Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

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Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 22 Nov, 2020 20:23

Hallo ihr lieben Mit diesem Fred möchte ich mal etwas versuchen
Bei uns im Forum ist eine Unmenge an Wissen versammelt. Handwerker jeglicher Couleur, Ingenieure oder Wissens durstige und Super-geniale Menschen, die sich mal eben eine Sternwarte selber bauen. Und jede Menge an Laien, die sich in bestimmten Bereichen wissen oder Fertigkeiten angeeignet haben.
Das Problem: nur weil ein einzelner weiß, wie etwas geht, wissen es alle anderen noch lange nicht. Und selbst wenn es gezeigt wird, geht es im Dickicht der vielen Freds oft verloren.
Wir alle fahren Motorrad und die Anzahl derer die mit dem Motorrad mehr als nur die Hausrunde drehen ist hier recht hoch.
Da wird schnell die Frage nach Gepäcklösungen laut.
Ich Denke und weiß dass sich schon eine Menge Leute hier mit dem Thema Verbesserung am Gepäcksystem befasst haben. Das Reicht vom selber gebauten Bügel für Softtaschen, über komplette Kofferträger, Befestigungen von Kinderschulranzen über Veränderungen an Taschen oder Tankrucksäcken und noch vielem mehr.
Oft sind es die kleinen scheinbar banalen Ideen, auf die man einfach erst mal kommen muss. Und manchmal sind es Arbeitsschritte bei irgendetwas, die bei einem selber das Klicken im Kopf auslösen zum: „Mensch klar das könnte ich doch auch bei….“
Und genau dazu ist dieser Fred gedacht.
Es geht nicht um:
- Lob und Anerkennung
- Sinnhaftigkeit der Umbauten (Wenn ihr hier was einstellt ist es für euch gut.)
- Lange Diskussionen
Es geht um:
- Eine Sammlung von Gepäck-Lösungen die ihr selber gebaut/umgesetzt habt.
- Ein Exemplarisches Aufzeigen. Wie genau habt ihr das gemacht. (Bilder)
- Schrittweises Aufzeigen der Arbeitsprozesse. So das andere es nachbauen können oder zumindest die Arbeitsschritte verstehen können.
Bei reger Beteiligung kommt am Ende evtl. eine reiche Sammlung von tollen Lösungen zusammen bei der wir uns alle bei Bedarf bedienen können, und die auch dem Nachwuchs dient. Solche Themen gibt es ja heute auch in Motorradheften nicht mehr oder nur noch selten. (Das war mal anders.)
Deshalb sollen auch scheinbare „das weiß doch jeder“ Lösungen hier gerne Platz finden.
Dafür aber bitte keine seitenlangen Labereien, die nur den Fred verlängern und das Suchen nach Lösungen unnötig erschweren.
Genug der Vorrede. Ich fang mal an. So stelle ich mir das vor.
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 22 Nov, 2020 20:45

