von Roll » So 24 Jun, 2012 03:41
Großer Jammer! oder eine Anleitung, wie man für 31 km 3 h braucht:
Man nehme eine Geburtstagsgrillerei, garniere sie mit dem Ansinnen, morgen zeitig aufzustehen um zum ClubCross im Odenwald zu fahren und mache sich daher so um Mitternacht auf den Heimweg, gemeinsam mit einem Soloisten. Motor der AKT startet problemlos, hört sich recht gesund an, scheint gut Kompression zu haben. Ölt immer noch bei hohen Drehzahlen zur Kurbelgehäuseentlüftung raus, also öfter mal Öl checken. Inzwischen sind wir bei 3 mm über Minimum, da ist was faul.
Sodann
- lasse man sich an der Ampel von einem Dosisten zurufen, die Karre qualme extrem nach hinterrücks
- biege man zackig ab in einen GasthofHof und stelle den Motor ab
- bemerke man einen komplett verölten Beiwagen, bis raus auf die äußere Reifenflanke des SW-Rads
- freue man sich über die umfassende Konservierung des restaurierten Mopeds
- begrüße man freudig den neuen Tag, der sicher neue Überraschungen bringen wird
- behirne man die Möglichkeiten: Ausnutzung Schutzbrief, Selbstheimholung per Pickup oder per Sprinter eines Freundes,
der sich auf besagter Feier befindet, allerdings mit dem Mountainbike
- entscheide man sich in diesem Präzedenzfall für Pannenhilfe, wofür zahlt man schließlich
- höre man entspannt, daß des Solisten Visier unter Vollverölung leide
- warte man 10 Minuten, bis sich die Musikuntermalung der Hotline gegen einen Ansprechpartner tauscht
- erkläre man das Problem und erörtere die Möglichkeiten. Wunsch: Abschleppung nach Hause. Sofortig mitgeteilt:
Gespann!, kein Solomoped für die Abschleppbrille
- nach Wunschentsprechung schicke man den Soloisten (Möglichheimbringer) frohgemut nach Hause
- nehme man 5 Minuten später den Anruf des Abschleppers entgegen, der erklärt, er könne zwar das Moped einsammeln,
aber nicht nach dem Bestimmungsort verbringen, da er kein Personal habe
- verbleibe man mit dem gebietsmäßig vertraglich gebundenen Abschlepper so, daß man das abklären möchte
- freue man sich, daß etlich selbsthelfende Möglichkeiten ausfallen, da der Soloist aufm Moped sein Mobilfon eh nicht
hören wird, während die Ölflecke unterm Moped sich zu einem kleinen See versammeln
- stürze man sich relaxt in die Warteschleife des Schutzbriefausstellers
- erkläre man diesem nach weiteren 10 Minuten Rotzmusik das Problem und bitte um einen anderen Pannenhelfer
- freue man sich, daß dem Wunsch entsprochen wird mit dem Hinweis, daß der andere Abschlepper einen Zuschlag von
20-30 Euro für Mehrkilometer verlangen wird, da sein Vertragsgebiet überschritten wird; dies aber erstattet werden
würde nach Einreichung
- wanke man quer durch die Stadt und kapere einen Geldautomaten seiner Wahl
- nehme man den Anruf des 2tHelfers entgegen, der als DIE sofort nachfragt, wohin das gehen soll und dann verspricht,
zurückzurufen
- die dann nach 10 Minuten zurückruft und erklärt, daß ein Zuschlag von 224 Euro fällig werde
- geschockt über die 10mal höhere Kostenansage als die vom Schutzbriefler, erkläre man, dies abzuklären - die Helferine
ist etwas unwirsch und und behauptet, sich nicht ewig die Nacht um die Ohren schlagen zu wollen
- rufe man den Schutzbriefaussteller erneut an und erreiche ihn nach guten 10 Minuten auch. Erkläre dem die Situation
und erfahre, die Dame hätte wohl nicht mehr Alle. Schließlich sei sie auch Vertragspartner, nur mit einem anderen
Gebiet. Er würde selbige anfunken und sich zurückmelden
- höre man sich Minuten später dessen Funk an, der besagt, der Zuschlag sei wohl rechtlich so möglich, man bekäme ihn
aber erstattet, er hätte bereits in den Statuten nachgesehen. Überhaupt hätte er jegliche Freikilometer freigegeben
- höre man sein Mobilfon funken und fürchte um den Ladezustand, beruhige sich aber, da ja der 12Volt-15W40-Kanister
an veröltem Bord befindlich ist, samt Ladekabel
- merke man nach Annahme des Gesprächs mit dem Soloisten (der inzwischen zuhause ist), daß die
ÜberNachtschnellreichwerderin zweimal angerufen hat.
- würge man das Gespräch mit ersterem also ab und nehme den Anruf der schlaflosen Havariemillionärin an
- frage man sie, ob sie denn schon unterwegs sei, denn man wolle nach Hause und der Schutzbriefi hätte behauptet, sie
sei schon auf der Strecke
- nehme man äußerst gelassen zur Kenntnis, daß sie fragt, ob sie jetzt eigentlich losfahren soll
- erkläre man ihr tiefenentspannt, daß man eigentlich gerne schon zu Hause wäre und sie erwarte
- betrete man die ShishaKneipe neben dem Havarieplatz und bestelle einen Kaffee ohne und einen Averna
- lasse man den Averna nachfüllen, obwohl einem nach einer Flasche Scotch wäre
- bezahle man, gehe raus und rauche die x-te Zigarette
- warte, warte, warte man und sehe nach guten 30 min eine Erscheinung - der Abschleppwagen. Die Schlepperine (die
20 km vom Pannenort in der Pampa beheimatet ist: "Mein Navi hat mich derart im Kreis rumgeschickt..."
- nein, nicht daß man sie gefragt hätte, ob sie wisse, wo man stehe und man es gern erklären könne (ich bin ja nur 4,5
Jahre Taxi gefahren in dem Städtchen früher), nein...
- lade man auf und navigiere die Abschlepperin auf dem kürzesten Wege gen Heimat
- wundere man sich nicht, als diese nach 2 km behauptet, hier ja überhaupt garnienicht jemals gewesen zu sein
- unterhalte man sich mit ihr über ein ihr nahegelegenes Hotel, den ihr bekannten ("erst vorher am Stammtisch") eigenen
ExNachbarn mit zweifelhafter Vergangenheit (11 Jahre Knast wegen Betrug, Brandstiftung und diversem anderem), den
umkreisig bekannten Mopedgastronomen und Mopedheftlesschreiberling, ihr Solomoped etc.etc.
- entnehme man dem Gespräch, daß es durchaus nachvollziehbar sei, daß der Konkurrent Personalengpässe habe - sein
Vater sei im Urlaub!
- plündere man auf dem Weg seine Hausbank
- gelange man an, lade ab, bezahle den Zuschlag
- verbringe man das Havariemoped aka AKT in seinen Stall, um es da fertigtropfen zu lassen
- schreibe man die Geschichte nieder, " wie schaffe ich 31 km in 3 h"
- bereite man sich mental schon mal vor auf die Extrahierung des Motors und Folgenerven