Das Fortaleza auf der Ilha de Mozambique wurde vom Teufel gebaut. Soviel ist sicher. Generationen von Einheimischen haben zugesehen, wie Ihre Töchter und Söhne, ihre Schwestern und Brüder, ihre Freunde oder die Kinder von den Portugiesen gefangen genommen wurden und in das Fortaleza verschleppt, die wie jedermann weiss, mit dem Dämon eng zusammen arbeiteten. Dort wurden Sie von dem unersättlichen und unerbittlichen Teufel, der das Fort bewohnt, mit Haut und Haaren verschlungen. Dieser Teufel schickte immer mehr seiner portugiesischen Knechte und Stadthalter aus, um seinen stetig wachsenden Hunger nach dem Fleisch, und den stetig wachsenden Durst nach dem Blut der einheimischen Bevölkerung zu stillen. Keiner der unglücklichen Menschen wurde jemals wieder lebend gesehen, keiner konnte je dem Dämon entkommen. Manche, die dem Teufel nicht schmeckten wurden ermordet und grauenvoll verstümmelt vor den Dörfern gefunden. Aus diesem Grund nähern sich nur sehr gottgefällige und mutige Schwarze dem Fortaleza, oder betreten es gar. Wenn Du auf der überbevölkerten Ilha irgendwo alleine sein möchtest, dann ist das nur im Fortaleza überhaupt denkbar. Und auch nur dann, wenn nicht gerade Harry Potter oder Mohammed Number One eine Touristengruppe durch das Fort führen, weil denen sowieso vor garnichts graut.
Die andere Version der Entstehung des Fortaleza Sao Sebastiao ist die, dass portugiesische Schiffe in den Jahren 1558 bis 1620 Stein für Stein um das Kap der guten Hoffnung herum getragen haben. Jeder einzelne nummeriert und auf einem Bauplan katalogisiert, eine logistische Meisterleistung zu jener Zeit, zumal man sich mit den Holländern im Krieg um die Seerechte auf dem Weg nach Indien und die Territorialrechte in Ostafrika befand. Die Sage vom Teufel, der das Fort erbaut habe wurde von dem Bauherren, Alfonso d'Albuquerque bewusst genährt, um möglichst grossen Respekt bei den Bantu und Makua zu erlangen.
Der aus einer fernen Gegend der Welt stammende dunkelgraue Granit, aus dem die gigantischen Mauern himmelhoch aufragen und das für afrikanische Verhältnisse riesige Ausmass des Bauwerkes tragen das Ihre zur Legendenbildung bei. Es gab nur zwei Eingänge zu jener Zeit. Einen gut bewachten und hermetisch verriegelbaren Zugang zur Ilha, der von der See aus nicht und von der Insel aus nur schwer erkennbar ist, und einen Ausgang vom Sklavenmarkt in den Katakomben direkt zur See.
Jeder Schwarze, der diesen Ausgang des Forts je zu Gesicht bekam war ein Sklave, oder dem Tod geweiht. D'Albuquerque hat als Afrika-Kenner und erfahrener Seemann bedacht, was in dieser Gegend der Welt entscheidend ist.
Er hat das Fort gross genug gebaut, um bis zu 2000 Menschen darin zu beherbergen, zusätzlich zu den Sklaven in den Kellern, die nicht als Menschen gerechnet wurden, sondern als Handelsware. Viele Menschen brauchen viel Nahrung, deshalb hat das Fort gewaltige Lagerräume, aber was in Afrika viel wichtiger ist, ist sauberes Trinkwasser. Aus diesem Grund ist die gesamte Dachfläche des Fortaleza so ausgelegt, dass sie möglichst viel Regenwasser aufnimmt und in die kühlen Gewölbezisternen des Fortaleza leitet. Die gesamte Anlage ist eine Art gewaltige Regenrinne. Die Menschen im Fort konnten Belagerungen von bis zu 12 Monaten standhalten, deshalb konnte das Fort nie eingenommen werden. So lang konnte keine Schiffsflotte je die Insel belagern, wie die Portugiesen in der Lage waren auszuharren, ohne darben zu müssen.
Reihen von Kanonen säumen alle Mauern des Forts. Einzig die Nordostspitze der Festung weist keine Kanonen auf. Aus Respekt gegenüber der hier schon seit 1521 ausserhalb der Festungsmauern stehenden Capela de Nossa Senhora de Baluarte. Diese Kapelle ist nicht nur das älteste erhaltene Gebäude in Mozambique, sondern zugleich das älteste europäische Gebäude auf der südlichen Welthalbkugel.
Ebenfalls aus Respekt vor der Kapelle wurde die Ilha nie aus Nordosten angegriffen. Alle Angreifer von See nannten sich gottesfürchtige Ehrenmänner.
Für Portugal war die Ilha de Mozambique und das Fortaleza Sao Sebastiao ein wichtiger Flottenstützpunkt auf dem Seeweg nach Indien, den Vasco da Gama 1498 entdeckt hatte. Seit 1507 gab es auf dem Boden des späteren Gouverneurspalastes erste Befestigungsanlagen. Hier konnte Proviant und Wasser geladen werden, wenn die immens wichtigen Gewürze, allen voran der Pfeffer, vom portugisischen Goa nach Lissabon transportiert wurden. Als Mozambique 1752 offiziell zu portugiesischem Besitz erklärt wurde, begann der Bau von Kathedrale, Gouverneurspalast und Lazarett. Die auf der Ilha residierenden Portugiesen lebten fürstlich von den Ressourcen der Afrikaner. Gold, Diamanten, Elfenbein und Sklaven. Die Mädchen in Mozambique sind schön, die Jungs kräftig und duldsam.
Als Meister der Logistik sorgten die Portugiesen dafür, dass kein Sklave länger als höchstens zwei Wochen im Fortaleza verblieb. So war sichergestellt, dass keine Fluchtpläne umgesetzt werden konnten, und kein Wissen über die Organisationsstruktur des Forts von alten Gefangenen an Neue weitergereicht werden konnte. Innerhalb kürzester Zeit wurden die glücklicheren in die Welt verschifft, einem ungewissen Schicksal entgegen, die unglücklicheren wurden ermordet und als Köder für den Fischfang gebraucht, oder den Einheimischen zur Warnung gegen Auflehnungsgedanken vor deren Siedlungen geworfen. Alleine auf die Zuckerrohrplantagen und in die Goldminen der portugiesischen Kolonie Brasilien sind zwischen 1700 und 1810 ca. 1 800 000 Sklaven aus Mozambique verschifft worden.
An der Ostseite des Fortaleza liegt am Fuss der unbezwingbaren Mauer der Hinrichtungsplatz. das letzte, was ein zum Tode verurteilter zu sehen bekam waren vier waffenstarrende Schiessscharten vor dem Dach der Kapelle, zu seiner Rechten den indischen Ozean und links den grauen Granit. Gerade als mir das durch den Kopf geht höre ich einen merkwürdigen Gesang. Draussen auf einer Klippe in der Brandung steht in weisse Tücher gehüllt die sechzigjährige Fatima und kantoniert auswendig gelernte Koransuren, deren Inhalt sie nicht kennt. Das tut sie jeden Tag zu dieser Zeit, seit vor dreissig oder vierzig Jahren ihr Mann nicht mehr mit seinem Fischerboot zurückgekehrt ist. Fatima hofft, er könne doch eines Tages wiederkehren, das Boot voller Fisch...
Nachdenklich gehen wir zum Strand zwischen Fortaleza und Marina.