Umbau von Softtaschen auf einfache Abnehmbarkeit
Für meinen persönlichen Geschmack sind, zum Zeitpunkt dieses Beitrages (11/2020), die Moto Mosko Backcountry 35L Soft panier das Beste das es zu kaufen gibt.
https://moskomoto.eu/collections/motorc ... annier-kit
Besonders gut finde ich, dass die Taschen mit einem Handgriff abnehmbar sind, und dass sie über eine Art Känguru-Beutel eine Möglichkeit bieten unterwegs „mal schnell“ was zu verstauen.
Dummerweis habe ich das Problem seit 2015 wirklich gute Softtaschen zu besitzen (Adventur Spec Magadan) welche bis auf genannte Features alles erfüllen, was ich mir von solchen Taschen erwarte.
Ballistisches Außenmaterial: durchstich, schleif und schnittfest.
Sie sind wasserfest, haben Innentaschen aus stabiler LKW Plane und in der Praxis brauchbar sind sie auch noch. Zudem waren die Taschen nicht ganz billig und die Moskos gibt es auch nicht umsonst.
Was also tun, wenn ich doch so gerne die Funktionalität der Moskos hätte aber mit meinen Magadan Taschen sehr zufrieden bin?
Klarer Fall: Umbauen!
Der Umbau sollte dabei so gemacht werden, dass ich die Tasche jederzeit zurückrüsten kann und im Zweifel auch unterwegs alle Umbauten entfernen kann und im ursprünglichen Zustand weiter fahren kann, sollte sich herausstellen, dass das alles nichts taugt.
In diesem ersten Teil der Umbaubeschreibung soll es also darum gehen, wie genau ich das Moto Mosko System nachgebaut habe, warum so und nicht anders, welche Teile ich für welche Lösungen benutzt habe und natürlich wie die einzelnen Arbeitsschritte waren.
Gleich vorneweg. Dieser Umbau ist sehr arbeitsaufwendig, langwierig und das ganze Zeug kostet auch einiges. So unter rein Ökonomischen Gesichtspunkten ist das alles also absoluter Quatsch und wirklich sparen lässt sich auch nix.
Darum soll es aber auch gar nicht gehen. Mir hat es Spaß gemacht und ich wollte einfach auch wissen ob ich das hinbekomme.
Werkzeuge: Ich habe inzwischen eine recht gut ausgestattete Bastlerwerksatt die neben dem üblichen Mopedkram und Metallbearbeitungszeug auch im Bereich Holzwerken gut bestückt ist.
Ich habe mit Tischkreissäge, Bandsäge und Frästisch mit verstellbarem Anschlag gearbeitet und denke darunter geht es kaum.
Schrauben und Verschlüsse.
Alle Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben sind aus Edelstahl. Ich habe sie bei einem Schraubenfachhandel in meiner Nähe gekauft, der auch an Privatmenschen verkauft. Ich rate euch dringend, grundsätzlich keine Schrauben im Baumarkt zu erwerben. Eigentlich sogar gar nichts dort zu erwerben. Aber das ist eine andere Geschichte. Abgesehen von den unmöglichen Packungsgrößen sind die Preise in Baumärkten einfach unterirdisch oder sollte ich besser extraterrestrisch sagen?
Ich bekomme bei meinem Fachhändler jedenfalls alle Arten an Schrauben in passender Ausführung in jeder beliebigen Stückzahl zu sehr angemessenen Preisen. + eine super Fachberatung! Einfach mal die Gelben Seiten durchforsten oder Handwerker vor Ort fragen, wo die ihre Schrauben kaufen. Ach ja die Firma Würth ist übrigens erfahrungsgemäß nicht die richtige Anlaufstelle für Extrawünsche in geringer Stückzahl.
Bei der Montage natürlich immer mit Schraubensicherung arbeiten. Das erwähne ich in der Beschreibung nicht mehr extra.
Los geht’s:
Zuallererst habe ich mir natürlich Gedanken gemacht wie das Ganze später aussehen und funktionieren soll. An welchen Kofferträgern es befestigt werden soll und wie ich die Montage an den Taschen selber ausführen soll.
Dieser Vorgang lässt sich schlecht darstellen, dauerte aber mehrere Tage und ist für ein solches Projekt unerlässlich.
In der Praxis bin ich ständig mit Maßband und Papier zwischen meinen Motorrädern, den verschiedenen Kofferträgern und den Magadan Taschen gependelt. Mit dem Ergebnis, dass ich am Ende eine Menge Schablonen auf Papier hatte, welche ich auf Pappelholz übertrug und aussägte.

