranlage. Ich werd' skeptisch und frage nach: Ja, man will heute abend eine große Party steigen lassen. Nope, ich will schlafen, scheiß auf den Swimmingpool! Zum Glück gibt es einen halben Kilometer weiter einen weiteren Campingplatz, sagt mir ein Kellner. Es sei sein Cousin, der den leitet. Perfekt, dort finde ich mich ein.
Schön ruhig, teilweise schattig und direkt vor den bekannten Kalkterassen.
Ebenfalls auf dem Platz sind ein paar Deutsche mit Landrovern, wir kommen ins Gespräch und kochen gemeinsam Abendessen. Auf dem Platz heimisch sind auch ein paar kleine Katzen und eine Hündin mit 4 Welpen. Die Hündin interessiert sich jedoch nicht sehr für ihren Nachwuchs, eher für unser Essen und die Katzen, die sie ausgiebig jagt.

Abends hör ich leise die Party vom anderen Platz. Glück gehabt, ruhig geschlafen...

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Rast im einzigen Schatten weit und breit

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Reste einer Pumpe

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Rast an einem See

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Blick über das Tal

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Auf einem der zahlreichen Bergpfade

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Diese Schildkröte fand ich auf der Straße, sie wollte aber offensichtlich nicht mitfahren. Ich hab sie dann am Straßenrand wieder abgesetzt. Das fand sie besser.

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"Western"

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In Nevada war ein Jahr später die Landschaft sehr ähnlich.

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Es ist nicht ganz klar, wer hier mit wem spielt. Die Hündin "schleicht" sich an, die Katze wartet, bis sie nah genug dran ist und haut dann ab. So geht das Spiel den ganzen Abend.

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Vom Baum lässt sich das Treiben aus sicherer Entfernung beobachten.
Zuletzt geändert von Richy am Di 11 Okt, 2016 17:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » Sa 08 Okt, 2016 18:27

Tag 16, Sonntag:

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Irgendwann, sehr früh, weckt mich ein Muezzin mit seinem Geleier. Neee, das muss jetzt echt nicht sein. Ich will weiter schalfen!
Kurze Zeit, gefühlt quasi einen Augenblick später, geht die Sonne auf und ich mache mich auf die Socken, mir die Kalkterassen anzuschauen.
Ich bin noch nichtmal der Erste dort, am Eingang warten schon ein paar Verrückte wie mich auf die Öffnung.
Einen Obolus später klettern wir los. Da noch nicht viel los ist, bieten die Kalkterassen wunderbare Fotomotive ohne viele Störenfriede.
Als ich oben ankomme, kommen mir schon die Massen von oben entgegen und die üblichen Asiaten knipsen alles, was ihnen vor die Linse läuft (oder auch nicht läuft).
Ich trolle mich und fahre los, nicht ohne mich noch von den Hunden verabschiedet zu haben. Die Hündin täte gerne mitkommen, glaub ich. Aber in den Koffern ist leider kein Platz.
Ich möchte heute das Meer sehen und fahre grob Richtung Kas. Die großen Täler enden bald, es geht in die Berge, viele kleine kurvige Landstraßen warten auf mich und viele schöne Schotterstrecken.
Eine jedoch war nicht besonders schön: geteerter Untergrund, darauf eine dünne Schicht mit kleinen Schottersteinen. Man kann nicht einsinken und fährt wie auf Eiern. 10km lustiges Geeier. Doch es sollte später noch besser kommen...
Am Meer finde ich kurz nach Sonnenuntergang einen Campingplatz. Der Platzwart möchte meine GS nicht auf den Platz lassen, nach ein paar freundlichen Worten hat er jedoch ein Einsehen. Ich finde einen Platz, eingezwängt zwischen einem Baum und einer Mauer auf leider sehr steinigem Untergrund. Die Heringe gehen nicht in den knochentrockenen Boden, die Steine zerstechen mir den Zeltboden. Blöd! Das Zelt befestige ich am Baum und am Mopped und so kann ich alsbald schlafen gehen, ganz vorsichtig ins Zelt kletternd, um den Boden nicht noch mehr zu beschädigen.

An diesem Abend habe ich den südlichsten Punkt meiner Reise erreicht, weiter komme ich in diesem Urlaub nicht mehr. Ab morgen geht es langsam wieder Richtung Heimat. Leider!


