Aus der beryhmten Reihe "Geschichten die das Nordwandgesicht schufen" heute: "Das Wintersolo"
Beim Frühstück noch einmal ein Blick auf die Wettervorhersage. Nicht so toll: Minusgrade und Schneefall. Eine leichte Leberkässemmel gefolgt von einem Cappaccio aus Schweinskopfsülze und die Basis ist geschaffen. Die erste schwere Tour nach den Weihnachtstagen steht an.
Am Einstieg die Ausrüstung angelegt. Der Klettergurt spannt etwas; war doch etwas viel der Ente mit Kloß zur Weihnacht. Seis drum; bei der Solotour wird eh nicht gestürzt.
Am Einstieg schon leichter Schneefall; schnell noch den Handfeger mit einer Reepschnur an den Gurt gebunden und den leichten Einstiegskamin empor. Der Schneefall nimmt minütlich zu. Die Sonne ist nur noch schemenhalt zu sehen. An der Luke zur Schlussplatte trifft mich der tobende Wintersturm mit voller Macht. Eiskristalle schleuderts auf meine Wangen; Nadestiche sind eine Erholung dagegen.
Das Seil vereist zusehens. Die Selbstsicherung rutscht nur noch durch; ein Sturz und nichts würde halten.
Die Ausstiegsplatte: Den Schnee kann ich noch mit dem Handfeger wegräumen, aber darunter blankes Eis. Die Schuhe finden kaum Halt und ich muss die Handschuhe ausziehen, um mich an winzigsten Griffen mit blaugefrohrenen Fingerspitzen in Zeitlupe emporzuziehen. Mehrfach komme ich ins Rutschen, kann mich gerade so noch retten. Der Film des Lebens läuft mehrfach ab. Was treib ich hier nur?
Am Gipfel tobt der Sturm; die Gipfelzigarette raucht der Wind, Gedanken und Bilder von schwarzen, erfrohrenen Fingern und Zehen geistern durch meinen Kopf. Abstieg!
Beim letzten Seilabziehen noch eine ausgelöste Schneelawine, das Geraffel zusammengepackt und mit letzter Kraft nach Hause.
Wieder mal knapp überlebt und eine tiefe Furche mehr im Nordwandgesicht.
So, damit ist die Satellittenschüssel wieder eingestellt und der Komunikationstöter kann wieder laufen.
OllY