01 alle Schablonen die gebraucht werden..JPG

An diesem Punkt habe ich bereits den ersten Fehler gemacht.
Für eine einmalige Benutzung ist das so passend, sollte ich jedoch auf die Idee kommen die Halterungen noch öfter zu bauen, also z.B. für Alukoffer oder andere Taschen oder für Bekannte, bekomme ich früher oder später Probleme, weil das einfach zu bearbeitende Pappelholz zu weich ist.
Merke: Frässchablonen immer aus Hartholz fertigen!
Nachdem die Schablonen fertig waren, habe ich erst mal Probefräsungen aus Holz gemacht, um zu sehen ob alles so passt, wie ich das wollte.

02 Fräsung Prototyp.JPG


03 Fräsung Prototyp.JPG

Dabei wurde mir sofort wieder ein Fehler klar, den ich aber nicht mehr beseitigt habe.
Wie auf den Bildern zu sehen, hielt ich es für eine gute Idee, eine Rundung am oberen, schmalen Teil der Halterung zu machen. Das war Quatsch! Hätte ich nur mit geraden gearbeitet (also 90 Grad zur Längsachse) wäre die Passung vermutlich deutlich besser.
Da die Passung insgesamt aber ausreichend gut ist und sich auch nichts bewegt habe ich meine Schablonen so gelassen wie sie sind und einfach weiter gemacht.

04 Konturfräser.JPG


05 Fasenfräser.JPG

Diese beiden Fräser habe ich benutzt, um die Schablonen auf die Werkstücke zu übertragen.
Der größte 45 Grad Fräser den ich für den Hausgebrauch gefunden habe, ermöglicht eine maximale Materialstärke von 12 mm
Bei dickerem Material gibt es Absätze.
Damit war die Materialdicke gesetzt.
Als Material habe ich mich nach längerem Überlegen für PE-HD Platten entschieden. Als alternativen wären potentiell auch Siebdruck oder Hart PVC gegangen. Die genauen Gründe weshalb ich mich für das PE-HD entschieden habe kann ich gar nicht mehr nennen.
Ein Grund war, dass ich hoffe, im Falle eines Sturzes sich die Taschen einfach durch die Elastizität des Materials aus den Halterungen winden und sich anschließend einfach wieder einstecken lassen.
Na ja.
Ob es sich am Ende als dauerhaft, tauglich und nicht schmelzend (Heise Sommer in Auspuffnähe und Schleichfahrt erweisen wird, wird sich zeigen.
Von vorne herein war jedoch klar, dass ich auch noch Platten in 2 mm Stärke brauchen werde.
Als Farbe für alles, kam natürlich nur Schwarz in Frage.
Gekauft habe ich die Platten am Ende über E-Bay, weil ich da ein Angebot fand, welches preislich ok war. Insgesamt habe ich für die beiden Platten mit je 1,5qm ca. 45€ bezahlt
Die Holzschablonen werden mit doppelseitigem Klebeband auf die grob zugeschnittenen Platten geklebt und dann werden die Konturen nachgefräst. Das Anlaufrad (Kugellager an der Oberseite der Fräser) tastet dabei die Kontur an der Schablone ab.
Nochmal zum Klebeband. Doppelseitiges Klebeband ist tatsächlich eines der wichtigsten Werkzeuge in meiner Werkstatt. Es ersetzt zuverlässig die ständig fehlende dritte Hand.
Beim Zusammenkleben von Flächen nicht zu viel Klebeband benutzen. Sonst bekommt ihr die Teile nicht mehr zerstörungsfrei auseinander.

06 Frässchablone beim Fräsvorgang.JPG

Das PE lässt sich problemlos mit Holzwerkzeugen verarbeiten. Beim Fräsen und Bohren nur die Drehzahl nicht zu hoch wählen, weil der Thermoplastische Kunststoff sonst anfängt zu schmelzen.
Wenn alles gut läuft fliegt euch beim Fräsen das schwarze Zeug in Spänen durch die Gegend, die wegen der Statischen Aufladung wirklich überall hängen bleiben.