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Interessante Textur.

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Hier auch.

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Auch hier. :-D

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"Die Welpen kannst du behalten, wenn du mir was zu essen gibst."

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In der Stadt möcht ich nicht sein, aber so weit oben drüber lässt sich es aushalten...

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Für mich eines der schönsten Panoramas dieser Reise.

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Diesen Weg wär ich gerne bis nach ganz oben gefolgt, aber ein dicker Laster staubte schlimm und ich konnte nicht vorbeifahren.

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Der Untergrund hier ist staubig und sehr weiß.

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Echte Asphaltkurven gibt es hier auch!

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Die im Text beschriebene Straße. Was für ein Eiertanz!

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Immernoch die tolle Straße...

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Hmm, was da wohl steht? :gruebel:

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Die Sonne geht unter und ich bin noch nichtmal in der Nähe vom Zeltplatz. Aber der Ausblick ist genial!
Zuletzt geändert von Richy am Di 11 Okt, 2016 17:55, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » Mo 10 Okt, 2016 21:32

Tag 17: Montag:

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Morgens, kurz nach Sonnenaufgang, bade ich im Meer. Ok, dies ist nun wirklich der südlichste Punkt der Reise. Und sehr erfrischend!
Ich mache mich auf Richtung Westen, nach Bodrum soll es gehen. Auf kleinen Straßen ging es immer in der Nähe der Küste entlang. Auch viel Schotter war dabei. Und Sand. Und ein ganz besonderer Pass: Aus dem Wald kommend, traf ich auf eine frisch geteerte Straße, der ich nun folgen musste. Frisch heißt aber in diesem Fall: FRISCH. So frisch, dass der Asphalt noch flüssig war. Und so schmierte/eierte ich am Rand der Straße direkt am Abgrund entlang. Dort, wo am wenigsten Teer war. Während sich die GS mit dem klebrigen Zeug besprenkelte, genoß ich die aufsteigende Hitze und fragte mich, ob die Reifen wohl irgendwann platzen würden.
Sie taten es nicht und nach ca. 10km war Ende mit dem frischen Teer. Ich machte eine Pause, reinigte grob die Lampen und das Kennzeichen mit dem letzen Stück Papiertaschentuch und konnte dann weiter fahren.
Kurz danach kam mir ein Tieflader mit einer Straßenwalze auf der Ladefläche entgegen. Der Fahrer fragte mich wohl, ob es den Berg rauf Richtung der frischen Straße geht. Ich zeigte in die Richtung, aus der ich kam, dann auf die frisch geteerte GS und sagte "Asphalt". Er lachte und setzte seine Fahrt fort.

Auf weiteren verschlungenen Wegen ging es wunderschön weiter, es waren viele noch im Bau befindlichen Straßen dabei. Diese Schotterstrecken werden wohl bald alle asphaltiert sein...

In Bodrum angekommen, fand ich nur einen Zeltplatz mitten in der Stadt. Leider direkt in der Nähe der Partymeile und ziemlich schmutzig und im Allgemeinen nicht besonders einladend.
Der Lärm der Stadt ließ mich bis nachts um 2 nicht schlafen, aber am nächsten Tag musste ich immerhin nicht allzu weit fahren, der Hafen war direkt um die Ecke.

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Idyllischer Sonnenaufgang...

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Nochmal kurz im Meer gebadet...

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Dann gehts in die Savanne... äh, auf die Piste.

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Dieses Bild find ich so schön, dass ich es separat zeige.

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Wer lieber ein Panorama angucken mag, bitteschön...

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Geteert. Jetzt noch ein Huhn überfahren...

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Irgendwann machte ich Rast und fand diesen wunderschönen Swimmingpool.

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Kurz nachdem ich dieses Foto machte, sprach mich ein einsamer Wanderer an und fragte mich, wie weit es bis zur nächsten Siedlung wär. Ich zeigte auf den linken Teil der Bergkuppe und sagte "dahinter noch 10km". Insgesamt waren es etwa 20-30km...

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Für mich eines der besten Bilder der Reise.

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Meer.

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Aber vorher fällt man noch eine Weile...

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Man beachte die gemütliche Sitzgelegenheit.

