Das Gehirn ist ein Betryger…
Ich hätte es ahnen müssen; nachdem ich als Jugendlicher jahrelang relativ intensiv mit einem Geschläger auf Filzkugeln eingedroschen hatte, wollte ich diese Sache nach langen Jahren der diesbezüglichen Enthaltsamkeit letztjährig wieder antesten. Das mit dem Gehaue auf den Ball ging noch recht gut, nur scheinen die was an den Bällen geändert zu haben

. Ball kommt übers Netz, ich renn los, der Ball hüpft auf, ich hol mit dem Geschläger aus, will draufschlagen, aber bis ich dazu komme, hüpft der Ball noch 2mal auf…
Gelernt hab ich aus der Aktion nichts, sonst wäre ich gestrig nicht in die Halle des Gekletters gangen getut.
Man stelle sich das so vor: Ein Raum zum Bouldern. Unter Bouldern versteht man das Klettern in Absprunghöhe. Kein Gestreß mit Seil, Gurt und Gedöns, sondern einfach nur durch die Gegend klettern, möglichst schwer und meist nur kurze Länge. Selbige leibliche Ertüchtigung wurde von findigen Köpfen indoor verlagert, um das einzig ware Klettern an natürlichem Naturgestein ansprechend trainieren zu können. Man schuf einen Boulderraum.
Dieser Raum ist nicht groß und mangels Fläche an der Wand und zu Steigerung der Freunde hat man auch reichlich Griffe an die Decke geschraubt. Am Boden liegen Hochsprungmatten, damit man nicht immer das Blut wegputzen muss und die Preise für Gips nicht analog dem Ölpreis steigen.
So begab ich mich gestrig in einen solchen Boulderraum. Es war wie früher; die Tür geht auf und es kommt einem der Duft von alten Socken, muffeligen Schweißshirts entgegen, Sichtweite durch Magnesiastaub an die 2,5 m.
Im Raum schemenhaft zu erkennen: Jungfüchse mit komischer Figur. Von oben herab bis zur Gürtellinie mächtige Muskelberge, ab der Gürtellinie (bis auf kleinere Detailausnahmen) schwindsüchtige Gliedmaßen entsprechend bekannter Abbildung magersüchtiger Models. Der Körperfettanteil der Jünglinge liegt unter 0,0045%, resultierend aus fülliger Ernährung: Zum Frühstück wird eine Karotte geschält, zum Mittagessen wird dran gerochen, Nachmittags darf man sie anfassen und Abends wird sie gegessen; meist aber nur halb.
Frug ich gleich mal so einen Magerfuchs nach einem leichten Boulder im Dach. „Nimmst nur die gelben Griffe und Tritte und dann ab durch die 12m-Horizontale“.
Ha!, mal die Sache beäugt; große Griffe, große Tritte, ein Kinderspiel…
Pfoten einmagnesiaisiert, Griff rechts, Griff links, Haxen vom Boden hoch zu den Tritten, rechte Hand zum nächsten Griff, Füße umgeset… RUMS!
Oha!
Noch mal: Pfoten einmagnesiaisiert, Griff rechts, Griff links, Haxen vom Boden hoch zu den Tritten, rechte Hand zum nächsten Griff, Füße umgesetz… RUMS!
Nach vielen, vielen Versuchen konnte ich die 12m-Dach mit ungefähr 4711 Pausen und RUMS durcheilen, wohlgemerkt mit Pausen und RUMS, nicht am Stück.
Mein Hirn meinte aber immer noch, dass das ne leichte Übung sey.
So war der Geist willig, der Körper „eher“ nicht.
Das Bierchen danach musste mir einer der Fettfernen öffnen, Trinken war schwierig, schäumte doch der werte Tropfen in zittriger Hand immer auf.
Ich bin ein fetter Altsack geworden, gemerkt hats langsam auch mein Hirn.
ANGRIFF!
OllY (ob ich wohl heute in der Kantine das Ketchup von den Pommes lasse?