07 Sauerei.JPG

Das sieht zum Teil echt Übel aus, weil es optisch wie eine Ölschmiere wirkt, oder der Sauerei beim Polieren ähnelt. Zum Glück ist der Staubsauger mein Freund und beseitigt das Chaos im nu.
Weil das Loch in meinem Frästisch zu klein war, musste ich mir einen Ersatzfrästisch basteln.

08 Sonderfrästisch .JPG

So sah das Ergebnis aus.
09 45Grad Fhase.JPG

Und weil an meiner Tasche Auf der Rückseite eine Lasche Verbaut ist, welche es unmöglich machen würde, die Tasche auf den Träger zu schieben, die Montageplatte hängt sich ein, brauchte ich noch eine glatte Innenfläche. Diese wurde aus 2mm Plattenmaterial gefertigt.
10 Der Stein des Anstoßes.JPG
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 22 Nov, 2020 20:59

11 glatt wie ein Kinderpopo.JPG

Jetzt hatte ich alle außenliegenden Teile der Halterung, die an die Taschen geschraubt werden sollte in der Hand.
Die beiden verschieden dicken Platten wurden mit doppelseitigem Klebeband verklebt und wurden am Ende gemeinsam mit den Taschen verschraubt. Das Klebeband dient also nur der Fixierung während des Konstruktionsprozesses.
12 Klebeband die dritte Hand.JPG


13 Dreieinigkeit.JPG

Das Montageprinzip von den Platten an die Tasche ist recht einfach. Im Inneren der Tasche habe ich ein Futter mit einem Reißverschluss, der über die gesamte Breite geht.
Also stecke ich eine 2mm dicke Platte dort hinein. Noch vor die Weichschaumplatte, welche serienmäßig für eine gewisse Stabilität der Tasche sorgt.
Dann müssen nur Löcher durch die Äußere Platte das Material der Tasche und die beiden inneren Platten gebohrt werden. Dann von innen Schrauben durch, Karosseriescheiben, alles verschrauben und fertig.
Doch der Reihe nach.
Erst mal festlegen, wo genau die Löcher sein sollen. Deshalb eine Bohrschablone erstellen.

14 Bohrschablone.JPG

Löcher Bohren und anschließend Platz für die Verschraubung schaffen. Ich habe mit 5mm Edelstahlschrauben gearbeitet. Die Löcher also in 5,5mm und die Versenkung für die Mutter und die Scheibe mit einem 20mm Forstnerbohrer.
15 der Plan.JPG

Klingt eigentlich einfach.
Hat aber seine Tücken

16 Realität.JPG


17 nur wenig wahnsinn.JPG

Irgendwann war es aber geschafft.
Der nächste Schritt war es, den Verschluss für die Taschenhalterung zu befestigen. Ich habe mich entschlossen Butterfly Verschlüsse in einer kleinen Ausführung in Edelstahl zu benutzen. Solche Verschlüsse sind im Musikerbereich weit verbreitet.
Sowas:
https://smile.amazon.de/Butterfly-Versc ... 4BS9WASFKH

18 die Verschlüsse.JPG

Ich habe die Verschlüsse mit Klebeband auf die Montage-Platte geklebt und dann die Bohrlöcher gekörnt.
19 körnen.JPG


20 ist er nicht süß.JPG

Grundsätzlich haben die Verschlüsse eine untergeordnete Funktion. Die Taschen werden ja durch die Schwerkraft gehalten und sie sind ja immer in 3 Ebenen fixiert. Letztendlich dienen die Verschlüsse nur dazu, zu verhindern dass die Teile sich aufeinander bewegen.
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon nattes » So 22 Nov, 2020 21:12

Sorry, erst mal gelöscht.
Zuletzt geändert von nattes am So 22 Nov, 2020 22:01, insgesamt 2-mal geändert.
Bild
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 22 Nov, 2020 21:12

Es folgte die Montage
21 Befestigung.JPG


22 fest.JPG

Alle Löcher waren gesetzt, die Mutternlöcher waren gesenkt langsam ging es an die Montage.
Ich benötigte für den Känguru Beutel noch Bänder und habe sie mit Klebeband einfach auf die Rückseite des Taschenseitigen Kunststoffteils geklebt und die Löcher Nachgebohrt.

