Hallo,
nach 400 km ein erstes Fazit:
Zunächst stand ich dem Eisenhaufen je recht skeptisch
gegenüber, hat es doch so garnix mit meinen anderen
Krädern gemein.
Meine SR hat einen breiten Lenker, der zwar auch noch unten
gekröpft ist, aber eben sehr beit ist und zum gemütlichen
Fahren einläd. Zudem einen Sitz, welcher a. schwarz ist
und b. auch Schaumstoff unter seinem Kustleder hat.
Mein Gespann ist da noch gemütlicher, sagt es ja schon
ein fröhliches "hier komm ich" aus wenn man derherkommt.
Es taugt auch mal für einen Einkauf.
Da stand ich nun vor dem amerikanischen Traum aller
junggebliebenen Familienväter und Altrevoluzzer.
Als dann das Nummernschild montiert und das Öl aufgefüllt
war, wurde mir schon mulmig.
Wie kann ich mir sowas antun, der Sitz, die Sitzposition
Kein Wunder, daß da kein TÜV Mensch fahren will.
Aber es gibt kein zurück mehr, raus auf die Straße, mein
Spetzl will heim.
Dann lassen wir die mal an, die Ladung der im Winter neu
eingebauten Batterie reicht aus, um dem Monster mal ein
Husten zu entlocken. Ein paar Umdrehungen weiter und
die unter dem zarten Namen bekannte "Espressoglide" erwacht
zum Leben.
Dann mal drauf mit mir. Schnell merke ich, daß meine
mit allerlei nützlichen Dingen gefüllten Jackentaschen
dem Fahren im Weg sind. Nachdem dieses Hindernis aus
dem Weg ist lege ich mal den ersten Gang ein, schiebe
dann meinen rechten Fuß unter den Oberschenkel auf
die Fußraste und lasse sanft die Kupplung kommen.
LmaA da bin ich ja schon am Ende der Straße angekommen
und hab noch nicht mal meinen zweiten Fuß in die
Jockey Haltung bringen können.
Nun gut, nach der dritten Abzweigung geht es mal 2km zur
Tankstelle (ja Der Tank ist leer) und der Fuß kommt hoch.
Aha, schalten geht ja auch in der Stellung...
Jedenfalls errege ich an der Tanke alleine soviel Aufsehen,
wie ich es nur bei der Sölkausfahrt in der Rotte gewöhnt bin.
Aber wegen meines grimmigen Blickes, den ich immer habe, wenn
ich mich auf eine Sache stark konzentrieren muß, blieben
mir so Fragen wie "was ist denn das?" oder "wie alt ist die denn?"
erspart.
So, jetzt aber, es steht mir eine 60km Heimreise bevor, auf
Strecken, wo ich jeden Stein und Asphaltklumpen mit Vor- und
Nachname kenne.
Nun durfte ich feststellen, daß sich 230kg+xxxkg doch recht
leicht beschleunigen lassen können. Jedenfalls war ich noch nie
so schnell den ersten Berg oben.
Die Kurve, welche oben dann rechtrum geht, war dann aber schon
die erste Erfahrung. Läßt sie sich doch einfach nicht um die Kurve
werfen. Nein sie will einfach geradeaus. Ich habe noch nie ein
Motorrad dermaßen in die Kurve zwingen müssen wie dieses.
Jetzt verstehe ich auch den Sinn des glattpolierten Holzsitzes
Auf dem rutscht der Popo fast wie von selber von links nach rechts
und zurück, denn einfaches in die Kurvedrücken reicht da nicht.
Kurz nachdem ich mir gedacht habe, jetzt habe ich den Dreh raus
und das erste Grinsen, behufs des absolut überdimmensionierten
Drehmomentes, in meinem Gesicht erschien, war die erste
Runde schon vorbei.
Gestern bin ich dann mit ihr in die Arbeit gefahren und wer den
münchner Berufsverkehr kennt (den um 6:30h), weiß wie
schweißtreibend das war. Nie wieder, aber ich wollte ja am Nachmittag
eine kleine Runde drehen.
Nach der Arbeit dann rauf auf die Kiste, nicht ohne meinen zahlreich
anwesenden Arbeitskollegen ein Servus zu winken. Der in solchen
Situationen klassische Motorabwürger blieb zum Glück aus.
Dann bin ich tief in den münchner Osten vorgedrungen. So ohne
Ampeln läß es sich gut fahren und macht einen rießen Spaß. Die
ungemütliceh anmutende Sitzposition nebst Sitz haben keine
Auswirkungen auf das Wohlgefühl des Fahrers, auch nach ein
paar Kilometern.
Wenn es dann aber wieder Richtung Heim geht und man an der
ersten Ampel steht, meint man gebraten zu werden. Liegt man
doch quasi mit dem Bauch auf dem Motor und der Po-Auspuffabstand
ist auch nicht gerade als großzügig zu bezeichnen.
Was mich aber dann sehr wunderte war die Tatsache, daß, nachdem
ich mich bei einer Baustelle und einem Unfall, vormogelte,
mich jeweils die Herren und Damen in grün-oliv mit einem freundlichen Lächeln vorbeiwinkten.
Entweder hatten die Mitleid, Angst oder einfach nur Spaß.
Grüße
MB