fleisspelz hat geschrieben:Meide Wien
Therion hat geschrieben:...
Zu den Wien Bashern:
Als in Wien arbeitender Burgenländer bin ich ja allerhand Abgründe des goldenen Wienerherzens gewöhnt, aber was ist in Wien soviel schlimmer als in vergleichbaren anderen europäischen Städten ?
Mir persönlich fehlt der Vergleich da ich andere Städte nur vom Urlaub her kenne.
Greetz
Steve
Lieber Steve, da möchte ich Dir gerne antworten, schliesslich habe ich ja mit dem "bashing" (ganz so war es nicht gemeint, aber wurscht...) begonnen.
Vorab gebe ich zu, dass mein Eindruck von meinen jüngsten Erfahrungen gefärbt sind und ich ebensogut "Meide Düsseldorf", "Meide Unternehmensberater", "Meide Soziologen" oder "Eat The Rich" hätte schreiben können.
Wien ist eine pulsierende internationale Stadt voller sehenswerter Orte und erlebenswerter Szenen. Black Cube/White Cube, der Naschmarkt, das Fälschermuseum, der Meiselmarkt und zahllose Kneipen vom Quell bis zum Schikaneda machen die Stadt kurzweilig und spannend. Egal ob man von der monumentalen Herrschaftsarchitektur à la Schönbrunn, von Gründerzeit-Industriearchitektur, von Hundertwasserhäusern oder von moderner Ökoarchitektur begeistert ist, man findet das passende Denkmal in Wien. Wien ist eine Reise wert.
Gleichzeitig wird man in keiner österreichischen Stadt unverschämtere, desinteressiertere und beleidigendere Kellner und Verkäufer antreffen. Ich mag Österreich sehr, nicht zuletzt wegen des freundlichen Wesens der Österreicher. Das gilt fast überall in Österreich, ausser in Wien. Ein freundlicher Kellner in Wien ist nach meiner Erfahrung stets Ausländer.
Was aber für Wien sehr speziell ist, und was es für mich als deutschen sehr von allen anderen mir bekannten Grossstädten unterscheidet ist die offen zu Tage getragene Deutsch-Feindlichkeit.
Das geht im Strassenverkehr los, offenbart sich aber beileibe nicht nur dort. Ich kann langsamer fahren, als ein Wiener, oder gleich schnell, oder schneller. Mit einem deutschen Nummerntaferl bekomme ich stets einen Vogel gezeigt, das wird mit einem österreichischen Taferl schlagartig weniger. Beispiele gefällig?
1. Eine Tankstelle mit schräg angeordneten Zapfsäulen. Man fährt gerade hinein, biegt halbrechts zu der schrägen Säule, tankt und biegt halblinks zur Ausfahrt. Ein Wiener ist versehentlich einen Meter zu weit nach vorne gefahren, und blockiert die Ausfahrtspur. Er will gerade die Zapfpistole entnehmen, als er seinen Fehler bemerkt. Er setzt ab, wendet sich zur Zapfsäule, um den Rüssel wieder einzuhängen und zurück zu stossen. Als er gerade einsteigen will, sieht er, dass ein deutscher VW Bus einfach nur wartet, bis die Bahn frei wird. Der Wiener hält inne, geht gemächlich zurück zur Pistole, tankt, zeigt dem VW-Bus-Fahrer einen Vogel und schreit über die Tankstelle.
"Ihr Deutschen brauchts Euch garnicht so aufführen!"
Er tankt gemächlich, bezahlt in aller Ruhe, und lässt sich demonstrativ Zeit beim angurten und losfahren.
2. Ich fahre mit dem Motorrad aus einer Einbahnstrasse, die an einer Querstrasse endet, wo man rechts oder links abbiegen kann. Ich will nach links abbiegen und ordne mich daher relativ weit links ein, damit jemand der hinter mir ist und nach rechts will, gegebenenfalls rechts an mir vorbei könnte. Aus der Querstrasse kommt von rechts ein Wiener Auto, will nach links, also gegen die Fahrtrichtung in eine Einbahnstrasse. Er hupt mich an, weil ich ihm zu weit in der Mitte der Fahrbahn stehe, zeigt mir einen Vogel, guckt mir als er vorbei ist auf das Nummernschild und ruft
"Ach so ein Deutscher..." während er entgegengesetzt der Einbahn davon fährt.
3. An einer mehrspurigen Strasse fahre ich mit der Aprilia hinter einem Motorroller mit österreichischem Kennzeichen her. Der Roller fährt auf der Linksabbiegerspur an der Schlange vorbei und reiht sich vor dem ersten Auto auf die eine der beiden Geradeausspuren ein. Ich tue ihm gleich, keiner der Autofahrer hinter uns nimmt Notiz. Plötzlich steht auf der Linksabbiegerspur ganz vorne, jetzt also links neben mir ein weisser VW Bus, wie ich auch einen habe. Am Fahrer sitzt ein Langhaariger mit Bart und Zopf, kurbelt die Beifahrerscheibe herunter und poltert drauf los:
"Auf der Linksabbiegerspur fährt man nicht am Stau vorbei. Ihr glaubt wohl, ihr Deutschen könnt Euch alles erlauben, aber noch gehört Wien uns Österreichern..."
Ich lächle hinüber, weil ich mir denke, er muss einen schweren Tag gehabt haben und antworte:
"Vor ein paar Jahren waren die Langhaarigen irgendwie lockerer drauf."
Er wettert weiter über meine Verfehlungen.
Ich frage ihn, immer noch lächelnd, ob er denn ein Polizist sei.
"Das wirst Du dann schon sehen" ist seine Antwort.
Er fährt von der Linksabbiegerspur nach rechts vor mich in die Kreuzung, auf der er mittendrauf stehen bleibt und anschliessend demonstrativ langsam vor mir her, wobei er mich zwei Mal unmotiviert ausbremst. Sein Kennzeichen beginnt mit "BP..." und rate Mal, was auf der Anonymverfügung gestanden hat....
Nun sind diese Beispiele Szenen, wie sie in vielen Grossstädten passieren könnten. Was Wien für mich besonders macht, ist die Verknüpfung der Anfeindungen mit der Tatsache, dass ich ein Deutscher bin. Ich liebe Österreich, aber ich mag die offen zu Tage getragene Deutschenfeindlichkeit speziell der Wiener nicht leiden. Daher mein Rat an einen Deutschen, Wien zu meiden. Das war natürlich zu kurz, ich hätte schreiben sollen:
"Meide Wien, oder gib Dich dort nicht als Deutscher zu erkennen"