24 Strippen ziehen.JPG

Als nächstes also die Innenteile in die Tasche stecken, ein Holzbrett als Durchbohrschutz dazu, damit ich das Tascheninnenfutter nicht durchbohre, dann das ganze umdrehen und das Ausenteil in Position bringen und anfangen zu bohren
25 durchbohrend.JPG

Meine Magadan Taschen habe ich mir unter anderem auch deshalb gekauft, weil sie aus Ballistischem Nylon gefertigt sind und mit der Eigenschaft abschließbar, durchstich und scheuerfest sowie nicht vom Träger abschneidbar beworben wurden.
Klingt gut! Mir war aber nicht klar was das in der Praxis bedeutet.
Ich habe 2 Bohrer verbraten bis ich alle 16 Löcher in das Kevlar verstärkte Material bekommen habe.

26 schussfest.JPG

Das gelbe Zeug sind übrigens die Kevlarfäden die sich beim Bohren herausziehen.
Diese 8 Löcher pro Tasche sind die einzige Veränderung die ich an den Taschen vorgenommen habe. Nach der Erfahrung mit dem Bohren, bin ich wirklich heilfroh, dass ich nicht versucht habe die fest verbauten Befestigungsbänder abzuschneiden. Diese sind einfach nach hinten geklappt und werden durch die Verschraubung der Kofferplatten eingeklemmt. Wenn ich also jemals die Platten wieder wegschraube, habe ich voll einsatzfähige Satteltaschen mit den Originalen Befestigungen. Und wenn ich die 8 Löchlein pro Tasche noch zuklebe, sollten sie noch genauso dicht sein wie vorher.

28 verschraubt.JPG

Und so sehen die Taschen mit Montierter Platte und eingestecktem Montageteil aus.
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 22 Nov, 2020 21:19

Zuletzt musste ich mich noch mit der Befestigung Der Montageplatte am Motorradträger beschäftigen.
Lange habe ich mir überlegt wie ich die Umfassung für das runde Trägermaterial machen soll. Gedanklich haben gebogene Edelstahlstangen mit Gewinde und sonstige Konstruktionen eine Rolle gespielt.
Am Ende habe ich mich aber doch für eine andere Lösung entschieden.
Grundlage meiner Befestigung sind Hydraulikrohrschellen
LKP Für einen Rohrdurchmesser von 18mm
https://www.ebay.de/itm/Hydraulik-Rohrs ... 2749.l2649
Dazu dann auch noch die passenden Edelstahlplatten.
Die 18 mm entsprechen dem Maß der Touratech Edelstahlträger an meiner KTM, sie funktionieren aber auch an Trägern mit geringerem Durchmesser wie Hepko Becker.
Diese Rohrschellen sind vorgesehen für die Aufnahme zölliger Muttern. Es lassen sich aber 8mm Edelstahlmuttern einpressen und diese halten dann bombenfest.

29 nachdrücklich.JPG


30 in Reih und Glied.JPG

Dann galt es noch die Metallplatten aufzubohren und die Schraubenlöcher zu senken.
31 Senke.JPG