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Kurz vor Bodrum.
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon lallemang » Mo 10 Okt, 2016 23:09

Feiner Bericht - und Bilder :smt023

Danke :wink:
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon hiha » Di 11 Okt, 2016 05:11

Goiel, da möchte man gleich lostuckern...

Zu Pamukkale: Du warst dort aber nicht schwimmen, oder? Die Terassen sind aus Kalk, nicht aus Salz ;-)

Gruß
Hans
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » Di 11 Okt, 2016 17:54

hiha hat geschrieben:Zu Pamukkale: Du warst dort aber nicht schwimmen, oder? Die Terassen sind aus Kalk, nicht aus Salz ;-)

*hüstel*


Du hast recht, das korrigiere ich sofort... :oops:
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Richy » Di 11 Okt, 2016 20:41

Tag 18, Dienstag:

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Morgens gegen 8 geht die Fähre los. Dafür muss ich sie aber erstmal finden. Der Hafen ist schnell gefunden, aber wo ist die Fähre? Ich hab einen einigermaßen großen Hafen erwartet, zumal hier ja noch eine Landesgrenze überquert werden soll.
Mitten im Yachthafen entdecke ich in einer kleinen Ecke die richtige Stelle. Nanu? Hier soll eine Autofähre abfahren? Tut sie, aber mehr als 4-5 Autos passen nicht drauf.
Ausweiskontrolle, am kleinen Pier darf ich die GS durch ein Tor schieben. Nun bin ich quasi zwischen den Ländern, hinter mir ein Tor, vor mir ein Tor zur Fähre. In den Bereich passt meine GS und noch ein Auto. Alles so niedlich klein hier, der komplette Gegensatz zur Einreise in die Türkei. Auf die Fähre raus geht es im 90°-Knick, für mich kein Problem, für die beiden mitfahrenden Autos bedeutet das schon ein wenig Rangiererei, vor allem auf der Fähre.
Die Autos werden von zwei Yuppies (ganz klassisch zu erkennen) gefahren. Dicke Schlitten und voll das Klischee erfüllend schleppen sie auf der Fähre dann noch ein paar passende Mädels ab.
Auf Kos angekommen, mache ich mich schnell aus der Stadt raus und fahre Richtung Berge. Dort ist es schön kurvig und zusätzlich gibt es viele Schotterwege. Wenn es nicht so diesig wäre, hätte man eine prima Aussicht aufs Meer und auf das Festland, aber so wird da nichts draus.

Offenbar werden auf Kos allerdings auch Militärübungen durchgeführt, denn als ich beim Fahren plötzlich links und rechts Panzer in extra ausgebuddelten Löchern samt voll getarnten Mannschaften stehen seh', wußt' ich, die sind nicht zum Spaß hier.
Naja, man hat mich nicht abgeschossen, ich hab freundlich gewunken und bin umgedreht.
Mittags esse ich dann was zünftig Griechisches (viel Fleisch, viel Knoblauch, viel Tzatziki) und abends fahre ich zurück zum Hafen.
Leider war ich deutlich zu früh da, und so muss ich ziemlich lange warten, was ich mit einem Spaziergang durch die Stadt abkürze.
Spät abends dann in die Fähre nach Pireus. Das Motorrad wird vom Personal professionell verzurrt und ich suche mir was zum Schlafen. Leider find ich nur was auf dem zugigen Raucherdeck und so schlafe ich wie viele Andere auf Plastebänken und friere ein wenig.

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Die riesige Fähre nach Kos.

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Der YachtFährhafen.

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Der Steg, hier lag die Fähre.

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Auf Kos angekommen, gleich auf den ersten Hügel, und gleich ein Autowrack.

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Hier gings nicht weiter. Das militärische Übungsgelände war hingegen nicht abgesperrt.

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So viel Schotter!

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Diese Super-Tenere wurde hier, samt ihrem völlig zerknautschten Unfallgegner-BMW, absichtlich als Mahnmal liegengelassen.

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Katzen findet man in Kos überall.

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Zwar nicht die Platane des Hippokrates, aber dennoch imposant - und mit Katzen!

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Professionell verzurrt.
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Re: Reisebericht: Solo nach Südosten 2014

Beitragvon Maybach » Di 11 Okt, 2016 21:19

@Richy

Die wollten nur stricken üben ... :-D

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