Auch hier habe ich beim Tun etwas bemerkt. Die 8mm Schrauben lassen sich stramm, ohne ein Gewinde zu schneiden, durch die Schellen drehen.
Der Kunststoff übernimmt dabei auch die Schraubensicherung. Die Verwendung von selbstsichernden Muttern wie ich es getan habe, ist also unnötig.
Wie bei den Originalen von Moto Mosko habe ich beschlossen am oberen Ende der Platten 2 Schlitze und am unteren 3 Schlitze in die Platten zu fräsen.
Jeden der Schlitze habe ich mit einer Länge von ca. 10 Cm gefräst.
Auch hier war wieder Klebeband mein Freund. Ich habe aus Pappelsperrholz Rechtecke in den Maßen der Trägerplatten gesägt und die Trägerplatten auf die Rechtecke geklebt. So hatte ich saubere rechte Winkel und eine gute parallele Führung am Fräsanschlag.
Dann einfach mit einem 8mm Nutfräser die schlitze entlang des Anschlages gefräst. Um die Verfahrwege, am Fräsanschlag, zu deffinieren, habe ich mir einen einfachen Anschlag aus einem Stück Holz gebastelt, den ich mit einer Schraubzwinge befestigt habe.
Im zweiten Schritt habe ich mit einem 35mm Nutfräser die Einfräsungen für die Nutensteine und die Schrauben gemacht
Da ich am Frästisch einen verstellbaren Anschlag mit Skala habe, war das eine recht einfache Übung.
Das größte Problem war tatsächlich, dass die Einfräsung mit 35mm Durchmesser schon fast das obere Ende des machbaren für meine kleine Fräse darstellt.
Eine Drehzahlregulierung der Fräse ist unbedingt erforderlich!
Leider habe ich komplett vergessen vom Fräsvorgang Bilder zu machen.

32 Schlitze.JPG


33 Anordnung.JPG

Alles zusammengeschraubt und dieser Teil der Arbeit ist abgeschlossen.
34 Produkt.JPG
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon nattes » So 22 Nov, 2020 21:20

Oh! Sorry! da bin ich dir wohl in die Parade gefahren. :oops:
Kann jemand meinen Beitrag verschieben? :omg:
Bild
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 22 Nov, 2020 21:34

Soft Taschen Optimierung Känguru-Beutel
Nachdem die Koffer Befestigungen fertig sind, kommt als nächster Schritt, die Anfertigung des Känguru Beutels.
Als Grundmaterial verwende ich 1000er Cordura dazu brauchte es an Material noch Reflexband, Gurtband (25mm) Leiterschnallen, verstellbare Steckschnallen ( 25mm ), Kabelbinderband (also sowas )
https://smile.amazon.de/gp/product/B077 ... UTF8&psc=1
und G Haken.
Also sowas:
https://smile.amazon.de/gp/product/B07Y ... UTF8&psc=1
Vorab.
Diesen Teil des Gebastels empfand ich als wesentlich anspruchsvoller und komplizierter als die Trägergeschichte.
Wie beim letzten Mal beginnt alles mit Schablonen.

02 Formmuster.JPG

Die Schablone bildet die tatsächliche Größe des „Beutels“ ab. Damit ich die zwei Teile aus denen er besteht miteinander vernähen kann, muss wie immer bei Textilarbeiten, ein Überstand geschaffen werden. Also stellte ich noch eine größere Schablone her.
03 Vergrößerung.JPG


04 Formmuster und Schnittmuster.JPG

Dann beginnt der Übertrag der Schnittmuster auf das Cordura
05 gezeichnet.JPG

Als Material für Schablonen eignen sich übrigens hervorragend abgelaufene Werkstattkalender aus der Nachbarschaft.
06 wer ist denn das.JPG

Dann die Teile ausschneiden und auf die geplanten Außenseiten, die Reflexstreifen aufnähen.
07 Cordura ist geduldig.JPG


08 leuchtende Ersatzhände.JPG

Hier begannen schon die Probleme Cordura und sonstiges beschichtetes Material zu vernähen ist nicht ganz einfach. Es hat einige Zeit gedauert bis ich eine Nadel/Faden Kombination gefunden hatte, die, bei der mir zur Verfügung stehenden, „normalen“ Haushaltsnähmaschine, zu einem halbwegs tauglichen Ergebnis führte.
Die Verwendung von Klebestreifen als dritte Hand vereinfachte das Ganze nicht unbedingt…..
Als nächsten Schritt:

09 malerisch.JPG

Anzeichnen der Näh-Konturen
10  doppeltes Spiel.JPG

Hier sind die beiden Teile, die zusammen einen „Beutel“ bilden.
Die Querstriche die zu sehen sind, markieren die Stellen an denen die Befestigungsriemen zum Festschnallen an den Magadan Taschen vernäht werden müssen.
Auf dem Bild gut sichtbar, die Schwierigkeiten die es bereitet das Kunststoffzeug zu vernähen. Da die Nähte jedoch nur zum Reflexstreifen gehört und auf der Außenseite gut aussah, habe ich sie so gelassen.
Weiter geht es mit dem zurichten der Bänder und Schlaufen. Das wichtigste Werkzeug hierbei neben der Schere,
11 es schmilzt dahin.JPG

das Feuerzeug.
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon schnupfhuhn » So 22 Nov, 2020 21:51

Hübsche Kurven schneidest Du da... :weg:

Beim Zusammenkleben von Flächen nicht zu viel Klebeband benutzen. Sonst bekommt ihr die Teile nicht mehr zerstörungsfrei auseinander


Alten Trafo nehmen, den Kupferdraht runterwickeln, beide Enden ca. 5x um ein Stückerl Holz. Mit der Garotte schneidest Du die Teile am Tape auseinander
oder den großen Spiegel von der Schrankwand vom Sperrmüll... hoffe das war jetzt nicht zu OT, ist ja knowhow.
:-) Putzt die Rahmen und stellt sie bereit! :-)
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Uwe Steinbrecher » So 22 Nov, 2020 21:52

Alles ist vorbereitet
12 Schlaufen und Bänder.JPG

Und jetzt beginnt das zusammennähen.
13 Verschlusssache.JPG

Das Nähen ist gar nicht so anspruchslos. Zuerst habe ich die Bänder und Schlaufen verkehrt herum eingelegt. Dann bis auf ein Segment ringsum die angezeichnete Naht genäht.
Anschließend das Ganze auf Links (in dem Fall Richtig rum) gezogen, Die Naht zu Ende geführt.
Und zuletzt noch einmal eine komplette Naht ganz dicht an der Außenkante ringsum.
Lässt sich alles deutlich leichter schreiben als Nähen. Spätestens an den Stellen, an denen noch die doppelten Riemen ins Spiel kamen, war der Spaß begrenzt.
Doch am Ende:

14 Ergebnis.JPG

Der nächste Teil der Arbeit war die Bearbeitung der freien, langen Riemenenden.
Ich habe beschlossen dass ich das Geflattere mit zu langen Riemen nicht haben möchte.
Deshalb habe ich die Riemenenden umgenäht und anschließend Streifen des Kabelbinderbandes an die Enden genäht. Bei dem Kabelbinderband ist noch zu sagen, dass es zwei verschiedene Qualitäten gibt. Eine davon ist in der Mitte so klebrig wie doppelseitiges Klebeband. Dieses lässt sich fast nicht vernähen, weil die Nadel verklebt.
Hätte ich mal das andere gekauft…….

15 verendet.JPG


16 streifenweise.JPG


17 haftbar.JPG

Jetzt kann ich die Riemenenden einfach aufwickeln und die Klettstreifen umschlagen. Schon sind die Riemen schön stabil gekürzt.
18 verwickelt.JPG

Auch bei dieser Taschenerweiterung war die Vorgabe: Keine bleibende Veränderung an der Tasche.
Die Befestigung der „Beutel“ erfolgt also ausschließlich mit Steckschnallen und den G Haken
Die fehlenden Laschen und Riemen habe ich ja schon beim „Plattenbau“ mit berücksichtigt.

19 es lebe das Känguru.JPG

Damit ist das Projekt Soft Taschen Optimierung für mich abgeschlossen. Wie sich das Ganze im richtigen Leben macht, wird sich zeigen. (Ich werde berichten.)
Bleibt zum Schluss nur noch eine Frage.
Was wiegt das ganze eigentlich? Bzw. wieviel genau sind die Taschen jetzt schwerer als vorher?

20 maßnahme.JPG


21 gewichtig.JPG

Meine Magadan Taschen wiegen inclusive der dicken aus LKW Plane gefertigten Innentaschen serienmäßig runde 5 Kg
Nach meinen kompletten umbauten wiegen beide Taschen inklusive Halterungen, allen Riemen, Schnallen Haken und der Schraubschellen mit Halteplatte komplett 8,56 Kg. (Ich hab auch noch mit einer digitalen Waage gemessen.)
Damit habe ich eine Gewichtzunahme von ca. 3,5 Kg durch meinen Umbau. Das ist nicht wenig. Zumal ein Kofferträger jetzt zwingend erforderlich ist. Das bringt weiteres Gewicht.
Wohl eher nicht der richtige Weg für die TET oder für Leichtbaufetischisten.
Für eine Reiseenduro, hoffe ich wenigstens, jedoch verschmerzbar. Geplant ist es die Taschen an meiner nächsten Maschine zu verbauen. Die KTM soll ja gehen.
Dann werde ich auch sehen, wie sehr mich der zweite, diesmal wirkliche Störfaktor belastet.
Konstruktionsbedingt werden die Taschen jetzt deutlich höher am Träger montiert als vorher.
Ich hoffe dass sich das nicht allzu störend auswirkt. Auch beim Querpacken von Rollen kann das blöde werden.
Aber ob es taugt oder nicht, wird die Zeit zeigen und ist ja auch gar nicht Zweck dieses Freds.
Ich hoffe ich konnte euch unterhalten und evtl. nimmt der Eine oder andere ja eine Idee mit, die nützlich ist.
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Myke » Mo 23 Nov, 2020 10:27

danke für die anregungen !
ich habe mir auch gedanken gemacht, was da so realisierbar ist. zur zeit greife ich auf hardcase lösungen zurück.
als radfahrer dachte ich eine variante an, welche ich noch nicht, probehalber, realisiert habe.
da ich den radsport semiprofessionell betrieben habe, bin ich an eine schuh-pedal bindung gewöhnt. bei meinen bindungen (shimano) schätze ich die unlösbare z-achsen bindung. x und y sind durch verdrehen lösbar, und das in der stärke einstellbar. naturgemäss sind diese wettkampfkomponenten extrem belastbar und gewichtsoptimiert. ich hatte den gedanklichen ansatz, so eine,modifizierte bindung an ein trägersystem zu montieren, mit rückenversteiftem soft luggage mit eingeschraubten cleats. (der teil am radschuh, welcher die verbindung mit dem pedal sicherstellt.)
das könnte eine sichere, belastbare, einstellbare und in notfällen leicht lösbare bindung des gepäckstückes ans krad gewährleisten.
nur so ne idee. :idea:
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Dreckbratze » Mo 23 Nov, 2020 18:13

och,eigentlich ganz einfach :omg:

Bild

Bild

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:lol:
die optimale kurvenlinie ist aussen-innen-aussen und nicht oben-unten-platt...
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Dreckbratze » Mo 23 Nov, 2020 18:14

oh, entschuldige, sollte ne pn werden :oops:
die optimale kurvenlinie ist aussen-innen-aussen und nicht oben-unten-platt...
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Laternenschrauber » Mo 23 Nov, 2020 18:25

Da passt doch noch was drauf.

Bild
Erfahrung verhält sich proportional zur Masse des zerstörten Materials. Bild
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Re: Gepäcklösungen: Wie Genau? DIY

Beitragvon Myke » Mo 23 Nov, 2020 18:36

sehr vornehm, der hr. v. bratzerich. die gepäckfarbe immer aufs krad abgestimmt. :smt005
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